WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Samsung Galaxy S7, LG G5, HTC 10 und Huawei P9 Diese Smartphones kämpfen um die Foto-Krone

Alle großen Smartphone-Hersteller haben ihren neuen Top-Telefonen ausgefallene Foto-Features verpasst. Doppel-Linse, Stabilisator, Super-Blende – wer macht das Rennen: LG G5, HTC 10, Huawei P9 oder Samsung Galaxy S7?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
HTC, Huawei, LG und Samsung: Die vier großen Android-Smartphones im Foto-Test. Quelle: Presse

Auf die Frage nach „der besten Kamera“ geben Profifotografen ganz unterschiedliche Antworten – oder die immer gleiche. Manche schwören auf Leicas, andere auf Canons oder Nikons, manch einer lässt nicht von seiner Hasselblad. Alle aber eint die Erkenntnis, dass – wenn sich plötzlich eine großartige Szene auftut – nur eine Kamera die beste ist: die, die man dabei hat.


Das ist, selbst bei Bilderprofis immer häufiger ein Smartphone. „Wenn ich nur das Handy dabeihabe, mache ich auch damit ein Foto“, verrät der deutsche Star-Fotograf Thomas Hoepker im WiWo-Interview. „Die technische Qualität der Handykameras hat in den vergangenen Jahren enorme Leistungssprünge gemacht.“ Mit dieser Meinung ist er nicht alleine.
Fotoreporter Benjamin Lowy etwa, der unter anderem fürs „Time Magazine“ arbeitet, ist oft bewusst mit seinem iPhone unterwegs: „So entsteht eine viel größere Nähe, als wenn ich den Menschen eine klobige Kamera vors Gesicht halte“, sagt der New Yorker, dessen Karriere 2003 mit Bildserien aus dem Irakkrieg begann.
Das Handy als Dokumentar des Zeitgeschehens – was für professionelle Fotografen mehr und mehr zum Alltag wird, gilt für die Masse der Knipsenden schon längst. Wer heute ein neues Smartphone kauft, für den sind die Fotoqualitäten wichtiger als etwa Musikwiedergabe, App-Vielfalt, Displaygröße oder sogar die Bekanntheit des Herstellers. Das haben die Meinungsforscher aus Allensbach ermittelt.

Diese Super-Handys liefern das beste Bild
Stadtpanorama mit starken Kontrasten
Dachgeschoss-Foto des LG G5
Dachgeschoss-Foto des HTC 10
Dachgeschoss-Foto des Huawei P9
Dachgeschoss-Foto des Samsung Galaxy S7
Nächtliche Straßenszene mit Hell-Dunkel-Kontrast
Dorfstraße beim LG G5

Exquisite Fotofinessen bei allen Neuheiten

Die Frage, welches Handy die beste Kamera besitzt, wird damit auch für die Hersteller zum wettbewerbsentscheidenden Kriterium. Keine Neuvorstellung vergeht, ohne dass die Smartphone-Riesen die fulminanten Fotofähigkeiten ihrer High-End-Telefone bejubelten.
Apple hat sein iPhone gar zeitweise ausschließlich mit Blick auf dessen Bildeigenschaften beworben. Der chinesische Mobilfunkkonzern Huawei hat sich bei der Entwicklung seines aktuellen Top-Modells P9 gar der Mithilfe der deutschen Kamera-Ikone Leica versichert, um das Gerät für den Wettbewerb der digitalen Adleraugen zu rüsten.
Und der ist aktuell besonders hart. Denn neben Huawei haben auch LG, Samsung und HTC jüngst ihre neuen Top-Telefone vorgestellt, eingeführt oder bringen sie aktuell in den Handel. Und ein jeder Hersteller verspricht – natürlich – wieder einmal, mit seinem Super-Smartphone auch die beste Kamera auszuliefern.

Hersteller

LG

HTC

Huawei

Samsung

Modell

G5

10

P9

Galaxy S7

Preis

699

699

569

699

Info

LG G5

HTC 10HUAWEI P9

Samsung Galaxy S7

Hauptkamera

16 MPx+8MPx

12 Mpx

12 Mpx

12 MPx

Pixelgröße

k.a.

