Von Nullen und Einsen

Mit dem Smartphone auf Reisen

Papiertickets, daumendicke Reiseführer und Stadtpläne sind out. Dank Smartphone und mobiler Datenverbindung fühlt sich der moderne Reisende auch in unbekannten Metropolen nicht mehr verloren. Ein Selbstversuch.

Dank moderner Smartphones muss sich niemand mehr in einer fremden Stadt verloren fühlen: Apps, Kartendienste und andere mobile Hilfen erleichtern das Reisendenleben Quelle: REUTERS

Neulich musste ich aus geschäftlichen Gründen in die britische Hauptstadt. Um den London-Trip etwas spannender zu machen, entschloss ich mich, bei der Tour so wenig Papier wie möglich mitzuführen und mich stattdessen so gut es geht auf mein Smartphone, in diesem Fall ein iPhone 4S, zu verlassen. Das klappte mit Abstrichen erstaunlich gut.

Frühmorgens an einer S-Bahn-Station in Berlin. Ich besteige den Zug Richtung Flughafen - und muss mir gleich eingestehen, dass ich kurzzeitig in die analoge Welt abgedriftet bin: Das Ticket, mit dem ich fahre, ist aus Papier, weil vom Vortag noch ein Mehrfahrtenschein übrig geblieben war. Grundsätzlich wäre es aber auch elektronisch gegangen: An der Spree lässt sich der Touch & Travel-Bezahldienst von Deutscher Bahn und Verkehrsverbund nutzen, auch wenn man den bislang noch immer nicht in jedem Mobilnetz verwenden kann.

Am Flughafen angekommen, begehe ich meine zweite papierne Sünde: Ich hole die kurz vor der Abreise noch eilig ausgedruckten Din-A4-Bordkarten heraus. Der Grund: Meine Billig-Airline unterstützt bislang weder digitale Tickets per App noch Apples Kartensammelstelle Passbook, die dafür eigentlich ideal gewesen wäre.

Nach Check-in und kurzer Wartezeit - die Fluggesellschaft ruft das Gate mal wieder erst wenige Minuten vor dem Abflug auf - sitze ich auf meinem engen Platz und hole während der Cruising-Phase mein iPhone hervor. Bei den Apps habe ich mich gut vorbereitet. So ist die Reise generalstabsmäßig mit einer To-Do-Liste in der praktischen "Getting Things Done"-Applikation OmniFocus (18 Euro) geplant, damit ich auch nichts vergesse. Um mich in Londons überlaufenem Nahverkehrssystem zurechtzufinden, habe ich mir das Programm London Transport besorgt. Die dafür fälligen 4 Euro 50 werden sich schnell rentieren, wie ich später erlebe. Um etwas zu schmökern zu haben, ist auch noch der aktuelle Lonely-Planet-Reiseführer für die britische Hauptstadt auf dem iPhone [--] für 3 Euro 60 im Vergleich zur Paperbackversion geradezu ein Schnäppchen.

Die besten Apps für unterwegs
TAXOMETER errechnet den Fahrpreis, noch bevor Reisende ihr Taxi bestellen. So können Eilige besser entscheiden, ob ihnen die Fahrt das Geld wert ist. Wenn ja, lässt sich it er App per Taxiruf ein Fahrzeug bestellen. Für iOs Quelle: dpa
FLINC ist eine mobile Mitfahrzentrale. Autofahrer können ihre Reiseziele eingeben. Wer eine Mitfahrgelegenheit dorthin sucht, bekommt das auf dem Handy angezeigt. Bestätigt er, wird der Fahrer per Navi zu ihm geleitet. Für iOs, PC Quelle: AP
TRAPSTER zeigt Radarfallen und Ampelblitzer an und warnt Autofahrer, die sich ihnen nähern. Nutzer können zudem Blitzer und Laserfallen melden und so andere Verkehrsteilnehmer warnen. Für Android, Blackberry, webOS, Windows Phone Quelle: dpa
DB-NAVIGATOR ist die App der Deutschen Bahn, mit der Reisende Verbindungen suchen und Tickets buchen können. Zudem sehen sie, wo sich ihr Zug befindet und ob er Verspätung hat. Für Android, iOs, Symbian, webOS, Windows Phone Quelle: dapd
AIR BERLIN bietet eine App, mit der Passagiere Flüge buchen, einchecken und das Flugzeug boarden können. Zudem lassen sich gebuchte Flüge sowie das Meilenkonto einsehen. Vielflieger bekommen mit dem App Zugang zur Lounge. Für iOS Quelle: dpa
LUFTHANSA ähnelt mit ihrem App-Angebot dem von Air Berlin. Allerdings bietet die Software auch noch Informationen zu wichtigen Zielen - und sie läuft auf mehr Handyplattformen. Für Android, Blackberry, iOs, Symbian Quelle: dapd
MBRACE des Autoherstellers Daimler bietet einen Ausblick auf die Vernetzung von Auto und mobilem Internet. Die US-App erlaubt es Nutzern, ihren Mercedes per Handy zu ver- oder entriegeln und mit dem Navi zu interagieren. Für Blackberry, iOS Quelle: AP

Vorbereitende Maßnahmen

Ansonsten will ich mit den Werkzeugen arbeiten, die sowieso standardmäßig auf dem iPhone sind: Apples viel geschmähter neuer Karten-App sowie mit dem eingebauten mobilen Safari-Browser. Für diesen habe ich mir extra einen Link auf Google Maps gesetzt, sollte der Original-Apfel-Dienst wirklich versagen.

Eine weitere vorbereitende Maßnahme hatte ich noch am Vortag getroffen: Ein Auslandsdatenpaket meines Mobilfunkanbieters gebucht, das mir immerhin 100 Megabyte geben soll. Reicht das nicht aus, bin ich mit schlappen 49 Cent pro Megabyte dabei - das kann schnell teuer werden. Aber zum Glück soll es in London ja diverse WLAN-Netze geben.

Als die Maschine schließlich in Gatwick aufsetzt, freue ich mich, wieder etwas Beinfreiheit zu bekommen. Den schier endlosen Weg zu Ausgang verbringe ich damit, Papierticket drei von vier (ja, ein weiteres kommt noch in dieser Geschichte vor...) aus der Jacke zu fummeln. Es handelt sich um eine per Internet vorausbezahlte Fahrkarte für den Flughafen-Expresszug, bei dem sich auch noch einige Prozente sparen ließen. Den Barcode auf dem Papier nutze ich, um in den Bahnhofsbereich einzutreten und diesen an der Ankunftsstelle wieder zu verlassen.

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