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Samsung Galaxy S7, LG G5, HTC 10 und Huawei P9 Diese Smartphones kämpfen um die Foto-Krone

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Huawei P9

Es kommt nicht oft vor, dass ein Handy-Hersteller bei der Präsentation seines neuen Top-Modells auffordert, das Telefon von der Rückseite zu betrachten. Im Fall von Huaweis neuem P9 hat es jedoch einen Grund – und der hat 5 Buchstaben. "Leica" steht groß geschrieben neben den gläsernen Kameralinsen.
Die Chinesen haben bei der Konstruktion ihrer Kameramodule eng mit den Entwicklern des deutschen Kamera-Spezialisten aus Mittelhessen zusammengearbeitet. Diese haben nicht nur die Linsensysteme für Huawei gerechnet – weshalb werbewirksam „Summarit“, der Name einer renommierten Leica-Objektivserie, unter dem Markenschriftzug prangt. Auch beim Tuning des Bildprozessors wollen Hessen und Chinesen gemeinsame Sache gemacht und dabei unter anderem die Farbcharakteristik an die der regulären Leicas angenähert haben.
Und noch etwas fällt beim Blick auf die Rückseite auf. Auch das P9 besitzt zwei Kameralinsen und zwei Fotosensoren. Allerdings nutzt das Handy sie (anders als das LG G5) nicht, um einen besonders großen Zoom-bereich abzudecken. Stattdessen nimmt der eine Bildchip dank der üblichen Dreifarbbilder über den Sensoren Farbbilder auf. Der andere erfasst ausschließlich Hell-Dunkel-Abstufungen und liefert folglich Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

Beides rechnet der Bildchip anschließend zusammen und kombiniert diese dann, so das Versprechen, zu besonders fein abgestuften und damit detailreichen Aufnahmen zusammen. Alternativ kann man den digitalen Schwarz-Weiß-Film einlegen und Bilder ausschließlich mit der B/W-Kamera fotografieren.
Das war zwar – weil von der Konkurrenz nicht auch angeboten – nicht Inhalt dieses Vergleichs, liefert aber gerade bei eher grafischen Aufnahmen oder Portraits sehr ästhetische Bilder. Dass der Nutzer sie sogar im unkomprimierten RAW-Format speichern kann, gibt es als optisches Zückerchen oben drauf.
Im Gegensatz zu den anderen Smartphones sind die P9-Linsen übrigens bündig ins Gehäuse integriert. Dabei ist das Telefon sogar bis zu zwei Millimeter schmaler als die Konkurrenten und wirkt damit trotz seines großen Bildschirms noch recht zierlich. Kehrseite der flachen Bauform ist allerdings, dass Leicas Summarite lediglich eine nominelle Lichtstärke von f/2.2 liefern. Die auch nur einen Millimeter weiter herausragende Optik des Samsung liefert immerhin mit f/1.7 einen neuen Bestwert unter den Fotofonen der Spitzenklasse.

Im Vergleich der Testbilder fällt die geringere Lichtstärke dennoch ins Gewicht. Nicht, weil die Bilder per se lichtschwach wären. Das sind sie nicht. Allerdings sind sie durchweg dunkler als die der Konkurrenz. Dabei sind sie in den Details – gerade bei schlechterem Licht – sehr detailgenau gezeichnet. Hier scheint die Kombination aus den beiden Sensoren ihre Stärken auszuspielen. Backsteinmauerwerk etwa ist selbst beim schwachen Licht einer Straßenlaterne auch über größere Distanz noch erkennbar, wo das LG oder das HTC die Details schon vom Rauschfilter wegbügeln lassen.
Sonderbarerweise nutzt das P9 diesen Vorteil bei hellem Tag lange nicht so konsequent, wie es die Nachtaufnahmen erwarten lassen. Zwar sind Details wie farbige Dachziegel oder die Fenster eines entfernten Hochhauses fein aufgelöst. Aber wo etwa das Samsung auch im starken Hell-Dunkel-Kontrast noch die Details einer Steinmauer auflöst, verschwimmen die Farbunterschiede der Steine beim P9 im Dunkelbereich des Bildes in einem weichgespülten Farbteppich. Ähnlich wie beim HTC, scheint auch Huawei hier (trotz der Kooperation mit Leica) noch nicht das optimale Tuning seines Bildprozessors gefunden zu haben.
Dass die Bilder insgesamt eher etwas stärker in Richtung wärmerer Töne abgestimmt sind, ist hingegen sicher das gewünschte Ergebnis der Zusammenarbeit mit den Wetzlarer Fotopuristen. Ob es gefällt, ist keine Frage der optischen Qualität sondern schlicht Geschmackssache.

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