Nachhaltiges Smartphone Fairphone soll im Dezember ausgeliefert werden

Ein niederländisches Startup hat in London erstmals das Fairphone öffentlich gezeigt. Die Nachfrage ist riesig. Doch wie nachhaltig ist das Smartphone eigentlich wirklich?

FairphoneDer niederländische Mobiltelefonhersteller Fairphone hat seine Pre-Order-Kampagne für

Das erste sozial gerechte und möglichst umweltfreundlich hergestellte Smartphone ist am Montag erstmals in London vorgestellt worden. Interessierte können das Fairphone bisher nur vorbestellen. Angeblich soll es im Dezember pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ausgeliefert werden.

Das Display ist mit 4,3 Zoll eher klein und zeigt die Bilder mit 960 x 540 Punkten an. Zum Vergleich: das iPhone 5 hat einen 4 Zoll großen Bildschirm mit 1136 × 640 Pixel.

GPS, Wlan und Bluetooth sind in das Smartphone eingebaut. Zugang zum Turbointernet LTE bietet das Fairphone jedoch nicht. Auch Near Field Communication (NFC) unterstützt das Gerät nicht. Auf Zubehör wie Headset oder Ladekabel haben die Hersteller verzichtet. Sie gehen im Sinne der Nachhaltigkeit davon aus, dass dieses Zubehör bereits vorhanden ist. Wie in Asien bereits üblich, bietet das Fairphone zwei Slots für Sim-Karten – einen für die Dienst-Karte und einen für private Zwecke.

Aus einer 2010 in den Niederlanden gegründeten Initiative gegen Bürgerkriegs-Coltan in Mobiltelefonen ist die Idee entstanden, selbst ein faires Handy herzustellen. Das Ziel: Ein Smartphone, das technisch und preislich auf Augenhöhe mit den etablierten Anbietern ist, aber ohne problematische Ressourcen und schlechte Arbeitsbedingungen auskommt.

Das können die aktuellen Smartphones
LG G4LG Electronics hat am 28. April sein neues Flaggschiff G4 vorgestellt. Punkten wollen die Koreaner etwa mit einer innovativen Kamera, die 80 Prozent mehr Licht auf den Bildsensor leitet als beim Vorgänger-Modell. 16 Megapixel Auflösung und ein weiterentwickelter Bildstabilisator sollen für hochwertige Fotos sorgen. Für gute Selfies ist eine acht MP Frontkamera verbaut. Damit dafür auch genügend Speicherplatz zur Verfügung steht, kommt das LG 4 mit 32 GB internem Speicher daher, der durch eine MicroSD-Karte auf bis zu zwei Terabyte erweitert werden kann. Der Bildschirm ist 5,5 Zoll groß und soll deutlich heller und kontraststärker sein, als das Vorgängermodell, zudem bietet er laut LG eine bessere Farbtreue und Berührungsempfindlichkeit. Pluspunkt: Der Akku ist austauschbar, er bringt 3000 mAh Leistung. Als Prozessor ist ein 808 Snapdragon an Bord. Das Gerät wird in verschiedenen Materialien erhältlich sein: Es gibt eine Leder-Variante und eine Ceramic-Version (hier im Bild) jeweils in mehreren Farben. Ein Preis wurde noch nicht bekannt gegeben. Quelle: Presse
Sony Xperia Z4 Quelle: REUTERS
Huawei P8Ein neues Design und eine leistungsstarke Kamera - mit diesen Features kann das neue P8 von Huawei die Kritiker überzeigen. Es ist billiger als die Konkurrenz von Apple und verspricht in etwa die gleiche Leistung. Das Smartphone gibt es in Grau, Champagner, Weiß und Gold. Jedes zweite Smartphone in Deutschland ist aktuell ein Samsung-Gerät. Nur jedes vierte Smartphone in Deutschland ist derzeit ein iPhone. Geräte der Hersteller Sony, Nokia, HTC, LG und Huawei hingegen spielen unter deutschen Smartphone-Nutzern kaum eine Rolle. Quelle: Presse
Xiaomi Mi Notes Der chinesische Smartphonehersteller Xiaomi hat am 15. Januar die Oberklasse-Smartphones Mi Note und Mi Note Pro vorgestellt, die dem iPhone 6 in den USA Konkurrenz machen sollen. Das Display des Mi Note schlägt das iPhone 6 mit 5,7 Zoll zu 5,5 Zoll, der Bildschirm hat eine Pixeldichte von 386 ppi und ein LCD-Panel für einen höheren Kontrast. Die Kamera an der Rückseite verfügt über 13 Megapixel, die an der Vorderseite über vier Megapixel. Der interne Speicher fasst 16 GByte und lässt sich nicht per microSD-Karte erweitern. Der Preis liegt bei umgerechnet rund 319 Euro. o Das Mi Note Pro kostet 458 Euro, ist aber auch noch etwas besser ausgestattet: Die Pixeldichte beträgt 515 ppi, das Speichervolumen 64-GByte. Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy A7Samsung hat mit dem A7 ein superflaches und nur 141 Gramm schweres Smartphone in Alu-Gehäuse vorgestellt. Mit 6,3 Millimetern ist es noch dünner als das aktuelle iPhone 6 mit 6,9 Millimetern. Es sei eines der flachsten Samsung-Smartphones aller Zeiten, teilte der Hersteller in seinem Blog mit. Das Handy hat ein 5,5 Zoll großes Super Amoled Display. Als Betriebssystem ist Android KitKat (4.4) an Bord. Samsung verspricht mit acht leistungsstarken Prozessoren flüssiges Surfen und Nutzen von Apps, vor allem für den Austausch in den Sozialen Medien. Eine 5-Megapixel-Frontkamera sorgt für Selfies in ordentlicher Qualität, deutlich stärker ist die Kamera an der Rückseite mit 13 Megapixeln. Für bessere Selfies ist der "Auto Selfie"-Modus da, mit dem per Sprachbefehl oder einem Wink mit der Hand die Kamera ausgelöst werden kann. Ein 2600 mAh starker Akku soll für Ausdauer sorgen. Wie bei Samsung üblich, wurde sich über Preis und Marktstart noch ausgeschwiegen. Händler und IT-Portale vermuten, dass das Smartphone gegen Ende des ersten Quartals für um die 500 Euro in die Läden kommen wird. Quelle: Samsung
Samsung Galaxy Note 4 LTE-A Quelle: AP
Samsung Galaxy A5 und A3Samsung hat die neue A-Serie vorgestellt. Die Smartphones haben ein Metallgehäuse; beide sind mit einer 5-Megapixel-Frontkamera ausgerüstet, um gute Selfies machen zu können. Passend dazu ist die neueste Kamera-Software an Bord, die mit dem Galaxy Note 4 eingeführt wurde und verschiedene spezielle Selfie-Einstellungen ermöglicht. Das A5 (im Bild) ist das größere, es kommt einem 5-Zoll-Display, 2 GB Arbeitsspeicher, einer 13-Megapixel-Kamera an der Rückseite und einem 2300 mAh starken Akku in den Handel. Der kleine Bruder A3 ist die abgespeckte Version mit einem 4,5-Zoll-Display, 1 GB Arbeitsspeicher, 6-Megapixel-Rückkamera und einem nur 1900 mAh starken Akku. Beide Smartphones laufen auf Android KitKat (4.4) und bringen NFC und LTE mit. Preis: noch unbekannt. Ab November sollen die Smartphones in Weiß, Schwarz, Silber, Pink und Blau verfügbar sein. Quelle: Samsung

