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London 2013 Blackberry-Launch - die Droge wirkt wieder

Research in Motion hat seine neuen Blackberry Smartphones vorgestellt. Für den angeschlagenen Smartphone-Trendsetter ist es vermutlich die letzte Chance, auf die Erfolgsspur zurückzufinden. Die Chancen stehen besser als erwartet, berichtet der WirtschaftsWoche-Gadget-Inspektor vom Launch in London.

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Thorsten Heins, CEO von RIM, stellt das neue BlackBerry Z10 vor. Quelle: dapd

Es gab eine - gar nicht so lange vergangene - Zeit da hatten Blackberry Smartphones Suchtcharakter. Doch dann lösten die kompakten Geräte mit Ihren charakteristischen Mikro-Tastaturen vor allem noch Fluchtreflexe aus. In Scharen liefen den zuvor in Anlehnung an die Droge "Crack" oft Crackberry genannten Telefonen ihre Fans davon. Denn die zuvor exklusive Möglichkeit, immer und überall in Echtzeit auf E-Mails zugreifen und sie bearbeiten zu können, fanden Manager immer öfter auch bei den eleganteren Smartphone-Alternativen von Apple bis Android. Mit entsprechend drastischen Folgen fürs Geschäft.

Zeitenwende für RIM

Nach Einbrüchen bei Marktanteilen, Umsatz und Gewinn dankten die Gründer und Chefs des Blackberry-Erfinders Research-In-Motion, Jim Balsillie und Mike Lazaridis, vor Jahresfrist ab. Seither versucht der deutsche Mobilfunk-Spezialist Thorsten Heins, den Absturz zu stoppen. Der heutige Tag soll für ihn und sein Unternehmen nun die Wende zum Besseren bringen. Denn sehnlichst erwartet, allerdings auch gegenüber der ursprünglichen Planung um Monate verspätet, präsentiert RIM heute zeitgleich in New York, Toronto, London, Paris, Dubai und Johannesburg seine neue Generation von Smartphones - angetrieben vom komplett neu entwickelten Betriebssystem Blackberry10.

An welchen Baustellen Blackberry gescheitert ist
Blackberry macht eine überraschende Kehrtwende im Überlebenskampf: Der notleidende Smartphone-Pionier hat seinen geplanten Verkauf am 4. November 2011 abgesagt, Konzernchef Thorsten Heins geht. Geldgeber um die kanadische Finanzfirma Fairfax Financial wollen nun eine Milliarde Dollar in das Unternehmen stecken, statt es wie ursprünglich geplant zu übernehmen. Der aus Deutschland stammende Heins nimmt seinen Hut, sobald die Finanzspritze eingegangen ist. Quelle: dpa
Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten im August selbst zum Verkauf gestellt. Fairfax Financial hatte bereits den grundsätzlichen Zuschlag für 4,7 Milliarden Dollar erhalten. Doch in den ersten Novembertagen mehrten sich die Anzeichen, dass die Finanzfirma das Geld für eine komplette Übernahme nicht zusammenbekommt. Auch die beiden Blackberry-Mitgründer Michael Lazaridis und Doug Fregin arbeiteten im Hintergrund an einem Gebot. Blackberry soll dem „Wall Street Journal“ zufolge sogar mit dem Online-Netzwerk Facebook gesprochen haben. Dagegen hätten der Software-Riese Oracle und das Karriere-Netzwerk LinkedIn sich gar nicht erst auf ein Treffen eingelassen. Quelle: REUTERS
Als RIM-Chef Thorsten Heins im Januar 2012 den Chefposten bei Blackberry übernahm, war der Konzern bereits in einem schlechten Zustand. Die Aktie hatte 2011 drei Viertel ihres Werts verloren, die Marktanteile waren rapide gesunken, der Konzern hatte hohe Verluste eingefahren. Quelle: REUTERS
Gründe gab es dafür viele. Der wohl schwerwiegendste Fehler geht auf das Konto von Gründer Mike Lazaridis und seinem Partner Jim Balsillie, der 1992 zu Blackberry kam. Beide hatten die Konkurrenz völlig unterschätzt. Als 2007 Apple mit dem iPhone auf den Markt kam, konnten sich die beiden Manager nicht vorstellen, dass sich tastenlose Handys mit großem Display durchsetzen würden. Quelle: REUTERS
Vielleicht waren die Blackberry-Chefs zu geblendet vom Coolness-Faktor, den Blackberry jahrelang zweifellos hatte. In der Welt der Nadelstreifen, als ein Mobilfunkvertrag noch etwas Elitäres war und sich teure Datenverträge ohnehin nur Manager leisten konnten, die vor dem Einstieg in den Privatjet schnell noch mal die E-Mails checkten, war Blackberry das Kommunikationsgerät schlechthin. Doch... Quelle: dapd
.... mit Aufkommen des iPhones (im Bild ist das neue iPhone 5s zu sehen) wollten auch Privatnutzer ein Smartphone - zum Musikhören, Fotos machen und im Internet surfen. Blackberry verpasste die veränderten Nutzergewohnheiten. Die Verbraucher brachten deshalb lieber ihr neues Spielzeug, das iPhone, mit ins Büro. Am Ende musste RIM dann neben Apple auch noch Android-Geräte vorbeiziehen lassen. Auch beim Design verlor RIM in dieser Zeit den Anschluss. Quelle: AP
Nächste große Panne: Beim Thema Apps zögerte RIM viel zu lange. Der Einstieg in den Markt für Software-Apps erfolgte erst spät mit der fünften Version des Betriebssystems. Die Vielfalt der Blackberry-Modelle mit und ohne Tastatur und verschiedenen Bildschirmgrößen macht es für Software-Hersteller zudem extrem kompliziert, für Blackberry zu programmieren. Quelle: REUTERS

