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Vernetztes Haus wird Realität Handy wird zur Fernbedienung für Ihr Leben

Dank neuer Technologien steuert das Smartphone künftig nicht nur Geräte, sondern kümmert sich um Ihre Gesundheit, Ihre Familie und Ihre Sicherheit zu Hause. Doch was bedeutet das im Alltag? Ein Selbstversuch.

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Das ist die Technik, die Ihr Haus steuert
Gigaset Elements Quelle: Screenshot
Locca Hund Quelle: Presse
Privat-FernsehenDer taiwanesische Elektronikhersteller Dlink hat eine Überwachungskamera mit Nachtsichtfunktion fürs Eigenheim auf den Markt gebracht: Die DCS-5222L überträgt Livebebilder aus der Wohnung aufs Handy, lässt sich per Smartphone schwenken und zeichnet auf Wunsch automatisch Videos auf, sobald der Bewegungsmelder eine Person erkennt. Preis: 189 Euro. Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
AVM Fritz Powerline Quelle: PR
Luesterklemme Quelle: PR
Enkey Quelle: PR
Enkey Quelle: PR

Es sind diese kleinen Momente, in denen ich merke, dass sich mein Leben verändert hat: Ich liege im Bett, und mir fällt ein, dass das Licht im Obergeschoss noch brennt; ich komme nach Hause und merke, dass mein Schlüssel noch im Büro liegt; ich bin auf Dienstreise, und mir fällt auf, dass ich unsere Katze nicht gefüttert habe.

Noch vor wenigen Wochen wäre ich wieder aufgestanden; wäre ins Büro zurückgefahren; oder ich hätte den Nachbarn bitten müssen, die Futterschale unserer Katze zu füllen. Heute erledige ich all das mit dem Smartphone. Ich regle mit Apps aber noch viel mehr: unsere Heizung, unser Türschloss und sogar unsere Waschmaschine.

Mein ganzer Alltag ist vernetzt.

Smartphones werden zur Fernbedienung des Alltags

Es ist nicht lange her, da schien das smarte Haus wie eine Utopie unverbesserlicher Technik-Apologeten. Doch inzwischen hat die Realität die Visionäre überholt: Von den meisten Menschen noch unbemerkt, durchdringt die Vernetzung fast alle Lebensbereiche. Haustechnik, Verkehr, Gesundheit, Sicherheit – die Digitalisierung hat alles erfasst, und wer will, kann alles per Smartphone steuern.

Vorbei die Zeiten, da die High-Tech-Telefone nur der Kommunikation dienten: Handlich, jederzeit online und so leicht zu bedienen wie kein Computer zuvor, werden sie nun zur Fernbedienung des Alltags.

Nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie in diesen Tagen in Berlin, wenn die IFA beginnt, Europas größte Elektronikmesse: Ob es um Küchengeräte geht, Wohnzimmerbeleuchtung oder Heimkino – die Hersteller überbieten sich mit vernetzten oder vernetzbaren Produktneuheiten.

Glaubt man den Werbern, lässt sich all das ganz einfach steuern; so intuitiv, dass jedes Handbuch überflüssig wird. Vernetzte Geräte böten „24 Stunden Schutz“, etwa vor Einbrüchen oder Feuer, verspricht etwa der Energieversorger RWE, der den Markt mit zig neuen, smarten Schaltern und Sensoren erschließen will. Zudem spare die Technik Energie – und mache „das Wohnen bequemer“.

Wirklich?

Mit der Frage habe ich erst meine Partnerin überrumpelt – und dann gemeinsam mit ihr unserer Wohnung ein digitales Update verpasst: Wir haben schlaue Thermostate an die Heizkörper geschraubt, Sensoren an die Türen geklebt, intelligente Steckdosen installiert und LED-Lampen mit WLAN angebracht.

Nicht nur etwas für reiche

Erste Erkenntnis: Technik, die sich früher nur Villenbesitzer oder Internet-Millionäre leisten konnten, weil sie den Austausch der kompletten Elektroinstallation erforderte, können heute selbst Durchschnittsmieter wie wir ohne Schaden an Bausubstanz oder Bankkonto nachrüsten.

Auch meinen Bekannten fallen viele Dinge ein, die sie per Smartphone steuern möchten: „Den Festplattenrekorder“, sagt eine Freundin, die Serien mag. „Jalousien, Waschmaschine und Spülmaschine“, schlägt ein Kollege vor. „Die Wohnung über uns“, stöhnt ein guter Freund, der ziemlich laute Nachbarn hat.

