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Mobilität Der Siegeszug des E-Bikes

Früher Rentnergefährt, bald schon Statussymbol? Das E-Bike wird bei den Deutschen immer beliebter. Über den neuen schnellen Fahrradspaß ohne Anstrengung.

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E-Bikes schlagen sogar Autos
Der Frühling ist da und viele Arbeitnehmer nutzen nun die Möglichkeit, ihren Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückzulegen. Wer allerdings nicht verschwitzt im Büro ankommen möchte, der könnte sich für Pedelecs (Pedal Electric Cycle) bzw. E-Bikes interessieren. Denn hier muss der Fahrer nur ganz sanft in die Pedale treten, den Rest erledigt der eingebaute Motor. Quelle: Presse
Der Vorteil im Vergleich zu einem Mofa: Pedelecs mit Motoren, die weniger als 250 Watt Leistung abgeben und auf 25 km/h gedrosselt sind, zählen laut EU-Kraftfahrzeuglinie als herkömmliches Fahrrad und sind versicherungs- und zulassungsfrei. Auch die Schadstoffemissionen sind geringer. Quelle: Presse
Bei den Modellen sind der Vielfalt keine Grenzen gesetzt: Antrieb und Hinterradbremse des E-Bikes der Daimler-Tochter Smart sehen ganz schön futuristisch aus.
Der Münchner Automobilhersteller BMW präsentiert sein erstes serienreifes Pedelec und erweitert mit dem Cruise E-Bike sein Fahrrad-Portfolio im Rahmen der Lifestyle Kollektion. Das Fahrrad mit Motorunterstützung auf Basis des bestehenden BMW Cruise Bike ist auf 1000 Stück limitiert und nur in Deutschland erhältlich. Ein Bosch-Elektromotor mit einer Leistung von 250 Watt unterstützt den Fahrer bis maximal 25 km/h beim Treten. Damit dies reibungslos gelingt, messen Sensoren Drehmoment, Trittfrequenz und Geschwindigkeit. Kommt zum Beispiel Gegenwind auf, muss der Fahrer des Cruise E-Bikes stärker in die Pedale treten, um sein Tempo zu halten. Darauf reagiert der Trittkraftsensor und ein Plus an Motorkraft fängt die Mehrbelastung auf. Über einen abnehmbaren Bordcomputer am Lenker lassen sich vier Assistenzlevel (Null bis Drei) und vier Fahrmodi (Eco, Tour, Sport oder Speed/Turbo) wählen. Die Kombination aus Level und Modus ergibt die Motorunterstützung und entscheidet über die Reichweite, die bei bis zu 80 Kilometern liegt. Das BMW Cruise E-Bike kann es auf allen Radwegen genutzt werden, und es besteht keine Helmpflicht. Quelle: Presse
Auf der Fahrradausstellung Eurobike hat AEG erstmals einen Scheibenmotor vorgestellt. Er ist seitlich ansteckbar. Das hat den Vorteil, dass es künftig keinen speziellen, kostspieligen und oft auch sperrigen Rahmen für die Motorintegration mehr braucht ... Quelle: Presse
Vor der Zeppelinhalle: Auf dem weitläufigen Messegelände in Friedrichshafen haben die Eurobike-Besucher Gelegenheit, die neuesten Pedelecs ausgiebig selbst zu erfahren. Quelle: Presse
Die Automobilzulieferer Mando Corp. und Meister Inc. ein neues E-Bike-Konzept entwickelt. Dazu gehört ein kettenloser und serieller Hybrid-Antrieb - aber auch ein mit intelligenter Sensortechnik ausgestattetes Innenleben. Das faltbare koreanische E-Bike wurde vom britischen Designer Mark Sanders entworfen, der die fürs Fahrrad typische Kette elegant abgeschafft hat. Das Mando Footloose hat ein hybrides Antriebssystem. Der Motor bringt die Kraft direkt aufs Antriebsrad, ist aber auch ein Generator. Beim Treten verwandelt sich mechanische Energie in elektrische und speist so den Akku des E-Bikes. Durch das aktive Aufladen lässt sich die Reichweite von 30 Kilometern nochmals steigern. Über einen Gashebel steuert man den Motorantrieb und fährt auf Wunsch ohne in die Pedalen zu treten. Das Mando Footloose ist je nach Land und Zulassungsvorschriften in verschiedenen Varianten verfügbar. Die Softwaresteuerung erlaubt die Konfiguration als Pedelec (max. 25 km/h), als sogenanntes ePOD (Mix aus Motor- und Pedalantrieb) oder sogar als eScooter (elektrisch betriebener Roller). Und für das Fitnessprogramm zu Hause kann man das Mando Footloose auch als Indoor eTrainer einsetzen, aber erst ab 2013, wenn es nach Euroa kommt. Quelle: Presse

