Katwarn Was Sie über das Warnsystem wissen sollten

Nach dem Amoklauf im Münchener Einkaufszentrum haben sich 250.000 Menschen via Katwarn über die Gefahrenlage vor Ort informiert. Wie das Informationssystem funktioniert und welche Schwachstellen es hat.

Über das Smartphone-Warnsystem Katwarn hat die Landeshauptstadt München Bürger aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Quelle: dpa

Was ist Katwarn und wie funktioniert das System?
Katwarn ist ein Informationssystem, das seine Nutzer vor Gefahrenlagen warnt. Das können beispielsweise Unwetter, Brände, Chemieunfälle, Bombenfunde oder Schießereien sein. Registrierte Nutzer erhalten via E-Mail, SMS oder Smartphone Informationen zur Bedrohung und Hinweise, wie sie sich in der jeweiligen Situation verhalten sollen – zum Beispiel, dass sie bestimmte Orte meiden oder im Haus bleiben sollen.

Wer speist die Warnungen ein?
Über ein laut Katwarn speziell gesichertes Redaktionssystem sind Feuerwehrleitstellen, Katastrophenschutzbehörden sowie Unwetterzentralen in der Lage, die Nutzer über Gefahrenlagen zu informieren.

Woher wissen die Einrichtungen, wo sich der Nutzer aufhält?
Bei der Anmeldung geben Nutzer ihre Postleitzahl an. Zusätzlich ist es möglich, sich von Katwarn über Basisstationen und WLAN-Zugangspunkte jederzeit orten zu lassen. Diese Funktion können Nutzer aber auch abschalten.

„Bayern erlebt Tage des Schreckens“
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer Quelle: dpa
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Quelle: dpa
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere Quelle: dpa
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig Quelle: dpa
Bayerns Justizminister Winfried Bausback Quelle: dpa
Belgiens Premierminister Charles Michel Quelle: dpa

Kann man sich nur über seinen eigenen Standort informieren?
Nein, Nutzer können zusätzlich zum eigenen Standort sieben weitere Postleitzahlen eingeben und so Informationen über Gefahren an anderen Orten erhalten. Weil der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Bundesbehörde ist, werden Unwetterwarnungen für ganz Deutschland verschickt.

Wer kann das Informationssystem nutzen?
Grundsätzlich jeder, der ein Smartphone, Handy oder eine E-Mail-Adresse besitzt. Über soziale Medien ist es möglich, die Warnungen zu teilen. Voraussetzung für die Nutzung – wie beim Amoklauf im Münchener Einkaufszentrum – ist, dass die jeweilige Kommune das Notwarnsystem verwendet.

Wie die digitale Parallelwelt funktioniert
Tor-Browser
Die Zwiebel mit ihren vielen Schalen: Die Abkürzung TOR steht für: The Onion Router – das Zwiebel-Netzwerk. Die kostenlose Open-Source-Software, einst vom US-Militär entwickelt, dient dazu, die eigene IP-Adresse zu verschleiern, indem sie Anfragen nicht direkt an die Zieladresse im Netz schickt, sondern über eine Kette von Proxyservern leitet. Jeder Proxy kennt nur seinen Vorgänger und Nachfolger, aber keiner kennt den ursprünglichen Absender der Anfrage und gleichzeitig den Empfänger. Das sieht in der Praxis dann so aus. 
Seitenadressen bestehen im anonymen Web aus einer zufällig gewählten, und ständig wechselnden Kombination von Zahlen und Buchstaben. Das erschwert das surfen. Deswegen bieten einige Seiten wie „The Hidden Wikki“, Orientierungshilfe. DeepDotWeb ist auch über das freie Internet zugänglich. Hier finden sich Foren, Fragen und Übersichten rund um das Thema Deepweb/Darknet. 
Tor ist nicht nur zum surfen auf nicht frei zugänglichen Websites nützlich. Auch ganz
Grams ist die gängigste Suchmaschine für Drogenmärkte im Darknet. Zwar ist der Drogenmarkt im Internet gegenüber dem Straßenhandel (mit einem geschätzten Umsatz von 320 Milliarden Dollar pro Jahr weltweit) noch klein, aber bereits hart umkämpft. Die Betreiber leben gut von der Verkaufsprovision, die sie für jeden Deal erhalten, der auf ihrer Seite geschlossen wird. Laut FBI sollen beim damals 29-jährigen Marktführer Dread Pirate Roberts von der Seite Silkroad, Bitcoins im Wert von 150 Millionen Dollar sichergestellt worden sein. Im Oktober 2013 wurde der US-Amerikaner Ross Ulbricht, der angebliche Silk-Road-Betreiber, ausfindig gemacht und vom FBI verhaftet. Der heute 32-Jährige wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. 
Aufgrund der steigenden Konkurrenz haben sich Nachfolger wie Alphabay oder Nucleus vom anarchischen Neunzigerjahre-Look verabschiedet und orientieren sich nun an der Optik des legalen Onlinehandels. Da Vertrauen auf anonymen Marktplätzen ein knappes Gut ist, reagieren die Kunden stärker auf die üblichen Onlinereize wie einprägsame Logos, erkennbare Marken, hochauflösende Produktfotos und Marktstandards wie Kundenprofil, Konto-Übersicht und ausführliche Angebotslisten. Drogen sind auf fast jedem Marktplatz der größte Posten, daneben lassen sich hier jedoch auch Waffen, Hacker, Identitäten, Kreditkarten und andere Dinge erwerben. In den dunkelsten Ecken, die allerdings auch im Darknet nicht ohne weiteres zugänglich sind, finden sich sogar Menschenhandel, Kinderpornographie und Live-Vergewaltigungen. 
Ob gehackte Paypal, Amazon oder Ebay-Konten, eine neue Kreditkarte oder die Dienste eines Hackers, der mit Hilfe einer DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) eine Seite lahmlegen soll. Im Darknet werden Angriffe bzw. Daten jeglicher Art angeboten. Für nur ein Pfund, könnte man hier eine russische Kreditkarte mit hohem Verfügungsrahmen erwerben. Auch persönliche Daten wie Namen, Geburtsdaten, Adressen, EMails und alle erdenklichen Zugänge einer bestimmten Person werden hier für wenige Dollar angeboten. Zur Zeit vor der US-Wahl besonders beliebt: personenbezogene Daten, aufgelistet nach Bundesstaaten in Amerika.