1,55 µ

1,25 µ

1,4 µ

Frontkamera

8 MPx

5 MPx

8 MPx

5 MPx

Blende

f/1.8

f/1.8

f/2.2

f/1.7

Merkmal

Doppelkamera mit Normal + 135° Weitwinkel-Optik (0,5x-8x Zoom);

Wechselmodule f. HiFi, Foto

Wechselakku

Foto-Schnellstart 0,6 Sekunden

Laser-Autofokus

Optischer Bildstabilisator Frontkamera

Dual-Kamera RGB-Farbe & Schwarzweiß

RAW-Fotos

Dual-Sensor pro Pixel mit Phasendetekt-Autofokus wasserdicht

Display

5,3"

5,2"

5,2"

5,1"

Auflösung

2560 x 1440

2560 x 1440

1920 x 1080

2560 x 1440

Akku

2800 mAh

3000 mAh

3000 mAh

3000 mAh

Größe (LxBxH)

150x74x8 mm

146x72x9 mm

145x71x7 mm

142x70x8 mm

Gewicht

159 gr

161 gr

144 gr

157 gr

 

Was aber leisten die Fotofone tatsächlich. Wir haben die neuen Top-Modelle – das LG G5, das HTC 10, das Huawei P9 und Samsungs Galaxy S7 – verglichen und haben ganz unterschiedliche Stärken-Schwächen-Profile entdeckt … und (in Sachen Fototechnik) einen Sieger aller Klassen. Test-Fotos finden Sie in der Bildergalerie.

LG G5

Fast schien es, als hätten die Koreaner den Smartphone-Boom verschlafen. Allzu lange hielten sie an zwar schicken, aber technisch nicht konkurrenzfähigen Eigenentwicklungen fest. Doch das ist lange vorbei. Mit dem neuen Top-Modell G5 hat LG nicht nur ein technisch erstklassiges sondern auch in der Konstruktion einzigartiges Smartphone auf den Markt gebracht.
Während sich der Wettbewerb inzwischen von der Möglichkeit verabschiedet hat, den Akku im Gerät zu wechseln, bietet LG nicht nur diese Option. Die Koreaner montieren die Austauschbatterie auch auf ein Wechselmodul mit dem der Nutzer sein Telefon mithilfe von Adaptern, sogenannten „Friends“ um Sonderfunktionen erweitern kann.
Zwei solcher Freunde hat LG schon vorgestellt. Neben einem gemeinsam mit dem Audio-Spezialisten Bang&Olufsen entwickelten HiFi-Modul zur Wiedergabe von HiRes-Audio-Musik ist das eine Art Erweiterungsrucksack zur Kamerasteuerung. Beide Module lassen sich – gemeinsam mit einem Austausch-Akku – seitlich ins G5 einstecken und verleihen dem Handy dann Zusatzfunktionen.

Die Alternativen zu iPhone und Samsung Galaxy
Microsoft Lumia 550 Quelle: PR
Microsoft Lumia 950 XL Quelle: PR
Fairphone 2 Quelle: PR
ZTE Axon Elite Quelle: PR
ZTE Axon Mini Quelle: PR
Huawei Mate 8 Quelle: PR
Motorola Moto X-Force Quelle: PR

Im Fall des Cam Plus genannten Foto-Moduls ist das zum einen ein integriertes Batteriepack, dass die Akkukapazität nochmals um knapp die Hälfte erweitert. Das ist keine schlechte Idee, ist doch das extrem hochauslösende und helle Display des Smartphones gerade bei einer großen Zahl von Aufnahmen recht oft eingeschaltet. Da schaden ein paar Milli-Ampèrestunden Kapazität extra nie.
Zum anderen verleiht das Modul dem Smartphone eine sehr viel greiffreundliche Form. Wie vom klassischen Fotoapparat gewohnt, lässt sich das G5 so angenehm in einer Hand halten – und bedienen. Denn neben einem Auslöseknopf für Fotos findet sich an der Erweiterung auch noch ein kleinerer für Videos. Nützlich ist vor allem aber ein kleines, seitliches Drehrad, das die Steuerung des Zooms ermöglicht.

