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Gesundheit: Ein neues Knie aus dem 3-D-Drucker

Paul hat schon seit einigen Monaten Probleme mit seinem rechten Knie. Noch nichts wirklich Schlimmes, aber Paul möchte nicht warten, bis der Schaden so weit fortgeschritten ist, dass er vorübergehend nicht mehr als Fitnesstrainer arbeiten kann. Deshalb hat er sich entschieden, den Knieknorpel runderneuern zu lassen, was Kliniken und Firmen wie Codon oder Tigenix seit ein paar Jahren anbieten.

Der Mediziner, der ihm dazu riet, ist ein Profi auf diesem Gebiet: Er züchtet in seinen Labors am Rande der Stadt nicht nur Gelenkknorpel, sondern ganze Organe – etwa Herzen, Lebern oder Nieren. Die Ärzte setzen sie etwa nach einem Infarkt ein oder wenn ein Organ versagt. Das Einzige, was Pauls Doktor für die Zucht des Knorpels brauchte, waren ein paar Originalzellen aus seinem Knie. Deshalb hatte sich Paul schon vor sechs Wochen Gewebe entnehmen lassen. Seither wächst im Bioreaktor – einer Art 3-D-Zelldrucker – sein neuer Knorpel heran.

Drohnen liefern Medikamente aus

Eine echte Maßanfertigung, was die Form angeht. Und auch zu den früher gefürchteten Abstoßungsreaktionen bei Fremdspenden kommt es nicht mehr, da es sich ja um Pauls eigene Zellen handelt. Gestern Vormittag poppte dann auf Pauls Smartwatch die Nachricht auf: „Dein Knie ist fertig, komm bitte morgen um 15.30 Uhr.“

Sein elektronisches Helferlein hat ihn auch vor der Operation daran erinnert, regelmäßig sein Antibiotikum zu nehmen. Die Ärzte wollen so verhindern, dass es durch den Eingriff zu einer gefährlichen Infektion im Knie kommt. Ein elektronisches Rezept hatte der Digital-Dienst der Klinik gestern geschickt. Paul hatte das Präparat online bestellt; eine Drohne brachte es nur eine Viertelstunde später vorbei.

Was alles aus dem 3D-Drucker kommt
3D-gedrucktes Kleid
Obst muss nicht zwangsläufig auf Bäumen wachsen: Das britische Unternehmen "Dovetailed" hat nun einen 3-D-Drucker entwickelt, der auch Obst druckt. Das Gerät kombiniert dabei "Tröpfchen mit verschieden Geschmäckern", die dann mit Hilfe von Molekularküche zu einer Frucht geformt werden. Das bedeutet: Dem Fruchtmus wird Natriumalginat beigemischt. Am Wochenende wurde der 3D-Drucker im Rahmen der Tech Food Hack in Cambridge vorgestellt. Quelle: dpa
Hedwig Heinsmann, Architekt aus Amsterdam, will die Baubranche revolutionieren und vor allem umweltfreundlicher machen. Er arbeitet bei Dus Architects, einem Architekturbüro, das das erste Haus aus dem 3D-Drucker zu bauen versucht. Bisher stehen nur einige, 180 Kilogramm schwere Bauteile des Hauses. Innerhalb von drei Jahren soll daraus im Lego-Verfahren ein Haus mit 13 Räumen entstehen. Quelle: obs
In Wales haben Chirurgen ein Gesicht mit Teilen aus dem 3-D-Drucker repariert. Stephen Power hatte sich nach einem Motorradunfall den Oberkiefer, die Nase und die Wangenknochen gebrochen. Um die neue Gesichtsform möglichst realistisch darzustellen, haben die Ärzte einen CT-Scan von Powers Schädel gemacht, um daraus ein Modell zu drucken, auf dessen Grundlage Anleitungen und Platten gedruckt wurden. Durch diese Methode konnten die Knochen im Gesicht wieder an die richtigen Stellen gebracht und durch Platten zusammengesetzt werden. Seit dem Unfall war der 29-jährige so entstellt, dass er nur noch mit Sonnenbrille und Hut das Haus verlassen hat. Die Ergebnisse seien "vollkommen lebensverändernd", sagte Power dem Rundfunksender BBC. "An dem Tag, an dem ich aufwachte, konnte ich den Unterschied sofort sehen." - Die ganze Geschichte auf bbc.com Quelle: Screenshot
Das 3D-Drucker sogar Organe drucken können, ist nicht neu. Doch nun zeigt ein konkreter Fall, wie 3D-Druck leben retten kann. Der 14 Monate alte Roland Lian Bawi litt an einem schweren Herzfehler. Der kleine Junge hatte Löcher in der Herzwand, die sich nicht von alleine schließen wollten. Um die komplizierte Operation üben zu können, erstellte der Arzt Erle Austin ein perfektes Modell des erkrankten Organs. So konnte das Operationsteam vor dem schwierigen Eingriff die Abläufe trainieren. Die Behandlung verlief erfolgreich. Quelle: 3dprint.com Quelle: dpa
Gestatten: Das ist Toothless, der kleine blaue Drache. Sie kann zwar kein Feuer spucken, dafür aber ein kleines Mädchen sehr glücklich machen. Die siebenjährige Sophie hatte von ihrem Vater von all den wundersamen Sachen gehört, die schon mit 3D-Druckern hergestellt werden können, und schickte kurzerhand einen Brief an die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) mit der Bitte, einen Drachen für sie zu erschaffen. Die Forscher ließen sich nicht lange bitten und erschufen diesen kleinen blauen Drachen aus Titan für Sophie - sie war völlig aus dem Häuschen und möchte nun Wissenschaftlerin werden, wenn sie groß ist.
Zu Weihnachten wird gebastelt. Der Siemens Forscher Olaf Rehme hat dafür nicht Schere und Papier in die Hand genommen, sondern seinen 3D-Drucker angeworfen. Als private Spielerei druckt er Weihnachtsbäume aus superhartem Spezialstahl. Siemens stellt aus diesem Material Brenner für Gasturbinen her. Das Unternehmen nutzt die Technologie, um sich die komplexe Ersatzteil-Lagerung zu sparen. Außerdem lassen sich Formen drucken, die mit anderen Fertigungsmethoden unmöglich sind. Quelle: PR

