Unterhaltungselektronik-Messe High-End-Klänge auf der Fahrt zur Arbeit

Auch an den Herstellern hochwertiger Audio- und Videotechnik geht die Euro-Krise nicht spurlos vorüber. Beim diesjährigen Branchentreffen in München suchen die Anbieter nach Orientierung und neuen Nischen für ihre Produkte.

Welcher Kopfhörer der richtige ist
AKG K 550 Quelle: Presse
Custom One, Beyerdynamic Quelle: Presse
Beats by Dr. Dre Quelle: Presse
Monster Ntune, Monstercable Quelle: Presse
Icy Box Eko Beats Quelle: Presse
Whydah Gally Straight into Compton Quelle: Presse
Marshall Major FX Quelle: Presse
HD 449, Senheiser Quelle: Presse
Sony MDR-ZX 600 Quelle: Presse
Wavemaster Dakota Quelle: Presse
Philips SHE 8500 Quelle: Presse

Die Gänge zwischen den Ständen heißen Joe Cocker Street, Keith Jarrett Boulevard oder Franz Liszt Weg. Links und rechts der roten Teppiche haben die Unternehmen ihre neuesten Entwicklungen  ausgestellt: Klobige Kopfhörer hängen auf Köpfen aus Glas, Abspielgeräte für die gute alte Vinylschallplatte stehen da, eingerahmt von Lautsprecherboxen in minimalistischem Design. 360 Unternehmen sind in diesem Jahr zum wichtigsten Branchentreffen der Welt für hochwertige Unterhaltungselektronik nach München gekommen, der Messe High End.

Doch wer genau hinhört, der kann zwischen all den superreinen High-Tech-Klängen aus Lautsprechern, die durchaus mehr als 10.000 Euro kosten können, Molltöne heraushören. „Ohne unser Geschäft in Asien hätte unser Umsatz im vergangenen Jahr stagniert“, sagt Dieter Burmester, Gründer und Chef des gleichnamigen Herstellers hochwertiger Soundsysteme aus Berlin. Um rund 30 Prozent konnte Burmester, der insgesamt 50 Mitarbeiter beschäftigt, den Umsatz seines Unternehmens 2012 steigern. China, Taiwan, Indonesien und Singapur: Überall geht es kräftig bergauf, finden seine handgefertigten Klangsysteme, die bis zu 30.000 Euro kosten können, immer mehr Liebhaber. Auch im laufenden Jahr wuchs der Hersteller aus Berlin bis heute um 20 Prozent.

Doch um das Wachstum seines kleinen Unternehmens langfristig zu sichern, braucht Burmester weitere Standbeine. Seit einigen Jahren hat er einen Vertrag mit Mercedes. Wenn demnächst die neue S-Klasse auf den Markt kommt, wird der Fahrer Musik und Verkehrshinweise aus Burmester-Lautsprechern hören. Später wollen die Stuttgarter auch andere Modellreihen mit den Systemen aus Berlin ausstatten. Schon seit sieben Jahren beliefert das Unternehmen Porsche. 16 Lautsprecher sorgen etwa im Cayenne für allerreinste Klänge. „Das kriegt man im Wohnzimmer nicht hin“, sagt Burmester, während er an den Reglern dreht.

