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Lenovo Konzern leidet unter teurem Ärger mit Smartphones

Ein Jahr nach der Übernahme der Motorola-Handysparte kämpft der chinesische IT-Riese Lenovo noch immer mit seinem Smartphone-Geschäft. Abschreibungen verhageln die Quartalsbilanz. Und dann schießt noch eine neue Handy-Tochter quer.

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Während Lenovo den PC-Markt aufrollt, kämpft der chinesische IT-Riese beim Geschäft mit Smartphones weiter mit Millionenverlusten. Quelle: REUTERS

In der Theorie schien die Sache für Yuanqing Yang, den Chef des chinesischen IT-Riesen Lenovo, ganz einfach: „Wir möchten mit Lenovo und Moto eine Zwei-Marken-Strategie fahren und jeweils die Marke positionieren, die sich auf dem jeweiligen Markt besser eignet“, erklärte er seine Mobilfunkpläne im WirtschaftsWoche-Interview. Mit der Marke Motorola wolle er – weiterhin – die entwickelten westlichen Märkte bedienen, mit Lenovo-Smartphones in den Wachstumsmärkten zulegen, so Yuanqing.

Die Praxis allerdings sieht – auch ein Jahr nach der Übernahme des Motorola-Handygeschäfts von Google für fast drei Milliarden Dollar– alles andere als einfach aus. Wenn man es denn freundlich formuliert.

Kostenträchtige Baustelle

Formal hat der milliardenschwere Zukauf Lenovo zwar nach Stückzahlen zum drittgrößten Smartphone-Anbieter nach Samsung und Apple gemacht. Dennoch bleibt das Mobilfunkgeschäft, das die Chinesen neben der Computersparte zum zweiten großen Standbein des Konzerns aufbauen wollen, für Yuanqing eine riesige und vor allem teure Baustelle.

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    Dabei ist es für den Lenovo-Chef sogar vermutlich das kleinere Problem, dass der chinesische Konkurrent Huawei inzwischen den prestigeträchtigen dritten Rang beim Absatz übernommen hat und auf Rang fünf bereits (und nur mit minimalen Abstand von 0,1 Prozentpunkten) der ebenfalls chinesische Wettbewerber Xiaomi lauert.

    Viel schmerzhafter ist, dass es zu großen Teilen an den Schwierigkeiten der Mobilfunksparte liegt, dass Lenovo im abgelaufenen Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Weil es Lenovo nämlich noch immer nicht gelungen ist, eine profitable Wachstumsstrategie fürs Handygeschäft umzusetzen, verursachte die Sparte in dem Zeitraum Umbaukosten von 599 Millionen Dollar. Zusätzlich wurde eine Abschreibung von 324 Millionen Dollar auf nicht verkaufte Geräte fällig, wie das Unternehmen am Donnerstag in Hongkong mitteilte..

    Größter Quartalsverlust aller Zeiten

    Mit entsprechend drastischen Folgen für die Gesamtbilanz. Im zweiten Geschäftsquartal fiel unternehmensweit ein Nettoverlust von 714 Millionen Dollar an, umgerechnet rund 663 Millionen Euro. Es war der größte Quartalsverlust, den das Unternehmen je verzeichnet hat. Im Vorjahresquartal hatte Lenovo noch einen Gewinn von 262 Millionen Dollar ausgewiesen.

    In ein bis zwei Quartalen, so die Hoffnung der Lenovo-Oberen bei der Präsentation der Zahlen in Hongkong, sollen zumindest die Verluste bei Motorola gestoppt sein. Dazu soll auch der Personalabbau von 3200 Beschäftigten beitragen, die Yuangqing bereits im Sommer nach – ebenfalls – schlechten Mobilfunkzahlen angekündigt hatte.

