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Mobilität Der Siegeszug des E-Bikes

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E-Bike ist nicht gleich E-Bike

Die besten Städte für Radfahrer
Tausende Fahrradfahrer überqueren die Köhlbrandbrücke im Hafen in Hamburg Quelle: dpa
Screenshot der Homepage von Dublin Quelle: Screenshot
Screenshot der Homepage Montréal Tourisme Quelle: Screenshot
Eine Fahrradverleihstation in Paris Quelle: dpa
Eine Spaziergängerin und ein Radfahrer überqueren die Isar in München Quelle: dpa
Fahrradroboter "Murata Boy" in Chiba bei Tokio Quelle: dapd
Ein Radfahrer fährt in Berlin an einer Regenpfütze vorbei, in der sich das Brandenburger Tor spiegelt. Quelle: dpa

Doch was ist ein E-Fahrrad eigentlich, und was kann es? Dazu muss man zunächst einmal zwischen Pedelecs und Elektrofahrrädern, sogenannten E-Bikes, unterscheiden. Während der Begriff E-Bike oder E-Fahrrad grundsätzlich für ein Fahrrad steht, das einen Elektromotor zur Fortbewegung eingebaut hat, sind Pedelecs Gefährte, die den Fahrer lediglich beim Treten unterstützen. Das Kunstwort Pedelec, eine Abkürzung von Pedal Eletric Cycle, bezeichnet also ein Fahrrad, das die Pedaltritte des Fahrers durch einen Elektromotor unterstützt und verstärkt. Hört der Fahrer auf zu treten, setzt auch der Motor aus. Hingegen kann sich ein E-Bike per Definition auch fortbewegen, ohne dass man tritt. Der Motor ist dann eine Alternative zum Treten und lässt sich beispielsweise durch einen Zug am Lenker regeln, ähnlich wie bei einem Motorrad.

Beim Pedelec hingegen lässt sich die Motorunterstützung meist nicht direkt regeln, ein Sensor misst die Trittstärke an der Fahrradkurbel und sorgt dafür, dass der Elektromotor sich mit einer bestimmten Stärke dazuschaltet.

Damit ist das Pedelec eine Variante des E-Bikes. Diese Variante macht in Deutschland jedoch auch das Gros des gesamten Marktes für Elektroräder aus, nach Einschätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) liegt der Anteil von Pedelecs am gesamten E-Fahrradmarkt bei 95 Prozent.

Die Deutschen fahren also gerne mit ein wenig Trittunterstützung unter dem Sattel, sich komplett vom Motor anschieben lassen, möchte man allerdings nicht. Das könnte allerdings auch rechtliche Gründe haben. Denn: nur Pedelecs, die den Fahrer bis höchstens 25 Stundenkilometer per Motor unterstützen und der Motor nicht stärker als 250 Watt im Dauerbetrieb ist, gelten in Deutschland noch als Fahrrad. Das geht aus einem Beschluss des Verkehrsgerichttags in Goslar im Januar 2012 hervor.

Alles, was darüber hinaus geht, ist aus rechtlicher Sicht kein Fahrrad mehr, bedarf also Kennzeichen, der Fahrer muss einen Helm tragen und auch das Privileg der Fahrradwegnutzung entfällt. Dabei ist es jedoch egal, wie hoch der Anteil ist, mit welcher der Motor die Trittkraft unterstützt. So wird im Extremfall auch ein Pedelec, das seinen Fahrer bei geringster Trittkraft auf 25 Stundenkilometer beschleunigt, rechtlich immer noch als Fahrrad gewertet.

Wenn es über die genannten Auflagen hinaus geht wird es schwieriger. Hat man sich ein E-Bike zugelegt, dass auch ohne eigenes Zutun, auf maximal sechs Stundenkilometer beschleunigt, fällt das Gefährt noch in der gesetzlichen Betrachtung unter Fahrräder, da es sich um ein sogenanntes Pedelec mit Anschiebehilfe handelt.

Wer bei der Nachhaltigkeit punktet
Gelsenkirchen Quelle: obs
Oberhausen Quelle: dpa/dpaweb
Krefeld Quelle: AP
Herne Quelle: dpa/dpaweb
Hamm Quelle: dapd
Mönchengladbach Quelle: dpa/dpaweb
Essen Quelle: AP

Wird es schneller oder leistungsstärker, wird aus dem E-Bike ein Kleinkraftrad. Hat der motorgestützte Drahtesel also eine Leistung, die 250 Watt überschreitet oder aber auch bei mehr als 25 Stundenkilometern den Fahrer noch per Motor unterstützt, benötigt man für das Gefährt eine Betriebserlaubnis und ein Versicherungskennzeichen, wie man es von Rollern kennt. Außerdem muss der Fahrer mindestens eine Mofa-Prüferlaubnis besitzen, für die man mindestens 15 Jahre alt sein muss. Daneben ist Helmtragen angesagt, nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) müssen das Schutzhelme sein, wie sie auch von Motorradfahrern getragen werden. Ein einfacher Fahrradhelm reicht also nicht aus. Ähnliches gilt für die Straßen, die von leistungsstärkeren E-Bikes befahren werden dürfen. Weißt ein Schild auf das Verbot von Motoradfahren hin, müssen auch E-Bikepiloten umkehren.

Dass ein Pedelec jedoch auch bei niedrigen Geschwindigkeiten für ernsthafte Verletzungen sorgen kann, zeigen Crashtests, welche die Unfallforscher der Versicherer (UDV) im Internet präsentieren. Das Gefährliche an den Fahrrädern mit Elektromotor: Sie können den Fahrer auf Geschwindigkeiten beschleunigen, die sie sonst nicht erreichen könnten. Das kann zu Überforderungen führen, wie Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer erklärt. Jedoch liegen den Experten bisher keine belastbaren Zahlen vor, sodass eine wissenschaftliche Aussage schwer fällt. Derzeit untersucht die TU Chemnitz für die UDV, inwiefern ein E-Bike das eigene Fahrverhalten und die Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer beeinflusst.

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