Fernbedienung für die Katze

Fern-sehen: Kamera- und Handyfotos erscheinen zeitgleich auf dem TV-Gerät Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Vieles davon wird nun Realität. „Spätestens in zwei Jahren ist die Heimautomation im Massenmarkt angekommen“, sagt Michael Schidlack, Experte für Heimvernetzung beim High-Tech-Verband Bitkom. Bis 2017 soll der weltweite Umsatz mit der Technik auf 41 Milliarden Dollar wachsen, erwarten die Marktforscher von Strategy Analytics. Experten vom Mobilfunkausrüster Ericsson schätzen, dass sich bis 2020 rund 50 Milliarden Sensoren und Geräte in den globalen Datenstrom einklinken.

Beste Voraussetzungen für die Digitalisierung des Alltags auf breiter Front. Denn immerhin sind drei von vier Deutschen bereit, vernetzte Geräte daheim einzusetzen, haben die Meinungsforscher von TNS Infratest herausgefunden. Und schon jetzt sind besitzt jeder zweite deutsche Handynutzer ein Smartphone (siehe Grafik).

Wie viele deutsche Handynutzer ein Smartphone besitzen. Zum vergrößern auf das Bild klicken

Was Millionen von Deutschlands Stubentigern dann bevorsteht, erlebt unsere Katze Paula eines Abends im August, als ich ihr den vertrauten Futternapf entwende. Dort steht nun ein schicker, dunkler Kasten. Man könnte ihn für eine Kaffeemaschine halten, aber es handelt sich um den ersten Futterautomaten mit WLAN-Anschluss, entwickelt vom kalifornischen Startup Pintofeed. Wir haben ihn uns per Express-Post aus den USA schicken lassen.

Das Smartphone sagt ob die Katze gefressen hat

Wenn ich morgens vergesse, Paula zu füttern, reicht es, zum Handy zu greifen und den Automaten vom Büro aus zu aktivieren. Schon prasseln Futter-Pellets in eine Schale, als hätte Paula den Jackpot eines einarmigen Banditen in Las Vegas geknackt. Dabei dosiere ich die Futtermenge per App auf wenige Gramm genau, damit sich das Tier keine Diabetes anfuttert, und erhalte sogar eine Meldung aufs Handy, wenn unsere Katze etwas gefressen hat.

All das funktioniert ganz simpel, mit ein paar Fingerbewegungen auf dem Display meines Smartphones. Es ist die Folge des tief greifenden technologischen Wandels, der vor sechs Jahren mit der Erfindung des iPhones begann. Seine intuitive Bedienung und die ständige Verbindung mit dem Internet haben Standards gesetzt.

Das merke ich an fast allen elektronischen Helferlein, die ich nun vom Telefon aus aktiviere. In der Regel muss ich mich beim Gebrauch nicht mehr mit der verschrobenen Logik technikverliebter Ingenieure herumschlagen. Ob ich die Farbe meiner LED-Deckenleuchten anpassen oder den Mietwagen per Handybefehl aufsperren will: Das meiste erschließt sich so spielerisch, wie der Aufruf des lokalen Wetters am iPhone.

Sogar herkömmliche Kaffeemaschinen können vernetzt werden

Das gilt nicht nur für die Bedienung von Apps und Gadgets, wie wir erleichtert feststellen, als wir die Technik aufbauen. Mussten für den Aufbau ganzer Heimnetzwerke vor Kurzem noch Handwerker anrücken, die Wände aufstemmen und Hunderte Meter Kabel verlegen, geht das jetzt bequem via Funk. Bei Philips’ Lampensteuerung Hue, den elektronischen Heizungsventilen von RWE oder Einbruchsensoren von Gigaset reichen drahtlose Basisstationen, um die Technik mit Internet und Smartphone zu koppeln.

Und selbst herkömmliche Lampen, Kaffeemaschinen oder Wäschetrockner ohne Funkchip lassen sich mit einem Trick per Smartphone steuern.

Dafür reicht es, elektronische Lüsterklemmen von dem Schweizer Haustechnikanbieter Aizo zu installieren. Dessen Digitalstrom genannte Technik nutzt das Stromnetz als Datenautobahn, um angeschlossene Geräte von Ferne zu aktivieren oder ihnen den Saft abzudrehen.

