Historie Der Charme alter Produkte zieht immer noch

Seit 60 Jahren ist in Essen Designgeschichte zu sehen. Das würdigt nun eine Sonderausstellung.

Wo die meisten Trabis und Puhdys-Platten gekauft werden
Die meisten Trabis wurden auf Ebay zwischen September 2013 und August 2014 in Rodewisch in Sachsen verkauft. Die Karte zeigt die Verteilung der Käufe: je kräftiger die Rotfärbung, desto mehr Trabis wurden in der jeweiligen Region verkauft. In den blauen Flächen gab es nur einzelne Verkäufe, bei den grauen Arealen keine Verkäufe. In den letzten 30 Tagen (Stand 6.11.) wurden bei Ebay 64 Trabis verkauft, wobei der durchschnittliche Verkaufspreis 607,47 Euro betrug. Der teuerste Trabant wurde für 4511 Euro verkauft. Quelle: REUTERS
Das DDR-Sandmännchen zählt zu den Ebay-Bestsellern. 161 DDR-Sandmännchen wurden in den letzten 30 Tagen bei Ebay verkauft, wobei der durchschnittliche Verkaufspreis 9,34 Euro betrug. Im vergangenen Jahr wurden die meisten DDR-Sandmännchen an Käufer in Velten und Oberkrämer in Brandenburg verkauft. Quelle: dpa
Kein Sandmann ohne Begleitung von Schnatterinchen, Pittiplatsch  und Moppi. In Menge gesehen wurde Pittiplatsch am meisten verkauft, gefolgt von Schnatterinchen und Moppi. Die Pittiplatsch-Fankarte zeigt, dass die meisten Käufer im Osten  leben. Doch auch im früheren Zonenrandgebiet und selbst im tiefen Westen konnten sich einzelne Pittiplatsch-Hotspots etablieren. Quelle: dpa Picture-Alliance
Ein großer Renner beim Online-Auktionshaus sind die Motorroller von Simson. Insgesamt 20.104 Schwalben werden aktuell bei Ebay angeboten. In den letzten 30 Tagen wurden bei Ebay 12.275 Simson Schwalben verkauft. Die meisten Schwalben wurden im vergangenen Jahr an Käufer in Apolda in Thüringen verkauft. Auch hier zeigt die Karte die regionale Verteilung der Käufe von grau (keine Käufe) über blau/lila bis zu rot (65 bis 700 Verkäufe). Quelle: Gemeinfrei
Neben motorisierten Fahrzeugen erfreuen sich auch die Ost-Fahrrad-Marken wie Mifa und Diamant großer Beliebtheit. 604 Mifa- und 655 Diamant-Fahrräder wurden bei Ebay In den letzten 30 Tagen verkauft, wobei der durchschnittliche Verkaufspreis der Mifa-Räder mit 45,58 Euro höher lag als der der Diamant-Räder (24,78 Euro). Quelle: dpa
Käufer in Wesseling in Nordrhein-Westfalen investierten im vergangenen Jahr am meisten in Artikel der Rockband  Puhdys. Die meisten Artikel, seien es CDs, Schallplatten oder Musikcassetten der Puhdys, wurden an Käufer in Berlin verkauft. Die Karte zeigt aber auch, dass es längst auch in Schleswig-Holstein Puhdys-Fans gibt. Quelle: dpa
Die „West-Marke“ Adidas ist 25 Jahre nach dem Fall der Mauer im Osten ähnlich beliebt wie in den alten Bundesländern. Rote und blaue Areale sind auf der Karte ähnlich verteilt. Der größte Umsatz mit Adidas-Turnschuhen wurde im vergangenen Jahr durch Käufer in Schwedt an der Oder in Brandenburg generiert. Die meisten Adidas-Schuhe wurden an Ebay-Käufer in Schwerin/Umland verkauft. Quelle: dpa

Es war das Jahr, in dem der millionste Käfer vom Band lief und der Begriff Wirtschaftswunder zum geflügelten Wort wurde. Ein Jahr, in dem die Bundesrepublik am Anfang des europäischen Nachkriegsbooms stand – und in Essen ein Stück deutscher Designgeschichte begann.

