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Symantec-Chef Salem "Wir wären schwer zu verdauen"

Der Chef von Symantec, dem weltgrößten Anbieter von IT-Sicherheitslösungen, über neue Cyber-Bedrohungen und die Konsolidierung in der Softwarebranche.

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Enrique Salem Quelle: Bernd Auers für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Mr. Salem, im vergangenen Jahr hat der Internet-Wurm Stuxnet, der Atomanlagen im Iran attackiert hat, weltweit großes Aufsehen erregt. Hat das Ihr Geschäft beflügelt?

Salem: Uns hat Stuxnet jedenfalls nicht überrascht. Wir haben einen derartigen Schlag seit vielen Jahren erwartet...

Inwiefern?

Uns war klar, dass es irgendwann auch eine Attacke auf kritische Infrastrukturen wie Industrieanlagen geben würde. Aber wir sind ein Sicherheitsanbieter, wenn wir das behaupten, sagt jeder: „Die betreiben doch nur Panikmache, um ihre Produkte besser verkaufen zu können.“ Stuxnet hat für höhere Aufmerksamkeit gesorgt, weil die Menschen diese Form der Bedrohung nun besser verstehen.

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    Ist Stuxnet der erste Schritt einer neuen Ära von Cyber-Attacken?

    Durchaus. Mittlerweile sind es nicht mehr nur einzelne Hacker, die Angriffe lostreten, sondern mitunter sogar Staaten. Daher auch die neue Bedrohung des sogenannten Cyber-Wars, bei dem statt herkömmlicher Waffen Schadsoftware zum Angriff eingesetzt wird.

    Lässt sich das schon beobachten?

    Ja, und zwar daran, dass die Attacken immer zielgenauer werden, sei es auf kritische Infrastrukturen wie im Falle von Stuxnet, aber eben auch auf jeden Einzelnen. Durch soziale Netzwerke wie Facebook sind immer mehr persönliche, individuelle Informationen verfügbar. Wer etwa weiß, dass ich mich für Skifahren interessiere, kann diese Info nutzen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ich auf eine schadhafte E-Mail klicke.

    Wie können Unternehmen ihre IT heute wirklich sicher machen? Im Gegensatz zu früher mit wenigen zentralen Systemen gibt es heute viele dezentrale Geräte von Notebooks und Smartphones bis hin zu Daten in der Cloud, die also an fremde Rechenzentren ausgelagert sind.

    Neben der klassischen Absicherung der Computernetzwerke und Arbeitsplatzrechner lautet die größte Herausforderung: Ein Unternehmen muss im Prinzip jedes Gerät einzeln absichern, egal, ob es ein iPhone, ein Android-Handy, ein Lesegerät wie der Amazon Kindle oder ein Laptop ist. Zudem muss man die Zugangsberechtigungen individuell managen und beispielsweise auch die lokal auf den Geräten gespeicherten Daten durch Verschlüsselung absichern.

    Heißt das, irgendwann wird auf jedem Smartphone ein Antivirus-Programm laufen, so wie heute auf jedem PC?

    Ja, wobei die Bedrohungen unterschiedlich groß sind. Bei einem Gerät wie dem iPad geht es um Folgendes: Wie kann ich meine Daten löschen, wenn es gestohlen wird? Das funktioniert beispielsweise durch den Fernzugriff per Mobilfunk. Auch das ist wieder ein Teil des Sicherheitsmanagements. Die Bedrohung durch Schadsoftware wie Internet-Würmer spielt ebenfalls eine Rolle, aber eher eine nachgelagerte.

    In den vergangenen Jahren gab es eine breite Konsolidierung in der IT-Industrie. Symantec ist als eines der größten Softwareunternehmen übrig geblieben. Wie lange können Sie unabhängig bleiben, wenn man die Einkaufstouren von IBM, Hewlett-Packard (HP) oder Oracle betrachtet?

    Wenn jemand Symantec kaufen wollte, wäre das eine sehr teure Übernahme. Unsere Marktkapitalisierung liegt heute bei rund 13,5 Milliarden Dollar. Inklusive eines Kaufaufschlages wäre das leicht die teuerste Akquisition der Softwarebranche überhaupt. Ich sehe Symantec daher auf absehbare Zeit als unabhängiges Unternehmen.

    Aber für HP & Co. gibt es ja kaum noch andere Ziele...

    Das stimmt, im Prinzip sind nur noch SAP und Symantec als Nummer drei und vier der Softwareindustrie übrig. Aber das sind beides sehr dicke Brocken, die entsprechend schwer zu verdauen wären.

    Muss ein Anbieter von Unternehmenssoftware heute ein One-Stop-Shop sein, also ein zentraler Ansprechpartner, der verschiedene Softwareprogramme aus einer Hand anbietet?

    Zwar stimmt es, dass die Kunden heute mit weniger IT-Herstellern als früher auskommen wollen. Aber trotz aller Konsolidierung der vergangenen Jahre hat kein Unternehmen nur einen einzigen Softwarelieferanten. Schließlich möchte sich niemand komplett von einem Anbieter abhängig machen.

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      Planen Sie denn, mit Symantec in neue Geschäftsfelder einzusteigen, so wie Ihr Vorgänger das durch die Übernahme des Datensicherheitsspezialisten Veritas 2004 getan hat?

      Wir haben in der Vergangenheit zugekauft und werden das auch weiter tun – vor allem in Wachstumssegmenten wie der Absicherung von Geräten wie dem iPad oder im Cloud Computing

      Der Chipgigant Intel hat 2010 Ihren Wettbewerber McAfee gekauft. Welche Logik steckt dahinter?

      Als wir früher einmal untersucht hatten, wer McAfee kaufen könnte, haben wir Oracle, HP und Microsoft identifiziert, aber nicht Intel. Der Schritt ist für Intel eine echte Diversifizierung. Schauen Sie sich das boomende Smartphone-Geschäft an – egal, welches Gerät Sie nehmen, Intel ist nicht drauf. Aus diesem Grund war Intel geradezu gezwungen, in neue Märkte einzusteigen. Prozessoren und Chips sind heute eigentlich nur technologische Steigbügelhalter – die wahren Innovationen kommen aus der Software. Das ist die -Logik hinter dem McAfee-Kauf.

      Wie hat der Deal die IT-Sicherheitsindustrie beeinflusst?

      McAfee ist erst einmal im Alltagsgeschäft gestört, weil das Unternehmen mit sich selbst beschäftigt ist. Das eröffnet uns neue Möglichkeiten.

      Ist die Übernahme auch ein Indiz dafür, dass Security-Software künftig noch stärker direkt in die Hardware eingebaut wird, etwa im Drucker oder im Handy?

      Bereits heute stecken IT-Sicherheitslösungen in allen denkbaren Geräten drin. Und der Trend wird noch zunehmen, weil Software und Hardware näher zusammenrücken.

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