Nur auf dem Hinterrad fahrend gleitet der tätowierte, durchtrainierte Biker durch das Bild. Im Hintergrund läuft treibende Rockmusik, der Fahrer mit dem schwarzen Helm tritt in die Pedale und beschleunigt sein schwarzes, bulliges Rad weiter. Als er es abstellt, leuchtet auf einem kleinen, in das Oberrohr eingelassene Bildschirm das Wort "Locked", zu deutsch "verriegelt" auf. In diesem Moment erhascht der Zuschauer einen Blick auf das Markenlogo, das auffällig an der Rahmenseite angebracht ist. Es sind vier, ineinander verschlungene Ringe, das Zeichen des Ingolstädter Autobauers Audi.

Aber seit wann baut Audi Fahrräder? Gar nicht, denn bei dem schwarzen Gefährt, dessen Werbevideo mittlerweile schon fast eine halbe Millionen mal geklickt wurde, handelt es sich um keinen klassischen Drahtesel, sondern um ein E-Bike, ein Fahrrad mit Elektromotor.

Auch wenn das, von Audi "e-Bike Wörthersee" getaufte, Elektrofahrrad bisher nur ein Prototyp ist, zeigt es doch, wohin es mit den Fahrrädern mit Elektromotor künftig gehen wird. Wer nämlich glaubt, dass Elektrofahrräder nur etwas für Senioren sein, die mit den elektronisch betriebenen Gefährten allsonntäglich zu gemütlichen Ausflugsfahrten aufbrechen, der irrt. Das Elektrobike kommt langsam in allen Altersklassen an, der Elektromotor wird zunehmend als sinnvolle Erweiterung des Fahrrads gesehen, weniger als Eingeständnis an die eigene Fitness. "Unser E-Bike soll einem das Gefühl von Siebenmeilenstiefeln vermitteln", erklärt David Horsch gegenüber dem Nachhaltigkeitsblog Green-Wiwo.

Er hat mit seinem Freund und Geschäftskollegen Pius Warken ein Fahrrad mit elektronischer Trittunterstützung entwickelt, dem man seine Stromkraft nicht ansieht. Der Elektroakku ist vollkommen im Aluminiumgehäuse versenkt, lediglich eine kleine Diodenreihe am Oberrohr klärt über die Ladekapazität auf und verrät, dass es sich hier um kein einfaches Fahrrad handelt.

Es geht also nicht um eine möglichst bequeme Fortbewegung, sondern um den Spaß am Fahrradfahren. Das könnte auch erklären, wieso immer mehr Unternehmen in das Geschäft mit den elektronischen Drahteseln einsteigen. Der österreichische Motorradhersteller KTM, bisher eher für kernige Motorcrossmaschinen als für summende Elektrofahrräder bekannt, hat kürzlich seinen ersten Prototyp eines E-Bikes vorgestellt und auch deutsche Autoschmieden wie BMW, Volkswagen oder eben Audi drängen mit ihren Vorschlägen auf den Markt der Elektrofahrräder.

