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Trends und Innovationen Wie wir in der Stadt der Zukunft leben

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Verkehr: Bordkino und Espresso im Robo-Mobil

Für die Fahrt von der Klinik zu ihrem Loft fordert Paula per Smartphone einen People Mover an. Keine zwei Minuten später rollt der Roboterwagen heran, geführt von Sensoren und einem Satellitennavigationssystem. Er hat nicht einmal ein Lenkrad – der Bordcomputer steuert über elektrische Antriebe den Einschlag der Räder. Mit einem Code, den Paulas Handy funkt, identifiziert sie sich und entriegelt die Türen. Sanft gleiten die großen Seitenflügel nach oben und geben den Einstieg zu vier geräumigen Loungesitzen frei. Paul und Paula machen es sich bequem.

Die elektrisch fahrenden People Mover, deren Nutzung über ein elektronisches Bezahlsystem automatisch abgerechnet wird, sind das beliebteste Fortbewegungsmittel der Städter. Ihre Popularität verdanken sie dem opulenten Musik-, TV- und Spieleangebot in den Fahrzeugen. Der anfänglich heftige Streit, wer diese Inhalte liefern darf, ist längst beigelegt. Autohersteller wie Audi, BMW und Daimler haben sich mit Apple, Google & Co. geeinigt, den Milliardenmarkt zu teilen.

Strom aus der Ladesäule: Wird Elektromobilität bequemer?

Fußgänger stoppen Autos per Fingerzeig

Als der Wagen losfährt, erlöschen alle Anzeigen zu Geschwindigkeit oder Route und das Bordkino startet.

Paul merkt, dass ihn der Eingriff doch geschlaucht hat. Erschöpft sinkt er in den Sitz und nippt genüsslich am Espresso, den eine Kaffeemaschine im Fond gebrüht hat. Paula geht derweil an ihrem Tablet-Computer noch einmal ihren Vortrag durch, den sie morgen halten muss.

Der Wagen findet alleine die schnellste Route durchs Großstadtgewühl. Er weicht Motorradfahrern aus, ahnt voraus, wann Kinder den Wagen übersehen, weil sie in ihr Spiel vertieft sind.

Nicht immer hat der rollende Salon Vorfahrt. Fußgänger können ihn stoppen, um die Straße zu überqueren. Sie heben dazu nur ihren Zeigefinger; eine Kamera registriert die Geste. Die vernetzten Autos melden Staus, Glätte oder Nebelbänke. Schnellladesäulen versorgen die E-Mobile mit Strom, den Solarzellen im Asphalt erzeugen.

Paul öffnet sein Fenster und atmet tief die frühabendliche Luft ein. Sie ist sauber, denn die Stadtautos sind elektrisch unterwegs. Die Belastung mit Rußpartikeln und Schadstoffen ist seither auf fast null gesunken. Statt des Lärms von Diesel- und Benzinmotoren hört Paul Kindergeschrei, Gesprächsfetzen und Vogelgezwitscher. Wie entspannt Stadtleben doch sein kann, sinniert er. Dann nickt er ein.

Selbstfahrende Autos

In den meisten Modellen produzieren Brennstoffzellen den Strom für den Elektromotor. Aus dem Auspuff entweicht nur noch lauwarmer Wasserdampf. Vorreiter war Toyota. Der japanische Autobauer stellte im November 2014 mit dem Mirai das erste Serienfahrzeug vor. Die Autos tanken sauber gewonnenen Wasserstoff: Immer wenn die Sonne die Fotovoltaikanlagen bescheint, Luft die Windräder antreibt oder zu viel Strom im Netz ist, wird die grüne Energie genutzt, um den Treibstoff herzustellen.

Computer fahren unfallfrei

Paul merkt, dass er kurz geschlafen hat. Im Traum drehte er auf einem Rennkurs ein paar Runden in einem Lamborghini Huracan mit Zehn-Zylinder-Benzinmotor und 610 PS. Tatsächlich gönnt er sich gelegentlich mit Freunden dies sündhaft teure Vergnügen. Draußen auf dem Land, wo spezielle Veranstalter die Flitzer vermieten. Ihr eigenes Auto haben Paul und Paula abgeschafft. Es ist viel praktischer, die People Mover zu nehmen.

Autonome Autos

Sie sind rollende Büros, Spielkonsole und Fläzsofa in einem. So viel Komfort war nie. Und Unfälle passieren mit ihnen so gut wie gar nicht mehr. Denn ihren Sensoren, Kameras und Radarsystemen entgeht nichts. Sie registrieren Gefahren viel schneller, als ein Mensch das kann. Die autonomen Autos brauchen daher nur noch einen minimalen Sicherheitsabstand zu halten. Seither passen drei bis vier Mal so viele Fahrzeuge auf die Straßen wie früher. Intelligente Ampeln erfassen die Verkehrsströme und halten ihn mit entsprechenden Grünphasen in Fluss.

Analysten sagen den Roboterautos steile Wachstumsraten voraus. Mit ihnen sollen 2025 global 60 Milliarden Dollar umgesetzt werden.

„Ziel erreicht“, meldet das Navigationssystem. Paula klappt ihr Tablet zusammen, und beide machen sich auf den Weg in ihren Loft.

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