IFA Virtual Reality für die Ohren

Bisher galt Surround-Sound als Gipfel des Klangerlebnisses. Doch nun sorgt ein neues Audio-Format für eine noch bessere Qualität des Musik- und Filmgenusses im Wohnzimmer: 3D-Sound gehört zu den beeindruckendsten Neuheiten auf der IFA.

Yamaha YSP 5600 Quelle: PR

Das vermutlich am meisten unterschätzte Exponat der diesjährigen IFA findet sich auf dem Messestand des japanischen Elektronikspezialisten Yamaha. In einem kleinen Glaskasten in Messehalle 1.2 haben die Japaner einen unspektakulär-schwarzen Lautsprecherbalken platziert. Der sieht aus wie ein leicht überproportioniertes Exemplar jener beliebten Soundbars, mit denen Besitzer von Flachbildfernsehern ihren oft akustisch minderbemittelten Bildriesen klanglichen Nachdruck verleihen.

Doch was das YSP 5600 genannte Klangbrett leistet, geht weit über das erwartete Akustik-Upgrade normaler Soundbars hinaus: Ob Musik oder Filmsound, was immer der Yamaha Sound Projector über seine mehr als 40 integrierten Lautsprecher in die Umgebung bläst - der Klang erfüllt den Raum in wahrhaft unerhörter, umhüllender Weise.

Denn anders als bei herkömmlichen Surround-Sound-Anlagen erklingen Sprache, Klänge oder Musik nicht bloß von vorne und hinten, links oder rechts. Im Sound-Raum der Japaner wird dagegen auch das Oben und Unten hörbar. Die Bässe dröhnen unter den Füßen, die Höhen scheinen über dem Zuhörer zu schweben, und dann umkreisen Klänge den überraschten Probehörer plötzlich hörbar hüfthoch.

Was auf der IFA wichtig wird
Die Branche der Unterhaltungselektronik startet kurz vor der IFA in Berlin mit positiven Erwartungen ins zweite Halbjahr. Das Konsumklima befinde sich derzeit auf einem 16-Jahre-Hoch, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu. Auch die Konjunkturerwartung habe Aufwind. Im ersten Halbjahr legte die Branche insgesamt um 2,4 Prozent zu. Wichtige Treiber waren etwa das Geschäft mit Smartphones und TV-Geräten. Kamp erwartet, dass die Entwicklung die aktuell guten Prognosen für das Gesamtjahr noch übertreffen werde. Quelle: dpa
Die IFA in Berlin startet offiziell am 1. September und will wieder eine Fülle an Innovationen und Neuheiten präsentieren. Es gebe in Europa keine größere Messe für digitale Technologien, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker. In diesem Jahr will die Messe erneut viel Raum für junge Start-ups und Innovatoren zur Verfügung stellen. Neu etwa ist das Format IFA Next, das in Halle 26 Forschern und Entwicklern, aber auch Amazons Sprachassistentin Alexa sowie IBM eine Bühne geben soll. Quelle: dpa
Bei den TV-Geräten, traditionell die Aushängeschilder der Branche, stehe bei den Kunden inzwischen die Bildqualität mit verbesserter Auflösung bei den Kaufkriterien an erster Stelle, sagte Kamp. Dahinter folgt der größere Bildschirm. Zudem habe sich eine hohe Ausgabebereitschaft für hochwertige TV-Geräte gezeigt. Der Umsatzzuwachs von 3,1 Prozent im ersten Halbjahr sei vor allem der Abschaltung des analogen Signals in drei Bundesländern sowie dem Umstieg des terrestrischen Signals auf den neuen Standard DVB-T2 geschuldet gewesen. Allein das Geschäft mit Settop-Boxen, die für den Empfang von DVB-T2 notwendig sind, legte um 255,3 Prozent zu. Quelle: dpa
Zum zehnten Mal haben auf der IFA neben der Unterhaltungselektronik auch Hausgeräte, die sogenannte weiße Ware, ihren Platz. Heute sehe man, dass diese Erweiterung eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen sei, sagte Kamp. Seit 2008 belegt das Segment immer mehr Fläche, die Anzahl der Hallen ist von vier auf elf gewachsen. Die Zahl der Aussteller stieg auf das Dreifache. Elektro-Groß- und Kleingeräte profitierten seither zudem von den schnellen Innovationszyklen im Zuge der Digitalisierung der Branche. Im ersten Halbjahr erzielte die Branche zusammen über 6,6 Milliarden Euro Umsatz. Quelle: dpa
Allein die Vielzahl neuer Entwicklungen mache es dieses Jahr schwer, die Trends auszumachen, sagte Heithecker. Ultraflache TV-Geräte werden aber ebenso dazu gehören wie Kameras für 360-Grad-Aufnahmen, 3D-Drucker, vernetzte Heime, Drohnen sowie Fitness-Armbänder und Gesundheitsanwendungen. Quelle: dpa
Flankiert wird die Schau unter dem Berliner Funkturm wieder traditionell mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm sowie Eröffnungsreden prominenter Vertreter der Technologie- und Internet-Branche wie Chengdong Yu von Huawei, dem Fitbit-Gründer James Parker sowie Manager von Microsoft, die über Mixed Reality, Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz sprechen werden. Quelle: REUTERS
Am Rande der IFA vom 3. bis 5. September findet außerdem die Android-Entwicklerkonferenz Droidcon im CityCube statt. Zur der Konferenz werden mehr als 1000 Softwareentwickler und Android-Experten erwartet. Quelle: Presse