Mobilität: Die Top-Metropolen
Es wird eng fürs AutoWelche Stadt hat einen (guten) Mobilitätsplan? Eine Studie von Arthur D. Little zeigt, in welchen Metropolen man am besten von A nach B kommt - und mit welchem Verkehrsmittel das am schnellsten geht. Exklusiv für die Wirtschaftswoche wurden dem internationalen Vergleich der Top-Mobilitäts-Metropolen ausgewählte deutsche Städte hinzugefügt. In vielen Städten spielt das Auto immernoch eine große Rolle in der Fortbewegung. Selbst bestimmen zu können - unabhängig von jedem Fahrplan - wann man sich auf den Weg macht, ist für viele Städter ein Luxus, den sie nicht missen möchten. Aber das Auto hat nicht nur Vorteile: Abgase verpesten die Luft und höhe Steuern schmälern den Geldbeutel. Und so setzen viele Menschen mittlerweile aufs Rad, auf Bus und Bahn, auf Carsharing - oder auf eine Kombination. Quelle: dpa
Wuhan: Mit dem Mietfahrrad (fast) überall hinOb das Radfahren in Wuhan immer und bei jedem Wetter Spaß macht, sei dahingestellt. Aber die Stadt bietet sehr gute Voraussetzungen für die Fortbewegung per Pedal: Auf eine Million Einwohner gibt es 6500 Mieträder - keine andere Stadt im Ranking bietet mehr. Außerdem werden an den Stationen Snacks und Getränke verkauft, damit die Radler neue Energie tanken können. Wuhan erreicht 71,8 von 100 erreichbaren Mobilitätspunkten. Quelle: Reuters Stringer Shanghai
Madrid: Überdurchschnittlich gutMadrid sticht in keiner der untersuchten Kategorien wie z.B. Zufriedenheit mit dem Nahverkehr oder durchschnittlicher Fahrzeit zum Arbeitsplatz hervor. Da es aber in allen Bereichen leicht überdurchschnittliche Werte erreicht, schafft es die Hauptstadt Spaniens mit 71,8 von 100 erreichbaren Punkten unter die Top 20 im internationalen Moblitäts-Ranking. Quelle: Reuters Susana Vera
Barcelona: Bus, Bahn und Rad beliebtEinen Spitzenplatz belegt die spanische Großstadt in der Kategorie "Marktanteil Öffentlicher Nahverkehr". 530 Kilometer Nahverkehr und Top-Verkehrsleitsystem: Bahn, Bus und Rad kommen auf 84 Prozent Marktanteil. Keine andere Stadt weist eine höheren Wert auf. Insgesamt erreicht Barcelona 72,3 Punkte und damit Platz 13 im Ranking der internationalen Metropolen. Quelle: Reuters Albert Gea
Hannover: In 20 Minuten zur ArbeitMehr als eine halbe Million Einwohner leben in der Landeshauptstadt Niedersachsens und sie benötigen durchschnittlich nur 20 Minuten zur Arbeit. Zwei Minuten weniger und Hannover hätte den Bestwert in dieser Kategorie erreicht. Auch die Zufriedenheit mit dem Nahverkehr ist bei den Hannoveranern "hoch". Ein gutes Ergebnis mit insgesamt 72,4 von 100 erreichbaren Punkten. Quelle: dpa
Leipzig: Höchster Anteil öffentlicher VerkehrIn Leipzig fährt man gerne Bus und Bahn. Aber auch, wer lieber selber fährt, muss dafür nicht unbedingt ein Auto kaufen. Der Carsharing-Anteil in Leipzig ist hoch: pro einer Million Einwohner stehen mehr als 200 Carsharing-Autos zur Verfügung. Damit liegt Leipzig im Vergleich der deutschen Großstädte auf Platz 5 von 15. Quelle: dpa
Stuttgart: Von der Bahn aufs E-BikeNach den Schlagzeilen um Stuttgart 21 punktet die Bahn in Stuttgart mit anderen Arten der Fortbewegung: Sie bietet Mietfahrräder an. Der Clou: Man wird beim Strampeln unterstützt - von einem Elektromotor. Damit ist die schwäbische Landeshauptstadt die einzige Stadt im Vergleich der 15 deutschen Großstädte, in der Bürger auf Miet-Elektro-Velos zurückgreifen können. Für die Mobilitätsstrategie ernten die Schwaben ebenfalls ein "sehr gut". Im Vergleich der deutschen Städte reicht es damit für Platz vier und insgesamt 74,3 Punkte. Quelle: DB Rent GmbH Ralf Braum

