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Innovationsforscher Gunter Dueck "Alle fünf bis zehn Jahre die Strategie ändern"

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Was sich Innovatoren fragen müssen

Wo können wir denn noch Innovationen erwarten?

Innovatoren können ja einfach beobachten, worüber wir noch stöhnen, weil etwas zu kompliziert wird oder nicht reibunglos funktioniert. Wo sind diese beinahe schmerzhaften Punkte? Oft geschieht aber bei Schmerz auch: nichts. Es gibt zum Beispiel vier Möglichkeiten, Kreditkarten in Schlitze zu stecken – nur eine wird von den Lesegeräten akzeptiert. Wie wäre der Einsatz von Lesegeräten, denen das egal ist? Hat mal einer ausgerechnet, wie viel sinnlose Zeit das an Kassen kostet?

Apple-Produkte, die leider nie entstanden
In seinem Buch "Genial Einfach" berichtet Hartmut Esslinger von seiner Zusammenarbeit mit Steve Jobs und wie dieser das Potential des Designs erkannte. Das Buch zeigt hunderte Skizzen und Bilder von den Ursprüngen der Designs. Im Folgenden eine kleine Übersicht. Hier im Bild: Der Charme von 1982 spricht aus dieser Macintosh-Studie, die aus Faserstoffplatten gebaut wurde. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Diese Studie zeigt das MacBook 1, wie die Designer es sich 1982 vorstellten. Es erscheint aus heutiger Sicht als ein ziemlich dicker Brummer - im Vergleich zu anderen tragbaren Computern der Achtziger ist es aber schon ein zartes Pflänzchen. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Waren Computer damals meist in einem Grau-Beige-Ton gehalten, entstand ab 1982 in der Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Hartmut Esslinger das neue, moderne Farb- und Designkonzept "Snow White" (der englische Name des Märchens "Schneewittchen"). © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Der Entwurf des Apple IIc von 1983 erinnert noch stark an eine Schreibmaschine. Bei diesem Modell wurde erstmals das neue Weiß eingesetzt, was den Computer kompatibler für Wohnräume machen sollte. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Schlanker kommt da schon dieser Entwurf des Macintosh SE von 1983/84 daher. Die Vision eines modernen Keyboards und der Maus zur Eingabe. © Hartmut Esslinger & frog team, Foto: Dietmar Henneka Quelle: Presse
Mobiltelefone waren in den 80er Jahren noch halbe Telefonzellen. Wie unpraktisch, dachte sich schon damals das Apple-Design-Team, und entwarf 1983 etwa diese frühe Version eines Klapp-Handys. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse
Eine frühe Vision eines Tablet-Macs. Dieses Design stammt von 1982. Die Bedienung sollte über einen großen, klobigen Eingabestift funktionieren. © Hartmut Esslinger & frog team Quelle: Presse

Was war oder ist denn für Sie die größte Innovation von Apple?

Das iPad. Bei dem war der Erfolg nicht absehbar. Viele hielten es zum Marktstart für blödsinnig. Aber wenn ich mir heute Leute jenseits der 70 und 80 ansehe: Bei denen bricht fast das Glück aus, dass sie die Technik so einfach nutzen können – und nicht wie bei einem Windows-Rechner schon beim Online-Shopping nach Java- oder Flash-Updates gefragt werden, die sie nur verunsichern. Allerdings war das iPad kein wirklich neuer Traum von Steve Jobs. Dafür braucht man sich nur den Newton anzusehen, den Taschencomputer mit Stift, den Apple unter Jobs Ende der Neunziger auf den Markt gebracht hat. Beim iPad ist nur alles gelöst, was am Newton als Problem gestört hat. Das ging technisch nicht viel früher als 2010: Heller Bildschirm, ausreichend großer Flash-Speicher, WLAN in jedem Haus.