Zwei Kameras mit unterschiedlichen Brennweiten

Und damit wären wir bei der zweiten Innovation die im G5 steckt. Das Telefon besitzt nämlich zwei Kameras. Wer jetzt meint, das kenne man doch längst, der hat Recht und irrt trotzdem. Anders als etwa in Huaweis P9 oder jener Doppellinse im alten HTC One M8, haben die zwei Linsen im G5 nicht identische Brennweiten sondern sehr unterschiedliche. Während die normale Linse einen Bildwinkel von 78 Grad abdeckt, ermöglicht die zweite Weitwinkelaufnahmen von bis zu 135 Grad. Das ist praktisch und erspart in vielen Fällen elektronische Panorama-Tricksereien.
Im Betrieb ohne Cam-Modul muss der Nutzer die Kamera mit einem Tipp aufs Display wechseln oder durch Verschieben des Zoomreglers auf dem Bildschirm. Mit Erweiterung reicht langsames Drehen am Rädchen und das G5 zoomt (fast) kontinuierlich über die gesamte Strecke von 0,5- bis 8-fach-Zoom. Tatsächlich ist es auch bei diesem Smartphone nur ein elektronisches Zoom, das heißt bei starken Vergrößerungen werden die Aufnahmen dann doch wieder etwas pixelig.

Das neue iPhone 6S Plus im Kamera-Vergleich
Ein mit dem iPhone 6S Plus aufgenommenes Foto (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem
Zum Vergleich: Ein mit einem Samsung Galaxy S6 aufgenommenes Foto (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem
Zum Vergleich: Ein mit dem iPhone 6 Plus aufgenommenes Foto (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem
Stark vergrößertes Detail des mit dem iPhone 6S Plus aufgenommenen Fotos (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem
Stark vergrößertes Detail des mit dem Galaxy S6 aufgenommenen Fotos (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem
Stark vergrößertes Detail des mit dem iPhone 6 Plus aufgenommenen Fotos (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem
Ein mit dem iPhone 6S Plus aufgenommenes Foto (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de) Quelle: Golem

Aber wer die Bilder nicht extrem vergrößert, wird die Bildpunkte nicht schmerzhaft bemerken. Umso mehr, als die Normal-Kamera mit ihrem 16-Megapixel-Sensor einiges an Reserven hat, um auch Ausschnitte mehrheitlich fein aufgelöst abzubilden.
Womit wir bei der Frage nach der Bildqualität selbst wären. Und dabei glänzt das G5 mit guten bis sehr guten Leistungen. Die Aufnahmen sind bei Tageslicht sehr ausgewogen in den Farben, bei Nachtaufnahmen mit sehr hoher Farbsättigung. In beiden Fällen sind die Bilder sehr kontrastbetont. Das führt in starken Hell-Dunkel-Situationen dazu, dass speziell die dunklen Bereiche leicht an Details verlieren. Die hellen Areale sind eher etwas überstrahlt.
Insgesamt liefert der Bildprozessor sehr rauscharme Aufnahmen, auch bei Bildern mit schwacher Beleuchtung. Auch diese Glättung geht allerdings etwas, zumindest bei schwierigen Belichtungssituationen, zu Lasten der feinsten Details.
Insgesamt ist die Bildwahrnehmung sehr gut, wenn auch speziell in starken Hell-Dunkel-Situationen nicht ganz detailgenau und knackscharf.

