Start-up Thync Entspannung per Stromschlag

Selbstvermessung war gestern: Jetzt kommen erste Geräte, die entspannen wollen. Unser Redakteur hat sich Elektroden auf den Kopf geklebt und den Selbstversuch gestartet.

Neurologe Jamie Tyler (l) und Chemieingenieur Isy Goldwasser (r). Quelle: PR

Momentan stehe ich regelmäßig unter Strom. Nicht wegen des hektischen Starts ins neue Jahr, das für mich gleich mit dem Gewühl auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas begann. Nein, ganz real. Meist morgens und abends klebe ich mir einen kleinen Bumerang-förmigen Keil aus Plastik auf die rechte Schläfe, der über zwei Elektroden schwache elektrische Impulse aussendet.

Wenn ich mich entspannen will, lege ich eine der Elektroden am Nacken an. Brauche ich einen Konzentrationsschub, befestige ich die zweite Elektrode hinter dem Ohr. Das Verfahren nennt sich transkranielle Gleichstrommodulation und wird seit Jahren in der Medizin eingesetzt.

Ungewöhnliche Fitnesstracker
Bling Bling fürs Herz - das Armband enthält Swarovskis
Die Withings Activité mit Stahlgehäuse und analogem Zifferblatt. Der kleine Kreis zeigt die zurückgelegten Schritte an. Quelle: Presse
Die Helvetica von Mondaine gehört mit ihren klaren Linien zu den bekanntesten Designs im Uhrenbau. In der Smartwatch steckt ein Bewegungssensor, die Daten werden mit einer App am Telefon ausgelesen. Quelle: Presse
Die Käufer einer mechanischen Uhr von Montblanc müssen dennoch nicht auf einen unscheinbaren Activity Tracker am Arm verzichten. Der E-Strap wird am Armband befestigt und kommuniziert mit der eigenen App im Smartphone. Quelle: Presse

Eine Variante für den Heimgebrauch haben nun der Neurologe Jamie Tyler und der Chemieingenieur Isy Goldwater mit ihrem Start-up Thync entwickelt, die sich via Smartphone-App steuern lässt. Der Milliardär Vinod Khosla, der sein Geld sonst vor allem mit erneuerbaren Energien verdient, hat die fünf Jahre alte Firma aus dem Silicon Valley mit 13 Millionen Dollar finanziert. Die beiden Gründer hoffen auf eine neue Nische im Markt der Wearables, tragbare Geräte wie Fitnesstracker, die Schritte zählen oder den Puls messen – ein Milliardengeschäft.

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Das aber neuen Schwung braucht. Viele Fitnesstracker wandern nach anfänglicher Begeisterung wieder in die Schublade oder erzeugen, wie meine Apple Watch gekoppelt mit dem iPhone, stetig Kolonnen von Messwerten, deren praktischer Nutzen begrenzt ist. Thync will aber nicht messen, sondern das Befinden aktiv beeinflussen.

Anfang Dezember habe ich eins ihrer Gerät für 200 Dollar bestellt. Zunächst empfand ich die leichten Stromschläge als unangenehm, bis ich die richtige Stärke für mich fand. Seitdem beruhigt mich der Entspannungsmodus spürbar. Ob die Stromstöße wie versprochen den Botenstoff Noradrenalin dämpfen oder ich einem Placeboeffekt aufsitze – das Start-up beruft sich auf Studien und die Empfehlungen prominenter Extremsportler –, kann ich als Laie nicht beurteilen.

In Arbeit
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Sicher ist nur, eine Woge solcher tragbaren Wellnessgeräte rollt heran. Auf der CES zeigte unter anderem das Start-up BioTrack Health ein Stirnband, das Muskelverspannungen lösen soll. Für verlegene Blicke sorgte Nuelle aus dem Silicon Valley, das sich auf Geräte spezialisiert, die mit Strom und Mikropumpen das weibliche Begehren stimulieren sollen. Chefwissenschaftlerin ist die Gynäkologin Leah Millheiser, Professorin an der Stanford-Universität.

Aber die Wellnessgeräte haben das gleiche Problem wie die Fitnesstracker. Auch sie erfordern die nötige Disziplin, sie regelmäßig zu nutzen. Mein Muse Headband vom kanadischen Start-up InteraXon, das beim Meditieren hilft, nutzte ich nur wenige Wochen. Dem Thync droht Ähnliches, zumal der Besitzer die Elektroden stetig nachkaufen muss.

Sobald endlich ein Start-up ein Gerät für mehr Ausdauer entwickelt, bin ich sofort dabei.

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