Veto der besseren Hälfte

Pflanze-Freund: Blumen pflegen per Handy wie in einem Online-Spiel Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Die Idee, die Klemmen selbst nachzurüsten, scheitert allerdings am Veto meiner besseren Hälfte. „Spinnst du, du hast zwei linke Hände.“ Um Stromschlag und Beziehungskrise zu vermeiden, lenke ich meinen Tatendrang folglich auf weniger sensibles Terrain – und rüste den Haushalt mit einer Flut von Gadgets aus, die sich allesamt mit dem Smartphone verbinden.

Stück für Stück, scheint es, bekommt unsere Wohnung so etwas wie Sinnesorgane: Augen, Ohren und Nasen. Und das Smartphone ist ihr Gehirn.

Nun reicht ein Griff zum Handy auf der Nachtkommode, um unserer Kaffeemaschine noch vor dem Aufstehen den Brühbefehl zu übermitteln. Eine App des schwedischen Herstellers Scanomat ermöglicht es sogar, per Fingerstreich beim Topbrewer genannten Gerät einen Cappuchino, Espresso oder eine Latte macchiato zu ordern. Das funktioniert übrigens nicht nur aus der Waagerechten, sondern auch auf dem Heimweg. Dann steht der Muntermacher frisch gebrüht bereit, wenn man nach Hause kommt.

Für das gute Gefühl, dass zu Hause alles stimmt, sorgt die 240 Euro teure Cloud Camera 5222L mit WLAN-Modul vom taiwanischen Hersteller D-link. Sie observiert von unserem Kühlschrank aus Küche, Flur und Wohnzimmer und überträgt die Bilder live auf mein Handy.

Privatfernsehen mal anders

Ist der Herd ausgeschaltet? Was macht Paula? Habe ich den Umschlag mit meinen Dokumenten verloren oder nur auf dem Küchentisch liegen lassen? Per Steuertasten in der App richte ich das elektronische Auge auch vom Büro aus in die heimischen vier Wände. Privatfernsehen mal anders.

Die Technik eignet sich genauso gut, um einen prüfenden Blick auf den schlafenden Säugling, die hoffentlich eifrige Putzhilfe oder die inzwischen etwas angegrauten Vorfahren in deren Wohnung zu werfen.

Webcams und Apps ersetzen zwar keine persönlichen Kontakte, dennoch kann es die digitale Aufrüstung der Wohnung älteren Menschen ermöglichen, länger im vertrauten Umfeld zu leben. Assisted Living nennen Experten das – und setzen dabei auf allerlei Sensoren, die sogar erkennen, wenn jemand in seiner Wohnung stürzt, oder Alarm schlagen, wenn der Senior seine Herztabletten vergessen hat. Die vernetzte Technik baut dann auf Wunsch automatisch eine Verbindung zum Hausarzt auf, oder schickt eine Nachricht aufs Smartphone von Sohn oder Tochter.

Aus dem mahnenden Blick wird Mobile Health

Mich hingegen alarmiert seit Kurzem täglich die App unserer Badezimmerwaage, weil ich schon wieder das voreingestellte Wunschgewicht verfehlt habe. Targetscale heißt der digitale Besserwisser des Neusser Medizintechnikspezialisten Medisana.

Spätestens seit der Schrittzähler in meinem Telefon auch noch vorwurfsvoll meldet, wenn ich mich über Tag nicht genug bewege, grüble ich, ob das mit der universellen Vernetzung des Alltags wirklich eine so gute Idee war. Was früher der mahnende Blick der Gattin war, heißt heute Mobile Health.

Ein Grund für meine akute Trägheit ist auch die neue, per WLAN vernetzte Waschmaschine WF12F9E6P4W von Samsung. Ich kann sie schon auf dem Heimweg starten, damit die Wäsche fertig ist, wenn ich heimkomme. Auch schickt mir der Automat eine Meldung aufs Handy, wenn das Programm durchgelaufen ist. Das spart mir den mehrfachen Weg ins Bad, um nachzusehen.

