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Software Renaissance der Cyber-Schreiber

Die Fingersteuerung hat den Boom der Smartphones und Tablets ausgelöst. Nun aber erlebt der Stift eine Wiedergeburt.

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Ein Maler zeichnet eine Person auf einem Tablet-Pc. Quelle: dapd

Das Urteil von Steve Jobs war ebenso knapp, wie klar: "Sobald das Teil einen Stift braucht, ist die Kiste tot", spottete der Apple-Gründer vor Jahren schon über Microsofts Versuche, Tablet-Computer mit Stiftbedienung auf den Markt zu bringen.

Apples eigenes Tablet müsse ohne Stift und Tastatur funktionieren: "Gott gab uns zehn Stifte", beschied er die Entwickler von iPhone und iPad, während er mit den Fingern wackelte. "Lasst uns nicht noch einen weiteren erfinden."

Der millionenfache Erfolg von Apples intuitiv bedienbaren Smartphones und Tablet-Computern bestätigt die Vorgabe des im vergangenen Jahr gestorbenen IT-Visionärs bis heute. Und doch dürfte Jobs im Grabe rotieren, wüsste er vom Boom, den ausgerechnet ein Zubehörsegment gegenwärtig erlebt: Eingabestifte, mit denen immer mehr iPad-Besitzer ihre Computer in digitale Notiz- und Zeichenblöcke verwandeln.

So wird das iPad zum mobilen Büro
Office mobilZu den wichtigsten Apps für ein iPad im Business-Einsatz gehört natürlich eine Anwendung zum Bearbeiten von Office-Dokumenten. Allen Gerüchten zum Trotz hat Microsoft nach wie vor kein Office-Paket für das Apple-Tablet angekündigt – Apple-Nutzer müssen sich also nach Alternativen umsehen. Eine erprobte App, die mit den Microsoft-Formaten umgehen kann, ist Documents to Go, die sowohl für iPhone als auch iPad konzipiert wurde. Neben Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien kann Documents to Go auch die Apple-Formate von iWorks bearbeiten. Zudem erweitert sie die vorhandene Mail-App von Apple und die Fähigkeit, E-Mails mit Anhängen senden und empfangen zu können. Die App kostet 14 Euro. Quelle: PR
Mobile TastaturSo schick das iPad auch ist – zum effektiven Tippen ist eine Tastatur besser. Dazu eignet sich beispielsweise Apples eigene kabbellose Bluetooth-Tastatur. Die hat mit 70 Euro allerdings einen stolzen Preis. Deutlich günstiger bietet der Versandhändler Pearl seine iPad-Tatstaur an. Das ebenfalls kabellose Bluetooth-Gerät kostet nur 30 Euro. Der Akku wird via USB aufgeladen. Die mit der Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzierte iPad-Tastatur Brydge verwandelt das iPad in ein Laptop, der äußerlich dem Macbook Air ähnelt. Das Macbook-iPad kostet 150 Dollar mit US-Tastaturbegelgung. Über eine deutsches Tastatur-Design denken die Macher derzeit nach. Quelle: Pressebild
iPad-StativWer das iPad nicht gleich in ein Notebook verwandeln möchte, kann sich auch zum bequemeren Tippen auch mit einem Aufsteller behelfen. Das Dreibein Compass von Twelvesouth kostet 40 Euro. Quelle: PR
Mobile DatenanalyseAuch unterwegs wollen Entscheidungsträger stets Zugriff auf die wichtigsten Unternehmens-Daten haben. Das ermöglicht für das iPad der Roambi Analytics Visualizer, den es inzwischen auch auf Deutsch gibt. Die App bereitet Finanzdaten des eigenen Unternehmens für das iPad auf, damit Entscheidungsträger jederzeit Zugriff darauf haben. Dabei ermöglicht die App unter anderem den Zugriff auf Daten von Microsoft Excel, Salesforce CRM, SAP BusinessObjects, IBM Cognos und Oracle OBIEE 11g. Eine Basis-Version ist gratis. Die Einzel-User-Lizenz kostet 80 Euro. Quelle: PR
Mehr Bildschirm dank iPadWer das iPad unterwegs dabei hat, muss es nicht brach liegen, sobald der eigene Arbeitsplatz genutzt wird. Vor allem die vielen Pixel des iPad 3 eignen sich hervorragend dafür, den eigenen Bildschirm durch das Tablet zu erweitern. Air Display ist eine der zahlreichen Apps, die das für Windows und Mac OS X leistet. Die Verbindung wird via WLAN hergestellt, was zu leichten Verzögerungen führt. Schon bisher hat die Qualität des iPad-Displays die meisten Monitore in den Schatten gestellt. Inzwischen hat Hersteller Avatron die App Air Display für Apples neueste Tablet-Generation angepasst. Dadurch werden die Bildschirminhalte von Mac und Windows-PC mit der App in einzigartiger Schärfe auf das iPad-Display gebracht. Preis: 8 Euro. Quelle: PR
Mehr DurchhaltevermögenDas iPad hält mit seinen rund 10 Stunden im Betrieb schon deutlich länger durch als seine größeren Brüder, die Notebooks. Dennoch lässt sich auch diese Spanne mit dem Zusatzakku Powerbat vom Hersrteller Artwizz noch verlängern. Damit soll das iPad noch sieben Stunden länger betreiben lassen, verspricht der Hersteller. Über den Akku lassen sich dank USB-Anschluss auch andere Geräte laden. Der Preis: 80 Euro. Quelle: PR
TV-ProgrammWer unterwegs das Nachrichtenfernsehen wie N-TV, N24 oder den Wirtschafts-Sender Bloomberg sehen möchte, kann sich Zattoo herunterladen. Die Gratis-App bietet Zugriff auf insgesamt 40 deutsche und internationale Fernsehkanäle. Quelle: PR

