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Innovationsforscher Gunter Dueck "Alle fünf bis zehn Jahre die Strategie ändern"

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Warum Anreizsysteme nichts bringen

Worin liegt denn die besondere Schwierigkeit mit Innovationen?

Man muss eine kritische Masse von Begeisterung erzeugen. Die muss so groß sein, dass Kundenbedenken, interne Bereichsinteressen, Altprozesse, Personen und Karrierebedenken besiegt werden, ohne sie sich zu Feinden zu machen. Nur dann wird keine unnötige Energie wegen Widerständen vergeudet.

Woher kommt die hohe Motivation eines Innovators – schaffen sie die klassischen Anreizsysteme in Unternehmen?

Nein, überhaupt nicht. Der Innovator muss selbst so begeistert sein, dass er alle Mühsal auf sich nimmt, weil er für den finalen Erfolg lebt. Sisyphos schafft es doch und freut sich riesig. Anreizsysteme setzen konkrete Meilensteine - doch die lenken echte Innovatoren nur ab.

Die amerikanischen Patentkönige
Platz 15: General MotorsDer global operierende US-Automobilkonzern liegt mit 1626 Patenten im Kalenderjahr 2013 auf dem 15. Platz. Quelle: AP
14. Platz: General Electric:1739 Patente sind die Bilanz des vergangenen Jahres für General Electric. Quelle: rtr
13. Platz: Apple Mit 1775 Patenten klettert Apple auf Platz 13 der Rangliste. Im Vorjahr waren es nur 1136 Patente. Quelle: AP
12. Platz: FujitsuAuf 1806 Patente kommt Fujitsu im Kalenderjahr 2013. Quelle: AP
11. Platz: GoogleDer Marktführer unter den Suchmaschinen rangiert mit 1851 Patenten auf dem elften Platz. Quelle: dpa
10.Platz: LG Electronics1947 Patente bringen LG Electronics aus Südkorea den zehnten Platz ein. Quelle: AP
9. Platz: QualcommDas Forschungs- und Entwicklungsunternehmen für Mobilfunkkommunikation mit Sitz in San Diego schafft es auf den neunten Platz. 2103 Patente sind die Ausbeute des vergangenen Jahres. Quelle: dpa

Ich habe immer versucht, meine Incentives einfach zu vergessen und nur zu arbeiten. Incentives setzen ja immer voraus, dass etwas gelingt. Aber es klappen doch nur zehn Prozent aller Innovationen. Angesichts dieser Statistik müssen einem Innovator Incentives doch lächerlich vorkommen.

Von wem erwarten Sie die nächsten großen Innovationen?

Insbesondere von Google. Ich glaube, die haben eine Vision: Bald gibt es nur noch selbstfahrende Autos, am besten alle als Taxis, keine Privatautos mehr. Stoppen Sie mal die Zeit, die Sie im Auto fahren: Bei mir sind es tagsüber so sieben Prozent meiner Zeit, nachts fast Null. Also: Die Autos werden kaum benutzt. Wenn es nur selbstfahrende Taxis gäbe, die uns auf Befehl des Smartphones abholen, dann kann man mit Sicherheitspuffer vielleicht mit einem Fünftel des heutigen Fahrzeugbestandes auskommen.

Gadgets



Wir brauchen dann nicht mehr so viele Garagen, Car-Ports, Parkhäuser, Parkplätze, Tankstellen, Führerscheine oder Autofabriken. Elektroautos könnte man einfach zentral einführen, basta. Alte Leute können im Dorf weiter leben und müssen nicht ins Heim, weil sie ohne eigenes Auto nicht mehr einkaufen können.

Mit Verlaub, aber das klingt ziemlich abenteuerlich.

Google baut gerade einen Paketdienst nach. Die üben bestimmt bald mit Selbstfahrautos und Paketübergaberobotern. Google ist am Taxidienst Uber beteiligt und baut Selbstfahrautos. Was also glauben Sie, worauf es hinausläuft? Ich beobachte das schon länger und staune, wie groß angelegt und mit wie langer Lernkurve etwas ganz Großes nachhaltig aufgebaut wird. Solche Mega-Aktionen würde ich hier gerne in Deutschland sehen.

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