Und in der Tat markieren die neuen Modelle Z10 und Q10 die Heins heute vorstellt, eine Zeitenwende - mindestens für RIM, das bei der Gelegenheit auch gleich noch den alten Firmennamen eingemottet hat: "Ab heute hat alles - vom Smartphone bis zum Unternehmen - einen Namen: Blackberry."

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    Nicht nur, aber auch, weil das Unternehmen im Gerätedesign grundlegend mit der traditionelle - tastendominierten - Optik gebrochen hat. Nicht wirklich überraschend, aber konsequent adaptieren die neuen Blackberrys das mittlerweile dominierende Smartphone-Design: flach und von einem großen Touch-Bildschirm dominiert.

    Mit immerhin 4,2 Zoll liegt er beim neuen Topmodell Z10 zwischen den aktuellen Trendsetters vom Schläge Apple iPhone (4 Zoll-Display) oder Samsung Galaxy S 3 (4,8 Zoll). In Sachen Auflösung lässt das Z10 1280x768 mit Bildpunkten beide Konkurrenten hinter sich.

    Blackberry-Puristen und E-Mail-Junkies, die auf die gewohnten, für ihre extrem gute Bedienbarkeit gelobten Buchstabentasten nicht verzichten möchten, bleibt das neue Modell Q10. Es ist das Gerät aus der Neuheitenriege, auf dem sich nicht bloß mit einblendbaren Bildschirmtasten tippen lässt.

    Gekleidet in robuste Kunststoff/Metallgehäuse und angetrieben von leistungsstarken Dualcore-1,5-Gigahertz-Chips, kommen das Z10 zum Teil schon ab morgen in die Läden - etwa in Großbritannien, wobei sich die Netzbetreiber über die Preise für das Gerät noch in Schweigen hüllen. der US-Netzbetreiber Verizon hat unterdessen angekündigt, die Geräte zu Preisen ab 199 Dollar mit Mobilfunkvertrag anzubieten. Ohne Vertrag könnten die Z10 gerüchteweise für um 600 Dollar zu haben sein.

    Zu Preisen und Marktstart in Deutschland äußert sich Heins noch nicht. "Die Test laufen, und die Geräte kommen nach der Freigabe durch die Netzbetreiber auf den Markt." Vodafone immerhin hat schon angekündigt, die Geräte "noch im Februar" anbieten zu wollen. Damit gehören die deutschen Anbieter zu insgesamt rund 150 Netzbetreibern weltweit, die die Geräte in Kürze einführen wollen. Details zum Tastaturmodell Q10 gibt es noch gar nicht.

    Doch egal ob Display- oder Keyboard-Steuerung. Die entscheidende Innovation der neuen Smartphones steckt ohnehin im Inneren der Geräte. Denn weit radikaler noch als die Optik hat RIM die Software erneuert. Wenn das Unternehmen und seine Produkte noch eine Zukunft haben sollen, dann muss das neue Betriebssystem, genannt Blackberry 10, den Durchbruch bringen.