HTC 10

Während die übrige Handybranche noch nach immer neuen Pixel-Rekorden strebte, wagte HTC bereits die Kehrtwende. Statt auf besonders viele setzten die Taiwaner mit dem HTC One M8 beim Bildchip erstmals auf besonders große Pixel. Die sogenannten Ultrapixel sollten, so der Gedanke, besonders viel Licht erfassen und so auch bei schlechter Beleuchtung, helle, rauscharme Bilder liefern.
Leider war der gute Gedanke noch nicht ganz ausgegoren. Das M8 lieferte zwar passable aber auch im Dunklen nicht überragende Bilder. Zudem litt es bei Vergrößerungen aus normalen Aufnahmen unter der mageren Auflösung seines Vier-Megapixel-Sensors.
Dass der Gedanke dennoch wegweisend war, zeigt der Blick in die Spezifikationen der aktuellen Spitzenhandys. Statt 18 oder gar 20 Megapixel-Chips stecken in allen Smartphones heute Zwölf-Megapixel-Sensoren. Einzig das LG G5 sticht mit dem 16-er Sensor hinter der Normallinse noch etwas heraus (hinter dem Weitwinkel steckt ein Acht-Megapixel-Chip).

Und 4000 x 3000 Bildpunkte, das zeigt der aktuelle Test, reichen auch völlig aus. Selbst Drucke in DIN A3-Format bleiben da gestochen scharf in Ausdruck oder Fotobelichtung. Mehr braucht kein Fotoamateur.
Selbst wenn das HTC10 nun mit zwölf Megapixel Auflösung nominell mit den Konkurrenten mehrheitlich gleichauf liegt: Die Idee der besonders großen Bildpunkte haben die Entwickler nicht aufgegeben. Mit 1,55 Mikrometern (1 µm = 0,001 mm) Pixelgröße besitzt der Bildchip der Taiwaner die größten Sensorfelder. Gepaart mit einer Maximalblende von f/1.8 verspricht das – zumindest theoretisch – besonders lichtstarke Aufnahmen und die Chance auf wenig verwackelte Bilder. In die Frontkamera hat HTC sogar einen optischen Bildstabilisator gepackt, wie ihn beispielweise auch das iPhone 6S Plus besitzt. Das soll selbst bei schlechtem Licht noch scharfe Selfies ermöglichen.
Soweit die Theorie. In der Praxis kann das HTC 10 das Versprechen besonderer Stärken bei Schwachlicht-Bildern leider nicht durchgängig einlösen. Zwar ist die Kamera bei Aufnahmen im Dunklen tatsächlich erkennbar empfindlicher als etwa die des LG G5, und sie zeichnet auch bei wenig Licht noch ordentliche Details. Dennoch reicht die Schärfe dann mehrheitlich nicht an die der Konkurrenten heran. Je nach Aufnahme sieht das sogar leicht verwaschen aus.

Produkte mit dem gewissen Zoom-Faktor
Nikon Coolpix P600Highlight der Coolpix P600 ist das 60fach-Zoomobjektiv (24 - 1.440 mm, Kleinbild). Der Monitor ist nach allen Seiten dreh- und schwenkbar. WLAN zur Fernsteuerung der Kamera via Smartphone ist ebenfalls dabei. Die Kamera ist in Rot oder Schwarz erhältlich.  Preis: circa 350 Euro Quelle: PR
Sony DSC-H400Preiswerte Superzoom-Kamera mit einfacher Bedienung, 63fach-Zoomobjektiv und starkem Steadyshot-Bildstabilisator. Einen ausführlichen Testbericht finden Sie hier. Preis: 299 Euro Quelle: PR
Canon Powershot G3XCanons neue Powershot ist eine hochwertige Kompaktkamera mit vergleichsweise großem Bildsensor (1,0 Zoll, 12,8 x 9,3 mm) und starkem Zoomobjektiv (25fach). Einen ausführlichen Testbericht finden Sie hier. Preis: 899 Euro Quelle: PR
Canon Powershot SX60 HSGute Hobbykamera mit mächtigem 65fach-Zoomobjektiv, frei schwenkbarem Display und WLAN. Die Brennweite reicht von 21 bis 1365 mm. Trotz des relativ kleinen Sensors (1/2,3 Zoll, 5,6 x 4,2 mm) bringt die SX 60 HS im Verbund mit dem Digic-6-Bildprozessor gute Bildqualität. Auch ein elektronischer Sucher ist integriert. Preis: 499 Euro Quelle: PR
Nikon Coolpix P900Üppig ausgestatteter Digicam-Bolide mit sagenhaftem 83fach-Zoomobjektiv (24 bis 2000 Millimeter (Kleinbild)). Viele Einstellmöglichkeiten, ein frei schwenkbares Display sowie WLAN und GPS überzeugen. Einen ausführlichen Testbericht finden Sie hier. Preis: 619 Euro Quelle: PR
Canon Powershot SX710 HSSehr kompakte Digicam mit 30fach-Zoom (25 - 750 mm, Kleinbild) und 5-Achsen-Bildstabilisator. Filmt Full-HD-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde und lässt sich dank WLAN-Modul auch via Smartphone steuern. In Rot oder Schwarz erhältlich. Preis: 329 Euro Quelle: PR
Nikon Coolpix L830Preiswerte Digicam für Einsteiger mit 34fach-Zoom (22,5 - 765 mm, Kleinbild) und 5-Achsen-Bildstabilisator. Das Display ist nach oben und unten schwenkbar. Der CMOS-Bildsensor ist mit 1/2,3 Zoll (5,6 x 4,2 mm) ziemlich klein. In Onlineshops ist die Nikon schon für weniger als 200 Euro zu haben. Die L830 dreht auch Full-HD-Videos mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Preis: ab 150 Euro Quelle: PR

