iOS- und Android-Konkurrent Mozilla beerdigt Firefox OS still und leise

Erneuter Rückschlag für Firefox-Fans: Die Mozilla-Stiftung stellt die Entwicklung von Firefox OS ein. Der Versuch, ein Betriebssystem für leistungsfähige aber preisgünstige Smartphones zu entwickeln, ist gescheitert.

Smartphone mit Firefox-OS-Betriebssystem Quelle: dpa

Die Web-Seite der Mozilla-Foundation sieht aus, als wäre nichts geschehen. Dabei hat die Stiftung, die hinter der Entwicklung des Firefox-Browsers steht, gerade einen radikalen strategischen Schwenk vollzogen. Am späten Dienstag nämlich machte auf der hauseigenen "Mozlando"-Konferenz in Orlando die Meldung die Runde, Mozilla stelle die Entwicklung des Handy-Betriebssystems Firefox OS ein.

Dass das mehr als Gerüchte waren, hat Ari Jaaski, verantwortlicher Mozilla-Manager für das Geschäft mit vernetzten Geräten, anschließend dem US-Blog Techcrunch bestätigt. "Wir waren nicht in der Lage, das gewünschte Benutzererlebnis zu schaffen und werden daher den Verkauf von Firefox-OS-Smartphones über Mobilfunkanbieter beenden."

Doch auch fast 24 Stunden Stunden später - als wäre nichts geschehen - prangt im Netz unverändert der Slogan "Firefox OS. Entwickelt, damit Sie zur richtigen Zeit bekommen, was Sie brauchen. Holen Sie sich ein Handy". Nun, das ist klar, gibt es dort bestenfalls noch Auslaufware.

Es ist der Rückzug aus einem Geschäftssegment, in das Mozilla vor nur gut zwei Jahren mit großen Hoffnungen gestartet war. "Die nächste Milliarde Smartphone-Nutzer kommt aus den Wachstumsmärkten in Afrika, Asien und Südamerika, aus Ländern, in denen sich die Menschen keine iPhones oder hochgezüchteten Android-Handys leisten können", hatte Andreas Gal, lange Jahre Entwicklungs-Chef bei Mozilla, im Februar 2013 auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress im WirtschaftsWoche-Gespräch gesagt.

Wer im zweiten Quartal 2015 die meisten Smartphones verkaufte

"Die großen Handyplattformen sind viel zu leistungshungrig", legte Gal im vergangenen Frühjahr nach. Ohne viele teure Prozessoren und viel Speicher reagierten die Telefone zäh. „Wir wollen mit Partnern möglichst bald Einsteigergeräte ab 25 Dollar auf den Markt bringen – ohne Subventionen vom Netzbetreiber“, so Gal 2014, der mit seiner Familie – Deutschstämmige aus Ungarn – als Sechsjähriger in den Westen floh.

Seit 2011 hatte der Software-Experte mit seiner Truppe daran gearbeitet, das Konzept des Firefox-Browsers in die Mobilfunkwelt zu übertragen. Statt in Form komplexer Software sollten Anwendungen künftig auch im Handy direkt in einer Art Browser ablaufen. Das machte Telefone preiswerter.

So zumindest die Theorie.

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