Qualität der Umgebungsluft

Die Neuheiten der IFA 2013
Samsung UE55F9090Deutlich günstiger und etwas kleiner kommt mit 55 Zoll der UE55F9090 daher. Dennoch löst es mit das mit der vierfachen Full HD-Auflösung auf, also mit 3840 x 2160 Bildpunkten. Kosten: Etwa 5000 Euro Quelle: Presse
Samsung S9 TimelessDer Riesenfernseher von Samsung ist das aktuelle TV-Flaggschiff der Koreaner. Mit insgesamt 3840 × 2160 Bildpunkten erreicht das Display damit die Ultra HD-Auflösung nach dem sogenannten 4K-Standart, also das vierfach Niveau von Full HD. Die Bildschirmdiagonale beträgt 85 Zoll. Kosten: Etwa 35.000 Euro Quelle: Presse
Toshiba M9 und Cloud-TVToshiba ist ebenfalls gleich mit mehreren Ultra-HD-Geräten in Berlin auf der IFA dabei. Vorgestellt werden diverse M9-Modelle mi 58, 65 und 84 Zoll (Bildschirmdiagonale 2,13 Meter!). Inhalte, die nicht die native Auflösung von 3840x2160 Bildpunkten bieten, rechnen die Fernseher ins passende Format um. Dank Sechskern-Prozessor soll das besonders schnell klappen. Kosten: 4.499 Euro (58 Zoll), 6.999 (65 Zoll) und 84 Zoll (19.999 Euro)Außerdem will Toshiba pünktlich zur IFA den Dienst Cloud-TV an den Start bringen. In die Modelle L4, M6, L7 und M8 soll die Technik eingebaut werden und diverse Funktionen erhalten. Darunter eine Programmzeitschrift samt Film-Tipps, eine Suchfunktion, einen Kalender, den eigenn E-Mail-Posteingang, Twitter-Tweets und die Wetterprognose. Quelle: Presse
Samsung führte auf der IFA in Berlin wieder diverse Plasma-Geräte ins Rennen. Besonders heiß diskutiert wird das neue Flaggschiff der Serie F8590. Eingebaut ist ein Full-HD-Panel, das für satte Schwarztöne und eine beeindruckende Bildhelligkeit sorgt. Sprach- und Gestensteuerung sind zur App-Bedienung eingebaut. Ebenfalls integriert ist eine ausfahrbare Kamera sowie integriertes WLAN. Der F8590 wird in zwei Größen erhältlich sein. Als PS64F8590 in 64 Zoll und PS51F8590 mit 51 Zoll Diagonale. Er soll 2500 bis 3500 Euro kosten. Quelle: Presse
Bravia X9Fernseher in 4K-Aufläsung, also Ultra-HD, sind der eindeutige Trend der kommenden Jahre in der TV-Industrie. Entsprechend wird auch Sony UHD-Fernseher auf der IFA zur Schau stellen. Ein 84-Zoll-Gerät gibt es bereits seit Anfang 2013 im Handel. Seit Mitte Juni sind aus der X9-Serie auch 55- oder 65-Zoll-Modelle lieferbar. Kosten: 4500 Euro Quelle: Presse
Grundig Vision 7 und 9Mit diesen beiden Modellen will Grundig in Berlin punkten: Die Vision-7-Serie kommt in weiß und schwarz in den Handel. Wer mit dem Gerät spontan im Netz surfen will, kann das über einen integrierten Browser tun – und dabei weiter fernsehen.  Beim Grundig Vision 9  erstreckt sich der Bildschirm bis fast an den hausdünnen Rahmen. Erhältlich ist er in 42, 47 und 55 Zoll. Kosten: Etwa 780 Euro (Vision 7)und 1200 Euro (Vision 8) Quelle: Presse
Elevation Smart TV 60PFL8708SAmbilight nennt Philips eine Technik, bei der LED-Lampen die Wand hinter dem Fernseher mit zum laufenden Programm stimmigen Licht bestrahlen. Der neue Elevation Smart TV 60PFL8708S ist der erste Philips-Fernseher, mit der Technik "Ambilight XL". Damit scheint das Licht von 94 Leuchtdioden in vier Richtungen, so dass das Bild optisch größer wirkt. Mit 1,35 Millimeter Bautiefe ist er Philips-Fernseher das bislang dünnstes TV-Gerät am Markt. Für die Qualität der Bilder sorgt ein LC-Display mit LED-Hintergrundlicht, das 1920 x 1080 Pixel zeigt Kosten: noch unbekannt Quelle: Presse

Auch die Qualität unserer Umgebungsluft zeigt mein Handy seit einigen Tagen an. Denn im Wohnzimmer steht jetzt ein grauer Zylinder, eine vernetzte Wetterstation des Startups Netatmo. Sie misst, wie warm es ist und wie feucht oder CO2-haltig die Luft ist. Wird es zu stickig, rät mir das Telefon, die Fenster zu öffnen. Und nicht mal das müsste ich noch per Hand erledigen, wenn ich die automatischen Winmatic-Fensteröffner von eQ-3 bestellt hätte.