Diese Gadgets kommen 2013
Die Google-BrilleGroß war die Begeisterung als Googles Datenbrille im April 2012 erstmals vorgestellt wurde. Dafür hat das Unternehmen ein Video gedreht, dass die Möglichkeiten dieses Gadgets zeigt. Die Technik, die dahinter steht wird als "Augmented Reality", also erweiterte Realität bezeichnet. Die Idee dabei ist, dass die Software Objekte unserer Umgebung erkennt und uns mit passenden weiteren Informationen versorgt. Außerdem kann die Brille alles, was auch Smartphones leisten. Sie ist zur Kommunikation, zur Routenplanung, zum Fotografieren und vieles weitere geeignet. Was einst der Mausklick war, könnte künftig eine Kopfbewegung oder einfach die Stimme sein. Quelle: dapd
Valves SteamboxValve Corporation hat mit Steam eine Internet-Vertriebsplattform für Computerspiele und Software entwickelt. Nach eigenen Angaben sind hier inzwischen über 35 Millionen aktive Benutzer registriert. Angeblich will das Unternehmen nun auch in das Konsolengeschäft einsteigen. Gerüchten zufolge plant Valve für das kommende Jahr eine eigene Steambox als Konkurrenz Xbox, Wii und PlayStation. Ein genauer Erscheinungstermin ist noch unbekannt. Quelle: Screenshot
Das YotaPhoneIm Herbst 2013 will der russische Hersteller Yota Devices das YotaPhone auf den Markt bringen. Das Android-4.2-Gerät soll zwei Displays besitzen, die unabhängig voneinander arbeiten und so Smartphone und E-Reader miteinander verbinden. Während auf der einen Seite das "normale" Smartphone-Display zu sehen ist, befindet sich hinten ein E-Ink-Display. Dieses soll extrem stromsparend arbeiten. Gespräche zwischen dem Konzern und Mobilfunkbetreibern in Nordamerika und Europa laufen bereits. Der Preis des Smartphones ist noch nicht bekannt. Quelle: Screenshot
Microsofts neue XboxMicrosoft will 2013 wieder groß mit einer Konsole auftrumpfen, die momentan unter dem Projekttitel Xbox 720 läuft. Geplant ist ein geradezu revolutionäres Spielerlebnis. Zumindest ließ sich das Unternehmen eine Methode patentieren, die eine Datenbrille mit der Konsole verbindet. Dadurch könnte "Augmented Reality" wie bei Google Glasses künftig auch beim Gaming zum Einsatz kommen. Zusätzlich will Microsoft eine abgespeckte Xbox 360 rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft 2013 auf den Markt bringen. Quelle: Presse
iPhone 5SKaum war das iPhone 5 auf dem markt, da tauchten auch schon erste Gerücht über die Produktion eines iPhone 5S auf. Eines ist sicher, der Smartphone-Nachfolger aus dem Hause Apple wird kommen - nach aktuellen Informationen wahrscheinlich sogar schon im Frühjahr. Vielleicht aber auch erst im Sommer, Apple selbst hat sich dazu noch nicht geäußert. Angeblich soll es im Dezember bereits erste Testläufe des Smartphones gegeben haben. Außerdem wird vermutet, dass das neue Apple-Gerät mit einem schnelleren Prozessor ausgestattet wird. Bis es soweit ist, werden sich die Gerüchte um das neue iPhone ganz sicher noch einige Mal überschlagen. Quelle: dapd
Facebook-PhoneDas Bild zeigt ein "ChaCha" von HTC, so ähnlich könnte bald das "Facebook-Handy" aussehen. Monatelang war über ein Telefon aus der Zuckerberg-Familie spekuliert worden - jetzt kommen gleich mehrere auf den Markt. Auf den neuen Geräten ist Facebook aber nicht nur einer der Kommunikationswege, sondern das Herzstück. Richtige Facebook-Knöpfe haben etwa die beiden Geräte, die der Hersteller HTC auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentiert. HTC hatte die Markteinführung des Facebook-Handys eigentlich schon für Ende 2012 geplant. Andere Projekte schienen dem Unternehmen jedoch wichtiger gewesen zu sein. Der Termin wurde auf Mitte 2013 verschoben. Quelle: dpa
Samsungs Galaxy S4Neben dem iPhone ist das Galaxy S3 eines der beliebtesten Smartphones bei den Kunden. 2013 will Samsung mit dem S4 nachlegen. Erscheinen soll es im zweiten Quartal 2013. Natürlich sollen Leistung, Qualität und Schnelligkeit beim neuen Samsung-Smartphone deutlich besser sein. Außerdem hält sich das Gerücht, die Südkoreaner könnte auf Größe setzen und das 4,8-Zoll-Display auf 5 Zoll vergrößern. Das vermutlich im April erscheinende Gerät wird etwa 500 Euro kosten. Quelle: REUTERS
Apples iTVEine der spannendsten Fragen für das Jahr 2013 ist: Wird Apple es schaffen mit dem iTV einen neuen Markt zu erobern und diesen - wie den Smartphone-Markt - zu revolutionieren? Über den Apple-Fernseher war schon lange spekuliert worden. Doch nun ist klar, dass das Gerät kommt. Der US-Konzern teste laut Medienberichten mit asiatischen Zulieferern derzeit mehrere Entwürfe. Angeblich arbeitet Zulieferer Foxconn dafür mit dem Elektronik-Konzern Sharp zusammen. Als größtes Hindernis für Apple gelten Rechte-Verhandlungen mit der Fernsehbranche, die - nicht ganz zu unrecht - um ihr Geschäftsmodell fürchtet. Quelle: REUTERS
Instagram-KameraDer beliebte Fotodienst Instagram wird 2013 nicht nur als App bekannt sein. Das Unternehmen will eine "echte" Kamera, die "Instagram Socialmatic", auf den Markt bringen. Als Erscheinungsdatum ist Mitte 2013 angepeilt. Die Kamera soll sehr flach sein und sogar über einen eingebauten Drucker verfügen. Die von der App bekannten Effekte sollen auch mit der Kamera möglich sein. Dazu kommen 16 Gigabyte Speicher, WLAN- und Bluetooth-Anbindung und Touchscreen-Bedienung. Quelle: dapd
Microsoft OfficeMicrosoft Office wird Anfang Mai auch auf dem Betriebssystem Android verfügbar sein. Laut Medienberichten sollen die Apps als Dokumentviewer für Word, Excel und PowerPoint kostenlos sein. Über ein Abo von Office 365 soll eine Editierfunktion dazukommen, damit man die Dokumente bearbeiten kann. Quelle: Reuters