Kurz, der Klang erobert die dritte räumliche Dimension.

Der akustische Effekt, den der YSP erzeugt, indem er scharf gerichtete Klangstrahlen in verschiedene Winkel des Zimmers projiziert, die – von dort reflektiert – beim Zuhörer tatsächlich in umhüllendes Audioerlebnis erzeugen, heißt 3D-Audio. Und das ist einer der wichtigsten Technologietrends der Unterhaltungselektronikwelt bei der diesjährigen Internationalen Funkausstellung, die am Freitag in Berlin die Tore fürs Publikum öffnet.

Ab heute bereits zeigen die Aussteller auf Pressekonferenzen, mit welchen Neuheiten, sie die Kundschaft in der zweiten Jahreshälfte begeistern wollen. Und Raumklang der dritten Art gehört ganz zweifellos dazu.

Innovationsschub für den HiFi-Markt

Yamaha ist mit seinem Klang-Projektor nur einer von zahlreichen Ausstellern, die entsprechende Technik zeigen und – vor allem hören – lassen. Ob Denon oder Kenwood, Onkyo, Pioneer oder Sony, kaum ein HiFi-Produzent wird in Berlin auftreten, ohne Verstärker oder Boxensysteme zu präsentieren, die in der Lage sind, den 3D-Klang zu erzeugen.

Die Branche setzt große Hoffnungen auf das neue Sounderlebnis für daheim. Es soll dem traditionellen Geschäft mit HiFi-Systemen zusätzlichen Schwung verleihen. Seit Jahren macht es rund ein Fünftel des zuletzt 1,1 Milliarden Euro schweren Marktes mit Heim-Audio-Systemen aus, das unter anderem auch Bluetooth-Lautsprecher oder vernetzte Streaming-Boxen umfasst. Ein echter Innovationstreiber wie 3D-Sound käme den Herstellern daher bestens zupass.

Das die Technik das Potenzial hat, ist unstrittig. „Der Unterschied beim Klangerlebnis geht weit über den Effekt hinaus, der beim Wechsel von Stereo- auf Surroundanlagen hörbar wird“, sagt etwa Dennis Feilen, Projektleiter beim HiFi- und Heimkinospezialisten Grobi-TV in Kaarst bei Düsseldorf. Wenige Tage vor Beginn der IFA demonstriert er im Hörstudio, was die neuen 3D-Soundsysteme zu leisten im Stande sind. Und tatsächlich ist der Sprung im Klangerlebnis kaum weniger drastisch als der Wechsel beim Autoradio von einem Mittelwellen- zu einem UKW-Sender.

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