Smart Home auf der IFA Siri, mach' es kuschelig!

Die Heizung hört aufs Wort, die Sicherheitskamera meldet Besuch auf dem Smartphone: Auf der IFA ist das vernetzte Zuhause großes Thema – bei vielen Verbrauchern aber noch nicht. Wie die Anbieter Sie überzeugen wollen.

Auf der IFA stellen zahlreiche Hersteller die vernetzten Fähigkeiten ihrer Geräte in den Mittelpunkt – in der Hoffnung, dass aus einer Spielerei für Geeks ein Muss für den Durchschnittsnutzer wird. Quelle: dpa

Der Sommer ist nicht ideal für die Tests. Wer will schon die Heizung einschalten, wenn es draußen mehr als 25 Grad warm ist? Christian Deilmann grinst, wenn er an die letzten Monate zurückdenkt – die schweißtreibende Arbeit hat sich gelohnt: Seine Firma Tado hat gerade rechtzeitig zur Elektronikmesse IFA und zum nahenden Herbst ein neues Heizthermostat fertig entwickelt. Es lässt sich per App und durch Apples Sprachassistentin Siri steuern. Für das Start-up aus München ist es ein wichtiger Schritt, um den Massenmarkt zu erobern.

Mit diesen Ambitionen ist Tado nicht allein. Auf der IFA in Berlin (2.-7. September) stellen zahlreiche Hersteller von Hausgeräten und Produkten zur Heimüberwachung die vernetzten Fähigkeiten ihrer neuen Geräte in den Mittelpunkt – in der Hoffnung, dass aus einer Spielerei für Geeks ein Muss für den Durchschnittsnutzer wird. Ob Heizung, Herd oder Waschmaschine, Türschloss, Sicherheitskamera oder Rauchmelder: Alles wird smart.

Der Markt fürs vernetzte Zuhause ist bislang klein. Nach Zahlen des Markforschers GfK liegt der Marktanteil der vernetzten Hausgeräte in Europa beispielsweise bei gerade einmal drei Prozent. Das ist jedoch nur eine Momentaufnahme: „In spätestens fünf Jahren werden alle Geräte vernetzbar sein“, ist Peter Schnaebele überzeugt, der die Bosch-Sparte fürs Smart Home leitet. Denn das sei technisch machbar und angesichts sinkender Komponentenpreise bald auch nicht mehr teuer.

Fünf Begriffe zur IFA

Im Wettbewerb mit den Technologieriesen aus Übersee rechnen sich deutsche Unternehmen wie Tado, Bosch und Elgato gute Chancen aus. Sie müssen die Kunden allerdings überzeugen, in mehrfacher Hinsicht: davon, dass die Bedienung einfach ist, die Investitionen lohnenswert sind – und die Privatsphäre angesichts aller Sensoren und Kameras gewahrt bleibt. Woran sie arbeiten und wie sie argumentieren: ein Rundgang auf der Messe.

Tado für ganz Europa

Tado gehört zu den Pionieren für smarte Heiztechnologie. Mitgründer Christian Deilmann forschte im Studium an Brennstoffzellen und lernte dabei, dass die Effizienz bei der Energiegewinnung schon weitgehend ausgereizt ist. So entwickelte er mit einigen Freunden die Idee, dass die Einsparung von Heizenergie mehr bringt, um die Emissionen zu senken. Vor acht Jahren gründeten sie die Firma.

Zunächst entwickelte Tado eine Steuerung, die direkt am Heizkessel installiert wird. Um bis zu 30 Prozent ließen sich die Heizkosten senken, so behauptet das Start-up. Nun kommt im Herbst ein Gerät hinzu, dass an einzelnen Heizkörpern die Temperatur regeln kann, unabhängig davon, ob Bewohner Zugriff auf den Brenner haben oder nicht.

„Ab dieser Woche können alle Haushalte in Europa Tado nutzen, es sei denn, dort steht ein Holzkohleofen“, sagt Deilmann. Das ist die Voraussetzung, um das Produkt im Massenmarkt zu verkaufen – und profitabel zu werden. Eine Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro, abgeschlossen im April, soll bei der Expansion helfen.

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