N1 Nokia überrascht mit neuem Tablet

Nokia ist mit dem Android-Tablet N1 zurück im Hardware-Geschäft - mit einer Strategie, die irgendwo zwischen dreist und orientierungslos laviert.

Das ist das neue Nokia-Tablet
Nokia N1
Nokia N1 Display
Rückseite Nokia N1
Nokia N1 Vorderseite
Nokia N1

Man kann es guten Gewissens als produktgewordene Provokation bezeichnen, was Sebastian Nystrom, der Chef der Produktsparte von Nokia Technologies, auf der Slush-Technologie-Konferenz in Helsinki vorgestellt hat – und zwar in doppelter Hinsicht. Denn der nach dem Verkauf der Handysparte verbliebene Rest des finnischen Kommunikationskonzerns legt sich mit seinem neuen Tablet-Computer N1 gleich mit zwei IT-Riesen an: Apple und Microsoft.

Erstens sieht Nokias neuer Flachmann nämlich geradezu aufreizend dreist so aus wie Apples jüngstes iPad Mini 3 eigentlich hätte aussehen müssen: So rund wie die neuen 6er-iPhones, aber eben mit 7,9-Zoll-Display. Abgesehen davon, dass im N1 ein Intel-Prozessor das neue Android 5.0 (genannt Lollipop) antreibt und im Mini 3 Apples eigener A7-Chip iOS 8 befeuert, sind die Maße bis auf Millimeterbruchteile identisch. Die Bildschirmauflösung ist mit 2048 x 1536 Bildpunkten sogar aufs Pixel deckungsgleich.

