Von Nullen und Einsen

Googles glänzender Chrome

Quasi über Nacht hat sich der Suchmaschinenkonzern eine Top-Position im Browser-Markt gesichert. Nun gibt er auch mobil Gas - auf allen wichtigen Plattformen.

Sundar Pichai Quelle: REUTERS

Google bringt einen eigenen Browser auf den Markt? Als die Nachricht im September 2008 die Runde durch die Techszene machte, wurde der Online-Gigant zunächst mit viel Skepsis empfangen. Damals beherrschte Microsofts Internet Explorer den Markt, gefolgt von einem massiv erstarkten Mozilla Firefox. Apple hatte zudem mit Safari auf jedem Mac und jedem iPhone ein eigenes Web-Surfbrett am Start - und wer es ganz ausgefallen mochte, griff eben zum norwegischen Opera-Browser. Es schien, als ob es weder einen vorhandenen Bedarf noch irgendeinen vernünftigen wirtschaftlichen Grund für Google gab, sich in dieses überlaufene Geschäft zu begeben.

Die größten Flops von Google
Google Quelle: dpa
Google Videos Quelle: Screenshot
Google X Quelle: Screenshot
Larry Page Quelle: REUTERS
KnolZu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer? Quelle: Screenshot
Google WaveNach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.  
LivelyAls der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen. Quelle: Screenshot

Und dann kamen auch gleich die Bedenken: Wie konnten Nutzer, die der größten Suchmaschine der Welt sowieso schon zu viele ihrer intimsten Gedanken anvertrauten, dem Unternehmen nun auch noch ihre Surf-Daten übermitteln? Und tatsächlich sorgte Chrome anfangs bei Datenschützern für Entsetzen. Die neue Suchleiste gab jedes eingetippte Zeichen sofort an die Konzernserver durch (um Suchvorschläge zu machen, wie sich herausstellte). Jeder Browser verfügte über eine eigene ID-Nummer (die sich abdrehen ließ). "Wir befürchten, dass Chrome nur ein weiteres gigantisches Förderband darstellt, über das private Informationen zu unserer Web-Nutzung in Googles Datenspeicher geschafft werden sollen", kommentierte die Netzbürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnte vor den potenziellen Gefahren, die die Betaversion eines solchen neuartigen Browsers mit sich bringen könnte.

Knapp hinter Firefox

Mittlerweile hat Google die vielen Chrome-Kritiker eines Besseren belehrt. Firefox schwächelt und passte seinen Entwicklungsprozess dem Internet-Konzern an, mittlerweile betreibt das Browser-Projekt sogar eine Form von Mimikry. In der weltweiten Browserstatistik nach NetMarketshare landet Chrome mit erstaunlichen 17,46 Prozent mittlerweile knapp hinter Firefox, in anderen Regionen wurde der einzige Branchenprimus bereits eingeholt. Nur Microsofts Internet Explorer hält sich dank seiner diversen parallel genutzten Versionen weltweit noch vorne. In Deutschland verdoppelte der Google-Browser seine Nutzerschaft innerhalb eines Jahres mal eben.

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