Navigationsgeräte im Test Was die neuen TomToms können

TomTom hat die Top-Serie seiner Nachrüst-Navis einer Radikalkur unterzogen, viele Funktionen gestrichen und das Bedienkonzept komplett umgestellt. Doch ist "Weniger" in diesem Fall "Mehr".

Bedienoberfläche TomTom GO Quelle: Presse

Hand auf Herz. Was zählt bei einem Navigationssystem fürs Auto wirklich? Dass als Wegweise die Stimme von Otto Walkes oder Cindy aus Marzahn erklingt? Dass im Display statt eines Richtungspfeils das kleine Bild des eigenen Autos erscheint? Dass sich die Kartenfarben in zig Kombinationen dem eigenen Geschmack anpassen lassen? Oder dass das Navi auf Wunsch auch noch als Freisprecheinrichtung fürs eigene Handy fungiert?

Sicher nicht. Wenn der persönliche Wegweiser im eigenen Wagen eine Kunst beherrschen muss, dann ist es der schnellste oder wahlweise ökonomischste Weg ans Ziel: Vorbei an allen Staus, oder zumindest nur durch jene, die sich nicht sinnvoll umfahren lassen.

Zehn Navigationsgeräte im Test
Tomtom Via 135 M Europe TrafficMit der Note 1,8 schneidet das Gerät im Test besonders gut ab. Das Navi ist für den täglichen Gebrauch sehr komfortabel und und verfügt über gute Anzeigen und Ansagen. Außerdem lassen sich die Fahrtziele auch per Spracherkennung eingeben. Das Kartenabo ist ohne zeitliche Begrenzung inklusive. Kostenpunkt: 190 Euro. Quelle: PR
Tomtom Via 130 M Europe TrafficAuch dieses Navi von Tomtom erhält die Bewertung gut. Es verfügt über eine sehr gute Routenführung und und zeigt Fahrempfehlungen an. Spracherkennung und eine Freisprecheinrichtung sind vorhanden. Auch das Kartenabo ist ohne zeitliche Begrenzung inklusive. Einziger Nachteil: Der Akku hält nicht allzu lange durch. Das Gerät kostet 173 Euro. Quelle: PR
Garmin nüvi 3590 LMTFür 295 Euro ist das Navi im Handel erhältlich. Das Gerät zeichnet sich durch eine hochwertige Verarbeitung aus. Außerdem ist eine Fußgängernavigation vorhanden, ebenso Spracherkennung und eine Freisprechanlage. Das Kartenabo ist im Kauf enthalten. Dafür lassen sich die Ansagen nicht ausschalten und der Akku ist relativ schwach. Quelle: PR
Garmin nüvi 2585TVViel mehr als ein Navigationsgerät ist das Produkt von Garmin nüvi. Dank eines DVB-T-Anschlusses lassen sich Fernseh- und Radiosender empfangen. Die Routenführung ist sehr gut, dafür rechnet das Navi aber auch relativ lange. Die Installation des Gerätes ist sehr nutzerfreundlich. Leider lassen sich die Ansagen nicht optional abstellen. Insgesamt wird das Angebot von der Stiftung Warentest mit gut bewertet. Dabei ist das Navi mit 251 Euro nicht ganz günstig. Dazu kommen noch einmalig 89 Euro für das Kartenmaterial. Quelle: PR
Garmin nüvi 150TFür 125 Euro gibt es dieses Gerät im Handel, dass sich vor allem durch eine gute Akkuleistung auszeichnet. Dieser hält fast vier Stunden durch. Die Karte zeigt realistische Darstellungen der Autobahnabfahrten an, so dass der Fahrer genau weiß, was ihn hinter der Kurve erwartet. Wie bei fast allem Garmin nüvi-Geräten ist auch die die Ansage nicht manuell einstellbar. Für das Kartenmaterial werden zusätzlich 89 Euro berechnet. Quelle: PR
Garmin nüvi 140TDas Gerät kostet 120 Euro, wobei für das Kartenmaterial einmalig 89 Euro extra verlangt werden. Das Navi ist besonders leicht und kostet nur 153 Gramm. Unter den getesteten Geräten startete und ortete es am schnellsten. Autobahnabfahrten werden geleitet angezeigt. Die Ansagen sind nicht optional. Quelle: PR
Blaupunkt Travelpilot 50 EURLediglich mit befriedigend schneidet dieses Gerät ab. Zu lange rechnet das Navi, ehe es die gewünschte Route anzeigt. Die Farben sind matt, der Karte fehlt der Kontrast. Dadurch ist das Bild oft verwirrend. Die Verarbeitung ist sehr simpel und auch die Wegbeschreibungen knapp gehalten. Dafür kostet das Gerät nur 157 Euro. Das Kartenmaterial ist für zwei Jahre inklusive. Quelle: PR
Becker Active 45Sehr einfach lässt sich dieses Navigationsgerät im Auto befestigen. Die Routenführung ist gut, die Spracherkennung jedoch noch recht langsam. Auch bei Anrufen ist das System eher umständlich. Kostenpunkt: 169 Euro. Dazu kommen 50 Euro für ein zwei Jahre gültiges Kartenabo, das innerhalb von 30 Tagen nach dem Navi-Kauf abgeschlossen werden muss. Quelle: PR
Becker Professional 50Neben der sehr guten Routenführung bietet das Gerät zusätzliche Verkehrsinfos an. Das Kartenabo ist ohne zeitliche Begrenzung inklusive. Die Befestigung im Auto ist dank einer speziellen Halterung sehr einfach. Dafür hakt es bei der Spracherkennung noch ein wenig. Quelle: PR
A-rival XEA 503 CEDass günstiger nicht immer besser ist, zeigt dieses Gerät. Für die 95 Euro erhält der Kunde nur einen befriedigenden Service. Die Anzeigen sind relativ unübersichtlich und Manöver auf Autobahnen kaum vorhersehbar. Auch die Ansagen kommen oft zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Navi ist eher einfach verarbeitet. Zudem täuscht der Preis. Denn für das Kartenabo muss extra gelöhnt werden. Zwei Jahre kosten 20 Euro. Quelle: PR