Ein Traditionshandy kommt zurück
Nokia Quelle: dpa
Nokia Quelle: REUTERS
„Connecting people“ lautet der Slogan von Nokia. Und in der Tat hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Menschen verbunden – früher mit den ersten, koffergroßen Telefonen für unterwegs, zwischendurch mit Bestsellern wie dem 5110, heute mit den Lumia-Smartphones. Auch wenn Nokia in den letzten Jahren an Marktanteil und Einfluss verloren hat und seine Gerätesparte nun an Microsoft verkauft: Der finnische Konzern hat die Mobilfunkbranche geprägt. Quelle: Presse
Mobira Senator1982 stellte Nokia sein erstes Mobiltelefon vor, das heute nicht besonders mobil wirkt: Das Modell Mobira Senator ließ sich mit einem Tragegriffs aus dem Auto heben. Zumindest wenn man kräftig zupackte, wog das Gerät doch knapp zehn Kilogramm. Nach wenigen Stunden musste es wieder aufgeladen werden. Damals war es indes eine Sensation. Quelle: Presse
MikroMikkoWenig bekannt: Nokia entwickelte bereits in den 1980er Jahren Computer, hier ein Gerät der vierten Generation. Anfang der 1990er Jahre verkaufte das Unternehmen die Sparte aber. Quelle: Presse
Nokia 1011Mit der Zeit wurden die Mobiltelefone immer kompakter – so auch das Nokia 1011, das Ende 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Besonderheit: Es war das erste massentaugliche Gerät, das mit dem Mobilfunkstandard GSM lief. In den Speicher passten 99 Telefonnummern. Quelle: Presse
Nokia 5110Mit dem 5110 wurden die Nokia-Geräte massentauglich – dieses ab 1998 verkaufte Modell sah man überall auf der Straße. Die Vorteile: Es war relativ günstig, nahezu unverwüstlich und ließ sich mit Wechselschalen optisch aufwerten. Zudem hatte es als eines der ersten Handys das Spiel „Snake“ an Bord. Quelle: Presse
Nokia 8110Dieses Handy hat Filmgeschichte gemacht: Im Science-Fiction-Streifen „Matrix“ nutzt der Hacker Neo das Nokia 8110 – unter anderem in der dramatischen Szene, als er vor Agent Smith aus seinem Büro flieht. Weil es im geöffneten Zustand gebogen war, bezeichneten viele das Gerät auch als Bananenhandy. Quelle: Presse
Nokia 9210Nokia entwickelte mit der Modellserie Communicator die ersten internetfähigen Handys – hier die ab 1999 verkaufte Version 9210. Das Gerät vereinte Handy und Organizer, zudem erlaubte es Nutzern, im Internet zu surfen. Erst Jahre später entwickelte die Konkurrenz vergleichbare Modelle. Quelle: REUTERS
Nokia N-GageHandy und Spielkonsole in einem: 2003 brachte Nokia das N-Gage auf den Markt. Das erste echte Spiele-Handy des finnischen Konzerns machte zwar viele Schlagzeilen, fand aber nicht so viele Käufer. Nur wenige Entwickler schrieben Spiele für den Mini-Bildschirm, zudem war das Gerät nicht gerade billig. Geradezu absurd: Um Spiele auszutauschen, musste man den Akku herausnehmen. Nokia stellte die Serie später ein. Quelle: dpa
Nokia 6630Auch mit dem 6630 setzte Nokia Standards: Es handelte sich um das erste Handy der Finnen, das per UMTS ins Internet gehen und so größere Datenmengen herunterladen konnte – so das Netz es hergab. Standardmäßig war auch ein E-Mail-Programm installiert. Außerdem an Bord: eine 1,3-Megapixel-Kamera, die auch Videos aufnimmt, Bluetooth und ein Musik-Player. Für das Jahr 2004 eine beachtliche Ausstattung. Quelle: dpa
Lumia 800Mit der Einführung des iPhone 2007 verlor Nokia den Anschluss. Gegen das Apple-Gerät und die vielen Androiden sahen die Mobiltelefone alt aus, die Entwicklung eines eigenen attraktiven Betriebssystems dauerte zu lange – Nokia verlor immer mehr Marktanteile. Mit Microsoft und dessen Software Windows Phone fand das Unternehmen 2011 einen Partner mit internationalem Gewicht. Das erste Windows-Gerät war das Lumia 800, inzwischen hat der Hersteller eine ganze Palette an Geräten mit dem System entwickelt. Neben Smartphones... Quelle: Reuters
Lumia 2520... hat Nokia erstmals auch ein Tablet im Angebot: Das Lumia 2520 soll mit seiner Andock-Tastatur eine Alternative zum Notebook sein. Ob das Gerät eine Zukunft hat, ist jedoch ungewiss: Microsoft baut mit dem Surface ein ganz ähnliches Produkt – der Software-Konzern übernahm die Nokia-Gerätesparte im Jahr 2013. Das Unternehmen Nokia existiert übrigens weiter, allerdings konzentriert es sich auf Netzwerkausrüstung und digitale Landkarten, Verbraucher werden also nur noch selten direkt mit den Produkten in Kontakt kommen. Quelle: dpa
Lumia 930Es ist so etwas wie das Vermächtnis der finnischen Handyentwickler: Das Lumia 930 ist das letzte Smartphone, das noch von Nokia stammt – nun verkauft es Microsoft. Hier stellt der frühere Nokia-Chef und heutige Microsoft-Manager Stephen Elop das Gerät vor, das unter anderem mit seiner Kamera die Käufer überzeugen soll. Quelle: REUTERS

32-GB-Version für 249 Dollar - iPad Mini 3 kostet in der 16-GB-Version 389 Euro

Das N1 soll im Frühjahr 2015 – zuerst in China, dann in den USA und schließlich wohl auch in Europa – als 32-Gigabyte-Version für 249 Dollar (vor Steuern) in die Läden kommen. Apples iPad Mini 3 kostet in der kleinsten, der 16-Gigabyte-Version, 389 Euro.

Zweitens zielt der flache Finne direkt auf den wunden Punkt in Microsofts eigenem Tablet-Portfolio: Denn zwischen dem gerade erst mit der Nokia-Handysparte übernommenen 6-Zoll-Phablet Lumia 1520 und Microsofts eigenem 10-Zoll-Tablet Surface 2 klafft in der handlichen 7-Zoll-Klasse eine schmerzliche Lücke in Microsofts Produktportfolio.

