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Trends und Innovationen Wie wir in der Stadt der Zukunft leben

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Einkaufen: Virtuelle Anprobe in der realen Boutique

An einem entspannten Tag wie diesem lieben es Paul und Paula, durch die große Shopping-Mall im Zentrum der Zukunftsstadt zu bummeln – auch wenn sie eigentlich alles, was sie brauchen, bequem online bestellen könnten. Doch manchmal möchten sie einfach die Produkte sehen, anfassen, riechen, bevor sie etwas kaufen.

Als sie das Einkaufszentrum betreten, meldet sich Google Now auf Pauls Smartphone: Ein Ledersofa seines italienischen Lieblingsdesigners ist gerade im neuen Möbelgeschäft im fünften Stock im Angebot. Er hatte danach mehrmals in den vergangenen Wochen gegoogelt.

Schon längst ist es für Einzelhändler völlig normal, Kunden wie Paul und Paula auf allen möglichen Wegen anzusprechen – in der virtuellen genauso wie in der realen Welt. Omnichannel-Marketing ist das Schlagwort. Und Dienste wie Google Now oder Shopular haben daraus ein Geschäft gemacht, Kunden zu alarmieren, wenn deren Lieblingsgeschäfte mit Sonderaktionen locken.

Die Couch schwebt durchs Wohnzimmer

Als Paul und Paula das Möbelgeschäft betreten, fällt ihnen das schicke Ledersofa sofort auf. Begeistert lassen sie sich auf den Zweisitzer plumpsen. Doch dann wird Paula skeptisch: „Ist es nicht zu groß für die Ecke in unserem Wohnzimmer?“, fragt sie Paul. Der schickt daraufhin dem Verkäufer von seinem Handy aus ein Foto der Wohnung. Augenblicke später taucht das Bild auf einem 3-D-Monitor im Geschäft auf. Ein weiterer Klick, und das Sofa schwebt im Raum. „Wo soll es denn hin?“, will der Verkäufer wissen und schiebt es dann mit der Maus an die richtige Stelle. Paula und Paul betrachten das Bild von allen Seiten. „Passt doch perfekt“, meint Paul. Science-Fiction? Nein. Ein vergleichbares System bietet heute schon die Möbelkette Ikea in ihrer Katalog-App für ausgewählte Produkte an.

Die beiden schlagen zu und kaufen die Couch. Zum Bezahlen tippt Paula einmal auf ihre Smartwatch, automatisch wird der Betrag von ihrer Kreditkarte über den Kurzstreckenfunk Near Field Communication (NFC) abgebucht. Mobiles Bezahlen mit dieser Technik per Handy oder den neuen smarten Uhren von Apple, Samsung und Co. setzt sich immer mehr durch. Laut einer Studie des US-Marktforschers Gartner sollen die Verbraucher 2016 auf diesem Wege fast 22 Milliarden Dollar ausgeben, gut vier Mal mehr als 2013.

Paula und Paul bummeln weiter durch die Shopping Mall und kommen an ihrer Lieblingsboutique vorbei. Das Schaufenster ist ein riesiger Monitor. Er begrüßt sie persönlich mit Namen und bietet ihnen 15 Prozent Rabatt auf alle T-Shirts an. Und führt Paul und Paula gleich vor, wie ihnen die neue Kollektion stehen würde.

Erkannt hat das System sie mithilfe von Beacons. Diese Leuchtfeuer, so die wörtliche Übersetzung, nehmen per Bluetooth-Funk Kontakt zu den Smartphones der Kunden auf.

