WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Vernetztes Haus wird Realität Handy wird zur Fernbedienung für Ihr Leben

Seite 3/6

Veto der besseren Hälfte

Pflanze-Freund: Blumen pflegen per Handy wie in einem Online-Spiel Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Die Idee, die Klemmen selbst nachzurüsten, scheitert allerdings am Veto meiner besseren Hälfte. „Spinnst du, du hast zwei linke Hände.“ Um Stromschlag und Beziehungskrise zu vermeiden, lenke ich meinen Tatendrang folglich auf weniger sensibles Terrain – und rüste den Haushalt mit einer Flut von Gadgets aus, die sich allesamt mit dem Smartphone verbinden.

Stück für Stück, scheint es, bekommt unsere Wohnung so etwas wie Sinnesorgane: Augen, Ohren und Nasen. Und das Smartphone ist ihr Gehirn.

Nun reicht ein Griff zum Handy auf der Nachtkommode, um unserer Kaffeemaschine noch vor dem Aufstehen den Brühbefehl zu übermitteln. Eine App des schwedischen Herstellers Scanomat ermöglicht es sogar, per Fingerstreich beim Topbrewer genannten Gerät einen Cappuchino, Espresso oder eine Latte macchiato zu ordern. Das funktioniert übrigens nicht nur aus der Waagerechten, sondern auch auf dem Heimweg. Dann steht der Muntermacher frisch gebrüht bereit, wenn man nach Hause kommt.

Für das gute Gefühl, dass zu Hause alles stimmt, sorgt die 240 Euro teure Cloud Camera 5222L mit WLAN-Modul vom taiwanischen Hersteller D-link. Sie observiert von unserem Kühlschrank aus Küche, Flur und Wohnzimmer und überträgt die Bilder live auf mein Handy.

Privatfernsehen mal anders

Ist der Herd ausgeschaltet? Was macht Paula? Habe ich den Umschlag mit meinen Dokumenten verloren oder nur auf dem Küchentisch liegen lassen? Per Steuertasten in der App richte ich das elektronische Auge auch vom Büro aus in die heimischen vier Wände. Privatfernsehen mal anders.

Die Technik eignet sich genauso gut, um einen prüfenden Blick auf den schlafenden Säugling, die hoffentlich eifrige Putzhilfe oder die inzwischen etwas angegrauten Vorfahren in deren Wohnung zu werfen.

Webcams und Apps ersetzen zwar keine persönlichen Kontakte, dennoch kann es die digitale Aufrüstung der Wohnung älteren Menschen ermöglichen, länger im vertrauten Umfeld zu leben. Assisted Living nennen Experten das – und setzen dabei auf allerlei Sensoren, die sogar erkennen, wenn jemand in seiner Wohnung stürzt, oder Alarm schlagen, wenn der Senior seine Herztabletten vergessen hat. Die vernetzte Technik baut dann auf Wunsch automatisch eine Verbindung zum Hausarzt auf, oder schickt eine Nachricht aufs Smartphone von Sohn oder Tochter.

Aus dem mahnenden Blick wird Mobile Health

Mich hingegen alarmiert seit Kurzem täglich die App unserer Badezimmerwaage, weil ich schon wieder das voreingestellte Wunschgewicht verfehlt habe. Targetscale heißt der digitale Besserwisser des Neusser Medizintechnikspezialisten Medisana.

Spätestens seit der Schrittzähler in meinem Telefon auch noch vorwurfsvoll meldet, wenn ich mich über Tag nicht genug bewege, grüble ich, ob das mit der universellen Vernetzung des Alltags wirklich eine so gute Idee war. Was früher der mahnende Blick der Gattin war, heißt heute Mobile Health.

Ein Grund für meine akute Trägheit ist auch die neue, per WLAN vernetzte Waschmaschine WF12F9E6P4W von Samsung. Ich kann sie schon auf dem Heimweg starten, damit die Wäsche fertig ist, wenn ich heimkomme. Auch schickt mir der Automat eine Meldung aufs Handy, wenn das Programm durchgelaufen ist. Das spart mir den mehrfachen Weg ins Bad, um nachzusehen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%