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Microsoft Der zweite Neuanfang im Smartphone-Markt

Microsoft führte vor dem iPhone den Smartphone-Markt an, doch das ist lange vorbei. Inzwischen dümpelt der Softwarekonzern bei einem Marktanteil von unter 4 Prozent herum. Nun sollen ein neues Betriebssystem und strategische Partner die Wende einleiten.

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Gemeinsam mit Partnern wie Nokia, Samsung, HTC und Huawei stellt Microsoft ein neues Smartphone-System auf den Markt vor. Quelle: REUTERS

Über die Neuheiten von Microsoft kann man in diesen Wochen leicht den Überblick verlieren. Ein neues Windows 8 für PCs und Tablet Computer, eine eigene Hardware mit dem Tablet „Surface“, einen neuen Unterhaltungsdienst „Xbox Music“. Und nun legt Microsoft nach und bringt zusammen mit Partnern wie Nokia, Samsung, HTC und Huawei ein neues Smartphone-System auf den Markt. „Das wäre so, als würde BMW innerhalb weniger Tages einen neuen 7er, 5er und 3er vorstellen“, sagte Microsoft-Manager Oliver Kaltner der Nachrichtenagentur dpa in München.

Windows Phone 8 ist technologisch eng mit dem Windows-System für den Desktop und Tablett verbunden. Damit wagt Microsoft innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal einen Neuanfang im Smartphone-Markt. Im Herbst 2010 wurde der Vorgänger Windows Phone 7 eingeführt, das erstmals das markante Kachel-Design auf den Smartphone-Bildschirm brachte. Unter der Haube steckte aber noch der Systemkern der betagten Software Windows CE. Der Erfolg am Markt hielt jedoch in engen Grenzen, auch weil der strategische Partner Nokia noch mitten in seiner Restrukturierung steckte und das Angebot von Apps im Microsoft-Store noch sehr übersichtlich war.

Kleiner Bruder von Windows 8

Das neue Systems dagegen ist quasi der kleine Bruder des großen Desktop-Systems Windows 8, so dass es künftig Millionen von Windows-Entwicklern leicht fallen soll, Smartphone-Varianten ihrer Apps zu programmieren. Mit dem strategischen Richtungswechsel kann Microsoft auch bewährte Technologien wie die Verschlüsselungslösung BitLocker ohne großen Aufwand von der PC-Welt auf das Smartphone holen. „Wir hören eigentlich zum ersten Mal, wie Windows Phone nun Teil dieses Microsoft-Ökosystems ist“, sagt Michael Gartenberg, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner.

Für private Anwender gehören die Spielkonsole Xbox, die neuen Unterhaltungsdienste unter der Xbox-Marke sowie die Cloudlösung SkyDrive zu diesem Gesamtsystem. Um die Verbraucher von Windows Phone zu überzeugen, führt Microsoft außerdem neue Funktionen wie die „Kinderecke“ ein, mit der Eltern einen sicheren Bereich auf dem Smartphone für die Kleinen einrichten können. In einer virtuellen „Brieftasche“ landen mit einer PIN geschützt die Informationen über Bank-, Kredit- und Kundenkarten. Durch eine Unterstützung von NFC-Chips könnte sich daraus eine echte digitale Geldbörse entwickeln, sobald Banken und Handel die entsprechende Infrastruktur eingerichtet haben.

