Virtual Reality Warum die Branche auf neuartige Filme setzt

Hollywood entwickelt das Kino der Zukunft: Videos, in denen sich der Zuschauer bewegen kann. Es soll sich bald wie Beamen anfühlen.

Virtual Reality: Astronaut Buzz Aldrin bestaunt sein eigenes Hologramm. Quelle: imago

Es ist kurz vor Sonnenuntergang auf dem Mars, und Buzz Aldrin ist ganz in seinem Element. In beiger Fliegerjacke steht der Apollo-Astronaut im roten Sand, hinter ihm erheben sich Gewächshäuser und Wohnkapseln, und Aldrin plaudert darüber, warum die Menschen eine Kolonie auf dem Nachbarplaneten bauen sollten. Das Ganze ist natürlich nur ein Film, die Marssiedlung eine Computeranimation. Das Besondere an „Cycling Pathways to Mars“: Der Zuschauer kann sich durch das Video bewegen wie durch einen echten Raum, eine Virtual-Reality-Brille macht das möglich.

Die zwölf Supertrends der Zukunft
Credit SuisseDer Schweizer Finanzdienstleister unterscheidet bei den Supertrends fünf verschiedene Themen-Bereiche: multipolare Welt, Infrastruktur, neue Technologien, Silver Economy (alles rund um die älter werdende Bevölkerung) und – als Gegenstück dazu – die Ziele der Millennials, der sogenannten Generation Y. Quelle: REUTERS
Trend 1: Verunsicherung der MittelschichtDer Brexit gilt als Symbol für die Verunsicherung der Mittelschicht. Diese ärgert sich laut der Credit-Suisse-Analyse immer mehr darüber, dass die Politik sich nicht ausreichend mit als wichtig empfundenen Problemen – wie unkontrollierter Einwanderung und Terrorismus – auseinandersetzt. Das hat dazu geführt, dass sich die Mittelschicht in vielen europäischen Ländern Veränderungen im politischen System wünscht – und beispielsweise in Großbritannien dem Brexit zustimmte. Die in den turbulenten vergangenen Monaten angetretenen neuen Regierungen wollen sich laut Wahlversprechen wieder mehr für die Mittelschicht einsetzen. Hier knüpfen die Empfehlungen der Credit Suisse an, auf welche technischen und wirtschaftlichen Supertrends Anleger aktuell ein besonderes Auge werfen sollten. Quelle: AP
Trend 2: Neue Jobs, höhere LöhneDie Credit Suisse tippt darauf, dass neue Regierungen in Europa versuchen werden, den Wohlstand der Mittelschicht wiederherzustellen. Dafür sollen neue Jobs geschaffen und das Lohnniveau gesteigert werden. Die Schweizer Bank rechnet aus diesem Grund mit einem Aufschwung für Sektoren und Firmen, die von dieser politischen Wiederentdeckung der Mittelschicht profitieren. Quelle: dpa
Trend 3: Sicherheit und VerteidigungDas Gleichgewicht verschiebt sich: Geopolitische Unsicherheiten und ein angespanntes Verhältnis zwischen den militärischen Schwergewichten USA, Russland und anderen führt laut der Studie dazu, dass Politiker ihren Fokus auf die Themen Sicherheit und Verteidigung legen werden – und auf die Konzerne, die sich um diese Bedürfnisse kümmern. Entsprechende Investments dürften sich auszahlen. Quelle: dpa
Trend 4: DrohnenNeben der Verteidigung spielt auch der Bevölkerungsschutz eine große Rolle. Laut Credit Suisse wird der Markt für entsprechende Produkte rapide wachsen. Das Aufspüren von Sprengsätzen und die Überwachung öffentlicher Plätze könnten in Zukunft von Drohnen, Robotern und künstlicher Intelligenz übernommen werden. Quelle: dpa
Trend 5: Investitionen in WachstumsmärkteNeue Wachstumsmärkte wie beispielsweise die Volksrepublik China sind auf der nächsten Entwicklungsstufe angekommen. Die Credit Suisse vermutet deshalb, dass gerade die dortigen Konsumenten zukünftig im Fokus stehen – ihrer Regierungen, aber auch der internationalen Anleger. Quelle: REUTERS
Trend 6: Heimische MärkteDie Bank ist sich außerdem sicher, dass nationale Firmen und Marken bei den Konsumenten wieder beliebter werden. Das ist aber nicht nur auf steigende Vertrauenswürdigkeit und sinkende Preise zurückzuführen. In einigen Ländern, wie etwa in Brasilien, schützen zudem strenge Auflagen den heimischen Markt vor Importen, etwa in der Arzneimittel-Branche. Quelle: dpa

Hinter dem neuen Clip steht das Start-up 8i aus Neuseeland. Die Filmemacher luden Raumfahrtlegende Aldrin, der 1969 zum Mond flog, in ein Studio, filmten ihn mit einer Vielzahl von Kameras aus allen Perspektiven und setzten die Aufnahmen zu einem lebensechten Hologramm zusammen. Kombiniert mit Computergrafiken, erschufen die Gründer eine Science-Fiction-Welt, die die Grenzen der Kinoleinwand sprengt.

Vielleicht ist es der Beginn einer ganz neuen Mediengattung. 2009 zeigte Hollywood mit dem Film „Avatar“, wie wuchtig Kinofilme wirken können, wenn sie mit 3-D-Kameras gefilmt werden. Und seit gut zwei Jahren kann jedermann mit 360-Grad-Kameras eine Szene in alle Richtungen filmen. Beide Techniken haben aber eine Beschränkung: Der Zuschauer kann sich, wenn er sich die Filme ansieht, nicht vom Fleck bewegen. Genau das sollen volumetrische Videos – so heißt das neue Genre – ändern. Zum ersten Mal werden Filme damit genauso interaktiv begehbar wie 3-D-Computerspiele.

Der Medienkonzern Time Warner ist von der Technik so begeistert, dass er kürzlich zusammen mit anderen Investoren 27 Millionen Dollar in 8i gesteckt hat. Und das US-Start-up Lytro, das an einer Spezialkamera für volumetrische Videos arbeitet, hat insgesamt 210 Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt. Sogar Konzerne wie Microsoft, Facebook, Intel und Sony investieren jetzt massiv in Kameras und Software, um die Welt in räumlicher Tiefe einzufangen.

Künftig begegnen wir Filmstars, Sportlern und Starmusikern als Hologrammen – und beamen uns an Orte, an denen wir noch nie waren oder die es so real gar nicht gibt.

Hochleistungscomputer und Lasersensor

Die Forscher experimentieren noch mit verschiedenen Technologien, um volumetrische Videos zu produzieren: 8i oder Microsoft verschmelzen am Rechner verschiedene Kameraperspektiven, um ein dreidimensionales Video von Menschen oder Gegenständen zu erzeugen. Das Start-up HypeVR dagegen kombiniert 14 hochauflösende Kameras mit einem Lasersensor, wie er auch in selbstfahrenden Autos steckt, um die Umgebung zu vermessen. Und Lytro setzt auf die Lichtfeldtechnologie: Dabei fängt ein Gitter aus optischen Linsen Lichtstrahlen aus verschiedenen Richtungen auf. Ein Computerprogramm kann aus den Informationen rekonstruieren, wo sich Gegenstände und Menschen im Raum befinden.

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