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Samsung, HTC, LG Diese Konzerne locken mit der virtuellen Realität

Die Smartphone-Hersteller haben Virtual Reality zum Trendthema erhoben. Die Datenbrillen von HTC, LG und Samsung sollen die Nutzer gleichermaßen in andere Welten führen. Und doch gibt es Unterschiede.

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Es gibt diese Gelegenheiten, an die sich jeder erinnert. „Weißt Du noch? Damals als ...“, beginnen Gespräche darüber meist. Deutsche Siege bei den Fußball-Weltmeisterschaften etwa zählen für viele dazu.

Auch der diesjährige Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat bereits seinen Weißt-Du-Noch-Moment. Es ist der Aufritt von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg beim Launch von Samsungs Super-Smartphone Galaxy S7. Nicht, dass er irgendetwas Unerwartetes gesagt hätte. Zuckerberg dankte Samsung für die gute Zusammenarbeit. Es waren die Umstände, die den Auftritt auf doppelte Weise erinnerungswürdig machten.

Nicht nur, dass es Samsung und Facebook gelungen war, den Auftritt geheim zu halten. Zuckerberg gelang es, an geschätzt viertausend Besuchern vorbei, unbemerkt auf die Bühne zu gehen. Das war der Nebeneffekt von einem der wichtigsten Messetrends des Jahres: Der Virtual-Reality-Boom erfasst die ganze Kommunikationswelt. 

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    So verfolgten die Samsung-Gäste gerade eine 3D-Präsentation durch die Virtual-Reality-Brille Gear VR, während der reale Zuckerberg unerkannt durch die Reihen schritt.

    „VR wird die Art, wie wir kommunizieren, radikal verändern. Sie wird Menschen nicht nur die Chance bieten, mittels Bildern dem Leben ihrer Freunde zu folgen, sondern ihnen ermöglichen, mithilfe von 360-Grad-Livestreams unmittelbar an deren Leben teilzuhaben“, sagte Zuckerberg.

    Sekunden zuvor hatten seine Zuhörer beim Blick in die Gear VR erleben können, wie es sich anfühlt, dank der Brille mitten in einem Straßenfußballspiel zu stehen. Der Eindruck des Rundum-Kicks, bei dem jeder Betrachter für sich entscheiden kann, wohin er den Kopf dreht, vermittelte tatsächlich ein beeindruckendes Gefühl von Präsenz.

    Die Highlights des Mobile World Congress
    LG G5 Quelle: AP
    Samsung Galaxy S7 Quelle: AP
    Will.i.am mit Uhr Quelle: dpa
    360 VR von LGLG macht den VR-Trend mit und bringt passend zum MWC seine VR-Brille 360 VR auf den Markt, die als Zubehör für das neue Smartphone-Flaggschiff G5 gedacht ist. Die Brille ist ausgestattet mit zwei 13 Megapixel-Weitwinkellinsen und drei Surroundsound-Mikros. Mit einem Kabel wird sie an das Smartphone angeschlossen. Der Preis ist noch nicht bekannt. Quelle: dpa
    Epson präsentiert Augmented-Reality-Brille Quelle: Presse_Epson
    Kabelloser Datenfluss bei Skoda Quelle: obs
    bq Aquaris M10 Ubuntu Edition Quelle: Presse_bq

    Das Gefühl, über die Brille in eine andere Welt einzutauchen, stellt sich in kürzester Zeit ein, wie der Selbsttest beweist. Das ist besonders verblüffend, weil Samsungs Gear VR eigentlich nur ein Tragrahmen für ein aktuelles Galaxy-Smartphone ist. Dessen Display produziert die nötigen digitalen Bilder, auf die der Nutzer durch zwei Linsensysteme blickt. 

    Die Bewegungssensorik im Smartphone liefert die Information, wohin der Benutzer seinen Blick richtet. Die Software im Telefon blendet die zugehörigen Bilder ein. Das Zusammenspiel der Komponenten passiert derart rasant, dass Verzögerungen nur selten auftreten.

    Damit habe die Technik das Zeug zum Massenmarkt, betonte Zuckerberg. Er hofft natürlich, dass die zunehmende Verbreitung von VR-Brillen und Rundumaufnahmen das eigene Geschäft befeuert. Dann würde sich der zwei Milliarden Dollar schwere Kauf des VR-Startups Oculus vor gut eineinhalb Jahren absehbar lohnen. Denkbar ist zum Beispiel das Einblenden personifizierter Werbung in künftigen 3D-Dienste von Facebook.

