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Kein Bock auf Brillenschlange Warum 3-D-Fernseher gekauft, aber nicht genutzt werden

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Markantes Desinteresse und dynamisch wachsendes Geschäft

Die neuen Web-Fernseher
Philips 42PFL6907K Quelle: Presse
LG 42LM670S Quelle: Presse
Samsung UE40 ES8090 Quelle: Presse
Panasonic TX-P50 VT50E Quelle: Presse
Loewe Connect ID 40 Quelle: Presse
Sony KDL-40 HX855 Quelle: Presse

Markantes Desinteresse und dynamisch wachsendes Geschäft – was auf den ersten Blick nicht zusammen passen will, fügt sich zum Bild, wenn man weiß, dass der technische Aufwand vergleichsweise gering ist, um speziell TV-Geräte der Mittel- und Oberklasse mit 3-D-Technik auszurüsten. Die erforderlichen schnellen Bildschirme mit Bildfrequenzen von 200 Megahertz und mehr, die – im Zusammenspiel mit sogenannten Shutterbrillen, die im Millisekundentakt abwechselnd das linke oder das rechte Auge abdunkeln – die räumlichen Bilder darstellen können, sind in besseren Fernsehern ohnehin verbaut. Leistungsfähige Grafikprozessoren, die die beiden Bilder fürs linke und rechte Bild ebenso schnell aufbereiten können, sind darin ebenfalls längst Standard.

Allenfalls die funk- oder infrarotbasierten Sender zu Steuerung der elektronischen Shutterbrillen braucht es noch als Zusatzbauteil in den High-End-Fernsehern – und die kosten als Elektronikmodul allenfalls ein paar Euro. Größter Kostenpunkt sind da noch die Spezialbrillen. Umso mehr als die bis vor Kurzem noch für jeden Hersteller in vergleichsweise kleinen Serien produziert wurden, weil sich die Branche nicht auf eine einheitlich Shutter-Technik einigen konnte.

Das sind die besten Flachbildfernseher
26/27 Zoll: Sony KDL-26EX320In der kleinsten Testkategorie der 26- und 27-Zoll-Geräte (ca. 66 cm Bildschirmdiagonale) erreichte der Sony KDL-26EX320 als einziges getestetes TV-Gerät noch knapp die Note gut (2,5) – alle anderen Geräte erreichten nur befriedigend. Das Sony-Gerät überzeugte die Stiftung Warentest bei Bildqualität, Tonqualität, Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften. Hier schnitt das Gerät jeweils mit der Note gut ab. Nur befriedigend fanden die Tester dagegen den Ton. Das Gerät kostet nach Angaben der Stiftung Warentest im Handel rund 435 Euro. Bei diesem und allen nachfolgenden Tests aus dem „Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest wurde die Bildqualität jeweils am stärksten gewichtet (40 Prozent der Endnote), Ton und Handhabung am zweitstärksten (jeweils 20 Prozent) und Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften am wenigsten (jeweils 10 Prozent). Quelle: Stiftung Warentest
32 Zoll: Philips 32PFL9606KUnter den kleinen Fernseher der 32-Zoll-Klasse (ca. 81 cm Bildschirmdiagonale) schnitt der Philips 32PPFL9606K am besten ab. Die Stiftung Warentest benotete das TV-Gerät für rund 980 Euro mit der Note gut (2,0). Gut schnitt das Gerät bei der Bild- und Tonqualität und den Umwelteigenschaften ab. Sogar sehr gut bei der Vielseitigkeit. Nur befriedigend beurteilten die Tester dagegen die Handhabung. Günstige Alternative: Der Philips 32PL7406K schneidet mit der Testnote gut (2,2) nicht viel schlechter ab, ist mit einem mittleren Straßenpreis von 660 Euro aber deutlich preiswerter. Quelle: Stiftung Warentest
37 Zoll: Sony KDL-37EX725Mit der Note gut (2,1) schnitt bei den 37-Zöllnern das Sony-Gerät KDL-37EX725 am besten ab. Als gut bewerteten die Tester Bild, Handhabung und Umwelteigenschaften – sehr gut war die Vielseitigkeit. Nur der Ton konnte nicht gänzlich überzeugen: befriedigend. Im Handel kostet das Gerät rund 825 Euro. Wer größeren Wert auf den Ton legt, kann zum Philips 37PFL6606K greifen. Er erreichte ebenfalls die Note gut (2,2) und schnitt beim Ton besser, bei Handhabung und Vielseitigkeit dafür schlechter ab. Preis: rund 745 Euro. Quelle: Stiftung Warentest
40-42 Zoll: Samsung UE40D7090In der beliebten Klasse der Fernseh-Geräte von 40 bis 42 Zoll (ca. 102 bis 107 cm) fand die Stiftung Warentest das beste Geräte des gesamten Testfelds: Der Samsung UE40D7090 schnitt mit der Note gut (1,9) ab – der Spitzenwert im Test. Gut bewerteten die Tester Bild, Handhabung und Umwelteigenschaften, sehr gut die Vielseitigkeit. Nur befriedigend fanden die Tester den Ton. Der Preis: stolze 1260 Euro. Günstige Alternative: Der Philips 42PFL7606K schnitt ebenfalls mit gut ab (2,1), ist etwas größer und kostet mit 885 Euro deutlich weniger. Quelle: Stiftung Warentest
46-47 Zoll: Philips 47PFL7606KIn der Kategorie der großen Serienfernseher ab 117 cm Bildschirmdiagonale (46 und 47 Zoll) hat Philips die Nase vorn. Der Philips 47PFL7606K schnitt mit der Note gut (2,1) in dieser Größenkategorie am besten ab. Bild, Ton und Vielseitigkeit waren gut, Handhabung befriedigend und Umwelteigenschaften sehr gut. Das Gerät kostet rund 1220 Euro. Günstige Alternative: Für nur 725 Euro gibt es den Sony KDL-46CX520 im Handel zu kaufen, der ebenfalls mit gut (2,2) abschnitt. Quelle: Stiftung Warentest
Plasma-Geräte und Billig-Anbieter fallen durchIn den beiden größten Kategorien 40 bis 42 und 46 bis 47 Zoll testete die Stiftung Warentest neben LCD-Geräten auch Fernseher mit Plasma-Technologie. Diese schnitten aber durchgehend deutlich schlechter ab als die LCD-Konkurrent. Das beste Plasma-Gerät im Test, der Panasonic TX-P42ST33E, erhielt nur ein befriedigend (2,7). Auch Billig-Anbieter wie Medion, Orion oder Telefunken sahen sich die Tester an. Der Rat der Stiftung Warentest: Finger weg! Schlechte Bildqualität und hoher Stromverbrauch waren die Nachteile der Billig-Geräte. Sämtliche 60 Fernsehgeräte im ausführlichen Test sowie allgemeine Hinweise zum Gerätekauf und Fernsehempfang finden Sie in dem „ Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest, das Sie für 7,80 Euro bestellen oder direkt downloaden können. Quelle: Reuters