Zumal inzwischen zahlreiche Schreib- und Zeichen-Apps die Tablets in digitale Moleskine-Kopien oder komplexe Malwerkzeuge verwandeln.

Menschen wie Serenity Caldwell schwören auf das digitale Schreibgerät: Seit sie ihr erstes iPad gekauft habe, erzählt die Autorin und Cartoonistin des US-Internet-Dienstes Macworld.com, mache sie darauf mit einem Spezialstift Notizen und fertige Zeichnungen an. "Jobs mag die Dinger gehasst haben, aber wenn’s um schnelle Skizzen geht, sind Stifte einfach praktisch."

Wie im Kindergarten

Das dachten sich auch Katja und Nils Gustafsson, die unter dem Label Just Mobile Designerzubehör für Apple-Produkte verkaufen. Wenn es darum gehe, etwas kurz handschriftlich zu erfassen, Bildern Anmerkungen zuzufügen oder Textstellen zu markieren, sei Touch-Bedienung nicht perfekt, sagt Katja Gustafsson. "Das letzte Mal, das ich mit dem Finger geschrieben habe, war zu Kindergartenzeiten im Sandkasten."

Ihre Antwort ist der AluPen, gefertigt aus massivem Aluminium, versehen mit einer gummierten Spitze, die anstelle der Fingerkuppe das Touch-Display des Tablet-Computers steuert. Er erhielt vergangenes Jahr nicht nur den begehrten Red-Dot-Design-Preis. Zugleich ist er auch wirtschaftlich ein Erfolg: Laut Gustafsson machen weltweit bereits viele Zehntausend Kunden damit ihre Notizen auf Tablet-PCs.

Dabei ist der AluPen nur ein besonders prominenter Vertreter. Mittlerweile haben Tablet-Besitzer die Wahl aus bald zwei Dutzend digitalen Stiften. Unter anderem vertreibt auch der auf Grafik-Tablets für PCs spezialisierte Hersteller Wacom mit dem Bamboo Stylus einen Cyber-Schreiber.

Alles andere als Absurd

Menschen gehen an Werbung für das Samsung Galaxy Note vorbei Quelle: REUTERS

Spötter wenden ein, mit Stiften auf Tablet-Computern zu schreiben sei so sinnvoll, wie die Montage einer Wählscheibe an einem Smartphone. Doch nach Ansicht von Experten ist die Kombination aus analogem Eingabegerät und digitalem Block alles andere als absurd.