Microsoft befindet sich in der Position des Davids

Die Fakten zum Microsoft-Tablet
Das Surface stellt eine Zäsur in der Geschichte von Microsoft dar. Statt nur die Software zu liefern, bietet Microsoft jetzt auch gleich das Gerät mit an. Das tat Microsoft bisher nur in Ausnahmefällen wie Eingabegeräten und der Spielekonsole Xbox. Doch was kann das Tablet? Die Fakten im Überblick. Quelle: Reuters
Grundsätzlich kommt das 10,6 Zoll große "Surface" in zwei verschiedenen Versionen auf den Markt. Eine für Heimanwender mit ARM Prozessor und in der reinen Tablet-Version des neuen Betriebssystems Windows 8 - RT genannt. Das Modell für professionelle Nutzer ist mit 13,5 Millimeter etwas dicker (einfache Variante: 9,3 Millimeter), hat aber auch einen deutlich leistungsfähigeren i5-Prozessor von Intel und die Pro-Variante von Windows 8. Größtes Plus der Variante mit i5-Prozessor: Auch normale Windows-Software läuft auf dem Gerät. Quelle: dapd
Ein weiterer Hardware-Unterschied zwischen der RT genannten Einsteiger-Version und dem Pro-Modell sind die Anschlüsse. Das Surface RT muss mit einem USB 2.0-Anschluss und einem MicroSD-Slot auskommen, während das Surface Pro einen Anschluss mit USB 3 und einen microSDXC-Karten-Slot bietet. Einen Mini-Display-Port hat ebenfalls nur das Pro-Modell. Beide Varianten werden mit 32 oder 64 Gigabyte internem Flash-Speicher angeboten. Quelle: AFP
Eine Besonderheit gegenüber anderen Tablets, die beide Versionen des Surface haben: Der ausklappbare Ständer. Die 0,7 Millimeter dicke Metallklappe ist mit drei Scharnieren am Body befestigt und soll so laut Microsoft auch auf längere Zeit ausreichend Stabilität bieten. Quelle: AFP
Neben zwei Leistungs-Versionen gibt es auch zwei Varianten des Covers. Diese werden ähnlich wie das SmartCover bei Apples iPad magnetisch an dem Tablet befestigt. Doch die Microsoft-Cover sollen nicht nur das Display schützen, sie haben auch beide eine Tastatur integriert. Hier kommt auch der Unterschied: Das drei Millimeter dicke TouchCover (auf dem Bild in pink) hat keine fühlbaren Tasten, sondern reagiert nur auf Druck. Das TypePad (im Bild schwarz) ist mit fünf Millimetern zwar etwas dicker, hat aber im Gegensatz zum TouchCover richtige Tasten, die bis zu 1,5 Millimeter nachgeben. Quelle: dapd
Das Gehäuse beider Modelle ist aus einer Magnesium-Legierung, die Microsoft "VaporMg" nennt. Mit einem Gewicht von 676 Gramm liegt die RT-Version auf dem Niveau des iPad 3, das Pro-Modell wiegt mit 903 Gramm deutlich mehr. Allerdings soll sich das Surface Pro auch von seinen Leistungsdaten her gegen die Ultrabooks als gegen das iPad positionieren. Quelle: dapd
Zudem lässt sich das Surface Pro auch mit einem Stift bedienen. Quelle: dapd

Bei gewerblichen Anwendern stehen andere Themen wie die Produktivitätssoftware Microsoft Office und Sicherheitsfeatures wie BitLocker im Vordergrund.

Für einen erfolgreichen Neuanfang werden diese neuen Akzentsetzungen aber nicht ausreichen. Im Gegensatz zum PC-Markt kann Microsoft bei den Smartphones nämlich nicht von einer unangefochtenen Führungsposition aus agieren und auf einen Masseneffekt setzen. Microsoft befindet sich in der ungewohnten Position eines Davids, der es sogar mit zwei Goliaths - Google und Apple - aufnehmen muss.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Windows

Um die eigene Position in der Auseinandersetzung mit den beiden übermächtigen Smartphone-Giganten zu stärken, haben sich die Microsoft-Manager im ersten Schritt ein leichteres Opfer ausgesucht, nämlich RIM. Der Hersteller des bei vielen Geschäftsleuten äußerst populären Blackberry befindet sich seit Monaten auf dem absteigenden Ast und hat Schwierigkeiten, eine seit langer Zeit geplante Erneuerung seines inzwischen veralteten Systems umzusetzen - Blackberry 10 wird für Anfang kommenden Jahres erwartet. Microsoft kann nun RIM bei Business-Lösungen besser Paroli bieten.

Eine Schlüsselposition haben die Telefonprovider, zumal Microsoft hierzulande nicht mit eigenen Stores Akzente setzen kann. Mit dem Verkaufspersonal in den Telefonläden und ihren Bundle-Angeboten online entscheiden die Provider in einem erheblichen Ausmaß darüber, mit welchem Smartphone die Kaufinteressenten tatsächlich nach Hause gehen. Daher ist der Marktstart von Windows Phone 8 auch eine Bewährungsprobe für den ehemaligen Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg, der inzwischen in Redmond für die Beziehungen zu den Telkos weltweit verantwortlich ist. Sollte das Smartphone-Konzept von Microsoft aufgehen, dürfte der rasante Aufstieg des ehemaligen Telekom-Managers in Redmond noch nicht sein Ende gefunden haben. Sollten sich die Erwartungen an Windows Phone nicht erfüllen, könnte es nicht nur für Berg, sondern auch für Konzernchef Steve Ballmer eng werden.

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