Das Geschäft wächst, denn die großen Pkw-Hersteller haben in den vergangenen Jahren das Auto als Rückzugsstätte dauergestresster Manager und Angestellter erkannt. Wer ständig unter Strom steht, möchte wenigstens während der 30 Minuten auf dem Rückweg von der Arbeit entspannt Musik hören – und das in bester Qualität, hoffen Anbieter wie Burmester. „Das ist wie eine warme Badewanne, da stört dann nichts mehr.“

Macht Burmester zurzeit rund zehn Prozent seines Umsatzes mit der Automobilindustrie, sind es beim Konkurrenten Dynaudio bereits 50 Prozent. Das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 55 Millionen Euro hat seinen Sitz in Dänemark. Doch auch hier spielt der Ferne Osten eine immer wichtigere Rolle. Seit 2004 ist Dynaudio exklusiver Lieferant von Volkswagen; dazu gehören auch die Joint Ventures, die die Wolfsburger in China, dem größten Automarkt der Welt, betreiben. Die Soundsysteme werden ausschließlich in Dänemark gebaut, eine Fertigung in China kommt nicht in Frage. VW-Chef Martin Winterkorn will es so; er legt Wert auf höchste Qualität.

China ist für die Dänen inzwischen der drittwichtigste Markt nach Deutschland und den USA. Nach schweren Einbrüchen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 und 2009 läuft es bei Dynaudio nun wieder rund. Doch das Geschäft mit China wird immer wichtiger, denn andere Märkte sind schlicht verschwunden. „In Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien geht es gegen Null“, sagt Dynaudio-Chef Wilfried Ehrenholz, „das ist bitter.“

Doch schon seit Jahren treibt die Hersteller eine weitere Sorge um: MP3-Spieler und i-Pods, abgehört mit billigen Ohrstöpseln, lassen die Nachfrage nach hochwertigen Klangsystemen sinken. Musik ist überall verfügbar, und noch nie wurde so viel gehört wie heute, doch das in schlechter Qualität. So lautet eine oft gehörte Klage in München.

Statistiken der Vergangenheit sind in der Tat ernüchternd. Zwischen 1995 und 2005 brach der Absatz von Lautsprechern in Deutschland um 75 Prozent ein. Doch seit einiger Zeit gehe es wieder bergauf, beobachten Branchenvertreter. Manche vergleichen ihr Geschäft mit dem der Schweizer Uhrenindustrie: In bestimmten Segmenten werde es immer eine Klientel für Produkte am oberen Ende der Preis- und Qualitätsskala geben.Burmester etwa ist sich sicher, dass es immer Menschen geben wird, „die Vivaldi so hören wollen, dass sie eine Gänsehaut bekommen“, und fügt hinzu: „Am Ende aller Tage reproduzieren wir doch Kultur.“

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