Das scheint aber weniger an der Linse oder dem Bildchip zu liegen, weil einzelne Nachtaufnahmen tatsächlich knackscharf sind. Vermutlich geht vor allem der Bildprozessor beim HTC einfach zu rigoros zu Werke – und etwas Feintuning in Zuge eines Firmware-Updates könne bei Dunkelaufnahmen Besserung bringen. Zumal die Details bei gutem Licht sehr sauber gezeichnet sind.
Insgesamt wirken die Farben ganz leicht ins Gelbliche verschoben. Sie sind nicht ganz so aufgepoppt wie etwa beim LG oder beim Samsung, die Kontraste sind nicht so scharf. Das erstere fällt allerdings nur im direkten Vergleich mit den Konkurrenten auf. Und Knalligkeit sowie Kontraste sind ohnehin nicht jedermanns Gusto.

Huawei P9

Es kommt nicht oft vor, dass ein Handy-Hersteller bei der Präsentation seines neuen Top-Modells auffordert, das Telefon von der Rückseite zu betrachten. Im Fall von Huaweis neuem P9 hat es jedoch einen Grund – und der hat 5 Buchstaben. "Leica" steht groß geschrieben neben den gläsernen Kameralinsen.
Die Chinesen haben bei der Konstruktion ihrer Kameramodule eng mit den Entwicklern des deutschen Kamera-Spezialisten aus Mittelhessen zusammengearbeitet. Diese haben nicht nur die Linsensysteme für Huawei gerechnet – weshalb werbewirksam „Summarit“, der Name einer renommierten Leica-Objektivserie, unter dem Markenschriftzug prangt. Auch beim Tuning des Bildprozessors wollen Hessen und Chinesen gemeinsame Sache gemacht und dabei unter anderem die Farbcharakteristik an die der regulären Leicas angenähert haben.
Und noch etwas fällt beim Blick auf die Rückseite auf. Auch das P9 besitzt zwei Kameralinsen und zwei Fotosensoren. Allerdings nutzt das Handy sie (anders als das LG G5) nicht, um einen besonders großen Zoom-bereich abzudecken. Stattdessen nimmt der eine Bildchip dank der üblichen Dreifarbbilder über den Sensoren Farbbilder auf. Der andere erfasst ausschließlich Hell-Dunkel-Abstufungen und liefert folglich Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

