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Mr. 100.000 Volt Elon Musk - der nächste Steve Jobs

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Chef im Doppelpack

Jobs und Musk haben tatsächlich viele Gemeinsamkeiten. Der Apple-Gründer war ein Workaholic, der bis zum letzten Stadium seiner Krebskrankheit schuftete. „Ich arbeite viel. Sehr viel“, verrät Musk, gefragt nach dem Geheimnis seines Erfolges. Wie Jobs, der mehrere Jahre den rasch wachsenden Elektronikkonzern Apple und das populäre Trickfilmstudio Pixar parallel leitete, führt Musk mit Tesla Motors und SpaceX gleich zwei bedeutende Firmen.

Wie Jobs hat Musk eine Obsession für Details, egal, wie teuer oder zeitraubend. „Wir verzichten lieber auf Umsatz, als ein Produkt auf den Markt zu bringen, das unsere Kunden nicht begeistert“, rechtfertigte Musk, dass sich die Auslieferung seines E-Geländewagens Model X vom Frühjahr auf den Herbst nächsten Jahres verschiebt.

Im Gegensatz zum Apple-Gründer ist Musk nur bei den Produkten detailversessen. Seine Präsentationen studiert er nicht akribisch ein, lässt sich lieber vom Moment tragen und verheddert sich deshalb manchmal. Aber wie Jobs liebt er das Rampenlicht und nutzt seine Prominenz clever zum Vermarkten seiner Unternehmen.

So könnten die neuen US-Raumschiffe aussehen
Tesla-Gründer Elon Musk ist bekennender Raumfahrt-Enthusiast. Sein 2002 gegründetes Unternehmen SpaceX gehört heute zu den wichtigsten Partnern der Nasa. Quelle: REUTERS
Mit dem unbemannten Raumtransporter Dragon versorgt SpaceX im Auftrag der Nasa die Raumstation ISS mit Vorräten. Die Dragon-Kapsel ist aber auch mit Blick auf einen möglichen bemannten Einsatz konzipiert worden. Quelle: dapd
Die Dragon V2 - hier eine Computer-Illustration - soll bis zu sieben Astronauten gleichzeitig ins All befördern können. Quelle: dpa
Bei der Rückkehr zur Erde soll die Dragon-Kapsel in aufrechter Position landen können. Quelle: dpa
Ins All befördert werden soll die Raumkapsel durch die ebenfalls von SpaceX entwickelte Trägerrakete Falcon 9, mit der bereits die unbemannten Dragon-Kapseln in den Weltraum geschossen werden. Quelle: dpa
Bei Boeing plant man mit der bereits in der Erprobung befindlichen Raumkapsel CST-100. Die Illustration zeigt das Raumschiff bei der Annäherung an die Raumstation ISS. Bild: Boeing Quelle: Handelsblatt Online
Das CST-100 (die Buchstaben stehen für Crew Space Transportation) soll ebenfalls bis zu sieben Raumfahrer ins All befördern. Quelle: Handelsblatt Online

Und er umgibt sich ebenfalls mit einem Zirkel Vertrauter, die ihm seit einer Dekade die Treue halten. Seine wichtigsten Ratgeber sind der Antriebsexperte Jeffrey Brian Straubel, der Designer Franz von Holzhausen und Raketenkonstrukteur Tom Mueller. Wie Jobs kann Musk charmant sein, wenn es darauf ankommt, aber auch kalt und hart gegenüber Mitarbeitern.

Mehr Glück als Verstand?

Schlamperei und vermeidbare Fehler nimmt er persönlich. Am Geld schätzt Musk vor allem die Macht, Dinge verändern und seinen Willen durchsetzen zu können. Jobs hielt es genauso. Wie der Apple-Gründer, der mit Pixar und dem Computerhersteller Next sein Vermögen riskierte, stand Musk mit Tesla Motors und SpaceX kurz vor der Pleite.

Und wie Jobs zieht Musk nicht nur fanatische Fans an, sondern auch viele Zweifler. Die überzeugt sind: Die neue Lichtgestalt des Silicon Valley hatte immer mehr Glück als Verstand, Tesla ist nur ein gigantisches Marketing-Konstrukt und wird früher oder später wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

„Momentan verfolgt ihn quasi das Geld“, sagt US-Journalist Ashlee Vance, der gerade eine Biografie über Musk schreibt, die im Mai nächsten Jahres erscheinen soll. Knapp 300 Weggefährten hat er befragt und schließlich Musk – nach dessen anfänglicher Weigerung – insgesamt 40 Stunden interviewt.

Für Vance ist Musk „eine Mischung aus dem legendären Erfinder Thomas Edison, dem Autozar Henry Ford, Öltycoon Howard Hughes und Apple-Gründer Steve Jobs“. Von seinen engsten Mitarbeitern fordert er alles. „Sein Ideal ist, nicht nur sechs Tage die Woche, sondern sieben zu arbeiten, also praktisch immer“, hat Vance beobachtet.

Private Sternenflotte

Viele kolportierte Anekdoten, etwa dass der studierte Physiker Musk höchstpersönlich Raketen und Autos konstruiert, tat der erfahrene High-Tech-Reporter anfangs als „Bullshit“ ab. Nun nicht mehr. „Musk hat natürlich nicht alles alleine gemacht, dafür hat er Weltklasse-Experten“, sagt Vance. „Aber er ist eng eingebunden und hat einen Instinkt für marktverändernde Technologien.“ So hat Musk früh viel Geld in das Anfang der Neunzigerjahre in Großbritannien erfundene Rührreibschweißen investiert und alle verfügbaren Spezialisten für den Einsatz im Raketenbau angeheuert. Das Verfahren ermöglicht es, Aluminiumbauteile effizient und schnell miteinander zu verbinden, was Produktionskosten senkt. Mittlerweile setzen auch etablierte Konkurrenten wie Boeing auf die Methode.

Oft wird der Gründer mit Tony Stark verglichen, jenem von Comic-Legende Stan Lee ersonnenen Charakter, der als Iron Man die Menschen mit genialen Erfindungen gegen dunkle Mächte verteidigt.

Tatsächlich eignet sich Musks Leben als Vorlage für einen Superhelden-Comic: vom Bücherwurm und Computernerd, der als Teenager aus Südafrika nach Amerika zieht und dort zum gefeierten Industriellen und Selfmade-Milliardär aufsteigt. Der das Überleben der Menschheit durch den Aufbruch in andere Welten sichern will.

Geboren wird Elon Musk im Juni 1971 in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas, als Sohn von Maye Musk, einer Ernährungsberaterin und gelegentlichem Model, sowie Errol Musk, einem Ingenieur. Er ist das älteste ihrer drei Kinder. Seine Hochbegabung zeigt sich schon früh, er wird vorzeitig eingeschult. Seine Eltern lassen sich 1980 scheiden. Musk zieht zu seinem Vater.

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