Insofern lässt sich den Entwicklern des niederländischen Navi-Riesen TomTom kaum vorwerfen, dass Sie – nach Jahren der fortwährenden funktionalen Aufrüstung ihrer mobilen Nachrüst-Routenführer – Software und Bedienoberfläche der jüngsten Generation ihrer Nachrüst-Navis TomTom Go grundlegend entrümpelt haben.

Von NavCor zu NavKit

Technischer Hintergrund ist der Wechsel vom alten, angejahrten Betriebssystem – intern NavCore genannt – zur neuen NavKit-Plattform, die wesentlich moderner und flexibler ist, aber eben auch noch längst nicht so umfangreich, wie die gewohnte Technik. Und so ist bei den neuen Modellen GO 400, GO 500, GO 600, GO 6000, GO 5000 nicht nur von der vertrauten Optik der vergangenen Jahre nichts mehr übrig geblieben. Auch das gesamte Bedienkonzept hat sich radikal verändert.

Statt sich von der Kartendarstellung, wie in der Vergangenheit gewohnt, erst einmal ins Navigationsmenü (und von dort in unzählige weitere Sub- und Einstellungsmenüs) klicken zu müssen, läuft die Bedienung der neuen Go-Navis nun primär direkt über die Kartenoberfläche. Ein ausdauernder Fingerdruck auf die Karte öffnet zu dem angewählten Punkt die Anzeige aller für diesen Ort nutzbaren Optionen – vom Beginn der Navigation zum gewählten Punkt bis zum Anlegen eines Wunsch-Zielpunktes, etwa fürs tägliche Pendeln ins Büro, oder zu Definition einer Umkreissuche, zum Beispiel nach einer Tankstelle, einem Parkhaus oder einer Apotheke.

TomTom GO Quelle: Presse

Heißt „neu“ auch „besser“?

Ob „neu“ in toto auch „besser“ bedeutet, habe ich in den vergangenen Wochen mithilfe des Modells GO 5000 im wahrsten Wortsinn per Selbsttest erfahren. Und um es vorweg zu nehmen: meine Eindrücke mit dem rund 300 Euro teuren digitalen Wegweiser sind eher durchwachsen. Neben einigen Komfort-Gewinnen, sind einige Änderungen allenfalls wegen der Änderungen eingeübter Gewohnheiten stören. Aber es gibt auch Modifikationen zum eindeutig Schlechteren.

Was – zum Glück – unverändert geblieben ist, ist die Qualität der bei der Routenberechnung verwendeten Verkehrsinformationen. Hier profitiert TomTom weiterhin von der Zusammenarbeit mit dem Mobilfunker Vodafone. Hier kann TomTom – noch immer exklusiv in der Navigations-Branche – anhand der anonymisierten Handy-Bewegungsinformationen so umfassend wie kein Konkurrent ein Verkehrslagebild erstellen, das allen anderen Diensten überlegen ist.

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