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Wearable Computer Der Computer am Handgelenk

Seit es Digitaluhren gibt, gibt es die Idee, auch Computer am Arm zu tragen. Mit Projekten wie SmartWatch, Pebble und einer Google-Variante wird sie nun Wirklichkeit.

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Smartphones sind wie Schweizer Taschenmesser, sie vereinen viele Funktionen anderer Geräte. Beispielsweise die von Uhren. Doch das Konzept, Informationen am Handgelenk mit sich zu tragen, ist deshalb noch lange nicht tot. Mehrere Konzerne denken darüber nach, wie sich Computer und Armbanduhr – beziehungsweise Computer und Armband – miteinander verbinden lassen.

Wearable Computing lautet der Gattungsbegriff, tragbare Rechner. Denn so beeindruckend die Fähigkeiten von Smartphones und Tablets sind, sie haben alle ein Manko: Man muss sie in die Hand nehmen, um sie bedienen zu können. Im nächsten Entwicklungsschritt soll das anders werden.

Tragbare Rechner seien das nächste große Ding, hat Nick Bilton im Bits-Blog der New York Times vor einigen Wochen geschrieben, viele Konzerne arbeiteten daran.

Das weckt Erinnerungen. Ende der achtziger Jahre waren Casio-Uhren der Serie Data Bank geradezu ein Fetisch. Die Digitaluhren hatten einen Taschenrechner, einen Terminkalender und ein Adressbuch zum Speichern von Telefonnummern. Sie waren klotzig und ihr Nerd-Charme war unabstreitbar, trotzdem galten sie als praktisch und schick.

Die Highlights der CES 2013
Thierry Dechathre, Geschäftsführer der französischen Firma BeeWi, führt einen kleinen Spielzeug-Helikopter vor, der via Bluetooth mit dem Handy oder Tablet gesteuert werden kann. Quelle: dpa
PR-Referentin Vanessa Fusco präsentiert den neuen Lenovo Idea Pad Yoga 11S Computer. Das Yoga 11 soll der schlankeste Multimode-PC der Welt sein und bietet vier Modi: Notebook, Tablet, Stand und Zelt. Außerdem verfügt das Gerät über 13 Stunden Akkulaufzeit, 10-Punkte-Multitouch-Display und einer 360-Grad-Drehflexibilität. Quelle: dpa
Ein Journalist testet den neuen 3D-Fernseher "LG 84 LM9600 84 Zoll HD TV". Der Fernseher verfügt über eine vier mal höhere Auflösung als herkömmliche HD-Fernseher. Quelle: dpa
John Noonan vom Unternehmen Liquid Image zeigt eine Ski-Brille mit eingebauter Kamera. Der Apparat filmt Videos in HD-Qualität, die per Bluetooh heruntergeladen werden können. Quelle: dpa
Nicholas Halftermeyer (links) vom französischen Unternehmen Parrot zeigt einem Journalisten, wie das "Flower Power-Gerät" zur Überwachung von Grünpflanzen funktioniert. Einfach das Y-förmige Gerät in die Blumenerde stecken. Dann muss das Gerät nur noch mit dem iPhone oder iPad verbunden werden. "Flower Power" erkennt die Pflanze aufgrund einer integrierten Datenbank, die 6000 Einträge umfasst. Und schon lässt sich der Wasserversorgung von jedem Ort kontrollieren. Quelle: dpa
Die zwölf Knöpfe umfassende Mouse Gila GX hat das Unternehmen Genius extra für Gamer angefertigt. Die außerordentlich präzise Mouse kann so bis zu 72 Befehle entgegen nehmen und soll 99 US-Dollar kosten. Quelle: REUTERS
Eine japanische Journalistin probiert die digitale Gabel HAPIfork aus. Die Gabel zählt, wie oft die Gabel pro Minute zum Mund geführt wurde und warnt den Essenden mit einer leichten Vibration, wenn zu schnell gefuttert wird. Quelle: REUTERS

Lösen Smartwatches die Smartphones ab?

Bereits seit dem vergangenen Jahr ist die sogenannte SmartWatch von Sony auf dem Markt. Über Bluetooth und eine kostenlose App lässt sie sich mit Android-Smartphones vernetzen und zeigt dann beispielsweise den Wetterbericht und neue E-Mails an. Mit ihr kann auch die Musikauswahl gesteuert oder ein Like bei Facebook gepostet werden.

