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IT-Messe Müde CeBIT-Eröffnung zeigt Probleme der IT-Branche auf

Fröhlichkeit sieht anders aus: Die eher lahme Eröffnungsfeier der IT-Messe CeBIT zeigte einerseits, dass die Stimmung der Branche weiterhin eher mau ist. Andererseits wies die angegraute Zeremonie deutlich auf das Nachwuchsproblem der Branche hin.

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Spaniens Premier Zapatero (re) Quelle: REUTERS

Von wegen südeuropäische Latino-Leidenschaft: Mit einer relativ müden Eröffnungsfeier am Montagabend hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Spaniens Ministerpräsident José Zapatero die CeBIT eröffnet.

2009 stand die Eröffnungsfeier der IT-Messe CeBIT noch ganz unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise: Gedrückte Stimmung allenthalben, finstere Mienen bei Ausstellern, noch einmal deutliche leerere Hallen auf dem Messegelände in Hannover. Da war es geradezu eine Wohltat, dass als Vertreter des letztjährigen Partnerlandes Kalifornien der einstige Bodybuilder und Schauspieler Arnold Schwarzenegger eine Grußbotschaft hielt. Mit einer fulminanten Rede erteilte der „Governator“ den deutschen Vertretern von Politik, IT und Telekommunikation eine Lektion im US-typischen Optimismus und sorgte tatsächlich für so etwas wie einen Ruck im Auditorium.

Dieses Jahr ist die Stimmung angesichts immer noch rückläufiger Ausstellerzahlen auf nunmehr 4157 Firmen – ein Minus von 150 Anmeldungen gegenüber 2009 – sowie einem Schlingerkurs des Messebetreibers Deutsche Messe AG bezüglich der Einbeziehung von Endkundenthemen nicht gerade besser. Da hätte man es sich als Zuschauer der Eröffnungsfeier doch gewünscht, dass vielleicht das diesjährige Gastgeberland Spanien etwas südeuropäische Lebensfreude über die kalte niedersächsische Tiefebene schwappen lässt. Doch weit gefehlt: Die vermeintlich spanisch anmutende Showeinlage vor der Rede des Ministerpräsidenten José Zapatero versprüht eher den Charme von Gothic Flamenco – denn die fünf Tänzerinnen und Tänzern treten barfuss und komplett in Schwarz gewandet auf.

Viel Eigenlob, wenig Visionen

Auch die Rede von Zapatero im Anschluss löst nicht gerade Begeisterungsstürme aus. Der spanische Ministerpräsident wird nicht müde zu betonen, welche Verbesserungen Spanien unter der von ihm seit 2004 geführten sozialistischen Regierung gemacht habe, etwa eine Versechsfachung der Internet-Nutzer auf 24 Millionen oder eine Quote bei den Breitbandanschlüssen von inzwischen 99 Prozent der Bevölkerung. Ganz Politiker eben – aber auch wenig überraschend, ganz zu schweigen von visionär.

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    Bundeskanzlerin Angela Merkel legt dann eine solide Rede nach, mit dem einen oder anderen für sie typischen trockenen Humor-Einsprengseln. Die am Tag zuvor vom Präsidenten des ITK-Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer, verbreitete Forderung, Deutschland brauche einen Internet-Minister, weil es in Berlin zu viele unterschiedliche Ansprechpartner gebe, verneint Merkel mit dem selbstironischen Seitenhieb: „Seien Sie doch froh, dass sich mittlerweile jeder Bundesminister selber mit IT- und Internet-Themen auseinandersetzt.“

    Am Ende bleibt es dem erst Anfang Februar überraschend ins Amt gerückten neuen SAP-Co-Chef Bill McDermott überlassen, die Eröffnungsredner um Merkel und Zapatero für ein schönes Gruppenfoto rund um einen leuchtenden Globus zusammen zu führen. Der soll das Motto der diesjährigen CeBIT symbolisieren: „Connected Worlds“. McDermotts jovialer Auftritt versprüht noch einmal ein wenig amerikanisches Show-Ambiente – diesen Esprit hat er vorher bei seiner eigenen Rede freilich vermissen lasssen. Bei der steht McDermott zwar im Gegensatz zu den anderen Rednern nicht am Pult, sondern frei auf dem Podium. Dennoch strotzt seine Rede vor so manchen Attitüden – die im wenig inspirierten Endspruch gipfelt: „We can, we will. Dankeschön“.

    Neue Gesichter braucht das CeBIT-Podium!

    No, we can't – möchte man da zurückrufen. Und vielleicht liegt das Problem der CeBIT ja wirklich ganz woanders. Zwar ist McDermott mit seinen 48 Jahren der Jüngste in der Riege der Sprecher auf der Eröffnungsfeier. Wirklich jugendlich wirkt der angegraute Co-SAP-Chef aber auch nicht mehr. Genau dies war übrigens auch ein wichtiges Thema auf der Bitkom-Jahrespressekonferenz am Montagnachmittag: Die IT hat mit 20.000 offenen Stellen in Deutschland nicht nur ein Nachwuchsproblem bei IT-Experten, sondern die Branche ist insgesamt einfach älter geworden. Ob bei Unternehmen, Verbänden oder auch in Medien – neue Gesichter, Vertreter jünger als 35 Jahre sind selten geworden. Man kennt sich und begrüßt sich seit vielen Jahren, aber wirklich Neues hat man sich nicht zu sagen. Es fehlt an frischem Blut, es fehlt an neuen Ideen - ein Aspekt, den die Deutsche Messe vermutlich noch nicht in den Fokus ihrer Bemühungen zum Umbau der Veranstaltung gerückt hat. Aber warum nicht etwa auch mal einem Jungspund wie beispielsweise Facebook-Gründer Mark Zuckerberg das CeBIT-Podium bieten? Vielleicht ließen sich so auch wieder mehr Publikum auf die Messe locken. We can? Wenigstens könnte man es versuchen.

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