Das deutsche Start-Up Evation Bike gewann für sein Konzept eines E-Mountainbike im hochpreisigen Segment sogar den Gründerpreis Weconomy. In der Jury, die den Preisträger auswählte saßen altgediente Wirtschaftsgrößen wie Burkhard Schwenker, Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensberatung Roland Berger oder Ex-BASF-Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht. Allesamt sind sie von dem Erfolg des E-Mountainbikes überzeugt und zeigen damit indirekt, dass die Branche, ihrer Ansicht nach, Zukunft hat.

E-Bike ist nicht gleich E-Bike

Die besten Städte für Radfahrer
Tausende Fahrradfahrer überqueren die Köhlbrandbrücke im Hafen in Hamburg Quelle: dpa
Screenshot der Homepage von Dublin Quelle: Screenshot
Screenshot der Homepage Montréal Tourisme Quelle: Screenshot
Eine Fahrradverleihstation in Paris Quelle: dpa
Eine Spaziergängerin und ein Radfahrer überqueren die Isar in München Quelle: dpa
Fahrradroboter "Murata Boy" in Chiba bei Tokio Quelle: dapd
Ein Radfahrer fährt in Berlin an einer Regenpfütze vorbei, in der sich das Brandenburger Tor spiegelt. Quelle: dpa

Doch was ist ein E-Fahrrad eigentlich, und was kann es? Dazu muss man zunächst einmal zwischen Pedelecs und Elektrofahrrädern, sogenannten E-Bikes, unterscheiden. Während der Begriff E-Bike oder E-Fahrrad grundsätzlich für ein Fahrrad steht, das einen Elektromotor zur Fortbewegung eingebaut hat, sind Pedelecs Gefährte, die den Fahrer lediglich beim Treten unterstützen. Das Kunstwort Pedelec, eine Abkürzung von Pedal Eletric Cycle, bezeichnet also ein Fahrrad, das die Pedaltritte des Fahrers durch einen Elektromotor unterstützt und verstärkt. Hört der Fahrer auf zu treten, setzt auch der Motor aus. Hingegen kann sich ein E-Bike per Definition auch fortbewegen, ohne dass man tritt. Der Motor ist dann eine Alternative zum Treten und lässt sich beispielsweise durch einen Zug am Lenker regeln, ähnlich wie bei einem Motorrad.

Beim Pedelec hingegen lässt sich die Motorunterstützung meist nicht direkt regeln, ein Sensor misst die Trittstärke an der Fahrradkurbel und sorgt dafür, dass der Elektromotor sich mit einer bestimmten Stärke dazuschaltet.

Damit ist das Pedelec eine Variante des E-Bikes. Diese Variante macht in Deutschland jedoch auch das Gros des gesamten Marktes für Elektroräder aus, nach Einschätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) liegt der Anteil von Pedelecs am gesamten E-Fahrradmarkt bei 95 Prozent.

Die Deutschen fahren also gerne mit ein wenig Trittunterstützung unter dem Sattel, sich komplett vom Motor anschieben lassen, möchte man allerdings nicht. Das könnte allerdings auch rechtliche Gründe haben. Denn: nur Pedelecs, die den Fahrer bis höchstens 25 Stundenkilometer per Motor unterstützen und der Motor nicht stärker als 250 Watt im Dauerbetrieb ist, gelten in Deutschland noch als Fahrrad. Das geht aus einem Beschluss des Verkehrsgerichttags in Goslar im Januar 2012 hervor.