Verschiedene Firmen nutzen dieses Konzept und setzen eine Armbanduhr als Steuergerät für den eigentlichen Computer in der Hosentasche ein. Das neueste Projekt ist Pebble. Die Entwickler hatten bei Kickstarter überraschend 10 Millionen Dollar eingesammelt und daraufhin den Verkaufsbeginn verschoben, weil sie plötzlich 85 Mal mehr Uhren produzieren mussten, als ursprünglich geplant. Nun aber soll Pebble kommen. Zumindest will sich die Firma am Dienstag auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas äußern. Überschrieben ist der Termin mit den Worten "it's time".

Gerüchte um die "iWatch"

Die Tops und Flops der CES
Höchstens ein Teilerfolg sind 3D-Fernseher: Im Kino setzen sich zwar viele Zuschauer für räumliche Bilder gerne die Brillen auf die Nase, im heimischen Wohnzimmer passiert das aber noch selten. Zwar enthalten mittlerweile viele hochwertige Geräte diese Funktion, doch es fehlt noch an Inhalten. Das große Trendthema der CES 2010 hat sich somit als Flop entpuppt. Quelle: dpa
Große Erfolge verbuchten die PC-Hersteller mit Netbooks – allerdings nicht sehr lange. Die kleinen und billigen Notebooks, 2009 bei der CES und später auf der CeBIT heiß diskutiert, sind praktisch wieder verschwunden, auch der Pionier Asus will sich aus dem Markt zurückziehen. Den Billigrechnern heizt vor allem das iPad ein – übrigens ein Gerät, das Apple nicht in Las Vegas, sondern bei einer eigenen Veranstaltung präsentierte. Quelle: dpa
All die guten Kritiken auf der CES 2009 halfen den Palm-Managern Jon Rubinstein (l.) und Ed Colligan nicht: Ihr Smartphone Palm Pre mit dem Betriebssystem Web OS verkaufte sich nicht sehr gut. Das änderte sich auch nicht, als Hewlett-Packard (HP) 2010 den kriselnden Hersteller übernahm. Nur ein Jahr später stellte der Computerkonzern die gesamte Produktlinie samt dem Tablet-Computer TouchPad ein. Immerhin gibt es noch die Software: HP übergab sie der Entwickler-Community mit einer freien Lizenz. Quelle: dpa
Anlaufschwierigkeiten hatte der 2004 vorgestellte DVD-Nachfolger Blu-ray – nicht zuletzt weil es ein Konkurrenzformat namens HD-DVD gab. Mittlerweile haben sich die Scheiben als Träger für Videos mit hoher Auflösung aber am Massenmarkt durchgesetzt, wie die aktuelle CES wieder einmal bestätigen dürfte. Quelle: dpa
Analoge und digitale Videorekorder haben die Fernsehgewohnheiten der Menschen grundlegend verändert. Das erste Gerät mit klobigen Kassetten stellte die Branche 1970 auf der CES vor; erste digitale Aufnahmegeräte waren 1999 zu sehen. Dieses Modell von Panasonic kann sowohl Kassetten als auch DVDs wiedergeben. Quelle: Presse
Die Minidisc sollte so etwas wie eine intelligente Kassette sein – leicht zu bespielen, leicht zu bedienen, leicht mitzunehmen (wie dieser MD-Player). Doch Sony hatte mit dem 1993 vorgestellten Format wenig Glück: Da die Preise für Brenner und Rohlinge schnell sanken, brannten sich viele Nutzer gleich CDs, für MP3-Player waren noch nicht einmal Speichermedien nötig. So verschwand die eckige Disc nach einigen Jahren wieder. Quelle: rtr
Auch wenn der Spitzname „Brotkasten“ nicht so schmeichelhaft klingt: Die Fans liebten den Commodore 64, vor allem um damit zu spielen wie diese Kinder. Der Hersteller präsentierte ihn 1982 auf der CES und verkaufte schätzungsweise 22 Millionen Geräte. Doch den stetigen Wandel der Branche überlebte er nicht: Er ging 1994 pleite. Quelle: dpa

Auch Apple soll an einem "tragbaren Computer" arbeiten. Das Unternehmen plane eine iWatch, eine Uhr, die mit dem iPhone verbunden ist und es steuern kann, heißt es in verschiedenen Blogs. Belege gibt es dafür bislang keine, nur Gerüchte, hier zum Beispiel und hier. Doch es wäre nur konsequent. Dauernd sein Mobilgerät aus der Hosentasche fummeln zu müssen, ist eigentlich ziemlich lästig.