In den Genuss von Mobile Health kommen übrigens auch die Pflanzen auf unserer Dachterrasse. Im Pflanzenkübel misst ein Sensor des Schweizer Anbieters Koubachi nicht nur, wie feucht der Boden ist.

Der elektronische Gärtner alarmiert mich auch per Handy, wenn es besser ist, die Paprikapflanzen in den Schatten zu stellen, oder Zeit, sie zu gießen.

Das erledigt demnächst der Bewässerungscomputer des israelischen Startups Greenbox, der im Herbst für 219 Dollar auf den Markt kommt. Seine Wasserleitungen und Sprenkler lassen sich ebenfalls per Smartphone steuern. Der elektronische Gärtner schlägt auf Wunsch für jede Pflanze die optimale Bewässerung vor. Wer will, kann auf Dienstreisen am Handy Tomaten, Rosen und Basilikum gießen, als würde er das Online-Game Farmville spielen.

Eine Schar von virtuellen Hausangestellten

Es ist ein bequemes Leben, seit unser Sweet Home ein Smart Home geworden ist. Manchmal fühlen wir uns sogar, als hätten wir eine Schar von Hausangestellten.

Denn in unserer Wohnung geschehen viele Dinge nun mühelos. Wenn ich etwa unterwegs Fotos mit einer vernetzten Kamera wie Samsungs NX300 oder einem Smartphone aufnehme, überspielen sie die Aufnahmen direkt in einen Speicher im Internet. Nur Sekunden nach der Aufnahme sieht meine Partnerin die Schnappschüsse auf unserem vernetzten Fernseher. Auf Wunsch kann ich die Bilder auch für Netzwerk-Fernseher von Freunden oder Kollegen freigeben.

Demnächst möchte ich auch unsere Heizung vernetzen. Sobald wir auf dem Heimweg sind, dreht die App im Telefon dann die Heizung hoch, weil der GPS-Sensor im Handy erkennt, dass wir uns unserer Heimatadresse nähern. Das Münchner Startup Tado etwa berechnet für eine solche Technik immerhin 99 Euro im Jahr.

Trotzdem soll sich die schlaue Heizung auszahlen, kalkuliert der IT-Verband Bitkom: Wer intelligente Thermostate nutze, die sich per Smartphone steuern lassen, könne seinen Heizbedarf um bis zu 30 Prozent senken. Das ist mein nächstes Projekt, sobald die Temperaturen sinken.

Nichts für Mac-Nutzer

Aber bis dahin bin ich erst mal stolz auf meine neueste Errungenschaft: Wir brauchen keinen Wohnungsschlüssel mehr, seit wir ein elektronisches Schloss der Homematic-Serie eingebaut haben. Es lässt sich mithilfe des Handys öffnen. Jetzt können sogar Freunde bei uns übernachten, selbst wenn wir nicht da sind. Alles, was sie brauchen, ist die passende App und einen Zugangscode. Kleiner Schönheitsfehler: Die Technik lässt sich nur mit Windows-Rechnern konfigurieren. Mac-Nutzer bleiben außen vor.

Doch in den nächsten Monaten wird eine Handvoll solcher Schlösser auf den Markt kommen, die noch komfortabler sind. Der elektronische Concierge des US-Startups Goji etwa lässt sich termingenau programmieren. Wenn wir endlich eine Reinigungskraft für unsere neue Wohnung finden, könnten wir ihr so einen virtuellen Schlüssel aushändigen, der beispielsweise nur montagvormittags funktioniert.

Bequemer und sicherer

Das sind die Lieblings-Gadgets unserer User
Foto des Speichers Space Monkey
Foto des Camcorders HX-A100
Foto der LED-Leuchte
Foto des E-Book-Readers Tolino
Foto des Notebooks Chromebook
Foto der Bluetooth-Batterie
Foto des Stiftes Notemark

Der Smartphone-Butler soll den Alltag nämlich nicht nur bequemer machen, sondern auch sicherer: Neue Sensoren der Elements-Serie vom Münchner Hersteller Gigaset etwa sollen erkennen, ob jemand die Tür aufschließt oder gewaltsam öffnet – und eine Alarmmeldung aufs Handy schicken. „Wir wollen Ihnen das Geschehen in Ihrem Haus wahrnehmbar machen, als ob Sie selbst da wären“, sagt Oliver Diener, zuständig für die Produktentwicklung bei Gigaset.

