Warten auf das nächste große Ding Apple hat den Innovationswahn nicht nötig

In den vergangenen Monaten schreien Analysten, vermeintliche Experten und die Konkurrenz um die Wette, wenn es um die "Innovationslosigkeit" von Apple geht. Warum der Druck übertrieben ist.

Apple-Chef Tim Cook wird vorgeworfen, dass das Unternehmen unter ihm seine Innovationskraft verliert. Quelle: AP

Analysten und vermeintliche Experten warten seit Jahren ungeduldig darauf, dass Apple mit einem neuen Produkt endlich wieder die IT-Branche aufmischt. Konzern-Chef Tim Cook gerät unter den Forderungen immer mehr unter Druck. Angeblich soll der Apple-Aufsichtsrat nun auf den Zug der Nörgler aufspringen und ebenfalls Innovationen vermissen. Bei einem genaueren Blick auf die Situation des Unternehmens wird jedoch deutlich, wie wenig berechtigt die Forderungen nach der Marktrevolution sind.

Da ist zunächst die Kritik an Tim Cook: Seit dem ersten Tag als neuer Apple-Chef war klar, dass die Nachfolge Steve Jobs eine Mammutaufgabe werden würde. Zwei Jahre später hat Cook sich in der Branche den Ruf als "Updater" erarbeitet. Apples Premiumprodukte iPhone, iPad, iMac und Co erhalten unter ihm eine Erneuerung nach der anderen. Ein komplett neues Produkt hat er bisher jedoch nicht auf den Markt gebracht. Das wird Cook gerne vorgeworfen.

Dabei waren er und Jobs ein eingespieltes Team, die gemeinsam mit hunderten Ingenieuren an neuen Innovationen arbeiteten. Jobs warb Tim Cook persönlich 1998 kurz nach seiner Rückkehr in das Unternehmen an. Der Chef übernahm die Kommunikation nach außen und gab Impulse in das Unternehmen, während der öffentlichkeitsscheue Maschinenbauer Cook der Denker hinter dem Präsentator war.