Wie funktioniert die Anmeldung per Handy?
Smartphone-Nutzer können sich kostenlos im App-Store die Anwendung für iOS, Android und Windows herunterladen. Alternativ ist es möglich, sich über SMS über Gefahrensituationen informieren zu lassen. Die Anmeldung erfolgt über eine bundesweite Servicenummer (0163 7558842). Die Nutzung ist kostenlos.

Wie weit ist Katwarn bisher verbreitet?
Derzeit setzen Katwarn 65 Gemeinden und Landkreise in Deutschland ein – 1,5 Millionen Deutsche lassen sich über den Dienst vor Gefahren warnen.

Am Abend des Amoklaufs im Münchener Einkaufszentrum hatten nach Angaben des Sprechers im Raum München etwa 250.000 Menschen das System genutzt. Deutschlandweit hatten rund 500.000 Nutzer die Smartphone-App heruntergeladen.

Deutschland trauert "mit schwerem Herzen"
Kanzlerin Merkel Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt die Hilfsbereitschaft der Münchner in der Tatnacht, in der viele ihre Wohnungen Fremden zur Verfügung stellten.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte in der „Welt am Sonntag“, dass „wir in extremen Situationen“ wie Terroranschlägen „auch in Deutschland auf die Bundeswehr zugreifen können“. Quelle: AP
De Maizière:
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Quelle: dpa
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) Quelle: dpa
Münchner OB -
Unionsfraktionschef Volker Kauder warnt vor einer Ausbreitung von Hass und Gewalt. Noch sei nicht bekannt, was den Attentäter zu den Morden getrieben habe.

Warum nutzen nicht alle Kommunen Katwarn?
Das Informationssystem ist zwar für alle Nutzer kostenlos. Die Gemeinden müssen für die Einführung aber einmalig 15.000 Euro zahlen. Weitere 3000 Euro pro Jahren werden für den technischen Support fällig.

Wer hat Katwarn entwickelt?
Das Fraunhofer Institut hat die Anwendung im Auftrag öffentlicher Versicherer entwickelt. Sie ist seit 2011 in Betrieb.

Hat das System beim Amoklauf in München funktioniert?
Das Smartphone-Warnsystem Katwarn war während des Attentats in München völlig überlastet – zeitweise war der Dienst nicht erreichbar. Grund sei die hohe Zahl von Nutzern in München und anderen Teilen der Republik gewesen, in denen es Unwetter gab. „Wir sind an die Belastungsgrenze gestoßen“, sagte ein Katwarn-Sprecher. „Das ist nicht gut – die Kritik ist berechtigt“, räumte er ein.

Die Kapazitäten des Systems müssten schnellstmöglich erweitert werden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%