Auch könnten die Sensoren protokollieren, wann der Sprössling von der Schule kommt oder die Oma das Medizinschränkchen öffnet – um sicherzugehen, dass sie ihre Medikamente nimmt. Das erste Einsteigerpaket will Gigaset in diesen Tagen für unter 200 Euro auf den Markt bringen.

Bei uns daheim warnen uns heute schon Funk-Rauchmelder von RWE per Handy, wenn ein Feuer ausbricht. Und sollten wir vergessen, das Bügeleisen auszuschalten, können wir ihm, dank der smarten Steckdosen von AVM, auch aus dem Zug noch die Stromversorgung kappen.

Unsichere Datenübermittlung

Doch bringt die Technik tatsächlich nur ein Mehr an Sicherheit, wie uns die Hersteller der Geräte glauben machen wollen? Ein Freund von mir bezweifelt das. „Eine WLAN-Kamera in der Wohnung?“, fragt er mich ungläubig: „Habt ihr keine Angst vor Hackern, die euch heimlich beobachten?“

Eigentlich nicht, antworte ich und verweise auf die Firewall unseres Internet-Zugangs. Doch ich beginne zu zweifeln. Vielleicht sind wir auch zu gutgläubig. Denn Datenschützer warnen: Jede Technik die mit dem Internet vernetzt ist, wird früher oder später von digitalen Angreifern attackiert. Und warum sollten Späher mithilfe von Prism & Co. eigentlich nur unsere E-Mails und Telefonate ausforschen?

Die Webcam, beschließe ich, bekommt Badezimmerverbot – mindestens. Und dass sie ihre Bilder nur über eine verschlüsselte Verbindung auf mein Handy überträgt, habe ich inzwischen auch überprüft. Das ist nicht selbstverständlich. Tatsächlich werden viele dieser Kameras ohne Spionageschutz oder nur mit einem Standardpasswort ausgeliefert.

Bei der Kommunikation untereinander endet die Gemeinsamkeit

Und das ist nicht die einzige Schwachstelle im vernetzten Heim, auf die wir stoßen. Nicht nur bei der Sicherheit kann es hapern, sondern auch bei der Verständigung der Geräte untereinander: Zwar kommunizieren alle mit unseren Smartphones, auf denen alle Informationen und Funktionen zusammenlaufen. Doch spätestens bei der Kommunikation der Geräte untereinander endet die Gemeinsamkeit.

Heizthermostat und Funksteckdose, WLAN-Lampe und Bewegungssensoren – alle nutzen verschiedene Funkstandards. Wer also Technik von unterschiedlichen Herstellern nutzen will, braucht für alles eigene Basisstationen. Wir haben derzeit vier davon im Wohnzimmer, jede grau, blinkend und knapp taschenbuchgroß.

