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Sehen mit der Zunge Wie Hightech-Brillen Blinden helfen

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Welche Technologie Blinden noch helfen kann

Ein Mundstück, das per Kabel mit der Kamera verbunden ist, übersetzt die Aufnahmen in elektrische Impulse auf der Zunge. Filmt die Kamera etwa eine Tasse, malen Elektroden die Form dieser Tasse mit einer Auflösung von 400 dpi auf die Zunge. Der Nutzer erlebt das Bild als Vibration. Nähert er sich der Tasse, verstärkt sich die Stimulation, das Muster auf der Zunge wächst.

„Wenn die Augen nicht als Sensor für visuelle Reize zur Verfügung stehen, sucht sich das Gehirn eine Alternative. Blinde übertragen die Informationen über die Zunge direkt in die Sehrinde“, sagt der Vorstandsvorsitzende von Wicab, Robert Beckman.

Zehn verrückte Gadgets
Baidu EyeInformationen werden hier nicht visuell zugeführt, sondern akustisch. Laut Hersteller ist die offizielle Begründung, damit Strom zu sparen: Der Akku von Baidu Eye soll zwei Stunden halten. Google Glass hält hingegen nur 45 Minuten durch. Über die Kamera-Mikrofon-Konstruktion des chinesischen Suchmaschinenkonzerns können Nutzer sich Infos zu ihrer Umgebung mitteilen lassen. Man trägt es wie eine verkehrt herum aufgesetzte Brille. Quelle: Presse
KIWI.KIDie Haustür ohne Schlüssel öffnen - das soll das Gadget von KIWI.KI möglich machen. Man kommt mit dem kleinen Transponder „Ki“ zur Haustür, diese springt durch Kommunikation mit dem Türsummer automatisch auf. Das lästige Wühlen und Suchen nach dem Schlüsselbund gehört so der Vergangenheit an. Es gibt auch eine App, die die Haustür etwa vom Sofa aus öffnen kann. Quelle: Presse
Smarte EssstäbchenSmarte Essstäbchen von Baidu sollen erkennen können, ob schlechtes Öl für die Zubereitung von Speisen verwendet wurde. Zusätzlich können sie angeblich den ph-Wert des Wassers, die Temperatur und den Gehalt des Zuckers in Früchten messen. Baidu machte noch keine Angaben, wann die Essstäbchen auf den Markt kommen sollen. China wurde in der Vergangenheit immer wieder von Lebensmittel-Skandalen erschüttert. Quelle: dpa
ParceParce ist der Name einer Steckdose, die selbstständig das Nutzerverhalten der Verbraucher erlernt. Damit kann der Stromverbrauch gesenkt werden – die Steckdose ist zusätzlich via W-Lan ans heimische Netz angeschlossen, damit Nutzerdaten ausgewertet werden können. Die Steckdose erkennt, wann elektronische Geräte am häufigsten genutzt werden und kann in Leerlaufzeiten den Saft abdrehen. So sollen sich im Jahr bis zu 150 Euro an Stromkosten sparen lassen. Quelle: Presse
Keine bösen E-Mails mehrVier Forscher der Islamischen Universität für Technologie in Bangladesch haben ein Programm entwickelt, das erkennen soll, wenn der Benutzer wütend auf die Tastatur einhackt. Wenn der Verfasser also allzu wirsch in die Tasten haut, könnte die Tastatur der Zukunft vorschlagen, eine kleine Pause einzulegen, um sich abzuregen. Das Projekt ist aber noch in der Forschung. Quelle: Fotolia
Der perfekte DrinkIn Internetshops ist der Cocktailmixer The Perfect Drink bereits bestellbar. Die intelligente Waage wird mit einer App gekoppelt. So wird genau gemessen, welche Menge welcher Zutat noch für den Cocktail benötigt wird. Quelle: Presse
iGrill miniFür Grillfans könnte das „ iGrill mini Bluetooth Thermometer“ interessant sein. Dieses Gerät verbindet sich via App mit dem Smartphone. Sobald die gewünschte Zieltemperatur erreicht ist, bekommt der Anwender eine Push-Nachricht.   Quelle: Presse

Doch woher weiß ein blinder Mensch, wie eine Tasse aussieht? Wer erst im Laufe seines Lebens erblindet ist, erinnert das Objekt. Wer seit der Geburt blind ist, ertastet sich Objekte oder stellt sie sich auf Basis von Schilderungen vor. Notwendig sei Übung, sagt Beckman. „Wer mit der Brille sehen will, braucht Zeit. Es geht darum, die Muster richtig zu interpretieren, das ist als ob man eine neue Sprache lerne.

Mit viel Fleiß ist laut Beckmann dann aber vieles möglich. Blinde könnten sicher navigieren, kurze Wörter lesen oder sogar Darts spielen, wie er dem Portal Bloomberg Business sagt. Was nach Alice im Wunderland klingt, scheint zu funktionieren. Studien zeigen, dass 69 Prozent von 74 Testpersonen nach einem Trainingsjahr Objekte erkennen konnten.

Die Technologie ist in Deutschland zwar verfügbar, hat mit 10.000 Dollar, das sind etwa 9.200 Euro, aber ihren Preis. Beckmann hofft, dass sich künftig Krankenkassen an den Kosten beteiligen.

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse

Wer nicht warten will, bis die smarten Brillen auf dem Markt oder bezahlbar sind, behilft sich mit dem Smartphone. Apps wie „Blindsquare“ informieren im Vorlesemodus, wo die nächsten Cafés, Supermärkte und Geschäfte sind. Mit der Kinoapp „Greta“ können Nutzer Audiodeskriptionen parallel zum Film anhören. „TapTapSee“ benennt Gegenstände auf Handyfotos, „Prizmo“ scannt und liest Dokumente vor. Beim Einkleiden hilft die Anwendung „ColorSay“ – sie erkennt Farben und verhindert ungünstige Kombinationen wie die braune Bluse zur schwarzen Hose.

Menschliche Helfer

Anders funktionieren Anwendungen wie „VizWiz“ oder „Be my Eyes“. Statt einer Software sind es Menschen, die helfen. Hat ein angemeldeter Nutzer etwa Schwierigkeiten, das richtige Klingelschild zu finden, schaltet er die App ein. Sie pingt die Helfer an, wer Zeit hat, meldet sich per Videochat. Der Selbsttest zeigt: Nach nur einer Minute steht die Verbindung zu einem Helfer, der leicht erkennt, worauf die Handykamera gerichtet ist. In unserem Fall: Ein Tischventilator.

Die dänische Non-Profit-App Be my Eyes nutzen in Deutschland etwa 13.000 Menschen. Weltweit bieten rund 260.000 Menschen ihre Unterstützung an, ohne finanziellen Nutzen.

Die Beispiele zeigen, wie die Digitalisierung Barrieren für Sehbehinderte oder Blinde umschiffen kann.

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Zwar sind längst nicht alle Apps und Webdienste brauchbar. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) empfiehlt, sich etwa auf dem „Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte“, kurz INCOBS, zu informieren. Fachleute testen dort, was Geräte, Software und Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte tatsächlich leisten.

Dennoch könnte das Interesse an den digitalen Helfern wachsen. Eine Schätzung nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht in Deutschland von etwa 1,2 Millionen blinden oder sehbehinderten Menschen aus. Die demographische Entwicklung könnte die Zahl der Betroffenen erhöhen. Denn die altersbedingte Makuladegeneration ist in den westlichen Industrieländern die häufigste Ursache für eine Erblindung.

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