1955 war Alfried Krupp von Bohlen und Halbach erst seit zwei Jahren wieder Chef des Stahlunternehmens. 1947 in den Nürnberger Prozessen unter anderem wegen Sklavenarbeit verurteilt und 1951 begnadigt, wollte der Industrielle beweisen, dass Stahl auch für friedliche Zwecke eingesetzt werden kann.

Daher ließ Krupp 1955 in der Villa Hügel die „Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse“ aufbauen.

Die entsprechenden Ausstellungsstücke wählte eine Jury aus. Darunter: eine Revolverdrehbank von Gildemeister, der Raumofen Airotherm von AEG und das Essgeschirr Arzberg 2000. Sie wurden entweder als Exponat oder als Foto in dem monumentalen Bau oberhalb des Essener Baldeneysees gezeigt.

Die Form von Produkten verändert sich ständig

Doch Krupp verfolgte auch ideelle Ziele: „Die Förderung des Designs war auch als Volksbildung gedacht, um den Menschen gute Gestaltung nahezubringen“, sagt Peter Zec, seit 1991 Chef des international renommierten Design Zentrums Nordrhein- Westfalen. Die Einrichtung hat zusammen mit dem Ruhr Museum eine Sonderausstellung vorbereitet, die ab dem 29. Juni in Halle 5 der Zeche Zollverein zu sehen ist.

Der sperrige Titel: „Dauernde, nicht endgültige Form“. Ein Zitat der deutschen Journalistin Clara Menck, die damit Krupps Schau beschrieb. Der Titel spiegelt die Idee wider, die die Industrielegende Krupp schon 1955 beschäftigte: Die Form von Produkten verändert sich ständig. 59 Exponate, die bereits damals gezeigt wurden, haben die Ausstellungsmacher als Original auftreiben können. Zu sehen sind der Diamond Chair von Knoll, ein Tischfernsprecher von Siemens & Halske und eine Ersatzradkappe von Volkswagen inklusive Werkzeug namens Hazet-Tourist. Sie belegen gut die Hälfte der Ausstellungsfläche.

Die schönsten deutschen Produkte
Commuter von Canyon Quelle: PR
sqUeezed von Heike Wal Quelle: PR
Digitalkamera T von Leica Quelle: PR
Dakota D030 von Maxguard Quelle: PR
Care-O-bot 4 von Fraunhofer IPA und Schunk Quelle: PR
Complete Smart von Leitz Quelle: PR
TAN-Generator tanJack Bluetooth von Reiner Kartengeräte Quelle: PR

Prominenter Blickfang in der Mitte der Halle ist ein Mercedes 300 SL, der vom Mercedes-Benz Museum in Stuttgart als Leihgabe drei Monate lang in Essen steht. Eine Leiste mit Fotografien zeigt die Nachfolgemodelle in der Profilansicht. Der eindrucksvolle Beleg dafür, wie sich der Geschmack und die Kultur in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat – selbst bei einem Produkt, das sich immer wieder auf sein Original zu beziehen versucht.

Viele Exponate, etwa der Salzstreuer Max und Moritz von WMF, werden bei Besuchern Erinnerungen an die vermeintlich guten alten Zeiten wecken, andere gleichen Geräten der Gegenwart. Zum Beispiel das Röhrenradio SK1 von Braun, das der ersten Generation des Apple iPod ähnelt. Für damalige Verhältnisse ist das Design extrem zurückhaltend. Doch die Gebrüder Braun brachten es 1955 auf den Markt, weil sie fest daran glaubten, dass sich der Geschmack der Deutschen geändert hatte und sie sich im Haushalt schlichte und zweckmäßige Gegenstände wünschten.

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