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iPad4 Klage gegen Apple: Neues Tablet zu schnell vorgestellt

Dass Apple im vergangenen Herbst das iPad4 vorstellte, hatte viele Kunden verärgert, die sich kurz zuvor das vermeintlich aktuellste iPad gekauft hatten. Nun wird diese Aktion für Apple zum Bumerang.

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Diese Neuheiten hat Apple präsentiert
Strahlend trat Tim Cook am Dienstagabend vor das Publikum in San Jose. Er stellte eine ganze Parade von Neuheiten vor - darunter auch das iPad mini, um das sich zuvor schon wilde Spekulationen rankten. Quelle: dapd
Das neue iPad mini ist wie ein iPad 2. Nur geschrumpft. Es ist 7,2 Millimeter dünn und hat eine Bildschirmdiagonale von 7,9 Zoll (rund 20 Zentimeter). Es ist zwar größer als die Tablets der Wettbewerber im Taschenformat, wiegt aber gerade einmal 300 Gramm. Die Auflösung liegt bei 1024 mal 768 Pixeln, wie beim iPad 2. Das iPad mini beherrscht auf breiter Front LTE-Netze. Alle Apps funktionieren auch auf dem iPad mini. Quelle: REUTERS
Dass nicht Tim Cook, sondern Marketingchef Phil Schiller das iPad vorstellte, war nicht die einzige Überraschung des Abends. Denn neben dem bereits erwarteten iPad mini kommt auch schon eine überarbeitete Version des großen iPad - und das gerade einmal ein halbes Jahr, nachdem das iPad 3 vorgestellt worden war. Quelle: dapd
Das iPad 4 ist ausgestattet mit einem neuen Chip vom Typ A6X und hat dadurch zwei Mal so viel Leistung wie das iPad 3. Es verfügt zudem unter anderem über eine schnellere WLAN-Verbindung und zehn Stunden Akku-Laufzeit. Quelle: dapd
Erste Bestellungen können laut Schiller ab kommenden Freitag aufgegeben werden, im Handel soll das neue Aushängeschild der Apple-Tablet-Sparte ab 2. November erhältlich sein; es soll ab 329 Dollar (circa 250 Euro) zu haben sein. Zum Vergleich: Das iPad 2 von 2011 kostet derzeit in den USA 399 Dollar (rund 300 Euro). Quelle: dapd
Die Preise der neuen iPads im Überblick: 329 Dollar für 16 GB mit Wifi 429 Dollar für 32 GB mit Wifi 529 Dollar für 64 GB mit Wifi 459 Dollar für 16 GB mit Wifi und 3G/LTE 559 Dollar für 32 GB mit Wifi und 3G/LTE 659 Dollar für 64 GB mit Wifi und 3G/LTE Quelle: dapd
Der Einführung eines kleinen Tablets war offenbar ein längerer firmeninterner Konflikt vorausgegangen. Vor allem der verstorbene Unternehmensgründer Steve Jobs soll der Idee lange ablehnend gegenüber gestanden haben. Quelle: REUTERS

Bei der Apple-Produktpräsentation im vergangenen Oktober hatte das Unternehmen eine echte Überraschung bereit: Bei all den Gerüchten rund um das iPadMini wollte niemand so richtig an kurz aufkeimende Vermutungen glauben, dass Apple nur sieben Monate nach dem iPad3 einen Nachfolger präsentieren würde. Zu unwahrscheinlich schien es, dass das Unternehmen sein neues Flaggschiff früher als im gewohnten Jahrestonus erneuern würde. Doch genau das ist im Oktober in Cupertino bei San Jose geschehen, sehr zum Ärger vieler Käufer des iPad3 (“das neue iPad”).

Die Entscheidung Apples scheint nun wie ein Bumerang zurückzukommen. Laut der brasilianischen Zeitung "Jornal do Comerciao" will das Institut für Politik und Recht (IBDI) das Unternehmen für die iPad4-Überraschung verklagen. Der Vorwurf: Apple habe die schnellen Veröffentlichung eines neuen Tablets - und damit die Veraltung des Vorgängers iPad3 - bewusst geplant. Angeblich habe Apple die im iPad4 verbauten Neuerungen bereits mit dem iPad3 anbieten können. Dass der Konzern das nicht getan hat, wird ihm nun als unfaire Geschäftspraxis vorgeworfen. Sollte die Klage vor Gericht bestand haben, könnten iPad3-Käufer in Brasilien Ansprüche geltend machen.

Der Ärger der Apple-Kunden ist verständlich. Erst im März standen sie in langen Schlangen vor den Apple-Shops der Republik, um das neue Tablet zu ergattern. Geliebte iPad2 wurden im Netz für immer noch recht gutes Geld verscherbelt, um das neuste Gerät mit besserem Bildschirm und in den USA auch mit LTE-Datenturbo kaufen zu können. Etwa 30 Millionen iPads der dritten Generation sollen in den letzten sieben Monaten über die Ladentheke gegangen sein. Genaue Zahlen gibt es nicht, da Apple beim Verkauf der einzelnen iPads bei den offiziellen Zahlen nicht unterscheidet.