Alles, was darüber hinaus geht, ist aus rechtlicher Sicht kein Fahrrad mehr, bedarf also Kennzeichen, der Fahrer muss einen Helm tragen und auch das Privileg der Fahrradwegnutzung entfällt. Dabei ist es jedoch egal, wie hoch der Anteil ist, mit welcher der Motor die Trittkraft unterstützt. So wird im Extremfall auch ein Pedelec, das seinen Fahrer bei geringster Trittkraft auf 25 Stundenkilometer beschleunigt, rechtlich immer noch als Fahrrad gewertet.

Wenn es über die genannten Auflagen hinaus geht wird es schwieriger. Hat man sich ein E-Bike zugelegt, dass auch ohne eigenes Zutun, auf maximal sechs Stundenkilometer beschleunigt, fällt das Gefährt noch in der gesetzlichen Betrachtung unter Fahrräder, da es sich um ein sogenanntes Pedelec mit Anschiebehilfe handelt.

Wer bei der Nachhaltigkeit punktet
Gelsenkirchen Quelle: obs
Oberhausen Quelle: dpa/dpaweb
Krefeld Quelle: AP
Herne Quelle: dpa/dpaweb
Hamm Quelle: dapd
Mönchengladbach Quelle: dpa/dpaweb
Essen Quelle: AP

Wird es schneller oder leistungsstärker, wird aus dem E-Bike ein Kleinkraftrad. Hat der motorgestützte Drahtesel also eine Leistung, die 250 Watt überschreitet oder aber auch bei mehr als 25 Stundenkilometern den Fahrer noch per Motor unterstützt, benötigt man für das Gefährt eine Betriebserlaubnis und ein Versicherungskennzeichen, wie man es von Rollern kennt. Außerdem muss der Fahrer mindestens eine Mofa-Prüferlaubnis besitzen, für die man mindestens 15 Jahre alt sein muss. Daneben ist Helmtragen angesagt, nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) müssen das Schutzhelme sein, wie sie auch von Motorradfahrern getragen werden. Ein einfacher Fahrradhelm reicht also nicht aus. Ähnliches gilt für die Straßen, die von leistungsstärkeren E-Bikes befahren werden dürfen. Weißt ein Schild auf das Verbot von Motoradfahren hin, müssen auch E-Bikepiloten umkehren.

Dass ein Pedelec jedoch auch bei niedrigen Geschwindigkeiten für ernsthafte Verletzungen sorgen kann, zeigen Crashtests, welche die Unfallforscher der Versicherer (UDV) im Internet präsentieren. Das Gefährliche an den Fahrrädern mit Elektromotor: Sie können den Fahrer auf Geschwindigkeiten beschleunigen, die sie sonst nicht erreichen könnten. Das kann zu Überforderungen führen, wie Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer erklärt. Jedoch liegen den Experten bisher keine belastbaren Zahlen vor, sodass eine wissenschaftliche Aussage schwer fällt. Derzeit untersucht die TU Chemnitz für die UDV, inwiefern ein E-Bike das eigene Fahrverhalten und die Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer beeinflusst.

