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Von Nullen und Einsen

Der irreparable Rechner

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Auf Kosten der Aufrüstbarkeit

MacBook Air von Apple Quelle: REUTERS

Da das Gerät wie erwähnt mit einem SSD-Speicher ausgestattet ist, der einen proprietären Steckverbinder hat, lässt sich während der Nutzungszeit zunächst kein Mehr an Plattenplatz einbauen - das geht nur mit externen Laufwerken. Schlecht ist auch, dass man im Falle eines Defekts der Maschine an sich nicht mehr so einfach an seine Daten kommt - zwar ist die SSD grundsätzlich entnehmbar, es gibt außerhalb Apples aber derzeit kein externes Gehäuse, mit dem sie lesbar wäre. (Bei einer Festplatte oder einer SSD mit Standardanschluss wäre das dagegen kein Problem.)

Immerhin ist zu erwarten, dass der Zubehörmarkt a) größere SSD-Speicher für die Maschine und b) vermutlich auch Gehäuse für die Module auf den Markt bringen wird. Da kann man Apple fast dankbar sein, dass die SSD nicht verlötet ist. Speichererweiterungen beim RAM fallen aus diesem Grund von vorne herein flach - außer man tauscht gleich die ganze Hauptplatine.

Flachheit hat ihren Preis

Warum macht Apple das alles? Die Firma bemüht sich trendgemäß, ihre Geräte möglichst flach und kompakt zu bauen. Tatsächlich ist das MacBook Pro mit Retina-Display fast so schmal wie der zuvor kompakteste Apple-Rechner MacBook Air. Damit das physikalisch klappt, kann der Computerkonzern offensichtlich nicht auf solch gewöhnliche Dinge wie Aufrüstbarkeit Rücksicht nehmen. Die riesige Batterie des neuen MacBook Pro mit Retina-Display ist hier ein gutes Beispiel: Die passt nur ins Gehäuse, weil sie in einzelne Module zerlegt wurde, die dann über die gesamte Gerätebreite verteilt werden können.

Säße der Energiespeicher dagegen in einem entnehmbaren Gehäuse, ginge es vermutlich bei weitem nicht so kompakt. Auch beim RAM würde eine zusätzliche Wartungstür zum Austausch vermutlich zu viel Platz wegnehmen. Und weil die Kunden eben offenbar den Faktor "flach" stärker honorieren als den Faktor "aufrüstbar", baut Apple die Maschinen eben so.

Gadgets



Bliebe da dann noch die große Recycling-Frage: Ist das neue Retina-MacBook Pro in spätestens zehn Jahren in großer Stückzahl auf wilden Müllkippen in Afrika zu finden? Wenn man Apple glaubt, hat die Firma in den meisten Ländern ein adäquates Rücknahmeprogramm etabliert. Das ist allerdings auch bitter nötig, weil das Vernageln, Verkleben und Verschrauben - letzteres übrigens mit Spezialbauteilen, für die man einen Extra-Schraubendreher braucht - dazu führt, dass Otto-Normal-Recyclinghof vermutlich verzweifeln würde.

Allein die saubere Trennung von Akku und Alugehäuse dürfte einen in Sachen Gefahrgut geschulten Fachmann benötigen, denn mit gerissenen Zellen ist nicht zu spaßen. Sind diese Prozesse aber vorhanden - etwa auch, um das Display in mühevoller Kleinarbeit vom Alugehäuse zu lösen - dürfte das Recycling durchaus funktionieren. Wenn auch eben nicht besonders einfach. Flachheit hat eben ihren Preis. Diese Politik werden Firmen wie Apple nur ändern, wenn auch die Kundschaft nicht mehr zugreift.

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