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Übernahme im 3-D-Drucker-Markt Adelsschlag für die Nerds

Der auf Profimaschinen für 3-D-Druck spezialisierte Hersteller Stratasys will mindestens 400 Millionen Dollar ausgeben, um den Konkurrenten Makerbot zu übernehmen. Der produziert 3-D-Drucker für den Hausgebrauch. Angebot und Kaufpreis belegen, welch ökonomische Bedeutung die lange als Spielkram für Nerds belächelte Technik bekommen hat.

Was alles aus dem 3D-Drucker kommt
3D-gedrucktes Kleid
Obst muss nicht zwangsläufig auf Bäumen wachsen: Das britische Unternehmen "Dovetailed" hat nun einen 3-D-Drucker entwickelt, der auch Obst druckt. Das Gerät kombiniert dabei "Tröpfchen mit verschieden Geschmäckern", die dann mit Hilfe von Molekularküche zu einer Frucht geformt werden. Das bedeutet: Dem Fruchtmus wird Natriumalginat beigemischt. Am Wochenende wurde der 3D-Drucker im Rahmen der Tech Food Hack in Cambridge vorgestellt. Quelle: dpa
Hedwig Heinsmann, Architekt aus Amsterdam, will die Baubranche revolutionieren und vor allem umweltfreundlicher machen. Er arbeitet bei Dus Architects, einem Architekturbüro, das das erste Haus aus dem 3D-Drucker zu bauen versucht. Bisher stehen nur einige, 180 Kilogramm schwere Bauteile des Hauses. Innerhalb von drei Jahren soll daraus im Lego-Verfahren ein Haus mit 13 Räumen entstehen. Quelle: obs
In Wales haben Chirurgen ein Gesicht mit Teilen aus dem 3-D-Drucker repariert. Stephen Power hatte sich nach einem Motorradunfall den Oberkiefer, die Nase und die Wangenknochen gebrochen. Um die neue Gesichtsform möglichst realistisch darzustellen, haben die Ärzte einen CT-Scan von Powers Schädel gemacht, um daraus ein Modell zu drucken, auf dessen Grundlage Anleitungen und Platten gedruckt wurden. Durch diese Methode konnten die Knochen im Gesicht wieder an die richtigen Stellen gebracht und durch Platten zusammengesetzt werden. Seit dem Unfall war der 29-jährige so entstellt, dass er nur noch mit Sonnenbrille und Hut das Haus verlassen hat. Die Ergebnisse seien "vollkommen lebensverändernd", sagte Power dem Rundfunksender BBC. "An dem Tag, an dem ich aufwachte, konnte ich den Unterschied sofort sehen." - Die ganze Geschichte auf bbc.com Quelle: Screenshot
Das 3D-Drucker sogar Organe drucken können, ist nicht neu. Doch nun zeigt ein konkreter Fall, wie 3D-Druck leben retten kann. Der 14 Monate alte Roland Lian Bawi litt an einem schweren Herzfehler. Der kleine Junge hatte Löcher in der Herzwand, die sich nicht von alleine schließen wollten. Um die komplizierte Operation üben zu können, erstellte der Arzt Erle Austin ein perfektes Modell des erkrankten Organs. So konnte das Operationsteam vor dem schwierigen Eingriff die Abläufe trainieren. Die Behandlung verlief erfolgreich. Quelle: 3dprint.com Quelle: dpa
Gestatten: Das ist Toothless, der kleine blaue Drache. Sie kann zwar kein Feuer spucken, dafür aber ein kleines Mädchen sehr glücklich machen. Die siebenjährige Sophie hatte von ihrem Vater von all den wundersamen Sachen gehört, die schon mit 3D-Druckern hergestellt werden können, und schickte kurzerhand einen Brief an die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) mit der Bitte, einen Drachen für sie zu erschaffen. Die Forscher ließen sich nicht lange bitten und erschufen diesen kleinen blauen Drachen aus Titan für Sophie - sie war völlig aus dem Häuschen und möchte nun Wissenschaftlerin werden, wenn sie groß ist.
Zu Weihnachten wird gebastelt. Der Siemens Forscher Olaf Rehme hat dafür nicht Schere und Papier in die Hand genommen, sondern seinen 3D-Drucker angeworfen. Als private Spielerei druckt er Weihnachtsbäume aus superhartem Spezialstahl. Siemens stellt aus diesem Material Brenner für Gasturbinen her. Das Unternehmen nutzt die Technologie, um sich die komplexe Ersatzteil-Lagerung zu sparen. Außerdem lassen sich Formen drucken, die mit anderen Fertigungsmethoden unmöglich sind. Quelle: PR

Sie brauchen kaum mehr Platz auf dem Tisch als ein gewöhnlicher Tintenstrahldrucker und erinnern zumindest auf den ersten Blick eher an Bierkästen als an Hightech-Werkzeuge. Doch genau das sind die „Replicator“ genannten Maschinen aus dem Hause Makerbot, mit denen eine eingeschworene Bastlergemeinde seit gut drei Jahren in heimischen Werkräumen und Hochschul-Laboren von der Kunststoff-Vase über Nachbauten historischer Lichtschalter und Fantasy-Spielfiguren bis zur Roboter-Hand jede Menge Bauteile „druckt“. Denn im Prinzip sind die MakerBot-Maschinen eng verwandt mit klassischen Tintenstrahldruckern – nur, dass aus den Düsen ihrer Druckköpfe statt farbiger Flüssigkeit mikrometerdicke Schichten aus buntem, geschmolzenem Kunststoff fließen. Schicht für Schicht entstehen so die räumlichen Gebilde.

Lange Zeit allerdings galten die Plastik-Drucker, von denen das New Yorker Startup Makerbot inzwischen rund 22000 Stück verkauft hat, in einer sich dramatischen wandelnden Produktionslandschaft als besserer Spielkram. Denn während professionelle Maschinen für die sogenannte additive Fertigung, so der Branchenbegriff für den räumlichen Druck, schnell hohe fünfstellige Beträge kosten, hat Makerbot-Gründer Bre Pettis die Technik in seinen Geräten zum massenmarkttauglichen Preis verfügbar gemacht. Das aktuelle Einsteiermodell, der Replicator 2, kostet umgerechnet nur noch gut 1600 Euro, das Top-Modell Replicator 2X, der in der Lage ist, sogar mehrfarbige Werkstücke aus ABS-Kunststoff herzustellen, soll demnächst für umgerechnet rund 2200 Euro zu haben sein.

Auswahl von 3D-Druck-Verfahren

Gemessen an den Preisen der Stratasys-Maschinen, die bisher vorwiegend im industriellen Einsatz sind und hohe vier- bis fünfstellige Beträge kosten, lassen sich die Replicator-Drucker also quasi aus der Portokasse finanzieren. Und auch in der Fertigungsgeschwindigkeit und der Auflösung der Strukturen reichen die MakerBot-Maschinen nicht an die Fähigkeiten der professionellen Stratasys-Drucker heran.

Dass der amerikanisch-israelische Hersteller dennoch mindestens 403 Millionen Dollar in Aktien locker machen und bei erfolgreicher Geschäftsentwicklung weitere Aktion im Wert von 201 Millionen Dollar an die Verkäufer ausschütten will, belegt aber, welch ökonomische Bedeutung die lange als Spielkram für Nerds belächelte Technik inzwischen auch im professionellen Umfeld bekommen hat. Und das, obwohl Makerbot laut aktueller Geschäftszahlen im ersten Quartal dieses Jahres gerade einmal 11,5 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat – nach 15,7 Millionen im ganzen Jahr 2012.

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