Der Markt wächst enorm

Verkehrsmittel der Zukunft
In der Stadt von Morgen wird es keine festen Wege mehr für Autos, Radfahrer und Fußgänger geben. Alle Verkehrsteilnehmer werden sich künftig flexibel einen Weg durch die Stadt suchen – das glauben zumindest Forscher, die sich mit Städten der Zukunft befassen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In den künftigen Megacities muss es gelingen auf gleichem Raum mehr Menschen zu transportieren. Indische Städte wie Delhi und Gurgaon planen Roboter-Taxis einzuführen. Die computergesteuerten Kabinen für vier bis sechs Personen warten an Haltestellen auf ihre Fahrgäste. Per Lasertechnik werden die Kabinen durch die Stadt gelotst, die Haltestellen können dann je nach Bedarf angesteuert werden – getrennt vom restlichen Verkehr. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Jakarta bringt ein Zug namens Aeromovel die Fahrgäste ohne Lärm und Abgase ans Ziel – angetrieben von Druckluft. Die Erfindung neuer Transportmittel, die ohne Kraftstoff auskommen wird in Zukunft immer wichtiger werden.  Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Medellin befördern seit 2004 Seilbahnen Passagiere umweltfreundlich durch die Stadt. Die ersten europäischen Städte ziehen nun nach. Seilbahnen sollen künftig auch in London und Hamburg sowohl CO2 als auch Platz sparen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In São Paulo kommen auf rund 19 Millionen Einwohner etwa sieben Millionen Autos. Städte wie Istanbul, Bogotá oder Santiago de Chile ersetzen Autospuren durch Schnellbuslinien. Auf diesen Bus Rapid Transits rollen Riesenbusse im Minutentakt an allen Staus vorbei. 900 000 Istanbuler nutzen solche Busse bereits Tag für Tag. Weitere 80 Städte wollen nachziehen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Nicht nur Menschen müssen zukünftig Platz- und Ressourcen sparend durch die Stadt transportiert werden. Gerade der Schwerlastverkehr mit Lastwagen gehört zu den größten Luftverschmutzern. In Bochum setzt das Unternehmen CargoCap daher auf computergesteuerte Kapseln, die Paletten durch Rohe unter der Erde ans Ziel bringen. Eine oberirdische Teststrecke gibt es in Bochum bereits. Die Kosten für dieses System: geringer als der Bau einer Autobahn. Laut CargoCap kostet eine Röhre mit zwei Fahrsträngen pro Kilometer 6,4 Millionen Euro, ein Kilometer Autobahn in Deutschland das Vielfache. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Zukunft werden auch platzsparende Autos gefragt sein. Eine Antwort darauf könnte das Hiriko-Citycar geben. Den Elektrozweisitzer entwickelten Forscher am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology. Das Auto lässt sich zum Parken einfach zusammenklappen und benötigt nur ein Drittel der Standfläche eines Smarts. Im Jahr 2013 sollen 20 Modelle auf den Markt kommen, so die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Auch andere Ideen sorgen für Aufsehen… Illustration: Javier Martinez Zarracina

Der Markt boomt dennoch. Trotz Unfallgefahr knackte der europäische Markt nach Angaben von Experten des ZIV vergangenes Jahr die Marke von einer Millionen E-Bikes. 380.000 Fahrräder, also mehr als ein Drittel, werden nach Verbandsangaben davon in Deutschland gefahren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von mehr als 15 Prozent, nimmt man 2009 als Vergleichsjahr hat sich der Markt sogar mehr als verdoppelt. Dennoch gehören E-Bikes bisher nicht zur Standardausstattung eines Haushalts. In einer Studie des ADFC aus dem Jahr 2011 gaben zwar 92 Prozent der Befragten an, Pedelecs zu kennen, jedoch war nicht einmal jeder zehnte schon mit einmal mit einem solchen Gefährt unterwegs.

Auch Firmenkunden fahren E-Bike

Interesse an einem Fahrrad mit Unterstützung durch einen Elektromotor zeigten fast die Hälfte der Befragten. Die Gruppe die sich am meisten für die Elektroräder begeistern könnte waren dabei erwartungsgemäß die 60- bis 69-Jährigen, allerdings waren auch die jüngeren Altersgruppen dem neuen Fortbewegungsmittel aufgeschlossen, fast jeder zweite war an E-Bikes interessiert.

Wieso auch jüngere Menschen Interesse an Elektrorädern haben erklärt Thomas Huber. Er ist Chefredakteur beim Zukunftsinstitut, einem Trendforschungsinstitut mit Sitz bei Frankfurt. "Man sieht das E-Bike nicht mehr nur als Hilfsmittel für Leute, die eigentlich nicht mehr Fahrradfahren können, sondern als eine Art Range-Extender." Mit Range-Extender, zu Deutsch in etwa "Reichweiten-Ausweiter" meint er die Möglichkeit, mit dem E-Bike größere Hindernisse als mit einem klassischen Fahrrad überwinden zu können. "Man kann höhere Berge bezwingen, längere Strecken zurücklegen oder mit höheren Geschwindigkeiten fahren."

