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Industrie 4.0 Roboter werden für Mittelständler erschwinglich

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Chatbots im Kundendienst

„Unter Robotern kann man sämtliche Systeme verstehen, die Arbeiten von Menschen übernehmen“, sagt WHU-Wissenschaftlerin Kammerlander. So könnten vor allem Mittelständler, die im engen Austausch mit Kunden stehen, Chatbots, also textbasierte Dialogsysteme, einsetzen. Denn einen Kostenvoranschlag für die Reparatur der Windschutzscheibe oder ein personalisiertes Angebot für eine neue Versicherung zuzusenden, das schaffen moderne Roboter schon heute, wenn sie mit den richtigen Daten dafür trainiert werden. Und gerade kleinere Firmen können so ihre Kosten senken. „Da der Toru weiß, welche Waren wo sind, sparen sich die Unternehmen die Inventur“, sagt Gründer Brantner.

Trotzdem sind die meisten Mittelständler noch zögerlich, wenn es darum geht, ihre Fabriken zu vernetzen. Nur jeder achte Mittelständler nutzt bereits Robotertechnologie im weitesten Sinne, wie aus einer Studie der WHU hervorgeht, für die mehr als 1000 kleinere und mittlere Unternehmen befragt wurden. Knapp ein Viertel der Unternehmen plant, in den nächsten Jahren vernetzte Systeme einzusetzen, weitere 22 Prozent diskutieren darüber.

Die Zurückhaltung hat verschiedene Gründe, sagt Kammerlander. Manche Unternehmen hätten keine klare Vorstellung davon, was die Digitalisierung für das eigene Unternehmen überhaupt bedeutet. Andere fürchteten sich vor zu einschneidenden und riskanten Veränderungen – vor allem in Branchen, in denen es derzeit läuft. „Sie fragen sich: Warum soll man diese Risiken eingehen, wenn’s einem doch gut geht?“, sagt Kammerlander. So verständlich diese Haltung heute sei: Sie könne sich rächen, wenn es der Wirtschaft weniger gut gehe.

Neue Technologien schrecken Unternehmer vor allem dann ab, wenn sie viel Geld kosten. Simon Haddadin ist Chef und Mitgründer des Münchner Start-ups Franka Emika, das einen feinfühligen Roboter entwickelt hat, der auch für kleinere Firmen erschwinglich sein soll. Der Panda, der mit seinem siebenachsigen Armgelenk ein wenig an die Leuchte erinnert, die in Zahnarztpraxen über dem Behandlungsstuhl hängt, kostet dank standardisierter und einfach zu programmierender Bauteile maximal 25.000 Euro. „Das ist ein Bruchteil des Betrags, den ein Industrieroboter üblicherweise kostet“, rechnet Haddadin vor.

Maschinen statt Menschen

Panda lernt schnell. Zehn Minuten braucht er, um zu verstehen, wie man schraubt, rührt oder steckt. Dann kann der Roboter zum Beispiel helfen, um am Ende einer Fertigungsstraße bei Geräten zu prüfen, ob alle Anschlüsse funktionieren. Das Gelernte lässt sich über eine Cloud auf weitere Panda-Exemplare übertragen, ohne diese neu einstellen zu müssen. Steuern lässt sich Panda über eine App. Haddadin glaubt, dass Roboter, die sich leicht bedienen lassen, erschwinglich sind und sich zudem zu größeren Teams gewissermaßen aufstocken lassen, vor allem für kleine Mittelständler interessant sein können: Sein Panda, den er seit November 2017 in Serie produziert, ist derzeit bei etwa 300 Mittelständlern im Einsatz. Etwa bei dem Ein-Mann-Betrieb eines schweizerischen Messerherstellers, dessen Produkte Panda in die Schleifmaschine legt. „Solche sinnentleerten Aufgaben mussten bislang Menschen erledigen“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Horst Wildemann, der das Forschungsinstitut für Unternehmensführung, Logistik und Produktion an der TU München leitet. Die Roboter befreiten Menschen von stupiden Tätigkeiten – und entlasten sie zudem körperlich. Zum Beispiel mithilfe von Exoskeletten, die man sich überzieht und die einen Teil der Last bei beschwerlichen Aufgaben schultern.

Wenn Maschinen statt Menschen Werkstücke und Waren sortieren oder schrauben, dann sinken die Lohnstückkosten um 25 bis 30 Prozent – und liefern den Arbeitgebern ein gutes Argument, langfristig ganz und gar auf Toru, Panda und deren Artgenossen zu setzen. „Ich rechne damit, dass in den nächsten Jahren ungefähr zehn Prozent der Arbeitsplätze in der Produktion und Logistik durch Roboter ersetzt werden“, sagt Wildemann. Wenig verwunderlich also, dass in Deutschland ein drohender Arbeitsplatzverlust der am heißesten diskutierte Aspekt der Automatisierung ist. Auf die Frage, was mit den Menschen in diesen Jobs passiert, muss die Gesellschaft daher noch eine Antwort finden.

Simon Haddadin glaubt, die Roboter könnten Unternehmen davor bewahren, in Niedriglohnländer umzuziehen: „Wir können es uns leisten, den Panda im Allgäu zu produzieren, weil wir einen Automatisierungsgrad von 80 Prozent haben“, sagt er. Roboter produzieren Roboter – und die 35 menschlichen Mitarbeiter in der Fertigung geben Acht, dass alles läuft.

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