Nun begleitet Paula Paul vom Park zum Gesundheitszentrum. Im lichtdurchfluteten Foyer des nierenförmigen Hochhauses checkt er am Digital-Terminal ein: Er legt seinen linken Zeigefinger auf den Fingerabdruckleser des Bildschirms und schaut in den Iris-Scanner. „Hallo Paul, schön dass du so pünktlich bist“ säuselt die Automatenstimme.

Das System hat ihn erkannt und alle medizinischen Daten, die die Chirurgen brauchen, an diese weitergeleitet. Er solle sich bitte in der zweiten Etage beim medizinischen Eingangs-Check melden, erklärt die Maschine.

Dunkel kann Paul sich noch erinnern, wie er früher mit seiner Mutter im örtlichen Krankenhaus, das hier einmal stand, endlos auf unbequemen Holzklappstühlen herumrutschte, bis sie endlich zur Anmeldung vorgelassen wurden. Damals mussten sie noch Wartenummern ziehen. Bis er einen Arzt sah, vergingen weitere Stunden, obwohl er nach einem Sturz vom Skateboard als Notfall behandelt wurde. Paul kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und denkt: „ Wie effizient und serviceorientiert das Gesundheitssystem doch geworden ist.“

Killerkeime haben keine Chance mehr

In der zweiten Etage begrüßt ein junger Arzt Paul und bittet ihn, sich für einen Ganzkörper-Scan auszuziehen. Paul wundert sich, denn eigentlich liegen die kernspintomografischen Aufnahmen seines angeschlagenen Knies bereits digital vor. „Ja“, erklärt der Arzt, „aber wir müssen sicher stellen, dass Sie heute fit genug sind für die Operation.“

Ganz anders als früher wird Paul auch daraufhin durchgecheckt, ob sich in seinem Körper multiresistente Krankheitserreger versteckt halten. Der Befund ist zum Glück negativ. Sonst hätte der Eingriff verschoben und er zuvor in einer Isolierstation entkeimt werden müssen.

Langsam wird Paul doch mulmig zumute. Er zieht sterile OP-Kleidung an und legt sich auf eine fahrbare OP-Liege. Der junge Arzt bringt ihn in den Operationssaal. Der Chirurg wartet schon mit Pauls neuem Knieknorpel. Paul erhält eine Kurznarkose und bekommt deshalb gar nicht mit, dass der Chirurg kaum einen Finger rührt. Er sitzt an einem digitalen Schaltpult des Telemedizin-Anbieters Karl Storz und startet das für Paul errechnete Einbau-Programm. Der OP-Roboter schwenkt die Arme, schneidet ein winziges Zugangsloch in Haut und Muskeln, entfernt den alten Knorpel und setzt den neuen Gelenküberzug ein. Keine zehn Minuten später erwacht Paul mit komplett runderneuertem Knie.

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