Doch auch das ist vorbei. Zum einen weil die TV-Hersteller inzwischen einen gemeinsamen Technikstandard für ihre funkgesteuerten Brillen verabschiedet hat. Und zum anderen, weil Hersteller wie LG oder auch Philips ganz oder teilweise auf die deutlich einfachere und damit billigere Polarisationstechnik setzt. Dabei sorgen statt elektronischen nun optische Filter in den Displays und den Brillen dafür, dass jedes Auge nur die für es bestimmte Bildinformation zu sehen bekommt, und das Hirn so aus den beiden Teilbildern einen räumlichen Eindruck erzeugen kann.

Tatsächlich also erklärt sich das vermeintliche Paradoxon ist es inzwischen so, dass viele Käufer von – speziell – höherwertigen TV-Geräten 3-D-fähige Fernseher kaufen, weil sie die notwendige Bildtechnik ohnehin an Bord haben und nicht, WEIL sie explizit 3-D-Fernseher haben wollen. Insofern löst sich das Henne-Ei-Problem des dreidimensionalen Fernsehens fast unbemerkt von den Zuschauern.

Spärliches Pay-TV-Angebot

Denn noch immer werden kaum reguläre 3-D-Inhalte im Fernsehen übertragen. Die spärlichen Angebote der Pay-TV-Sender erinnern nicht mal entfernt an so etwas wie Vollprogramme. Und auch das Angebot an 3-D-Filmen auf DVD oder Blu-ray ist zwar wachsend, aber offenbar für die Masse der potenziellen Neukunden noch immer nicht als zwingendes Kaufargument für die 3-D-Fernseher ausreichend. Und selbst Highlights wie etwa die Olympischen Sommerspiele in London, bei denen Sky 3D, Virgin Media und die BBC rund 300 Stunden Programm produzierten, sorgen bestenfalls kurzfristig für Aufmerksamkeit.

Keine Frage, wer die Eröffnungs- oder Schlussfeier, den 100-Meter-Sprint der Herren oder die täglichen Zusammenfassungen der Höhepunkte vor entsprechend großen Monitoren und mit der entsprechenden 3-D-Technik ausgerüstet verfolgte, der konnte sich der Faszination der räumlichen Spiele im eigenen Wohnzimmer kaum entziehen. Doch tatsächlich ist es wohl so, dass das Angebot den Zuschauern jenseits solcher Events zum einen noch lange nicht ausreicht. Und die Brillen, die die Fans opulenter Bilder im Kino anstandslos akzeptieren, sind daheim – jenseits der fehlenden Inhalte – noch immer das größte Hemmnis, sich auf die dritte TV-Dimension einzulassen. Kein Bock auf Brillenschlange, sozusagen.

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