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Trends und Innovationen Wie wir in der Stadt der Zukunft leben

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Wohnen: Abendlicher Plausch mit Muttis Hologramm

Noch auf der Fahrt vom Krankenhaus zurück zu ihrem Loft beauftragt Paul per Smartphone, den heimischen Kühlschrank zu prüfen, ob auch alle Zutaten für seinen geliebten Shrimps-Cocktail da sind: Wermut, Cointreau, Zitronensaft und Lorbeerblätter. Den möchte er sich jetzt spontan nach dem Eingriff am Knie gönnen. Sofern ihm der Doktor gleich grünes Licht für diese kleine alkoholische Sünde gibt.

Spiegel und Wände werden zu Displays

Paula nutzt ihr Mobiltelefon ebenfalls als Fernbedienung für ihre Wohnung. Sie schickt schon einmal den Heimroboter los, schmutzige Hemden und Blusen in die Waschmaschine zu stopfen. Sie nennt ihn R2-D2, als Reminiszenz an die „Star Wars“-Filme. Die Waschmaschine startet selbstständig, sobald ihr Kellerkraftwerk genügend Strom liefert oder der gerade günstig im Netz zu haben ist. Und sie wählt das passende Waschprogramm.

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse

Als Paula wenige Minuten später die Wohnungstür öffnet, sind alle Zimmer angenehm temperiert. 23 Grad Celsius – das Klimasystem kennt inzwischen ihre Vorliebe. Pauls Smartphone hat ihr Eintreffen angekündigt. Der verschwindet gleich ins Bad und ruft online die Ergebnisse der Blut- und Gewebeproben ab, die eine Krankenschwester ihm vorhin entnommen hat. Prompt tauchen die Zahlen im Spiegel über dem Waschbecken auf. Alle Werte in Ordnung! Paul quittiert das mit einem Luftsprung.

Unterdessen hat Paula in der Küche Kabeljau, Brokkoli mit Mandeln und Reis in ihren Allzweckkocher gefüllt. „Das Gemüse knackig garen und alles kräftig würzen“, befiehlt sie dem Gerät per Sprachsteuerung. Sie vertraut darauf, dass es sich ein geeignetes Rezept aus dem Internet lädt. „Wir wollen in einer Stunde essen.“ Der Automat wählt die passende Garzeit.

High Tech im Alltag
Alltag managen: Intuitiv und ohne Handbuch bedienbare Software auf dem Tablet-PC erleichtert die Kommunikation mit Freunden und ermöglicht die komfortable Steuerung der Wohnungselektronik - von Rollo bis zur Deckenlampe. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
So spart man den Arztbesuch: Unsichtbar installierte Sensoren in Wänden, Spiegel und WC erledigen im Bad den morgendlichen Gesundheits-Check. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Gesundheit verbessern: Spielekonsolen mit Bewegungssensoren und Kameras ermöglichen im Wohnzimmer interaktive Bewegungs- und Konzentrationsspiele mit übers Internet verbundenen Freunden in vergleichbar ausgerüsteten Wohnungen. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Kontrolle zu Hause: Serviceroboter stellen zum Mittagessen nicht nur gegebenenfalls erforderliche Medikamente bereit, sondern kontrollieren auch deren Einnahme. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Risiko vermeiden: Ein schneller telemedizinischer Check der Gesundheit erspart bei Risikopatienten zeitraubende und kostenträchtige Arztbesuche. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Die Alleskönner: Der digitale Assistent im Tablet-PC vermittelt den Videoanruf zu Familienangehörigen oder die abendliche Abmeldung beim Hausservice, warnt vor offenen Türen und Fenstern und schaltet per Fingerstreich Gefahrenquellen wie den Herd stromlos. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche

Eine vertraute Stimme ertönt aus einem versteckten Lautsprecher in der Wand: ihre Mutter. Zugleich baut ein Beamer ein dreidimensionales Abbild der Physiklehrerin auf. Immer wieder verblüfft Paula, wie echt das Hologramm wirkt. Die Frauen tauschen aus, was heute los war. Paul stößt dazu und begrüßt Paulas Mutter mit einer angedeuteten Umarmung. Sie mag Pauls Albernheiten und fragt: „Wie geht’s dem Knie? Kannst du bald wieder arbeiten?“ „Ach, Arbeit wird für die Vermögensbildung überschätzt“, scherzt Paul und fordert R2-D2 auf, mal schnell die Stube zu wischen.

Gebäude mutieren zu Kraftwerken

Derweil studiert Paul, ob ihr Haus heute wieder mehr Energie erzeugt, als es konsumiert hat. Dafür hat er zuletzt einen gewissen sportlichen Ehrgeiz entwickelt. Er ruft die Verbräuche auf; ihr vernetztes Computersystem schickt die Zahlen auf die große Glasfront des Lofts. Paul stößt kurz die Faust in die Luft: Das Kraftwerk im Keller, das alle Wohneigentümer gemeinsam betreiben, hat über Bedarf produziert. Hinzu kommt eine ansehnliche Stromausbeute der versteckten Solarzellen in den Fenstern. Es gab heute zwar nicht viel Geld für den Verkauf der überschüssigen Energie – aber immerhin.