Sogenannte Smartwatches aber sind nur ein Zwischenschritt. Das Ziel ist, ganz auf das Smartphone oder das Tablet in der Tasche zu verzichten und die Daten so zu präsentieren, dass sie den Nutzer nicht mehr bei seinen alltäglichen Verrichtungen behindern. Mit dem Projekt Glass ist Google schon relativ weit bei diesem Versuch. Die Prototypen können bereits Fotos schießen und ins Internet stellen, ohne dass ein Smartphone als Mittler gebraucht wird. Daran, dass Glass-Träger mit der Brille auch telefonieren können, arbeitet Google noch, wie Projektleiter Barbak Parviz kürzlich verriet.

Dennoch denkt der Konzern wohl auch über eine uhrenartige Variante nach. Zumindest gibt es einen entsprechenden Patentantrag, wie Engadget schreibt.

Diese Trends erwarten Sie in der IT-Welt
Tablet-Computer waren 2012 ein großes Thema – und sie werden auch 2013 eines sein. Doch welche weiteren Trends zeichnen sich in der Welt der Technik ab? Quelle: REUTERS
Schlange stehen für ein neues iPad? Gut möglich, dass 2013 ähnliche Bilder um die Welt gehen. Apple dominiert den Markt für die Flachmänner nach wie vor. Allerdings wird die Konkurrenz deutlich stärker sein als in der Vergangenheit. Quelle: dapd
Die Aufholjagd hat begonnen: Diverse Gerätehersteller machen Apple Konkurrenz. Amazon etwa vermarktet sein Kindle Fire inzwischen auch in Deutschland zu Kampfpreisen ab unter 200 Euro. Wer mehr Geld ausgibt, kann dagegen neue Gerätekategorien ausprobieren. Quelle: dapd
Ein System, zwei Oberflächen: Windows 8 ist für die Touchscreens von Tablet-Computern optimiert, bietet gleichzeitig aber weiterhin den bekannten Desktop für Maus und Tastatur. Das ermöglicht Hybrid-Geräte – diese Computer von Toshiba (l.) und Asus etwa sind Laptop und Tablet-Computer in einem. Quelle: dapd
Gelingt das Comeback? Der Blackberry-Hersteller Research in Motion hat im Smartphone-Markt den Anschluss verloren. Das neue Betriebssystem Blackberry 10 soll dem kanadischen Konzern im Wettbewerb mit Apple und Samsung helfen. Am 30. Januar will der Smartphone-Pionier es vorstellen. Vorabversionen hatten Lob eingeheimst. Auch ein anderer Handyhersteller hofft auf eine glorreiche Rückkehr an die Spitze. Quelle: REUTERS
Der frühere Weltmarktführer Nokia will mit Windows Phone 8 zurück an die Spitze. Erste Geräte sind bereits auf dem Markt – in der Bilanz werden sie sich aber erst 2013 bemerkbar machen. Quelle: REUTERS
Ab in die Wolke: Beim Cloud Computing werden IT-Dienste über das Internet genutzt. Nutzer können beispielsweise die Fotos von ihrem Smartphone direkt in ihren Online-Speicher laden und dann von überall aus darauf zugreifen. Bislang verwenden allerdings nur wenige Privatanwender kostenpflichtige Dienste. Quelle: REUTERS

Fortschritt durch Verschmelzung

Gadgets



In dem Patent wird das Konzept Smartwatch erweitert. Das Uhrenglas ist dabei ein transparenter Bildschirm, der sich hochklappen lässt. Auf ihm können Daten eingeblendet werden. Da er durchsichtig ist, legt sich diese Datenebene über jedes Objekt, vor das der Schirm gehalten wird, und zeigt so bis dahin nicht sichtbare Informationen zur Umgebung. Denn schließlich ist die analoge Welt nur die halbe Realität.

Genau diese Verschmelzung von digitaler und stofflicher Welt sei der eigentliche Fortschritt, schreibt Bilton im Bits-Blog. Genau diese Verschmelzung strebt Google mit Glass an. Firmenmitgründer Sergey Brin schwärmt derzeit davon, wie toll es sei, dank der Datenbrille mit seinen Kindern spielen und gleichzeitig Fotos von ihnen machen zu können. Unklar ist bislang allerdings, ob die Brille im Auto auch als Freisprecheinrichtung gilt und mit ihr also während des Fahrens telefoniert werden darf. Anders gesagt: Das Konzept wearable computer könnte in manchen Fällen auf rechtliche Hürden stoßen.

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