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Robotik Wie süß muss ein Roboter sein?

Androiden gelten als Zukunfts- und Milliardenmarkt. Aber die Maschinen müssen auch so gebaut werden, dass der Mensch mit ihnen klarkommt - und sie mag.

Wie süß muss ein Roboter sein? Quelle: dpa Picture-Alliance

Wenig deutet an diesem Abend darauf hin, dass es für K5 gefährlich werden könnte: Leise rollt der Roboter in der Abenddämmerung zur Patrouille über einen Parkplatz in Mountain View. Ein weißer Kegel mit blinkenden Lämpchen, der an R2-D2 aus dem Film „Krieg der Sterne“ erinnert, mitten im technikverliebten Silicon Valley. Plötzlich aber rammt ein Betrunkener den Roboter von der Seite und stößt ihn um. Die Polizei rückt zu seinem Schutz an.

K5 kam mit ein paar Kratzern davon. Bei Knightscope aber, dem Unternehmen, das den Sicherheitsroboter baut, stehen sie nun vor der Frage, wie eine Maschine geschaffen sein muss, damit der Mensch gut mit ihr auskommt.

Ishiguro Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

Ingenieure weltweit wähnen sich am Beginn der Roboterära. Die Androiden sollen bei der Altenpflege helfen, die Einkäufe erledigen und zu Hause den Teppich saugen und kochen. Doch ob diese neue Zeit wirklich anbricht, hängt nicht nur von leistungsfähigen Chips, ausgefeilten Algorithmen und enormer Rechenkraft ab. Wenn die Industrie das Vertrauen der Menschen gewinnen will, dann muss sie die Roboter auch so bauen, dass diese sie an ihrer Seite akzeptieren. Noch stehen die Wissenschaftler vor vielen Rätseln – und uralte Instinkte müssen überwunden werden.

Wie Roboter sicherer werden sollen

Martina Mara sucht seit acht Jahren am Ars Electronica Futurelab im österreichischen Linz nach dem Schlüssel zur Robotersympathie. Einmal setzte die promovierte Psychologin den Androiden des japanischen Roboterpapsts Hiroshi Ishiguro in die Cafeteria ihres Museums. Ishiguro hat die Maschine, mit künstlicher Intelligenz aufgemotzt, nach seinem Abbild geschaffen. Sie sieht ihm so ähnlich, dass sie an der Osaka-Universität manchmal sogar den Unterricht übernimmt.

Faszination und Unheimlichkeit

Japaner gelten im Alltag als aufgeschlossener gegenüber Robotern, was wohl an der religiösen Geschichte des Landes liegt. Als die Cafeteriagäste in Linz den Roboter bemerkten, näherten sie sich zwar vorsichtig, hielten aber trotzdem Abstand. Das liege an einer Mischung aus Faszination und Unheimlichkeit, sagt Mara.

Dieselbe Beobachtung machte sie, als das Museum den schaufensterpuppenartigen Roboter Telenoid zeigte, der Auskünfte gibt und neben der menschlichen Stimme auch Mimik und Gestik nachahmen kann. Einige Besucher wollten die Silikonhaut des Roboters nicht einmal anfassen, wenn sie dazu ausdrücklich aufgefordert wurden.

Diese Jobs mischen Roboter auf
IndustrieSchon heute werden viele Arbeitsschritte von Maschinen übernommen - doch die vernetzte Produktion setzt auch in den Werkshallen eine weitere Automatisierungswelle in Gang. Das muss unterm Strich aber nicht zwangsläufig zu Jobverlusten führen, heißt es aus der Wirtschaft: Bereits Ende 2016 lag Deutschland bei der „Roboter-Dichte“ weltweit auf Platz drei hinter Südkorea und Japan - und trotzdem sei die Beschäftigung auf einem Rekordstand, erklärt der Maschinenbau-Verband VDMA. Auch der Präsident des Elektronik-Branchenverbandes ZVEI, Michael Ziesemer, sagt: „Es können auch mehr Jobs entstehen als wegfallen.“ Die Digitalisierung werde eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle und damit neue Stellen hervorbringen. „Wer kreativ ist, rangeht und sich Dinge überlegt, hat jede Menge Chancen.“ Quelle: dpa
Das vernetzte und automatisierte Fahren dürfte künftig viele Jobs überflüssig machen Quelle: dpa
BüroSchreibarbeiten, Auftragsabwicklung und Abrechnungen - Büro- und kaufmännische Fachkräfte erledigen nach Experteneinschätzungen Arbeiten, die heute schon zu einem hohen Grad automatisierbar sind. Dadurch könnten auch viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen: Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind in solchen Berufen tätig. Quelle: dpa
Der Handel wurde als eine der ersten Branchen von der Digitalisierung erfasst - entsprechend laufen im Online-Handel viele Prozesse automatisiert ab Quelle: dpa
Sie melken die Kühe, füttern, misten aus und helfen beim Ernten - Roboter haben längst auch auf den Bauernhöfen Einzug gehalten Quelle: dpa
Roboter in der Pflege - was in Japan bereits zum Alltag gehört, bereitet vielen Menschen in Deutschland noch eher Unbehagen Quelle: dpa
Auch im Haushalt tun Roboter schon ihren Dienst Quelle: dpa

Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine ist kompliziert: So hat sich gezeigt, dass die Sympathie, die Menschen Robotern entgegenbringen, ansteigt, je menschlicher die Maschine aussieht. Das funktioniert aber nur bis zu jenem Punkt, an dem der Roboter nahezu komplett menschlich wirkt. Ab da setzt plötzlich ein starkes Gruselgefühl ein. Das ist, so weiß man aus Hollywoodfilmen, erst überwunden, wenn sich Roboter und Menschen nicht mehr unterscheiden lassen.

Roboterwissenschaftler nennen den Effekt Uncanny Valley, zu Deutsch: das Tal der Unheimlichkeit. Warum das Phänomen existiert, darüber streiten die Experten. Einige vermuten, dass sehr menschlich aussehende Roboter einen uralten Instinkt im Menschen auslösen. Die Roboter erinnern sie womöglich an Kranke oder Leichen, von denen sie sich, um sich selbst zu schützen, fernhalten wollen. Der Reflex ist im Unterbewusstsein verankert.

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