Was das neue iPad kann
ipad air ipad mini Quelle: REUTERS
Phil Schiller, Apples Produktmarketing-Chef, erklärt die Vorzüge der neuen Geräte. Sie haben zum Beispiel eine bessere Kamera an Bord. Sie kann etwa spezielle Aufnahmen in Zeitlupe oder im Zeitraffer machen und hat acht Megapixel. Vorherige iPad-Modelle waren mit einer Fünf-Megapixel-Kamera ausgestattet. Quelle: AP
Das iPad Air 2 ist laut Apple schmaler als jedes Tablet zuvor. Quelle: AP
Mit 6,1 Millimetern ist es um 18 Prozent schmaler geworden. Quelle: AP
Apple ließ Software-Entwickler mehrere Apps demonstrieren, die von der gesteigerten Rechenleistung der neuen iPads profitieren sollen. Quelle: AP
So sieht das iPad Air 2 (rechts) neben dem iPad Mini 3 aus. Beide Geräte haben wie erwartet einen Fingerabdruck-Sensor bekommen. Quelle: AP
Ohne eine Erwähnung bei dem Apple-Event bekam das iPad Air 2 eine Funktion, die das Geschäft der Telekom-Branche umkrempeln könnte. Es hat eine umprogrammierbare SIM-Karte, mit der man zwischen verschiedenen Netzbetreibern wechseln kann. Das geht zunächst nur bei vier teilnehmenden Mobilfunk-Anbietern in den USA und Großbritannien. Weitere Netzbetreiber und Regionen dürften aber folgen. Quelle: AP
Solche per Funk umprogrammierbaren SIM-Karten waren schon vor einiger Zeit entwickelt worden. Sie kamen bisher aber eher in Technik wie Autos mit Internet-Anschluss zum Einsatz. Die Idee ist, dass man keine Chips wechseln muss, wenn die Fahrzeuge in verschiedene Weltregionen geliefert werden. Außerdem kann man so Roaming-Gebühren vermeiden, wenn man in einem anderen Land unterwegs ist - die SIM kann einfach auf einen lokalen Anbieter umgestellt werden. Quelle: REUTERS
In Branchenkreisen war schon seit einiger Zeit zu hören, dass Apple solche SIM-Karten gern in seinen Geräten einsetzen würde, aber sich Mobilfunk-Betreiber dagegen gestemmt hätten. Sie bestanden demnach darauf, die Beziehung zum Kunden über die Ausgabe der kleinen Chips unter Kontrolle zu behalten. Ihre Sorge sei gewesen, dass die Kunden mit einer umprogrammierbaren SIM-Karte häufiger den Netzbetreiber wechseln. Die „Apple SIM“ wird zunächst in den USA und Großbritannien von den Anbietern AT&T, Sprint, T-Mobile und EE unterstützt. Quelle: REUTERS
Apple kämpft mit einer verbesserten iPad-Generation gegen die Schwäche des Tablets-Marktes an. Cook verwies darauf, dass Apple in den vergangenen zwölf Monaten 70 Millionen iPads verkauft habe. Das sei mehr als jeder der großen PC-Hersteller in dieser Zeit von seinen Notebooks, Desktop-Rechnern und Kombi-Geräten losgeworden sei. Insgesamt seien in gut vier Jahren 225 Millionen iPads abgesetzt worden. Quelle: AP
Die neuen iPad-Modelle kommen Ende kommender Woche in den Handel. Das iPad Air 2 ist je nach Ausstattung ab einem Preis von 489 Euro zu haben. Das iPad mini 3 kostet ab 389 Euro aufwärts. Quelle: AP

Weder das erste, noch das schnellste, noch das billigste Tablet

Dabei ist das N1 nicht mal halb so teuer wie das Lumia 1520 (in dem fairerweise ein LTE-Mobilfunkmodul steckt und nicht bloß ein WLAN-Chip) und gut 20 Prozent günstiger als das Surface 2, in dem die Tablet-Variante des Windows-Betriebssystems, genannt „RT“, werkelt.

Doch so schick und preisaggressiv das N1 daherkommt - die Frage bleibt, wem die Finnen es verkaufen wollen. Denn weder ist der Neuling das erste noch das schnellste, billigste oder sonstwie einzigartiges Tablet. Schon gar nicht in der Android-Welt. Und auch, dass Nokia dem Betriebssystem seine Bedienoberfläche Z Launcher überstülpt, macht den Neuling nicht zum Solitär. Denn den Launcher gibt’s zum kostenlosen Download (www.zlauncher.com) auch für andere Android-Geräte etwa von HTC über Motorola und Samsung bis Sony.

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