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Jawbone-Up Selbstvermessungs-Hype erreicht Deutschland

Sport, Kalorien, Blutdruck - Daten rund um den menschlichen Körper lassen sich dank technischer Hilfe nahezu perfekt messen. Der Trend aus den USA schwemmt immer mehr nach Deutschland - in Form neuer Gadgets.

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Das neue Fitness-Armband Up der Firma Jawbone ist nun auch in Deutschland erhältlich. Quelle: Presse

Technik-Nerds warten schon seit Monaten darauf, dass es das Fitness-Armband Jawbone Up auch nach Europa schafft. Nun ist soweit: Das Gadget ist für Android-Nutzer im Google-Play-Shop und für iOS-Nutzer im Apple-Store für 129,99 Euro erhältlich. In Asien und Australien soll das Armband ebenfalls im kommenden Monat erscheinen. Einer Erweiterung auf Blackberry 10 oder Windows Phone ist bisher nicht geplant.

Durch die Interaktion mit einer App bietet das Up-Armband den Nutzern quasi eine Rundumvermessung ihres Körpers per Sensortechnik. Aufgezeichnet werden das Schlafverhalten, die Bewegung, Daten wie Nahrungsaufnahme und Stimmung des Trägers können ergänzt werden, je nach Wunsch lassen sich die Funktionen an der App einstellen.

Der umkämpfte Markt

Das kleine Tool ist nur eines von vielen Produkten, die zur Selbstvermessung auf dem Markt unterwegs ist. Der Markt ist heiß umkämpft: Ein interessantes System ist auch das Armband der US-Firma Fitbit, das angeblich im Mai auf den deutschen Markt kommen soll. Der kleine Bluetooth-Stick Fitbit One ist längst hierzulande zu bekommen und hat schon viele User beeindruckt. Auch Nike bietet in den USA ein Fitness-Armband namens Fuel an. Und Apple soll an einer Uhr arbeiten, die ähnliche Funktionen per App-Integration übernimmt. Samsung ist Apple mit einem ähnlichen Produkt bereits auf den Fersen, während Sony mit der Smart Watch schon seit März vergangenen Jahres auf dem Markt ist.

Rückschläge für Apple

Auch in Smartphones sind schon etliche Sensoren eingebaut, mit denen sich Daten sammeln lassen - darunter zum Beispiel GPS-Peilsender oder Schrittmesser.

Seinen Ursprung hat die sogenannte Quantified-Self-Bewegung zum Speichern der eigenen Körper-Daten im Spitzensport. Für Profisportler war die Selbstvermessung des Körpers schon immer ein Muss, um die eigene Leistung weiter steigern zu können. Unterstützt werden sie dabei von Profis.

Günstigere Sensoren, mehr Daten

Mit Daten gegen Stau und Krebs
Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Quelle: dpa
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl verholfen haben: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Soziale Netzwerke zurück. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. „Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“, warnte etwa Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU). Auch andere sind mit Big-Data-Projekten gescheitert. Quelle: dapd
Bewegungsdaten sind für die Werbewirtschaft Gold wert. Der Mobilfunk-Anbieter O2 wollte sie deswegen vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dafür gründete er Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. In Deutschland muss die Telefónica-Tochter allerdings auf dieses Geschäft verzichten: Der Handel mit über Handys gewonnenen Standortdaten sei grundsätzlich verboten, teilte die Bundesregierung mit. Quelle: AP
Welches Medikament wirkt am besten? Die Auswertung großer Datenmengen soll dabei helfen, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu entwickeln. So könnten die Mediziner eines Tages die Beschaffenheit von Tumoren genau analysieren und die Behandlung genau darauf zuschneiden. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd

Die technische Entwicklung hat diesen Trend massentauglich gemacht. Vernetzte Vitalitätssensoren wie Waagen, Blutdruckmessgeräten oder Schrittzählern sowie der Boom von Smartphone-Apps zur Erfassung von Daten zu Sport und Gesundheit haben die Selbsterfassung einfacher und damit für jedermann möglich gemacht. Vor allem die immer preiswerteren Sensoren haben hier einen großen Anteil, dass immer mehr Daten erfasst werden können. Bereits 2007 luden die Wired-Journalisten Gary Wolf und Kevin Kelly in Amerika zu regelmäßigen Treffen zu dem Thema ein. Mit Gleichgesinnten tauschten sie sich dann in der Bay Area nahe San Francisco über ihre Erfahrungen aus. Einer der Gurus der Szene ist auch der Amerikaner Timothy Ferris, der mit seinem Buch "The 4-Hour-Body" einen Bestseller landete. In dem Buch erklärt er, wie das Abnehmen unter anderem durch die genaue Beobachtung des Körpers funktioniert.

Schlaf, Sex, Sport und Blutdruck

Die Quantified-Selfer messen die privatesten Informationen: Wie lange habe ich geschlafen, wie viel Sex hatte ich, wie viel habe ich mich bewegt, wie hoch ist mein Blutdruck? Sogar der Urin lässt sich dank neuer App kontrollieren. Dabei helfen meistens Applikationen am Smartphone, die alle Informationen genau speichern. Vor allem im sportlichen Bereich werden die Ergebnisse sogar geteilt und mit denen von Freunden verglichen.

In Europa entstanden in London und Amsterdam die ersten Gruppen, das erste deutsche Treffen kam in Deutschland im Jahr 2011 in München zustande. Inzwischen gibt es etliche Ortsgruppen im ganzen Land, die regelmäßige "Meet-ups" zu sogenannten "Selftracking-Lösungen" anbieten.

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So seltsam das Ganze auf den ersten Blick scheint, die Idee dahinter ist einleuchtend: Wer sich und seinen Körper gut kennt, lebt auch gesünder. In Zeiten leerer Gesundheitskassen, fördern Regierungen und Behörden den Trend, denn der genaue Blick auf den eigenen Körper kann vielleicht eines Tages dafür sorgen, dass Symptome frühzeitiger erkannt und sinnvolle Behandlungen rechtzeitig eingesetzt werden können. Wenn es um die eigene Gesundheit geht, kann das neue Sammeln und Analysieren von Daten also quasi als Arzt-Ersatz fungieren – so die Hoffnung vieler, die sich daran beteiligen. Die neue Qualität der Datenmengen in Big-Data-Zeiten kann in diesem Bereich für einen Schub sorgen.

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