    Sonderbares Eigenleben der dritten Handy-Tochter

    Unter anderem hatte Lenovo daraufhin die zuvor getrennten Zuständigkeiten fürs Smartphone-Geschäft von Lenovo und Motorola in zahlreichen Märkten zusammengelegt, um den Auftritt der Marken effizienter managen zu können.

    Wirklich konsequent scheint Yuangqing sein Effizienzprogramm in der Handy-Welt allerdings nicht durchzusetzen. Denn während sich das Unternehmen, zu dem in Deutschland der Aldi-Lieferant Medion gehört, bei seinen Hauptmarken noch sortiert, tauchte gerade erst noch eine dritter Mobilfunk-Ableger aus dem Lenovo-Reich auf dem deutschen Markt auf: Am 30 Oktober nämlich präsentierte der Lenovo-Ableger ShenQi in Berlin die internationale Version seines High-End-Smartphones Zuk Z1.

    Die zehn besten Smartphones unter 300 Euro
    Gute Smartphones müssen nicht gleich ein halbes Monatsgehalt kosten. Auch für wenige hundert Euro finden sich jede Menge hervorragende Modelle auf dem Markt. Das Fachmagazin connect hat die beliebtesten Smartphones in der Preisklasse bis 300 Euro getestet. Diese Modelle bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Quelle: connect.de Quelle: dpa
    Platz 10: Sony Xperia E3Gerade einmal 145 Euro müssen Käufer für den Zehntplatzierten im Ranking auf den Tisch legen. Das Xperia E3 überzeugte vor allem mit seiner hohen Ausdauer. Mit diesem Smartphone aus dem Hause Sony sind Gespräche von bis zu 19:35 Stunden im GSM- und 9:20 Stunden im UMTS-Einsatz möglich. Auch Vielnutzer, die sich auf dem Smartphone gerne längere Youtube-Videos anschauen, brauchen sich über die Akku-Leistung keine Gedanken zu machen: beim praxisnahen Mischbetrieb aus Surfen, Texten und Videos schauen, schaffte es das Xperia E3 locker über den Tag. Die Akustik des Smartphones ist ordentlich, gehört aber nicht zu den Höhepunkten des Smartphones. Herausragend dafür: die Sende- und Empfangseigenschaften. Quer durch alle Netze sicherte sich das Sony Xperia E3 im Test 74 von 75 möglichen Punkten.
    Platz 9: Huawei Ascend G740Weniger Ausdauer, dafür aber ein größeres Display und deutlich mehr Speicher bietet der Neuntplatzierte im Test. Das Huawei Ascend G740 ist mit seinem 4,8 Zoll etwas größer als das Xperia E3 und bringt mit 5,2 statt 1,2 GB fast das Fünffache an Speicherplatz mit. Der 1,2-GHz-Dual-Core-Prozessor und 1 GB RAM des Smartphones sorgen für eine flotte Leistung, Apps öffnen sich zügig und praktisch ohne Verzögerung. Einzig bei der Ausdauer kann das Smartphone aus dem Hause Huawei nicht ganz mit dem Zehntplatzierten mithalten. Mit einer durchschnittlichen Gesprächsdauer von 8:19 Stunden stellt das Ascend G740 allerdings noch immer so manches High-End-Smartphone in den Schatten. Das Huawei Ascend G740 ist im Handel bereits für 245 Euro erhältlich.
    Platz 8: Sony Xperia Z1 CompactWer es lieber kompakt mag, aber nicht auf Qualität verzichten möchte, sollte sich das Sony Xperia Z1 Compact anschauen. Der Achtplatzierte liegt mit rund 300 Euro am oberen Ende der Preisskala, bietet dafür aber alles, was auch den großen Bruder Xperia Z1 auszeichnet: LTE-Netz, NFC, 20-Megapixel-Kamera sowie Vierkernprozessor. Vor allem der brillante 4,2-Zoll-Bildschirm des Xperia Z1 wusste im Test zu überzeugen.