Beides rechnet der Bildchip anschließend zusammen und kombiniert diese dann, so das Versprechen, zu besonders fein abgestuften und damit detailreichen Aufnahmen zusammen. Alternativ kann man den digitalen Schwarz-Weiß-Film einlegen und Bilder ausschließlich mit der B/W-Kamera fotografieren.
Das war zwar – weil von der Konkurrenz nicht auch angeboten – nicht Inhalt dieses Vergleichs, liefert aber gerade bei eher grafischen Aufnahmen oder Portraits sehr ästhetische Bilder. Dass der Nutzer sie sogar im unkomprimierten RAW-Format speichern kann, gibt es als optisches Zückerchen oben drauf.
Im Gegensatz zu den anderen Smartphones sind die P9-Linsen übrigens bündig ins Gehäuse integriert. Dabei ist das Telefon sogar bis zu zwei Millimeter schmaler als die Konkurrenten und wirkt damit trotz seines großen Bildschirms noch recht zierlich. Kehrseite der flachen Bauform ist allerdings, dass Leicas Summarite lediglich eine nominelle Lichtstärke von f/2.2 liefern. Die auch nur einen Millimeter weiter herausragende Optik des Samsung liefert immerhin mit f/1.7 einen neuen Bestwert unter den Fotofonen der Spitzenklasse.

Im Vergleich der Testbilder fällt die geringere Lichtstärke dennoch ins Gewicht. Nicht, weil die Bilder per se lichtschwach wären. Das sind sie nicht. Allerdings sind sie durchweg dunkler als die der Konkurrenz. Dabei sind sie in den Details – gerade bei schlechterem Licht – sehr detailgenau gezeichnet. Hier scheint die Kombination aus den beiden Sensoren ihre Stärken auszuspielen. Backsteinmauerwerk etwa ist selbst beim schwachen Licht einer Straßenlaterne auch über größere Distanz noch erkennbar, wo das LG oder das HTC die Details schon vom Rauschfilter wegbügeln lassen.
Sonderbarerweise nutzt das P9 diesen Vorteil bei hellem Tag lange nicht so konsequent, wie es die Nachtaufnahmen erwarten lassen. Zwar sind Details wie farbige Dachziegel oder die Fenster eines entfernten Hochhauses fein aufgelöst. Aber wo etwa das Samsung auch im starken Hell-Dunkel-Kontrast noch die Details einer Steinmauer auflöst, verschwimmen die Farbunterschiede der Steine beim P9 im Dunkelbereich des Bildes in einem weichgespülten Farbteppich. Ähnlich wie beim HTC, scheint auch Huawei hier (trotz der Kooperation mit Leica) noch nicht das optimale Tuning seines Bildprozessors gefunden zu haben.
Dass die Bilder insgesamt eher etwas stärker in Richtung wärmerer Töne abgestimmt sind, ist hingegen sicher das gewünschte Ergebnis der Zusammenarbeit mit den Wetzlarer Fotopuristen. Ob es gefällt, ist keine Frage der optischen Qualität sondern schlicht Geschmackssache.

Samsung Galaxy S7

Schmerzhaft lange haben sich die Koreaner darauf konzentriert, in ihre Telefone zwar jede Menge High-Tech-Komponenten und -Funktionen zu integrieren (von der Blickrichtungserkennung bis zum Scrollen des Bildschirms per Kopfbewegung), beim Design aber jedes Gefühl für Eleganz vermissen lassen. Plastik bedeckte das Gerät, wo der große Konkurrent aus Cupertino sein iPhone mit Glas oder Metall schmückte.
Mit dem Galaxy S6 wurde das anders, endlich bewies Samsung, dass man nicht nur Technik sondern auch Gestaltung beherrscht. Jedenfalls im Wesentlichen, denn der Glasrücken des letztjährigen Topmodells schien hässliche Fingerabdrücke geradezu magisch anzuziehen. Das ist vorbei. Beim S7 ist nicht nur der Glasrücken fingerfleckenresistent.
Auch vereint das Smartphone nun die Möglichkeit, den Speicher durch den Einschub einer SD-Karte zu erweitern, mit der Option, das Smartphone bis zu etwa 1,5 Meter tief mit ins Wasser zu nehmen. Das reicht zwar nicht zur Dokumentation von Tauchgängen, aber die ziemlich sorgenfreie Dokumentation des Strandurlaubs ist drin. Dank der Schutzklasse IP68 ist das S7 nämlich nicht nur wasser- sondern zudem auch staubdicht.

