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Von Nullen und Einsen

Woran beim neuen Google-Tablet geknausert wurde

Google will mit seinem Luxus-Touchscreen-Rechner Apples bekannt schicken Notebooks Konkurrenz machen. Das könnte fast gelingen, wären da nicht die Software, der Preis und einige merkwürdige Hardware-Entscheidungen.

Mit dem Chromebook Pixel hat der Suchmaschinenriese ein eigenes High-End-Notebook mit hochauflösendem Touchscreen vorgestellt. Quelle: AP/dpa

Im Grunde klingt die Idee hinter Chrome OS ja charmant: Da heutzutage sowieso fast jedes Programm irgendeine wichtige Komponente ins Internet auslagert, kann man auch gleich das gesamte Betriebssystem vom Netzzugang abhängig machen. Statt riesigen Festplatten reichen dann kleine, schnelle SSD-Flashspeicher für die Datensicherung, weil der Rest der Informationen in der Cloud liegt - und auch der Hauptprozessor muss nicht mehr Geschwindigkeitsrekorde schlagen, weil rechenintensive Aufgaben ganz einfach auf externe Server im Internet ausgelagert werden. Gleichzeitig können Nutzer mit wenigen Handgriffen die Maschine wechseln, weil die jeweils aktuellsten Daten einfach aus dem Internet heruntergeladen werden - echtes Cloud Computing eben.

Dinge, die Google lieber geheim halten will
Google hat den Tablet-Markt verschlafenGoogles erster eigener Tablet-PC, das Nexus 7 (Foto), kam erst diesen Juli auf dem Markt. Damit schiebt sich Google in ein Terrain, auf dem sich schon einige Platzhirsche drängeln: Apple, Samsung, Amazon. Google wird es schwer haben, sich als Neuling unter diesen etablierten Anbietern  zu behaupten. Quelle: dpa
Google verschleiert seine DatensammeleiGoogle besitzt zwar eine Datenschutzrichtlinie, diese wird jedoch von der Europäischen Union bemängelt. Danach fehlen wichtige Informationen und eindeutige Formulierungen. So steht in der Datenschutzrichtlinie nicht deutlich, was das Unternehmen mit den Infos der User macht. Außerdem informiert Google nicht darüber, wie lange es bestimmte Informationen, wie Aufenthaltsorte, speichert. Quelle: dapd
Bei der Android-Vielfalt verzichten Hersteller auf UpdatesDas Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-PCs gibt es für hunderte verschiedene Modelle. Das wirkt sich negativ auf das Update-Verhalten der Hersteller von Endgeräten aus. Seit der Android-Einführung 2008 gab es zehn verschiedene Updates. Diese müssen die Hersteller auf jedes ihrer einzelnen Smartphone- und Tablet-Modelle anpassen. Das ist aufwendig, wodurch die neuen Versionen meist unter den Tisch fallen lassen werden. Derzeit ist Android 2.3 von Dezember 2010 immer noch die am meisten verbreitetste Version. Quelle: dapd
Der Aufwand ist zu groß, unerwünschte Suchergebnisse zu löschenEs kommt vor, dass Menschen bei Google etwas über sich persönlich finden, was sie dort nicht gerne sehen. Dagegen etwas zu unternehmen, ist schwierig. Die Suchergebnisse basieren auf berechneten Algorithmen. Je öfter etwas im Internet erwähnt wird, desto eher findet man es bei Google. Es ist sehr aufwendig, etwas aus den Google-Ergebnissen zu löschen und meist mit rechtlichen Schritten verbunden. Dabei muss vor allem erst der Text, das Bild oder das Video von dem Server gelöscht werden, auf den die Information gespielt wurde. Dann kann es noch bis zu neun Monate dauern, ehe die Info auch aus der Google-Suche verschwindet. Quelle: dpa
Apple-Maps könnte Google bald einholenApple hat sich entschieden beim neuen iPhone 5 (Foto) auf die vorinstallierte Google-Maps-App zu verzichten. Stattdessen findet sich auf dem Handy ein eigenes Kartenprogramm. Die weist im Vergleich zu Google Maps war einige Schwächen auf, doch Experten sind sich sicher, dass Apple bald nachlegen wird – und Google so einholen oder gar überholen könnte. Quelle: REUTERS
Die Arbeit der Google-AngestelltenVolleyballplatz, Bowlingbahn, Gemüsegarten – das Google-Hauptquartier bietet zahlreiche Annehmlichkeiten. Mit ähnlichen Dingen warten auch manche europäische Zweigstellen auf. Experten werfen dem Unternehmen vor, so Mitarbeiter länger an ihrem Arbeitsplatz halten zu wollen und zu Überstunden zu bewegen. Quelle: dapd
Google steht beim Online-Shopping hinten anGoogle ist bei Online-Shoppern nicht die erste Wahl. Laut einer Studie von Forrester Research hat fast ein Drittel der Konsumenten bei ihrem letzten Online-Einkauf als erste Adresse Amazon (Foto) angesteuert. Bei Google waren es gerade mal 13 Prozent. Quelle: dpa

Trotzdem hat sich Googles hauseigenes Betriebssystem bislang nur schleppend durchgesetzt. Im kommenden Juli ist die Vorstellung der Technik vier Jahre alt, von einer breiten Marktdurchdringung kann aber keine Rede sein. Da gilt schon als große Nachricht, wenn der Anteil an verkauften Notebooks bei einer britischen Elektrokette bei zehn Prozent liegt - aber nur, wenn die Läden über eine eigene "Chrome Zone"-Verkaufsfläche verfügen.

Letzter Schrei in Sachen Chrome OS ist nun das Chromebook Pixel, Googles erster eigener Luxus-Touchscreen-Rechner. Und tatsächlich sieht die Maschine sehr sexy aus. Der schnörkellose 13-Zöller übertrumpft mit 2560 mal 1700 Bildpunkten sogar die knackig scharfe Auflösung von Apples Retina-MacBook Pro gleicher Größe um immerhin 100 Pixel und ist in einen soliden Block Aluminium gefasst. Ein LTE-Modem ist eingebaut, so dass man (fast) nie ohne Netzzugang ist, die Tastatur verfügt über eine Hintergrundbeleuchtung, das Touchpad besteht aus schickem Glas.

Beim Innenleben hat Google allerdings etwas geknausert. An Speicher gibt es maximal 4 Gigabyte und auch Intels Core i5-Prozessor mit 1,8 GHz sowie die integrierte Grafik gehören nicht zu den allerschnellsten. Auch die Speicherausstattung ist mit 32 beziehungsweise maximal 64 GByte eher Tablet- denn Notebook-like. Mit von Google angegebenen fünf Stunden "aktiver Benutzung" im Akkubetrieb und einem Gewicht von immerhin 1,52 Kilogramm ist das Chromebook Pixel zudem kein Ausbund an Portabilität.

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