Die Trends beim Einkaufen
Hersteller werden zu HändlernAls einen der wesentlichen Trends der vergangenen Jahre sehen die Experten von KPMG und EHI, dass Markenartikelhersteller zunehmend eigene Einzelhandelsaktivitäten entwickeln. „Ob Adidas, Boss oder WMF – sie alle haben in den letzten Jahren massiv eigene Geschäfte eröffnet“, heißt es in der Studie. Diese Strategie sei nun in den Fokus zahlreicher Hersteller gerückt. „Überall dort, wo Hersteller aus den eigenen Produktionsstätten ein kompetentes Sortiment anbieten können und gleichzeitig eine starke Marke haben, gibt es hierfür zumindest eine gute Grundlage.“ Quelle: AP
Händler werden DienstleisterDie Integration von Dienstleistungen in Handelskonzepte könnte neuen Umsatzschwung bringen. So könnten Lebensmittelhändler ihren Kunden auch Cateringangebote unterbreiten. Der Verleih von Partyzelten, Tischen und Bänken ist eine Option für den Getränkehandel. Zwar konnten sich die Verbraucher in der Umfrage nur schwer vorstellen, ihren Babysitter künftig im Drogeriemarkt zu buchen oder die Bergsteigeausrüstung im Outdoor-Laden zu mieten, aber die Unternehmen werden solche Leistungen verstärkt anbieten, erwarten die Trendforscher. Quelle: AP
Zurück in die InnenstädteWurden bis Ende der 90er Jahre neue Shoppingcenter vor allem am Stadtrand oder auf der grünen Wiese eröffnet, lag der Anteil der innerstädtischen Neueröffnungen im Jahr 2011 bei 81 Prozent, schreiben die Experten. Auch andere Betriebsformen drängen zurück in die City. Im Möbelhandel seien dies Möbel Lutz und Ikea, bei den Baumärkten Hagebau oder Knauber. Quelle: dpa
Location Based ServicesDa die Anzahl der Smartphones weiter steigt, gehen die Handelsexperten von EHI und KPMG davon aus, dass auch so genannte ortsbasierte Dienste als Instrument der Kundenansprache immer wichtiger werden. Per Nachricht auf das Handy ist etwa möglich, dass Kunden sofort informiert werden, wenn sie sich in der Nähe einer Parfümerie aufhalten, die ihr Lieblingsparfum zum vergünstigten Preis anbietet. Quelle: obs
Augmented Reality (via Webcam Kleidungsstücke anprobieren)Eine Technologie, die sowohl im E-Commerce als auch im M-Commerce an Bedeutung gewinnen wird sei die so genannte ‚Augmented Reality‘, also erweiterte Realität, heißt es in der Handelsstudie. Insbesondere im Modesegment sehen die Experten Anwendungsmöglichkeiten. „Kunden können beim Online-Shopping via Webcam Kleidungsstücke virtuell anprobieren und deren Farben und Style ohne Probleme ändern. Eine größere Sicherheit bei der Produktauswahl senkt somit die Retourenquote.“ Quelle: dpa
Bezahlen per HandyEs sei durchaus denkbar, dass Kunden im Jahr 2020 Ware mit ihren Smartphones selber einscannen und bezahlen. „Ob der Einkauf für den Konsumenten dadurch wirklich komfortabler wird sei dahingestellt, der Handel jedenfalls bereitet sich technologisch bereits heute auf das Zeitalter des ‚Mobile Scanning & Payment‘ vor“, heißt es in der Studie. Quelle: dpa
Convenience-GeschäfteDemografie und Konsumverhalten führen dazu, dass im Lebensmittelhandel so genannte Convenience-Geschäfte etablieren. Läden also, die Salate, belegte Brote oder frische zubereitete Desserts zum sofortigen Verzehr oder zum Mitnehmen anbieten. Jüngstes Beispiel ist „Rewe to go“, ein Ableger der Kölner Rewe-Gruppe, der in Köln startete und nun auch nach Düsseldorf kommen soll. Auch die niederländische Ahold-Gruppe plant einen Markteintritt mit Convenience-Geschäften in Deutschland. Quelle: dapd

Apps verhindern Verschwendung

Paula hatte eh geplant, in das Geschäft zu gehen. Denn sie wollte einen Rock zurückgeben, den sie online gekauft hatte. Derweil probiert Paul T-Shirts an. Bei jedem informiert ihn eine Leuchtschrift auf dem Spiegel in der Umkleidekabine, ob es das Kleidungsstück noch in anderen Größen und Farben gibt. Das Verkaufssystem empfiehlt ihm auch passende Schals zum Shirt. Eine ähnliche Technik präsentiert gerade die Werbeagentur Serviceplan in einem Münchner Testshop. Die US-Kaufhauskette Bloomingdale’s testet intelligente Umkleidekabinen bereits in fünf Filialen. Konzernschwester Macy’s führt Beacons gerade landesweit ein.

Ihren Einkaufsbummel beenden Paul und Paula im Supermarkt. Beacons an den Regalen helfen ihnen, die Zutaten für das Abendessen zu finden. Beide haben etwas gegen Lebensmittelverschwendung. Daher nutzen sie eine App, die anzeigt, wo es im Geschäft Milch und Gemüse gibt, die nicht mehr lange haltbar sind. Verkauft der Händler die Ware nicht rechtzeitig, muss er sie wegschmeißen. Solch eine App testet gerade das Kölner Start-up Foodloop in einer Bonner Bio-Supermarktkette.

Nicht nur die Umwelt profitiert, sondern auch Paul und Paula: Sie bekommen die Produkte deutlich günstiger.

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