Das E-Bike ist also Hilfsmittel zur Fortbewegung für die einen, Sportgerät mit vielen Möglichkeiten für die anderen. Daneben erkennt Huber einen dritten Trend: "Das E-Fahrrad wird auch zunehmend für Unternehmen als alternatives Verkehrsmittel interessant." So könne man sich mit einem E-Bike im Stadtverkehr ähnlich schnell wie mit einem Fahrrad bewegen, das Parkplatzproblem entfalle und "die Gefahr verschwitzt beim Kundentermin anzukommen entfällt durch den Hilfsmotor ebenfalls."

Der Markt für Firmenkunden wächst, Unternehmen wie Eurorad haben sich auf die Vermietung größerer E-Bikeflotten spezialisiert. Beim Chemiehersteller BASF in Ludwigshafen startete Anfang 2013 der Austausch von Rollern gegen Pedelecs, schon bald sollen 1500 Mitarbeiter mit dem Elektrofahrrad zur Arbeit kommen. Ähnliches beim Kunststoffspezialisten Rehau. Am Firmensitz in der gleichnamigen Stadt im Oberfränkischen können schon seit 2011 rund 2000 Mitarbeiter statt Firmenwagen auf die eigene E-Bikeflotte umsteigen.

Die Popularität der Elektroräder bringt auch seine Schattenseiten mit sich: Wer sich eines zulegen will, steht einer riesigen Auswahl gegenüber. Von Discounterangeboten ab 500 Euro bis zu High-End Bikes für 6000 Euro stehen hunderte Modelle zur Verfügung. Siegfried Brockmann vom UDV rät deswegen zu einer ausgiebigen Testfahrt, bei der man besonders auf den Antrieb achten sollte: "Besonders bei billigen Modellen kommt es vor, das nur ein leichter Tritt in die Pedale den Motor zu voller Leistungsabgabe bringt und man dementsprechend unstet und unsicher fährt." Deswegen sollte man darauf achten, dass der Motor linear unterstützt, also stets gleich viel Kraft abgibt.

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Wer sich ein E-Bike anschafft sollte sich außerdem bewusst sein, dass dies nicht ganz billig ist. "Mindestens 1800 Euro sollte man schon investieren, hinzu kommen jährlich rund 300 Euro für die Wartung", sagt Bettina Cibulski, E-Fahrradexpertin beim ADFC. Sie rät außerdem auf die Qualität des Akkus zu achten. "Ähnlich wie bei Handys sollten es Lithium-Ionenzellen sein und nicht die günstigeren Bleiakkus." Kommt das E-Fahrrad daneben aus dem Hause eines etablierten Herstellers erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, auch in zehn Jahren noch einen passenden Ersatzakku erhalten, so Cibulski. Deswegen rät sie beim Kauf auch zum Besuch eines Fachhändlers, von Discounterangeboten hält sie wenig.

Daneben gibt es zahlreiche Rankings, die Kunden beim Kauf unterstützen wollen. Da E-Bikefahrer neben den erwähnten Vorteilen häufig auch einen ökologischen Nutzen, nämlich die Vermeidung von CO-2, in ihrer Art der Fortbewegung sehen, hat das Öko-Institut aus Freiburg ein Ranking für besonders ökologische Fahrräder herausgebracht. Jedoch sollte man sich in Deutschland bewusst sein, dass der Strom zur Ladung der Bikes in großen Teilen aus Gas-oder Kohlekraftwerken stammt. So grün ist das Ganze dann also doch nicht.

Am Ende steht dann nur noch beim Kauf dann nur noch die Frage: Gemütliches Pedelec für den Sonntagsausflug oder Sportbolide um neue Bestzeiten aufzustellen? Und die muss jeder für sich beantworten.

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