Gemeinsame Gerätesprache

Die besten Produkte für das Multimedia-Heimnetzwerk
Yamaha NP-S2000Hochwertiger Netzwerkspieler von einem etablierten Hi-Fi-Spezialisten. Kein WLAN, nur mit Ethernet-Anschluss ausgerüstet. Das soll störungsfreies Streaming der Audiosignale garantieren. Empfängt Musikdaten von der NAS-Festplatte, vom CD-Player oder vom Internet-Radio, wenn er an einen Router angeschlossen ist. Ein puristischer Netzwerk-Spieler, der auf guten Klang optimiert ist. Die Steuerung über iPhone-App oder Android-Smartphone möglich. Preis: 1.300 Euro Yamaha NP-S2000 Quelle: Presse
Denon New CeolDie kleine Komplettanlage mit iPod-Dock und Lautsprechern spielt auch Musik vom PC oder NAS-Laufwerk ab. Die Audiosignale werden über Ethernet-Kabel oder Wi-Fi übertragen. Über den Internet-Router empfängt der New Ceol auch Webradio. CDs können ganz klassisch über den eingebauten CD-Player abgespielt werden. Daneben ist ein UKW-Tuner mit RDS an Bord. Ein guter Einstieg ins Heimnetzwerk. Preis: 599 Euro. Denon New Ceol Quelle: Presse
Pioneer N-50-KPioneers Netzwerk-Player empfängt die Musik aus allen verfügbaren Quellen, egal ob Netzwerk-Festplatte, USB-Speicher oder Internet-Radio. WLAN-fähig wird der Pioneer aber nur über einen optionalen Adapter. Das Gerät beherrscht auch die Wiedergabe hochauflösender Audiodateien mit 192 kHz/24-Bit. An die Vorderseite kann der Nutzer einen iPod oder ein iPhone via USB anschließen. Die Fernbedienungs-App gibt es für iOS und Android. Preis: In Onlineshops schon für 550 Euro erhältlich. Pioneer N-50-K Quelle: Presse
Cambridge Audio Stream Magic 6Der Netzwerkmusik-Spieler holt sich die Musik vom NAS-Server, vom PC, vom USB-Speicher und vom Internet-Radio. Das aufbereitete Audiosignal leitet er an den Receiver oder Verstärker der Stereonlage weiter. Eine App zum Fernsteuern des Players über iPhone oder Android-Smartphone ist ebenfalls erhältlich. Wer auch Musik vom Smartphone, Tablet-PC oder Laptop wiedergeben will, benötigt zusätzlich den Audioreceiver BT100, der die Audiodaten via Bluetooth empfängt. Die sogenannte Upsampling-Technik verbessert angeblich die Klangqualiät bei digitalen Audiosignalen. Über den USB-Eingang empfängt der Cambridge auch hochauflösende Musik mit 24 Bit/192 kHz auf, wie sie von Highend-Portalen wie Highresaudio angeboten werden. Preis: Der Stream Magic kostet 999 Euro, für den Audioreceicer sind 99 Euro zu berappen. Cambridge Audio Stream Magic 6 Quelle: Presse
Naim Super UnitiDer britische Hersteller Naim baut seine audiophilen Hi-Fi-Produkte auch in die Luxuslimousinen von Bentley ein. Nicht nur deshalb gehört Naim zu den begehrten Marken für Highend-Fans. Der Super Uniti ist ein vielseitiger Netzwerk-Player mit allen denkbaren Anschluss- und Wiedergabemöglichkeiten. Musik kommt von der NAS-Festplatte im Netzwerk vom iPod oder vom Webradio. Zusätzlich kann man DAB+- oder UKW-Radio hören. Der Super Uniti benötigt auch keinen externen Verstärker mehr, das Verstärkermodul mit 80 Watt pro Kanal ist schon eingebaut. Steuern lässt sich der Naim standesgemäß auch über ein iPhone, Android-Geräte werden leider nicht unterstützt. Naim bietet darüberhinaus auch sehr hochwertige Komponenten für Multiroom-Systeme. Preis: Das Gerät kostet 4.398 Euro. Naim Super Uniti Quelle: Presse
Pro-Ject Stream Box RSDer österreichische Hersteller Pro-Ject hat den Hi-Fi-Markt in den letzten Jahren mit Plattenspielern und kompakten Streaming-Clients aufgemischt. Die Stream Box des österreichischen Herstellers Pro-Ject verarbeitet Musik aus allen digitalen Quellen wie NAS-Laufwerk, USB-Speicher oder Internet-Radio. Die Übertragung erfolgt über WLAN, Netzwerkkabel oder über den USB-Anschluss. Auch CD-Player sind anschließbar. Liebhaber hochwertigen Klangs werden zu schätzen wissen, dass die Stream Box RS auch 24 Bit/192 kHz unterstützt, damit kann man dann auch die hochauflösenden Musik-Downloads aus dem Web abspielen. Gesteuert wird das Gerät über Mobilgeräte mit iOS oder Android. Dazu muss man vorher die entsprechende App installieren. Außerdem ist bereits ein Vorverstärker integriert. Preis: Die Box kostet 1499 Euro. Daneben hat der Hersteller aus Wien aber auch günstigere Varianten der Stream Box im Sortiment. Pro-Ject Stream Box RS Quelle: Presse
Teufel Raumfeld Speaker MIn den Zweiwege-Lautsprechern steckt eine komplette Stereoanlage mit Player und Verstärker. Die Musik kommt drahtlos über WLAN, entweder von der NAS-Festplatte oder über den WLAN-Router aus dem Internet-Radio. Auch eine USB-Festplatte oder ein klassischer CD-Player sind anschließbar. Daneben lässt sich die Musik übers iPhone oder Android-Smartphone übertragen. Die Bedienung erfolgt über eine App auf dem iPhone oder Android-Mobilgerät. Der Ausbau zum Multiroom-System ist möglich. Preis: Das System kostet 600 Euro. Teufel Raumfeld Speaker M Quelle: Presse

