IFA Wie UHD die Fernsehwelt erobert - und wo es hakt

Die TV-Branche stellt eine Fernsehtechnik vor, die menschlichem Sehen bei Details, Farbenvielfalt und Kontrastumfang so nahe kommt wie nie zuvor. Noch aber hat der neue UHD-Standard ein gravierendes Problem.

Für Starregisseur Francis Ford Coppola war es eine Frage der Ehre. Jahre nach der Veröffentlichung seines Jugendklassikers „Die Outsider“ begab er sich noch mal ans Schnittpult, um eine neue Fassung des Films zu schneiden. „Meine Enkelin las das Buch in der Schule und wollte den Film sehen. Mir war es peinlich, weil so viel daraus fehlte. Also schnitt ich eine komplettere Version, um sie der Klasse zu zeigen“, begründete Coppola die Neufassung seines Klassikers, die vor wenigen Tagen erst wieder als Director’s Cut im Kultur-Kanal Arte zu sehen war.

Es ist in den seltensten Fällen die Angst vor einer Blamage, wenn sich Regisseure teils Jahre nach der Veröffentlichung daran begeben, ihre Filme neu zu komponieren. Oft wollen sie ihre eigene künstlerische Intention umsetzen. Dann geht es nicht nur darum, Szenen umzusortieren oder gestrichene Passagen wieder einzufügen. Mancher Regisseur feilt sogar noch an Lichtstimmung und Farbdetails, damit der Streifen beim Betrachter die richtige Wirkung erzielt.

Gemessen an dem Aufwand ist, was dann auf dem Bildschirm der Fernsehzuschauer ankommt, geradezu enttäuschend wenig. Nicht, weil der Filmkünstler sein Publikum verfehlt, sondern schlicht, weil die Technik – Digitalfernsehen hin, HD-TV her, und allen Versprechungen der TV-Geräteproduzenten zum Trotz – über Jahre gar nicht in der Lage war, die angedachte Opulenz der Bilder überhaupt wiederzugeben.

Fünf Begriffe zur IFA

Nicht nur zum Verdruss der Regisseure, deren Kunst auf dem heimischen Flachbildschirm anders aussieht als erdacht. Auch der Durchschnitts-Fernsehkonsument ärgerte sich oft, wenn selbst auf teuren Edeldisplays Bilddetails in dunklen Flächen untergingen, Einzelheiten in hellen Bildbereichen überstrahlt wurden oder Farbverläufe nicht fließend sondern fleckig erschienen.

Grund ist, dass der 1990 eingeführte und bis heute gültige Übertragungsstandard für das hochauflösende Fernsehen eine Farbpalette definiert, die nur ein gutes Drittel aller vom Menschen wahrnehmbaren Farben umfasst. Kaum weniger drastisch sieht es beim Kontrastumfang aus. Während das Auge – zwischen absoluter Dunkelheit und gleißendem Sonnenlicht – Billionen von Helligkeitsabstufungen unterscheidet, war beim Heimkino bisher bei einigen Zehntausend Kontraststufen Schluss.

Mit derlei optischer Reduktion soll nun endlich Schluss sein. Wenn in diesen Tagen in Berlin Europas führende Unterhaltungselektronikmesse IFA die Tore öffnet, will die TV-Welt die Besucher nicht nur mit noch größeren Bildschirmen begeistern. Sie will vor allem mit einer bislang ungekannten Farbenpracht und Kontrastfülle faszinieren. Ultra high Definition, kurz UHD, heißt der Begriff, den die Branche für das neue Bilderlebnis definiert hat.

Das Mehr an Auflösung steht nicht nur für die Zahl der Bildpunkte. „Es sind nicht bloß ‚mehr‘, es sind auch ‚bessere‘ Pixel“, verspricht beispielsweise Kai Hillebrandt, Chef von Samsungs Unterhaltungselektroniksparte in Deutschland. Das klingt wie platter Werbesprech, ist aber - technisch betrachtet - absolut zutreffend.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%