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Smartphones Die App-Industrie im Umbruch

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Philipp Schloter, Gründer des Startups Abukai Quelle: Jeffrey Braverman für WirtschaftsWoche

Dienstleister wie Yoc dürften in den nächsten Monaten ein attraktives Kaufobjekt darstellen. "In der Branche wird es in den nächsten Monaten definitiv Übernahmen geben", sagt Yoc-Chef Kraus. Sein Unternehmen werde von Internet-Konzernen, Medienhäusern und Werberiesen beäugt. Die suchen zunehmend nach Entwicklern, die nicht nur die Software programmieren können, sondern sich gleichzeitig auch mit Konzeption und Design auskennen. So liebäugelt nicht nur der Werberiese BBDO damit, durch den Kauf eines App-Entwicklers mittelfristig entsprechendes Know-how ins Unternehmen zu holen.

Doch auch für App-Debütanten gibt es noch Chancen, allen voran bei professionellen Anwendungen. Der 31-jährige Ex-Nokia-Manager Philipp Schloter etwa zieht gerade einen Service auf, mit dem er die Buchhaltung kleiner und mittelgroßer Unternehmen revolutionieren soll.

Sein Startup Abukai hat für iPhone, Android und Blackberry Apps zum Erfassen von Taxirechnungen, Hotelquittungen und Restaurants entworfen. Die Unterlagen werden mit dem Handy fotografiert und an den Rechner von Abukai geschickt. Der analysiert die Rechnung, trägt die entsprechenden Daten automatisch in ein Reisekostenformular ein und schickt es an den Nutzer zurück. Das Ganze funktioniert flott und sogar mit stark zerknitterten Quittungen. "Wir brauchen den Vorteil eigentlich nie zu erklären. Anscheinend hasst jeder die Eingabe von Quittungen", sagt Schloter. Die App selbst ist dabei kostenlos, der Service kostet Geld.

Schloter bewegt sich auf vertrautem Terrain: Immerhin hatte Handyriese Nokia Anfang 2007 sein Unternehmen Pixto gekauft. Das Startup hatte eine Technik entwickelt, um Gegenstände und Gebäude per Handykamera zu erfassen und dazu automatisch Informationen aus dem Internet zu laden – ein Konzept der erweiterten Online-Realität, das heute unter dem Slogan Augmented Reality für Furore sorgt. "Damals aber", sagt Schloter, "waren wir unserer Zeit voraus."

Seiner Spezialdisziplin, der Mustererkennung, ist er dennoch treu geblieben – und will aus seiner Erfahrung nun mit Abukai Kapital schlagen. Zurzeit lenkt der Absolvent der Eliteuni Stanford ein Team von zehn Mitarbeitern von seinem Apartment in San Francisco aus. Denn davon, dass in der App-Wirtschaft jede Menge Musik steckt, ist der deutsche Unternehmer überzeugt. "Da stehen wir noch ganz am Anfang", sagt er.

Michael Nauditt, Chef des auf die Finanzbranche spezialisierten IT-Dienstleisters Finarx aus Frankfurt, sieht das nicht anders: "Für Apps, die zwischen Unternehmen eingesetzt werden, sehe ich enormes Potenzial." Aktuell stehe meist Marketing und Promotion im Vordergrund. Die Integration mobiler Anwendungen in die Wertschöpfungskette von Unternehmen aber beginne gerade erst.

Sein Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern entwickelt in einem Wohnviertel im Frankfurter Westen Programme für die Finanzindustrie, etwa Risikocontrolling-Software oder Handelsplattformen für Investmentbanken. Seit Mitte 2009 programmiert Finarx zudem Apps, um so "am Schwung des Marktes zu partizipieren", sagt Nauditt.

Smartphone-User erwarten günstige Apps

Die Frankfurter haben drei Business-Apps im Angebot: Finarx Scan und Finarx Fax zum Preis von je 2,39 Euro. Damit lassen sich Dokumente mit dem Handy fotografieren oder scannen und dann faxen. Die jüngste App heißt Finarx Timesheet und hilft Freiberuflern und Selbstständigen bei der Zeiterfassung. Insgesamt hat das Unternehmen binnen zwei Jahren rund 100.000 Downloads verzeichnet.

Finarx hat damit bisher nicht mehr als 500.000 Euro verdient. "Sich – jenseits von Spielen – mit dem Verkauf von Apps am Markt zu halten ist extrem schwierig", sagt Nauditt. Denn Smartphone-User seien dazu erzogen, dass Apps sehr günstig sind. Trotzdem haben sich die Investitionen in die Entwicklung der Apps für Nauditt schon ausgezahlt: "Sie sind gewissermaßen Arbeitsproben für weitere Projekte im mobilen Geschäft."

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