Natürlich hat Samsung auch bei der Kamera nachgeschärft. Und zwar – HTC lässt grüßen – indem im Inneren nun ebenfalls ein Fotosensor mit größeren Pixeln arbeitet. Die sind mit 1,4 µm zwar nicht ganz so groß wie die des koreanischen Erzkonkurrenten, aber merklich lichtempfindlicher als die des Vorgängers S6. Dass die aktuelle Galaxy-Kamera dafür nur noch mit zwölf Megapixeln auflöst statt mit 16, fällt aus den bereits genannten Gründen nicht ernsthaft ins Gewicht.
Viel entscheidender ist, dass Samsung die empfindlicheren Sensoren mit einer – gerade für die im Grunde ja ziemlich winzige Linsenöffnung – bemerkenswert großen Lichtstärke von f/1.7 paart. Das verspricht einen Spitzenwert bei der Lichtempfindlichkeit.
Im Vergleich der Nachtaufnahmen ragt das S7 ganz klar aus der Masse der Konkurrenten heraus. Es liefert auch da noch deutliche Abstufungen in Helligkeit und Farbe, wo der Rest der Smartphones ansonsten nur noch Schattierungen von Schwarz und ganz Schwarz liefert.
Um falschen Erwartungen vorzubeugen: An die Leistungen des Bildchips einer hochwertigen Ein-Zoll-Kamera, einer Systemkamera oder gar die Optik einer Spiegelreflexkamera reicht das neue Galaxy bei weitem nicht heran. Aber unter den Blinden ist der Farbsichtige eindeutig König.
Unter weniger extremen Schwachlicht-Situationen liefert das S7 noch einen Hauch detailgenauere Bilder als das G5 wenn auch nicht ganz so fein gezeichnet wie das P9, das allerdings etwas unter seiner (relativen) Lichtschwäche leidet.

Und bei Tag? Da fällt das Samsung mit einer markanten Schärfung der Aufnahmen und einer Betonung der Hell-Dunkel-Kontraste auf. Das sorgt für einen insgesamt knackscharfen Bildeindruck, der sich deutlich von den anderen Smartphones abhebt. Eine weitere Folge der starken Spreizung ist, dass die Kontraste – bei ansonsten farbstarken Bildern – in den Mittentönen einen etwas flacheren Farbeindruck erzeugen.
Nicht, dass die Schärfung etwa zum Verlust von Details führte. Im Gegenteil, das S7 ist im Vergleich der Kameras das einzige Smartphone, das beispielsweise die Details der Backsteinmauer im Schatten noch so sauber auflöst, dass man die einzelnen Lagen der Steine erkennen kann. Der harte Bildeindruck ist einfach nicht jedermanns Sache.

Fazit

Hätten die Produzenten klassischer Kleinbildkameras sich nicht ohnehin schon aus dem Geschäft mit Einsteigerkameras und selbst aus der unteren Mittelklasse zurückgezogen, spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen. Ausnahmslos alle Smartphones in diesem Vergleich übertreffen an Auflösungsqualität, Schnelligkeit und Funktionsvielfalt locker, was vor fünf Jahren noch bei Standardknipsen als Stand der Technik galt.
Ob LG, HTC, Huawei oder Samsung – alle liefern selbst unter weniger optimalen Bedingungen noch tolle Aufnahme. Zusatzfunktionen wie Schwarz-Weiß-Sensoren oder ein wasserdichtes Gehäuse verleihen den Smartphones noch zusätzliche Fertigkeiten als Kreativ- oder Reportagekameras.
Und welches ist nun das aktuell beste Foto-Smartphone unter den High-End-Android-Handys? Im Mix aller Eigenschaften gibt es zwei dritte Plätze, einen zweiten und einen klaren Sieger.
Das Huawei P9 und das HTC 10 fallen – bei ansonsten ebenfalls sehr guten Leistungen – durch die nicht ganz ausgewogene Arbeit der Bildprozessoren beziehungsweise die etwas geringere Lichtstärke etwas zurück. Hier liefert das LG G5 über alle Aufnahmesituationen ausgewogenere und eben auch etwas hellere Aufnahmen.
An die Detailtreue und Lichtempfindlichkeit des Siegers, des Samsung Galaxy S7, aber reicht auch das LG nicht ganz heran.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%