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Valley Talk

Apples sagenumwobenes iTV verkommt zum Mythos

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Inzwischen wird seit Jahren über ein TV-Gerät aus dem Hause Apple spekuliert. Aktuell mehren sich wieder Gerüchte, dass das sagenumwobene Fernsehgerät bald kommen könnte. Doch der Markt ist heiß umkämpft.

In der Fachpresse mutiert das iTV zum Fabelwesen - Wird der Apple-Fernseher jemals erscheinen? Quelle: REUTERS

Spätestens seit Erscheinen der Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson spekulieren Experten weltweit darüber, wie ein von Apple entwickelter Fernseher aussehen könnte. Jobs hatte dem Autor verraten, dass er den entscheidenden Durchbruch gehabt hätte, wie ein solches Gerät bedient werden müsste. Nun ist Jobs anderthalb Jahre tot, und das iTV ist zu einer Art mystischem Fabelwesen mutiert. Immer wieder spekulieren Analysten über einen baldigen Marktstart, momentan wetten die meisten auf Herbst 2013.

So ist das sagenumwobene iTV im Gespräch; zuletzt beherrschte es die Pausendiskussionen auf der Konferenz des Marktforschungsunternehmens NPD über die Zukunft des Display-Geschäfts. Die Experten fragten sich dort, wieso in aller Welt Apple in ein Geschäft einsteigen sollte, das unter enormen Überkapazitäten leidet.

Marktumbruch im TV-Geschäft?

Doch sie diskutierten auch, ob Apple möglicherweise einen Marktumbruch ahne, wie damals bei Smartphones. „Vielleicht“, witzelte NPD-Analyst Paul Gray, „war die Erleuchtung von Jobs aber auch, dem Geschäft mit Fernsehgeräten fernzubleiben.“

Die zehn Erfolgsgeheimnisse des IT-Konzerns
Wie macht Apple das nur? Aktuell ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Börsenwert liegt bei mehr als 580 Milliarden Dollar. Und Apple  hat Barreserven in Höhe von  216 Milliarden  Dollar. Zehn Gründe warum das Unternehmen so viel besser ist als jeder Konkurrent. Quelle: REUTERS
1. Der NetzwerkeffektDie IT-Welt funktioniert nach anderen Regeln als der Rest der Wirtschaft. Eine besondere Rolle spielt der sogenannte Netzwerkeffekt. Beispiel Microsoft: In der Ära des PCs hatte der Konzern ein Quasi-Monopol im Bereich der Desktop-Betriebssysteme und der Office-Software. Der Grund: Sobald MS-DOS und später Windows gegenüber damals konkurrierenden Systemen wie CP/M nur einen hauchdünnen Vorsprung hatte, entwickelten Softwareentwickler vornehmlich für das Microsoft-System, um möglichst viele potenzielle Kunden zu erreichen. Andererseits wurde die Microsoft-Plattform mit der verfügbaren Software auch für die Kunden immer attraktiver. Die große Verbreitung von Office in der PC-Ära machte auch diese Software zum Quasi-Standard: Wer die Dokumente von Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern lesen und bearbeiten wollte, musste zur Microsoft-Software greifen. Quelle: dpa
1. Der NetzwerkeffektIm mobilen Markt hat Apple die Nase vorn. Zwar werden in absoluten Zahlen im Smartphone-Markt mehr Geräte mit Android-System verkauft – doch Android-Nutzer zeigen im Schnitt deutlich weniger Bereitschaft, Geld für Apps auszugeben. Quelle: AP
2. Zulieferer in vielen LändernApples Zulieferer beschäftigen mehr als 1,6 Millionen Menschen in 20 Ländern. Apple steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in der Kritik. Das taiwanesische Unternehmen Foxconn, das vornehmlich in China produzieren lässt, wurde zum Symbol für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen. Jetzt ist es Apple durch Kontrollen bei Zulieferern gelungen, Verstöße gegen Arbeitszeit-Beschränkungen zu reduzieren. Die Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche sei im vergangenen Jahr zu 97 Prozent eingehalten worden, erklärte der Konzern in seinem jährlichen Bericht zur Lage bei den Zulieferern. Ein Jahr zuvor wurde noch ein Wert von 92 Prozent angegeben. Die durchschnittliche Arbeitszeit für fest angestellte Mitarbeiter bei Zulieferern lag jetzt bei 55 Stunden pro Woche. Quelle: dpa
3. MargeDie Marge pro verkauftem Gerät ist traditionell besonders hoch bei Softwareherstellern: Nachdem ein Software-Produkt entwickelt ist, sind die Kosten pro verkauftem Medium sehr gering, der Verkaufspreis hoch. Apple verkauft zwar auch Software, verdient sein Geld aber hauptsächlich mit dem Verkauf von Hardware. Der Konzern erreicht allerdings auch bei der Hardware Margen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Analysten schätzen die Marge pro verkauftem Gerät zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders groß ist die Marge beim iPhone – und davon hat Apple wiederum besonders viele Geräte verkauft: im Jahr 2015 mehr als 231 Millionen Stück. Quelle: REUTERS
4. Konzentration auf das WesentlicheAuch bei den Produktkategorien herrscht Übersichtlichkeit. Das aktuelle iPhone SE gibt es jeweils mit unterschiedlicher Speicherausstattung – auf verwirrende Produktbezeichnungen mit langen Zahlenreihen und verschiedenen Ausstattungen verzichtet der Konzern komplett. Mit der Konzentration auf das Wesentliche hat Apple auch beim Produktdesign Trends gesetzt: Überflüssiges wird weggelassen. Das macht die Produkte elegant und benutzerfreundlich. Damit liegt Apple ganz auf der Linie des heimlichen Vorbilds, dem deutschen Braun-Designer Dieter Rams. Quelle: dpa
Apple-Museum Quelle: dpa

Eins ist klar: Einen Fernseher, wie wir ihn kennen, würde Apple niemals herausbringen. Im Sonnensystem der Unterhaltungselektronikgeräte „steht der Fernseher schon lange nicht mehr im Mittelpunkt“, sagt Gray, der seit Jahren weltweit die Branche beobachtet. Heute ist er Teil in einem Bund gleichberechtigter Geräte wie Smartphones, Tablets, Notebooks, Set-Top-Boxen und Spielkonsolen, die mehr oder weniger miteinander kommunizieren.

In dieser Konstellation ist der Fernseher vor allem ein Fenster zu Inhalten. Die Innovationen werden eher von Smartphone- und Tablet-Herstellern erwartet, die künftig als intelligente Fernbedienung fungieren könnten, die nicht nur das Programm wählt, sondern auch den Zugang zu ihm verwaltet. Insofern spielt Apple mit seinen iPads und iPhones sowie seiner Set-Top-Box Apple-TV schon heute eine wichtige Rolle in der Heimunterhaltung.

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