    Die unsichersten Android-Apps im Überblick
    Die "sehr kritischen" Apps - Kontaktdaten, Kalendereinträge, E-Mail, Browserdaten oder Konten werden gelesen und unter Umständen übermittelt, ohne dass die App vorher um Erlaubnis fragt.WhatsAppAls besonders kritisch wurde in der Studie "WhatsApp" eingestuft. Der Messenger, der seit Monaten immer wieder in der Kritik steht, weist erhebliche Mängel auf: Die App verschafft sich die Berechtigung, Kontodaten zu verändern - damit ist das Lesen und Löschen von Passwörtern möglich. Außerdem ist es möglich, die Synchronisierungs- und Systemeinstellungen anzupassen. Die App zeigt den exakten Standort des Handys (und damit auch in den meisten Fällen den des Users) und den Netzwerkstatus an. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
    FacebookEbenfalls als besonders kritisch für Sicherheitsrichtlinien in Unternehmen wurde die Facebook-App eingestuft. Audio-, Bilder- und Videoaufnahmen sowie Kontaktdaten können verändert und gelesen werden. Dateientransfer über Facebook via Internet ist ein Kinderspiel. Auch hier ist es möglich den Telefonstatus und den Netzwerkstatus zu erkennen. Der Standort des Smartphones wird je nach Situation genau und ungefähr ermittelt. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
    SkypeDie App des Chat- und Telefon-Programms "Skype" verlangt bei der Installation insgesamt 28 Berechtigungen. Unter diesen sind einige, die für ein Unternehmen besonders kritisch sein können. So bekommt die Berechtigung, Kontaktdaten auf dem Smartphone zu verändern und zu lesen. Auch die Synchronisierungseinstellungen (wie Einschalten von Bluetooth) lassen sich verändern und der Netzwerkstatus wird angezeigt. Darüber hinaus verbraucht diese App sehr viel Netzwerkspeicher und Akkuressourcen. Die App wird bezüglich Firmendaten laut Studie als besonders kritisch eingestuft. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
    NavigonEbenfalls "sehr kritisch" für Unternehmen wird die App "Navigon" eingestuft. Diese App verschafft sich die Berechtigung, Audios und Videos aufnehmen, Systemeinstellungen und den WLAN-Status zu ändern. Auch alle Anwendungen, die aktuell auf dem Telefon laufen, können abgerufen und sogar beendet werden. Ohne Begründung für die Hauptfunktionalität können Kontaktdaten und vertrauliche Systemprotokolle gelesen und unter Umständen ins Internet übertragen werden. Zudem ist es möglich, Broadcast zu senden, was zu einem immensen Speicherverbrauch führt. Beim Broadcasting werden Datenpakete von einem Punkt aus an alle Teilnehmer eines Netzes übertragen und aufrecht zu erhalten. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
    ViberViber verschafft sich auch Zugriff auf etliche Funktionen des Smartphones. So lassen sich unter anderem Audios, Bilder und Video aufnehmen, Kontaktdaten schreiben und lesen und in das Internet übertragen, vertrauliche Protokolle lesen und Konten identifizieren. Es können alle Telefonnummern aus dem Adressbuch angerufen werden. Damit gilt die App für freie Internet-Telefonie als hervorragendes Tool ist aber für den Schutz von Firmendaten "sehr kritisch". Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
    ÖffiAuch die App des öffentlichen Nahverkehrs "Öffi" wird als besonders kritisch eingeordnet. Die App kann Kalendereinträge auf dem Smartphone und Kontaktdaten lesen und diese unter Umständen ins Internet übermitteln. Diese Aktionen sind für Funktionalitäten der App nicht nötig. Außerdem wird der genaue Standort des Handys einsehbar. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online
    SPB-TVDie TV-App SPB-TV gilt ebenfalls als besonders unsicher. Die App verschafft sich uneingeschränkten Zugang zum Internet mit dem Smartphone und kann sowohl den Telefon- als auch den Netzwerkstatus einsehen. Quelle: Presse, Montage WirtschaftsWoche Online

    Und es hat tatsächlich das Zeug dazu. Die Plattform das zeigen die ersten Tests der neuen Blackberry Flow genannten Benutzerführung auf den Geräten, begeistert mit einer eingängigen Steuerung und einer Vielzahl pfiffiger Ideen. Sie erleichtern das Arbeiten mit dem Smartphones und den darauf laufenden Apps - und gehen speziell beim Management mehrerer Anwendungen viel flüssiger von der Hand als das etwa bei iOS- oder Android-Geräten der Fall ist.

    Der Wechsel zwischen Apps, ein kurzer Blick auf eingegangene Nachrichten, ein Check, was in den Sozialen Netzwerken los ist, der Aufruf neuer Funktionen - alles lässt sich mit ein paar Daumenbewegungen ohne großen Aufwand über das Display managen. Passend zu den aktivierten Apps reicht ein weiterer Fingerstreich und die passenden Kurzbefehle erscheinen unter dem Finger und lassen sich auswählen.

    Und auch die Texteingabe ist konsequent auf einfachste Bedienung ausgerichtet. Sowohl die Bildschirmtastatur als auch das klassische Keyboard sind in der Lage mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit die Worte vorherzusagen, die der Anwender gerade eingeben will.

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