Immer, wenn auch im Alltag Stift und Notizbuch zum Einsatz kommen, biete sich die Verwendung von Tablet und Eingabestift mit passenden Apps an, sagt Tim Bosenick, Geschäftsführer des auf Nutzenforschung spezialisierten Beratungsunternehmens GfK SirValUse Consulting. "Denn Parallelen zur realen Welt erleichtern auch den Umgang mit elektronischen Medien."

Noch allerdings müssen die digitalen Schreiber ein paar technische Limitationen überwinden. Vor allem bei der Genauigkeit, mit der sich mit ihnen arbeiten lässt. Anders als die einst spitzen Schreibgeräte früherer Palm-Pilot-Organizer besitzen heute fast alle Stifte technisch bedingt eine mehrere Millimeter breite Spitze aus Gummi oder Silikon.

Nebeneffekte von Multitouch

Tablet-Stifte

Der Grund ist, dass ältere Touch-Displays tatsächlich auf den physischen Stift- oder Fingerdruck reagierten. Die modernen Touch-Bildschirme dagegen werden von den durch Finger oder Stiftkuppe ausgelösten elektrischen Spannungsveränderungen an der Oberfläche aktiviert.

Was das Schreibvergnügen auf iPad und Co. noch zusätzlich mindert, ist eine weitere Eigenschaft der modernen Glasdisplays: ihre sogenannte Multitouch-Fähigkeit. Sie ist im Tablet-Einsatz sonst durchaus gewünscht. Denn sie erst ermöglicht die charakteristische Gestensteuerung. Damit zoomt der Benutzer etwa durch Aufspreizen und Zusammenziehen der Finger in Texte oder Bilder hinein und hinaus.

Beim Schreiben aber – wenn neben dem Stift auch der Handballen auf dem Tablet aufliegt – führt die Multitouch-Funktion zu einem unerwünschten Nebeneffekt: Nicht nur, wo der Stift über die Ober- fläche fährt, erscheinen Buchstaben und Worte. Auch wo die Hand auf dem Glas liegt, vermutet das Tablet Eingaben und zeichnet Striche aufs virtuelle Papier.

Unnatürliches Schreiben

Personen vor einer Tablet-Werbung Quelle: REUTERS

Einzelne Schreib-Apps wie etwa neu.Notes oder iNotes lösen das Problem, indem der Nutzer einen Teil des Bildschirms als Handauflage definieren kann. Dort reagiert das Tablet nicht auf Berührungen. Andere Apps, wie 7notes, lassen den Benutzer nur in einen vordefinierten Bereich unten am Bildschirmrand schreiben, um Doppelbedienungen zu vermeiden.

Wirklich natürlich schreibt es sich aber weder im einen noch im anderen Fall.

Und so hat der Gebrauch von AluPen, Bamboo Stylus & Co. mit dem feinen Strich einer Kugelschreibermine oder gar einer Tintenfeder noch nicht viel zu tun. Eine Lösung zeichnet sich indes inzwischen ab.

Pixel und Papier kommen sich näher

Von Moleskine bis Malkasten

Hersteller wie Samsung oder HTC haben mit dem Galaxy Note beziehungsweise dem Flyer bereits Tablet-Computer auf Basis von Googles Android-Betriebssystem auf den Markt gebracht, deren Software sowohl für Finger- als auch für Stift-Steuerung optimiert ist. Gleiches gilt für die bisher zumeist im professionellen Einsatz genutzten "Slate" genannten Tablet-Computer auf der Basis von Microsofts Windows 7.

In beiden Fällen sind die Kunststoffspitzen der mitgelieferten digitalen Stifte kaum mehr dicker als Kugelschreiberminen. So bringen sie Pixel und Papier ein gutes Stück näher zusammen als bisher und schlagen eine höchst kreative Brücke zwischen realer und digitaler Welt.

Gadgets



Nicht auszuschließen, dass sich sogar Steve Jobs Nachfolger an der Apple-Spitze, Tim Cook, am Ende noch für das Konzept erwärmen kann.

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