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Videospielmesse E3 in Los Angeles Ego-Shooter treffen auf die Trauer von Orlando

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Die neuen Mega-Konsolen

Es ist eine neue Realität, in der sich die Industrie zurechtfinden muss, die sich bereits in der Stagnation befindet. Laut der Marktforscher von NPD Group gaben 2015 die Konsumenten in den USA insgesamt 13,13 Milliarden Dollar für Konsolen-Hardware, Software und Zubehör aus, so viel wie im Vorjahr. Die Gewinne beim Zubehör wurden aber durch Verluste bei der Hardware in Höhe von vier Prozent wieder aufgezehrt.

Microsoft und Sony wollen mit neuen Spielekonsolen das Ruder wieder herumreißen und stellten nicht nur neue Spiele vor, sondern bereiteten die Industrie und die Spieler schon wieder auf neue Konsolen vor. Ein revolutionärer Schritt. Der traditionelle Zyklus zwischen zwei Generationen von Spielekonsolen beträgt zehn Jahre. Diese Sicherheit der Hardware dient Softwareentwicklern als Anreiz, Millionen von Dollar teure Spiele in der Gewissheit zu entwickeln, dass sie über viele Jahre hinweg verkauft werden können.

Microsoft und Sony stellen Neuheiten auf Spielemesse E3 vor

Doch die XboxOne von Microsoft und die PS4 von Sony sind erst seit 2013 auf dem Markt. Nun werden sie voraussichtlich Ende 2017, also nach nur vier Jahren, durch „Projekt Scorpio“ und die PS 4 Neo „ergänzt“. So proklamieren es jedenfalls die Hersteller. Alle Spiele für alte Konsolen werden auf den neuen laufen und umgekehrt, beteuern sie. Doch der Unmut bei Programmierern und Spielern ist mit der Hand zu greifen. Die neuen, hyper-realistischen Spiele mit den Möglichkeiten der virtuellen Realität werden eben nicht so toll auf den leistungsschwachen Vorgängern funktionieren, die in dem Glauben gekauft wurden, sie bleiben für ein Jahrzehnt State of the Art.

Doch der Markt erzwingt die schnelle Weiterentwicklung der Technik. Virtuelle Realität ist „The next big thing“ für die digitale Unterhaltungsindustrie, die durch den Vormarsch von billigen Smartphone-Spielen und „Free to Play“-Angeboten schwer unter Druck geraten ist. Aber bei der rechenintensiven Anwendungen mit virtueller Realität hat die schwachbrüstige mobile Konkurrenz nichts zu melden. Sony verspricht 50 VR-Spiele bis zum Jahresende auf dem Markt haben, die gerade noch mit der Leistung der alten Konsole PS4 auskommen werden. Das könnte viele der rund 40 Millionen PS-4-Besitzer weltweit dazu bewegen, eine der 400-Dollar teuren Brillen zu kaufen.

Was sich 2016 anbahnt, ist nicht weniger als ein kompletter Bruch mit der Art und Weise, wie mit Spielekonsolen Geld verdient wurde. Am Anfang subventionierter Verkauf der Hardware, um über zehn Jahre oder mehr mit Software und zunehmend auch Online-Angeboten das Geld zu verdienen. Wird die virtuelle Realität zum Erfolg, den sich die Branche erhofft, wird sicher wieder in vier Jahren die nächste Version fällig werden – noch schneller, noch stärker.

Die Frage ist nur, ob die Kunden das mitmachen werden. Smartphonehersteller wie Apple haben es geschafft, ihren Kunden einen Zweijahres-Rhythmus einzureden, in dem sie ihre Geräte erneuern müssen. Ob Sony und Microsoft das ebenfalls schaffen werden, steht in den Sternen.

Ein mahnendes Beispiel gibt es aus der TV-Welt. 3D-Fernseher waren Anfang des Jahrzehnts aus Herstellersicht die Zukunftsrenner. Doch die Kunden kauften einfach nicht. Sie behielten ihre „alten“ Flachfernseher. Heute sind 3D-Fernseher mausetot.

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