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Die Renaissance der Hardware

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Eigentlich hat das Geschäft an Glanz verloren. Warum Internet-Giganten wie Google, Amazon und Facebook dennoch ihre Liebe für eigene Hardware entdecken.

Die besten Smartphones im Überblick
Nokia Lumia 800/900 Quelle: REUTERS
A model displays HTC One X during a press conference in Taipei, Quelle: dapd
A worker moves an advertisement for the Samsung Galaxy SIII smartphone Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy S2: Der Blick-FängerDer Vorgänger, das Samsung Galaxy S2, ging bereits weg wie warme Semmeln. Die Zehn-Millionen-Marke beim Verkauf hatte Samsung für Ende 2011 angepeilt, aber schon im September geschafft. Im April 2012 waren es bereits 20 Millionen verkaufte Geräte. Trotz des Riesendisplays ermöglicht das Top-Gerät knapp sechs Stunden Dauertelefonieren. Wegen seines Plastikgehäuses wirkt das extrem schlanke Handy allerdings nicht sehr wertig und fast schon zerbrechlich. Technik, Preis:Google Android 2.3 Elf-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte neun Millimeter dick Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 440 Euro Quelle: Pressefoto
Huawei Ascend P1s Quelle: Pressebild
Apple iPhone 4 S - Das DesignerstückDas Gerät, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, ist dagegen schon seit Oktober 2011 in Deutschland in den Läden. Obwohl das Smartphone "nur" die überarbeitete Version des iPhone 4 ist, rissen die Kunden es den Händlern nur so aus den Händen - sowohl in den USA als auch im Rest der Welt. In den ersten 24 Stunden gingen bei Apple mehr als eine Million Vorbestellungen für das 4S ein, die Deutsche Telekom warnte die Kunden schon vor Verzögerungen. Äußerlich ist das 4S nicht vom Modell 4 zu unterscheiden. Die Neuerungen stecken im Inneren. Wichtigste funktionale Verbesserung ist die Funktion Siri - ein persönlicher digitaler Assistent, der mit Stimmbefehlen gesteuert wird. Der neue A5-Doppel-Kern-Prozessor macht das Handy gegenüber den Vorgängern deutlich schneller. Allerdings sinkt die maximale Standby-Zeit des Gerätes um ein Drittel von 300 auf 200 Stunden. Die Kamera wurde deutlich verbessert und soll Videos in HD-Qualität aufnehmen können. Die Antenne ist nun ebenfalls deutlich leistungsfähiger. Technik, Preis:Apple iOS 5 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 640 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera mehr als 425.000 Apps Preis: 629 - 849 Euro (ohne Vertrag) Quelle: Pressefoto
Sony Xperia S Quelle: dapd

Das Geschäft mit Unterhaltungselektronik- und Computerhardware hatte eigentlich seinen Glanz verloren. Die Margen wurden dünner, die Entwicklungskosten stiegen und der Geschmack der Kunden änderte sich immer schneller. Viele stiegen daher aus. IBM verabschiedete sich 2004 aus dem Geschäft mit PCs und Notebooks; Hewlett-Packard, der größte PC-Anbieter, hatte auch nicht viel Freude an seinem Privatkundengeschäft und blies eine große Offensive bei Smartphones und Tablets wieder ab.

Sony und Panasonic wiederum bezeichnen es heute als Fehler, zu stark und lange auf Flachbild-Fernseher gesetzt zu haben; und der Handypionier Nokia und der Blackberry-Schöpfer Research in Motion stehen gar am Rande des Bankrotts.

Einzige Ausnahmen sind Apple und Samsung, die sich erfolgreich als Premiumhersteller etablieren konnten.

Doch nun ist an der US-Westküste eine Renaissance der Hardware zu beobachten: Google stellt sich mit dem Kauf von Motorola als Hardwareanbieter auf und will mit Tablets, Notebooks und Smartphones bei seinen Nutzern punkten. Jeff Bezos, Gründer des Online-Händlers und Dienstleisters Amazon, bereitet eine Neuauflage seines Kindle Fire Tablets vor und erwägt sogar den Einstieg ins Smartphone-Geschäft. Auch Facebook finanziert ein Team, das den Bau eines eigenen Handys durchspielt und mit chinesischen Fertigern über Konditionen verhandelt.

Neue Superphones greifen das iPhone an

Unternehmen streben nach Kontrolle

Microsoft wiederum – so mutmaßen Experten – könnte eine stärkere finanzielle Beteiligung bei seinem angeschlagenen Allianzpartner Nokia erwägen. Zudem könnte der Softwarekonzern, der vor wenigen Wochen einen selbst entwickelten Tablet-PC präsentierte, sogar zusätzlich noch den Blackberry-Produzenten Research in Motion schlucken.

Und selbst die Web-Auktionsplattform Ebay lässt seit Kurzem Hardware produzieren – ein Kreditkartenlesegerät für seinen Online-Bezahldienstleister Paypal.

Die Renaissance der Hardware wird nicht etwa davon ausgelöst, dass das Geschäft mit den Geräten plötzlich attraktiver geworden wäre. Es geht vielmehr um Kontrolle: Die Unternehmen wollen nicht nur ihr Gesamtprodukt – wie Apple – attraktiver und leichter bedienbar machen, indem sie Hard- und Software aus einer Hand bieten.

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