Die Geschichte von Apple
24.02.1955Steve Jobs wird in San Francisco geboren und von seiner Mutter Joanne Simpson zur Adoption freigegeben. Paul und Clara Jobs adoptieren das Baby. Quelle: dpa
1972Steve Jobs entdeckt am liberalen Reed College in Portland seine Liebe zu Design. Quelle: reuters
1974Der 19jährige Jobs heuert bei der Computerfirma Atari an, um Geld für eine Reise nach Indien zu verdienen. Auf seiner späteren Reise wird er zum Buddhisten und Veganer. Quelle: dpa
1976Gemeinsam mit Steve Wozniak (rechts) und Ronald Wayne gründet Steve Jobs am 1. Apri 1976 Apple Computer. Erster Geldgeber ist der ehemalige Intel-Manager Mike Markkula. Wayne steigt nach ein paar Wochen aus, weil Jobs angeblich mit vollen Händen das Geld ausgibt. Quelle: dpa
1977Apple stellt auf einer Computermesse den Heimcomputer Apple II vor. Im ersten Jahr werden 2500 Stück verkauft, im Folgejahr schon 8000 und darauf über 30.000 Exemplare. Quelle: AP
1978 - 1980Im Jahre 1978 wird Steve Jobs Tochter Lisa Brennan Jobs geboren. Zwei Jahre später geht Apple mit einem Jahresumsatz von 118 Millionen US-Dollar an die Börse und macht den 25jährigen Jobs zum Multimillionär mit einem Vermögen von rund 200 Millionen US-Dollar. Quelle: AP
1982 - 19841982 holt Jobs den deutschen Designer Hartmut Esslinger und sein Team nach Kalifornien, um das Aussehen der Apple Computer neu zu definieren. Der Apple Macintosh von 1984 ist seitdem ein Stück Designgeschichte. Quelle: dpa
1985Krise bei Apple. Jobs sucht den Machtkampf mit CEO John Sculley, der in Jobs Rauswurf endet. Quelle: dpa
1985Im Jahr 1985 gründet Steve Jobs mit ehemaligen Apple-Mitarbeitern die Computerfirma Next Computer, die eine Workstation entwickelt. Das Startup wird sofort von Apple verklagt. Next ist in Technik und Design seiner Zeit voraus, allerdings so teuer, dass nur ein paar zehntausend Computer verkauft werden. Schließlich wird die Hardwareproduktion eingestellt und nur noch Software entwickelt. Quelle: REUTERS
1986Steve Jobs kauft Starwars-Schöpfer George Lucas für zehn Millionen Dollar dessen Abteilung für Computergrafik ab, die aus Lucasfilm herausgelöst wird. Das Unternehmen wird später in Pixar umbenannt. Es steht mehrmals kurz vor der Pleite, bis Mitte der neunziger Jahre der Durchbruch mit preisgekrönten Trickfilmen gelingt. Pixar wird zur Legende und im Januar 2006 für 7,4 Milliarden Dollar in Aktien an Disney verkauft. Jobs wird damit zum größten Einzelaktionär des Medienkonzerns. Quelle: AP
1991Steve Jobs heiratet Laurene Powell, die er während einer Rede an der Stanford Unversität im Publikum entdeckt. Das Paar hat einen Sohn – Reed - und zwei Töchter – Erin und Eve. Quelle: AP
1995Weltbekannt durch seinen Trickfilm Toy Story und einen Vertriebsvertrag mit Disney geht Pixar im November an die Börse. Jobs ist auf dem Papier nun rund 1,5 Milliarden Dollar wert. Quelle: AP
1996Wegen minimaler Anteile im PC-Geschäft und zu hohen Entwicklungskosten ist Apple so stark in der Krise, dass die finanziellen Mittel knapp werden. Das Unternehmen kauft Jobs NextComputer für 429 Millionen Dollar und holt mit der Akquise Jobs zurück. Quelle: AP
1997Eine folgenreiche Entscheidung, die sich für Apple kurz- und langfristig von zentraler Bedeutung herausstellen wird: Steve Jobs macht den Briten Jonathan Ive zum Chefdesigner von Apple. Quelle: AP
1998Jobs und Ive stellen im Mai den iMac vor, der mit seinem modernen, farbenfrohen Design viel Aufmerksamkeit auf Apple lenkt. Quelle: AP
1999Mit dem iBook folgt eine farbenfrohe Notebook-Version des erfolgreichen iMac. Quelle: AP
20012001 eröffnet Apple den ersten Apple Store im US-Bundesstat Virgina. Im Oktober wird der MP3-Spieler iPod vor, der zum am schnellsten verkauften Unterhaltungselektronikprodukt aufsteigt. Weiterhin stellt sich Apple rund um die sogenannte Digital Hub Strategie auf, in dem der Computer als die zentrale Station für das Konsumieren von digitalen Medien fungiert. Quelle: AP
2004Steve Jobs erhält die Diagnose auf Bauchspeicheldrüsenkrebs und nimmt eine erste gesundheitliche Auszeit. Quelle: Rtr
2006Jobs entschuldigt sich bei seinen Aktionären für das Rückdatieren von Aktienoptionen zwischen 1997 und 2002. Der langjährige Finanzchef Fred Anderson muss gehen. Quelle: rtr
Steve Jobs mit dem ersten iPhone Quelle: AP

Im Doppelpack brachten Jobs und Cook über Jahre etliche neue Produkte auf den Markt. Gleich 1998 präsentierte Jobs den ersten iMac mit buntem Plastikgehäuse. Es war der erste Mac mit einem USB- und SCSI-Anschluss, der auf ein Floppy-Disk-Laufwerk verzichtete. Apple brachte der PC nach Jahren der Flaute endlich wieder Gewinne ein. Danach baute der Konzern die Produktpalette kontinuierlich aus: 1999 kamen das iBook und der Power Mac G4 heraus, kurz darauf folgten das Betriebssystem OS X und der iPod. Dann gönnte sich das Unternehmen eine kreative Pause. Sechs Jahre gab es keinen neuen großen Wurf. Doch dann folgten binnen zwei Jahren das MacBook Pro und schließlich das iPhone.

Die Konkurrenz war damit um Lichtjahre abgeschlagen. Es war die Zeit, in der der damalige Marktführer Nokia erst das Klapphandy und dann den Trend zum Smartphone verschlafen hatte. Die Finnen hatten zwar schon erste Smartphones am Markt, doch neben dem Rundum-Paket von iPod, Internetgerät und Telefon sahen die Finnen schlecht aus. In ihrer Verzweiflung schoss die Chefetage in etlichen Interviews immer wieder trotzig gegen Apple. Ähnlich erging es anderen Anbietern. Auch LG hatte bereits ein Smartphone mit Riesen-Display statt Tastatur in der Mache – und es sogar Monate vor Apple präsentiert. Doch durchgesetzt hat sich am Ende das iPhone, erst Jahre später gelang es der Konkurrenz, Boden gut zu machen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%