    Virtual-Reality-Brillen

    Die Technik scheint bereit. Mit einem Kampfpreis von 99 Dollar, den Samsung für seine Gear VR haben will, ist auch die Hürde der bisher sündhaft teuren professionellen VR-Systeme überwunden. Auch wenn für die passenden Galaxy-Smartphones ebenfalls nochmal viel Geld fällig wird. Das neue Premium-Modell 7S schlägt mit etwa 700 Euro zu Buche.

    Den Trend zur virtuellen Realität hat nicht nur Samsung für sich entdeckt. Der Elektronikkonzern Alcatel hat vor Beginn des MWC seine neuen Top-Smartphones Idol 4 (280 Euro) und Idol 4s (430 Euro) vorgestellt. Deren Kunststoffverpackung entpuppt sich bei genauem Hinsehen als VR-Brille mit integriertem Linsensystem. Wie bei Samsungs Gear VR wird das Telefon auf der Rückseite der Verpackung mit dem Display zum Betrachter hinter eine Blende gesteckt. 

    Grenzen in der virtuellen Realität

    Während der Benutzer bei Samsung die VR-Anwendungen über eigene Steuertasten an der Gear VR bedienen kann, fehlt die Steuerungsoption bei den Alcatel-Geräten. Da muss die Simulation vor dem Aufsetzen am Telefon gestartet werden.

    Für einen ersten Eindruck, wie es im Virtuellen so aussieht, und wie sich die Bewegung dort anfühlt, reicht das allemal. Auch die Idols bieten genug Rechenleistung und schnelle Grafik, um die simulierten Räume verzögerungsfrei zu berechnen.

    Der koreanische Konzern LG setzt ebenfalls auf virtuelle Realitäten als Ergänzung zum klassischen Smartphone-Geschäft. Die Cyberbrille LG 360 VR arbeitet eigenständiger als die Modelle von Samsung und Alcatel. Sie besitzt eigene Displays im Gehäuse und ist damit nicht nur deutlich kompakter, sondern auch merklich leichter als die Geräte der Konkurrenz.

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      Während die klobigen Simulations-Boxen der anderen Hersteller so viel Platz bieten müssen, dass große Smartphones hinein passen, erinnert die LG-Brille eher an eine etwas überdimensionierte Bratwurst - und nicht an ein kompaktes Brett vorm Kopf.

      Der Qualität der Darstellung und der Reaktionsgeschwindigkeit bei der Simulation schadet die kompakte Bauform nicht. Allerdings geht der höhere technische Aufwand ins Geld. Offizielle Preise hat LG noch nicht angekündigt. Sie werden wohl erst zum Marktstart des Smartphones LG G5 gegen Anfang April bekanntgegeben. Klar ist, dass die beiden integrierten Displays, die 6-Achsen-Bewegungssensoren, die Steuertasten und der integrierte Näherungssensor die Kosten für die 360 VR in die Höhe treiben. Für die 99 Euro, für die Samsung seine Gear VR verlangt, wird die LG-Brille nicht zu haben sein.

      Die größte Handymesse der Welt: Mobile World Congress

      Einen anderen Ansatz verfolgt der Technikkonzern HTC. Die Taiwaner haben mit ihrer Cyberbrille Vive ein komplett eigenständiges System aus Display, Laser-Raumsensoren und einer Art Game-Controllern entwickelt. Es funktioniert in Verbindung mit einem PC.

      Die Technik, die HTC nach mehrjähriger Entwicklung in Barcelona zeigt und die Kunden ab Anfang März vorbestellen können, wird in den USA für 700 Dollar auf den Markt kommen. In Europa soll das Gerät knapp über 800 Euro kosten. Die Auslieferung der Systeme beginnt im April.

      Gadgets



      Anders als bei Samsung und Alcatel wird das Bild bei der Vive über ein Kabel in die Brille übertragen. Das begrenzt die Bewegungsfreiheit. Andererseits ermöglicht es die Kombination aus Raumsensoren, Brille und Controllern, die HTC-Technik auch in einem Zimmer zu nutzen, ohne dabei Gefahr zu laufen, beim blinden Herumstolpern über den Tisch oder das Sofa zu stürzen.

      Die Vive ist in der Lage, in die virtuellen Welten einen simulierten Zaun einzuspiegeln. Der zeigt dem Spieler, wenn er sich im simulierten Bild realen Grenzen, wie etwa einer Zimmerwand annähert.

      Per Daumendruck auf einen Knopf am Controller lässt sich ein Bild der Außenwelt wie eine zusätzliche Informationsschicht in die virtuellen Vive-Räume einblenden. Dann kann der Spieler beim Ausflug in die digitalen Traumwelten mitverfolgen, was sich um ihn herum abspielt.

      Ein Feature, dessen Fehlen in Samsungs Gear VR den überraschenden Auftritt von Mark Zuckerberg überhaupt erst möglich gemacht hat.

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