Einen Ansatz den Technik-Zoo zu bändigen, will die Deutsche Telekom in dieser Woche auf der IFA vorstellen. Qivicon heißt die Plattform, die es ermöglichen soll, Technik herstellerübergreifend zu steuern. Die Basisstation versteht mehrere Funkstandards und soll im September auf den Markt kommen. 24 Elektronikhersteller wollen Geräte dafür anbieten, weitere sollen folgen. So eine Idee verfolgt auch die EEBus-Initiative von gut 40 Unternehmen, die ihr Konzept ebenfalls in Berlin zeigt.

Wie wichtig eine gemeinsame Gerätesprache ist, zeigen die Computer- und Unterhaltungsindustrie. Dort scheiterte die Vernetzung von PCs, TV-Geräten und Hi-Fi-Anlagen über Jahre am Wildwuchs technischer Insellösungen. Erst seit sich die führenden Hersteller zur Digital Living Network Alliance DLNA verbündeten, ist das anders. Seither können die meisten Fernseher Videos von Computerfestplatten wiedergeben, Stereoanlagen Web-Radioprogramme aus dem Netz abrufen oder Tablet-Computer die auf dem Smartphone gespeicherten Bilder anzeigen.

Hersteller müssen sich schnell einigen

Damit die Heimvernetzung zum Massengeschäft wird, müssen sich die Hersteller möglichst rasch auf einen ähnlichen Standard einigen. Nicht nur deshalb erwarten Experten, dass künftig auch Spülmaschinen, Kühltruhen und Heizungen eine Lingua franca sprechen. Denn Haushaltsgeräte werden Teil des viel größeren intelligenten Stromnetzes. Eingebunden in dieses Smart Grid, sollen Waschmaschine und Trockner immer dann anspringen, wenn Solaranlagen und Windräder viel Strom liefern und Energie billig ist.

Noch sind Smart-Grid-Angebote rar. Doch im Kleinen funktioniert das schon. Entsprechend ausgerüstete Waschmaschinen oder Wäschetrockner des Hausgeräteproduzenten Miele aus Gütersloh lassen sich beispielsweise mit dem Energiemanager des Solartechnikspezialisten SMA aus Kassel koppeln. Wenn dessen Steuergerät meldet, dass das Solarmodul auf dem Dach volle Leistung bringt, rotiert die Trommel. Ist das Programm durchgelaufen, gibt’s eine Nachricht aufs Handy.

Bei all dem ist der Smartphone-Butler, der sich bloß meldet, wenn etwas passiert ist, wohl nur der Anfang. Glaubt man den Vordenkern der Smartphone-Branche, werden die Geräte immer mehr zu intelligenten Agenten, die eigenständig handeln.

Viele neue Möglichkeiten

Gadgets



Motorolas neues Handy Moto X ist ein Prototyp für diesen Trend. Einmal scharf gestellt hört das Smartphone seinem Besitzer ständig zu und reagiert auf Zuruf. Auf Wunsch recherchiert es dann nach Stichwörtern im Internet oder die Route zum nächsten Supermarkt.

Nicht mehr lange, und das Handy wird auch unsere vernetzten Geräte per Sprachbefehl steuern.

Manchen mag das abschrecken. Wir aber hätten gerne noch mehr ausprobiert: etwa die neuen Klimaanlagen des US-Anbieters Friedrich, die sich per App starten lassen; die Fensterscheiben vom Startup View Glass, die sich auf Smartphone-Befehl verdunkeln; oder Funkchips vom Hersteller Tile, die uns ermöglichen, Geldbörse oder Schlüssel per Handy zu orten.

Immerhin spart uns das vernetzte Leben jetzt Strom und Gas. Wir können Einbrecher auf frischer Tat ertappen und Pflanzen gießen, bevor sie die Blätter hängen lassen.

Nur eines müssen wir noch herausfinden, seitdem der Elektriker unsere Lichtschalter gegen Funk-Dimmer ausgetauscht hat: Wie wir das Licht im Flur auch ohne Smartphone wieder einschalten.

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