    Platz 7: Samsung Galaxy A3Das Samsung Galaxy A3 ist eines der aktuellsten Modelle im Test. Im Handel ist es bereits für 240 Euro erhältlich. Der im Vergleich zum großen Bruder Galaxy A5 relativ günstige Preis spiegelt sich auch in der Ausstattung wieder: So muss sich beispielsweise die Hauptkamera des A3 mit einer Auflösung von lediglich 8 Megapixeln begnügen. Bei normalen Lichtverhältnissen gelangen im Test aber auch mit 8 Megapixeln Bilder mit guter Qualität Außerdem punktet das Galaxy A3 mit einem hervorragend verarbeiteten und sehr flachen Metallgehäuse. Im Vergleich zum achten Platz bietet das Samsung Galaxy A3 die deutlich bessere Ausdauer und ist trotz des größerem Display (4,5 Zoll) leichter und vor allem dünner.
    Platz 5: Samsung Galaxy S5 miniDas Galaxy S5 mini, ebenfalls aus dem Hause Samsung, ist nicht ganz so kompakt wie das Galaxy A4, bietet dafür aber den brillanteren Bildschirm. Laut Testbericht gehört das Display zu dem Besten, was derzeit auf dem Smartphone-Markt geboten wird. Samsung setzt beim S5 mini auf eine besondere AMOLED-Technologie, die für starken Farben und hohe Kontraste sorgt. Auch das Innere des Smartphones hat für seinen Preis (rund 280 Euro im Online-Handel) viel zu bieten, darunter einen Mittelklasse-Prozessor mit vier Hauptkernen, die jeweils eine Leistung von 1,4 GHz erbringen. Der Arbeitsspeicher liegt bei 1,5 Gigabyte und ist damit groß genug, um auch bei vielen parallel laufenden Apps eine hohe Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten.
    Platz 4: LG G2Bei Display, Performance und Ausdauer setzt das G2 von LG Maßstäbe im Test. Das Smartphone, das im Laden für rund 280 Euro zu haben ist, überzeugte die Tester mit seiner besonderen Anordnung der Tasten für Lautsprecher und Display-Anzeige, die sich nicht wie üblich an den Geräteseiten, sondern mittig auf der Rückseite unterhalb der Kameralinse befinden.  Anfangs noch etwas ungewohnt, bietet diese anatomische Besonderheit dem Smartphone-Nutzer viele Vorteile: Während eines Telefonats lässt sich so sehr einfach die Lautstärke regulieren, weil der Zeigefinger beim Telefonieren ohnehin im mittleren Bereich des Smartphones liegt. Durch einen langen Druck auf die Lautstärketasten lassen sich außerdem die Funktionen Quick Memo und Kamera direkt aus dem Standby-Betrieb heraus starten.

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      Das Gerät ist schon ab 285 Euro zu haben und damit als Preisbrecher positioniert. Das Multimedia-Handy hebt sich nicht nur durch eine sehr gute technische Ausstattung vom übrigen Markt ab, es ist auch durch das verwendete Betriebssystem ein Solitär in der Mobilfunkwelt. Statt Googles Android läuft auf dem Gerät das alternative Android-Derivat Cyanogen OS.

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      Wie sich das Zuk Z1 in die europäische Markenwelt von Lenovo einfügen soll, die Auskunft blieb Chang Cheng, der Chef von ShenQi in Berlin schuldig. Ursprünglich hatte Lenovo den Ableger nämlich unter anderem gegründet, um sich in China den Billigkonkurrenten Xiaomi vom Leib zu halten. Beim Zuk-Launch hingegen betonte Chang, Europa sei ein Kernmarkt seiner globalen Wachstumsstrategie.

      Statt einer schlüssigeren – und früher oder später dann vielleicht auch profitableren – Wachstumsstrategie für die Mobilfunksparte scheint sich Lenovo mit derlei Plänen also eher noch zusätzlich zu verzetteln. Für die nächsten Quartalszahlen verheißt das wenig Gutes.

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