Zehn verrückte Gadgets
Baidu EyeInformationen werden hier nicht visuell zugeführt, sondern akustisch. Laut Hersteller ist die offizielle Begründung, damit Strom zu sparen: Der Akku von Baidu Eye soll zwei Stunden halten. Google Glass hält hingegen nur 45 Minuten durch. Über die Kamera-Mikrofon-Konstruktion des chinesischen Suchmaschinenkonzerns können Nutzer sich Infos zu ihrer Umgebung mitteilen lassen. Man trägt es wie eine verkehrt herum aufgesetzte Brille. Quelle: Presse
KIWI.KIDie Haustür ohne Schlüssel öffnen - das soll das Gadget von KIWI.KI möglich machen. Man kommt mit dem kleinen Transponder „Ki“ zur Haustür, diese springt durch Kommunikation mit dem Türsummer automatisch auf. Das lästige Wühlen und Suchen nach dem Schlüsselbund gehört so der Vergangenheit an. Es gibt auch eine App, die die Haustür etwa vom Sofa aus öffnen kann. Quelle: Presse
Smarte EssstäbchenSmarte Essstäbchen von Baidu sollen erkennen können, ob schlechtes Öl für die Zubereitung von Speisen verwendet wurde. Zusätzlich können sie angeblich den ph-Wert des Wassers, die Temperatur und den Gehalt des Zuckers in Früchten messen. Baidu machte noch keine Angaben, wann die Essstäbchen auf den Markt kommen sollen. China wurde in der Vergangenheit immer wieder von Lebensmittel-Skandalen erschüttert. Quelle: dpa
ParceParce ist der Name einer Steckdose, die selbstständig das Nutzerverhalten der Verbraucher erlernt. Damit kann der Stromverbrauch gesenkt werden – die Steckdose ist zusätzlich via W-Lan ans heimische Netz angeschlossen, damit Nutzerdaten ausgewertet werden können. Die Steckdose erkennt, wann elektronische Geräte am häufigsten genutzt werden und kann in Leerlaufzeiten den Saft abdrehen. So sollen sich im Jahr bis zu 150 Euro an Stromkosten sparen lassen. Quelle: Presse
Keine bösen E-Mails mehrVier Forscher der Islamischen Universität für Technologie in Bangladesch haben ein Programm entwickelt, das erkennen soll, wenn der Benutzer wütend auf die Tastatur einhackt. Wenn der Verfasser also allzu wirsch in die Tasten haut, könnte die Tastatur der Zukunft vorschlagen, eine kleine Pause einzulegen, um sich abzuregen. Das Projekt ist aber noch in der Forschung. Quelle: Fotolia
Der perfekte DrinkIn Internetshops ist der Cocktailmixer The Perfect Drink bereits bestellbar. Die intelligente Waage wird mit einer App gekoppelt. So wird genau gemessen, welche Menge welcher Zutat noch für den Cocktail benötigt wird. Quelle: Presse
iGrill miniFür Grillfans könnte das „ iGrill mini Bluetooth Thermometer“ interessant sein. Dieses Gerät verbindet sich via App mit dem Smartphone. Sobald die gewünschte Zieltemperatur erreicht ist, bekommt der Anwender eine Push-Nachricht.   Quelle: Presse

Paul ist immer noch verwundert, in welchem Tempo sich intelligente Technologien und Geräte rund ums vernetzte Heim seit Neuestem verbreiten. Lange genug hatten Internet-Konzerne wie Google, Apple und Microsoft vor allem mit Ankündigungen geglänzt. Ebenso Hausgerätehersteller wie Bosch, Miele oder Philips. Mehr als 50 Milliarden Heizungen, Fernseher und Kühlschränke werden bis 2020 weltweit per Internet steuerbar sein, hat er erst gestern in einem Report gelesen. Die Umsätze allein mit Systemen, die daheim die Energie managen, sollen sich weltweit von heute 587 Millionen Dollar bis 2023 auf 2,4 Milliarden Dollar gut vervierfachen.

Gadgets



Als Paula in die Küche kommt, wo er gerade die Shrimps-Cocktails mixt, muss er schmunzeln: Hinter ihr rollt eine elegant gestylte weiße Kugel her, mit einem großen Kameraauge am Kopf. Ein Spielkamerad für R2-D2, den Paula erst vor wenigen Tagen mitgebracht hat. Keeker, so sein Markenname, wird ihnen gleich beim Abendessen einen Spielfilm auf eine der Innenwände projizieren – mit einem Rundum-Klang wie im Kino. Wenn R2-D2 jetzt das Essen serviert, freut sich Paul, war das ein fast perfekter Tag.

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