Damals glaubte wohl kaum jemand daran, dass das „neue iPad“ nur für sieben Monate später nicht mehr das neuste vom neusten sein würde. Von Unternehmen mit dem Betriebssystem Android wie Asus, HTC und Motorola sind schnellere Markteinführungen bekannt – jedoch nicht von Apple. Normalerweise aktualisiert der Konzern seine Produkte alle zwölf Monate: Im Sommer das Betriebssystem, im Herbst das iPhone und im Frühling das iPad. Neue Computer hat Apple im Rückblick seiner Firmengeschichte im Durchschnitt sogar nur alle zwei Jahre präsentiert.

Die Konkurrenz macht Druck

Wie das iPhone entstanden ist
Der Patentstreit zwischen Apple und Samsung führte dazu, dass Apple Prototypen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des iPad und iPhones bekannt gegeben hatte. In der Entstehungsgeschichte dieser Geräte hatte Apple deutlich innovativere und bessere Zeiten erlebt. Quelle: dpa
Der südkoreanische Konkurrent habe die bewusste Entscheidung getroffen, die Apple-Geräte im Detail zu kopieren, sagte Anwalt Harold McElhinny in der Eröffnungs-Erklärung. Als Beleg demonstrierte er den Geschworenen Fotos von Samsung-Geräten vor und nach der Vorstellung des iPhone.
Die Südkoreaner konterten, Apple habe iPhone und iPad auf fremden Ideen aufgebaut und das Design sei gar nicht so innovativ gewesen. Als Beispiele nennen die Südkoreaner unter anderem das zeitgleich vorgestellte „Prada“-Handy von LG und haben sich zuletzt besonders auf eine angebliche Sony-Spur eingeschossen. Im Februar 2006 soll Apple Manager Tony Fadell Steve Jobs und Apple-Chefdesigner Jonathan Ive auf Sonys Designsprache aufmerksam gemacht haben, in der Folge sei der japanische Designer Shin Nishibori mit der Gestaltung von Entwürfen beauftragt worden.
Im Prozess wurden auch viele Prototypen von Apple gezeigt - ein interessantes Detail ist der iPod-Schriftzug darauf.
Als erster Zeuge erzählte Apple-Designer Christopher Stringer, der Kern des Design-Teams sei nur etwa 15 Personen stark und entwickele neue Ideen gemeinsam an einem großen „Küchentisch“.
Das iPhone zu konstruieren und zu bauen sei eine erhebliche technische Herausforderung gewesen, sagte er. Dabei seien viele Ideen verworfen worden, bis schließlich eine „perfekte“ Form gefunden worden sei.
Ein besonders stark abweichender Entwurf ist dieser achteckige Prototyp.

Dass Apple nun so schnell nachgelegt hat, ist einfach zu erklären: Das Unternehmen kann technisch nachlegen, also macht man es. Wie im Mobilfunkmarkt werden auch bei den Tablets die Komponentenentwicklungen immer schneller. Und die Konkurrenz schläft nicht. Microsoft legt mit dem Surface nach, Google mit dem Chrome, Amazons Kindle Fire macht mit günstigen Preisen Druck. Stillstand könnte sogar Apple gefährlich werden.

Ärgern dürfte die iPad3-Besitzer dennoch, dass das neue Apple-Tablet nicht nur mit schnellerem Prozessor und Datenturbo LTE (auch in Deutschland im Netz der Deutschen Telekom) auf den Markt kommt. Obwohl die ersten Tests noch nicht gemacht wurden, scheint es schon jetzt, als sei von dem neuen Gerät noch einiges mehr zu erwarten. Sicher ist, dass das Gerät einen Apple A6X-Chip nutzt, der sogar doppelt so schnell sein soll, wie der des iPhone 5. Es ist anzunehmen, dass sämtliche Apps (vor allem Spiele), die ab sofort entwickelt werden, die Leistung des schellen Chips ausnutzen werden.

Früher oder später, wird sich das neue Gerät also sicherlich durchsetzen. Interessant ist allerdings die Frage, ob die Apple-Liebhaber beim iPad4 ebenso beherzt zugreifen werden, wie beim iPad3. Durch das schnelle Nachschieben von Apple, wird der Zweitmarkt auf Ebay und Co. für ausrangierte Produkte schwieriger. Dort kursieren noch die iPad 2 von vor einem halben Jahr, nun kommen neue „alte“ Geräte hinzu. Insgesamt werden die Preise für die gebrauchten Tablets also wohl sinken.

Vor allem in den USA hatte dieser Umstand so große Wellen geschlagen, dass Apple anbot, das iPad3 kostenlos im Tausch gegen das iPad4 entgegen zunehmen, sofern das Gerät nur 30 Tage vor der großen Show im Oktober gekauft wurde. Auch einige Apple-Stores in Deutschland hatten sich kulant gezeigt. Laut Focus-Berichterstattung soll in einem Geschäft in Oberhausen ein Kunde sein iPad 3 kostenfrei umgetauscht haben, das er erst am 2. Oktober gekauft hatte.

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Jeder, der jetzt überlegt, sich wieder in die Apple-Schlange zu stellen, dürfte sich also fragen: Lohnt es sich? Oder steht in einem halben Jahr wieder ein neues Produkt in den Apple-Shops? Diese Gedanken mussten sich iOS-User bisher kaum stellen. Wer ein Produkt kaufte, wusste, dass es für mindestens zwölf Monate das aktuellste sein würde. Die Dauer-Präsentation neuer Produkte könnte dazu führen, dass die potentiellen Käufer sich mit ihrem aktuellen Produkt erst einmal zufrieden geben und eine Update-Runde aussetzen.

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