Die 30 kreativsten Mittelständler
Rund 3000 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen zehn Millionen und etwa einer Milliarde hat die Unternehmensberatungsberatung Munich Strategy Group für das WirtschaftsWoche-Ranking analysiert. Für 400 von ihnen haben die Berater nach der Auswertung von Experten-Interviews und Analysen einen Vergleichswert, den Innovations-Score ermittelt. In diesen fließt die Zahl der neuen Produkte und deren Marktchancen ein. Gleichzeitig hat MSG ermittelt, in welchem Maße die Innovationskultur im Unternehmen verankert ist. Die Top 30 der innovativen Mittelständler zeigt die folgende Übersicht. Quelle: Fotolia
Platz 30: VacomUmsatz: 16 Mio. EuroInnovations-Score: 135Das 1992 gegründete Unternehmen Vacom  gilt als einer der führenden Anbieter von Vakuumtechnik. Der Mittelständler aus Jena produziert unter anderem für Unternehmen aus Bereichen wie der Analytik, Elektronik, Optik, Solar- und Beschleunigertechnik. Quelle: Screenshot
Platz 29: Elementar AnalysesystemeUmsatz: 42 Mio. EuroInnovations-Score: 136Ob Kohlen-, Stick- oder Wasserstoff: Die Analyse nicht-metallischer Elemente ist das Kerngebiet des Geräteherstellers aus Hanau (Hessen). Quelle: Screenshot
Platz 28: GK SoftwareUmsatz: 27 Mio. EuroInnovations-Score: 138Das Technologie-Unternehmen GK Software aus Sachsen entwickelt und vertreibt spezielle Computer-Programme für den Einzelhandel - darunter Software für Kassen und Backoffice-Programme. Die börsennotierte Firma wurde 1990 gegründet. Quelle: PR
Platz 27: Walter Rau Neusser Öl und Fett AG Umsatz: 333 Mio. EuroInnovations-Score: 140Fett und Öl - damit verdient das Neusser Unternehmen Walter Rau Geld. Rund 200 Mitarbeiter veredeln pflanzliche Rohstoffe zu Spezial-Fetten für Lebensmittel. Quelle: Presse
Platz 26: WiloUmsatz: 1187 Mio. EuroInnovations-Score: 141Die Dortmunder Unternehmens-Gruppe zählt zu den führenden Herstellern für Pumpen und Pumpsysteme. Mehr als 7000 Wilo-Mitarbeiter arbeiten weltweit daran, Produkte für Wärme- und Klimatechnik sowie die Wasserversorgung zu entwickeln und zu produzieren. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 25: Becker Marine SystemsUmsatz: 74 Mio. EuroInnovations-Score: 144Egal ob Luxus-Jacht oder Super-Tanke: Die Hamburger von Becker Marine Systems sind auf Ruder und Steuerungseinheiten für Schiffe spezialisiert. Das 1946 gegründete Unternehmen hat mittlerweile mehr als 110 Mitarbeiter und Büros in China, Singapur, Korea und Norwegen. Quelle: Presse

Wenn man sich die Historie von Steve Jobs ansieht, war es vielleicht auch gar nicht so kreativ, das iPad auf den Markt zu bringen, sondern nur die Wiederholung des Newton, aber diesmal zur genau richtigen Zeit.

Wie kann es ein Unternehmen denn hinbekommen, immer wieder Innovationen zu schaffen?

Dabei spielt die Unternehmenskultur eine große Rolle. Man muss immer wieder sein Geschäftsmodell in Frage stellen, überdenken und auch unangenehme Entscheidungen fällen. Ein Unternehmen muss in der Lage sein, Wenden in seiner Entwicklung hinzubekommen. Die hohe Kunst der Unternehmensführung ist es, mehrere Wenden erfolgreich zu schaffen. IBM ist dafür ein gutes Beispiel, weil man dort den Wechsel vom Hardware- zum Softwaregeschäft, dann hin zu Services, anschließend zum Outsourcing nach Indien und jetzt zur Cloud geschafft hat. Alle fünf bis zehn Jahre muss man seine Strategie ändern oder zumindest anpassen. Das macht nicht so viel Spaß, man muss steinige Steilwege gehen, viele Jobs und Gewohnheiten sind betroffen. Aber in Zeiten extremer Veränderung zählt das zur Hauptarbeit in der Führung großer Konzerne.

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