Den Niederländern ist Transparenz wichtig. Daher haben sie die Produktionskosten des Smartphones schon vor einigen Tagen offen gelegt. Der Großteil des Verkaufspreises von 325 Euro geht demzufolge für Technik und Gestaltung des Fairphones drauf – 185 Euro. Gleichzeitig kosten allein die Nachhaltigkeits-Bemühungen 22 Euro. Das sind etwa der Einsatz für sozial verträgliche Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeits-Initiativen oder Öko-Bilanz-Untersuchungen. Zum Vergleich: Der Aufschlag der Mehrwertsteuer kommt den Kunden – je nach Land – doppelt so teuer zu stehen. Im Schnitt liegt die bei knapp 56 Euro. Bei Fairphone verbleibt nach eigenen Angaben ein operatives Ergebnis von fünf Euro pro Smartphone.

„Natürlich basieren die Zahlen auf Durchschnittswerten in der Produktion und sie können nicht für jedes individuelle Modell stehen“, sagt Tessa Wernink, Sprecherin von Fairphone gegenüber dem Portal Wiwo Green. „Wir wollen unseren Kunden jedoch ein möglichst genaues Bild davon geben, was wir hier tun und zeigen, wohin ihr Geld fließt.“

Das nachhaltige Konzept der Niederländer ist beliebt. Schon jetzt sind mit fast 15.000 Exemplaren zwei Drittel aller Fairphones vergriffen. Und das, obwohl erst vor kurzem die Anzahl der verfügbaren Modelle um 5.000 Stück auf 25.000 erhöht wurde. Für die hohe Nachfrage ist sicher auch der Preis verantwortlich: Mit 325 Euro liegt das faire Telefon teils weit unter dem was Apple, Samsung und andere Hersteller von ihren Kunden verlangen.

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Denn so nachhaltig, wie das Konzept klingt, ist es bei genauem Hinschauen nicht. Pressesprecher Roos van de Weerd sagte gegenüber Wiwo Green: „Zwei der Metalle, die das Gerät enthält, sind konfliktfrei: das Zinn in der Lötpaste und das Tantal in den Kondensatoren. Angesichts der Dutzenden von Materialien, die ein Standard-Handy enthält, erscheinen nur zwei fair gehandelte Materialien nicht als großer Fortschritt. Wir sind ganz klar nicht zu 100 Prozent konfliktfrei.“

Hauptgrund dafür seien die verästelten Lieferketten. Zulieferer hätten wiederum Zulieferer. Hier die Kontrolle zu behalten, sei nahe zu unmöglich. Dennoch bleibt das Startup an dem Thema dran. Die Kostenaufschlüsselung gibt bereits erste Hinweise für die zweite Generation des Fairphones: Dort heißt es, dass sich das niederländische Startup für das nächste Modell um fair gehandeltes Gold, Kupfer und Kobalt bemüht.

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