Werner knallhart

Amazon Echo: Alexa erzählt nur doofe Witze

Amazons Lautsprecher mit Sprachsteuerung Echo ist bei vielem technisch ganz vorne. Aber die Witze, die die virtuelle Stimme Alexa raushaut, haben wir Kinder auf dem Schulhof damals besser drauf gehabt.

Die zehn besten Sprachbefehle
Sprechen statt Tippen Quelle: Fotolia
„Alexa, leiser!“ Quelle: dpa
„Alexa, was steht in meinem Kalender?“ Quelle: dpa
Für diejenigen, die Filmdienste wir Netflix oder Amazon Prima abonniert und Fire TV haben, durchsucht Alexa alles gleichzeitig nach beispielsweise Bruce Willis. Die Wiedergebe lässt sich mit Befehlen wie „Pause!“ oder „Nächste Episode“ steuern. Quelle: AFP
„Alexa, wie ist das Wetter in Rom?“ Quelle: dpa
„Alexa, was gibt es Neues?“ Quelle: Handelsblatt
„Alexa, wie hat Schalke 04 gespielt?“ Quelle: dpa

Es war irgendwann in der ersten Hälfte der 80er, da habe ich in Ostfriesland mit meinen Eltern einen Stadtbummel gemacht. Und dort lag im Fenster einer Buchhandlung ein dicker roter Wälzer: Das große Buch der 1000 Witze. Das musste ich haben! Und ich bekam es zum Geburtstag. So zog ich mir Abend für Abend vorm Einschlafen die abgedroschenen Gags rein. Ohne es zu wissen, denn für einen kleinen Jungen ist nichts im Leben abgedroschen.

Das Buch habe ich noch als Teenager auf dem Flohmarkt verkauft. Und ich habe heute das Gefühl, es muss über Umwege in der Entwicklungsabteilung bei Amazon gelandet sein. Denn mein Echo scheint mir förmlich aus diesem roten Witzebuch vorzulesen.

Der sprachgesteuerte Lautsprecher kann die Wettervorhersage aufsagen, aktuelle Nachrichten auch, er spielt auf mein Kommando Musik von Spotify und Amazon Music und er schaltet jetzt sogar mein Licht im Schlafzimmer auf Befehl an und aus. Das fühlt sich irgendwie zukunftsweisend an.

Amazon bewirbt auf dem Verpackungs-Karton all diese Fähigkeiten mit den dazu gehörenden Sprachbefehlen: "Stelle einen Timer für drei Minuten. Setze Eis auf meine Einkaufsliste. Wie ist die Verkehrslage?" Und da steht auch: "Erzähle einen Witz."

Also habe ich das Gerät darum gebeten: "Erzähl einen Witz." Ich habe es etliche Male probiert. Und dachte mir: Warum um Gottes Willen bewerben die dieses Feature?

Die Gags sind - nun ja - irgendwie oll. Schlicht. Dusselig. Aalglatt. Ein bisschen peinlich. Das Gerät kommt einem mit einem Mal vor wie ein Kassettenrekorder mit einem Witze-Tonband für Kinder drin:

Fritzchen (ja, echt, die virtuelle Stimme Alexa erzählt Fritzchen-Witze!), warum sind deine Hausaufgaben plötzlich alle so gut? - Weil mein Vater im Urlaub ist, Herr Lehrer.

Was sind die letzten Worte des Fallschirmspringers? - Immer diese verflixten Motten!

Was fährt ängstlich durch Berge und Täler? - Die Bammelbahn.

Warum hat ein Fisch Schuppen? - Na, wo soll er sonst sein Fahrrad unterstellen?

Was sagt die Hecke, nachdem sie bei einem Spring-Turnier gestreift wurde? - Ich glaube, mich tritt ein Pferd.

So funktioniert...

Das Beste an all dem ist noch, wie die virtuelle Stimme alles so emotionslos vorträgt, als gäbe sie Blutwerte am Telefon durch. Ich versuchte, dem Gerät mehr Pfeffer einzuhauchen: "Erzähl einen Witz für Erwachsene."

Antwort: "Ich kann deine Frage nicht beantworten."

"Erzähl einen politisch unkorrekten Witz."

"Das gehört zu den Dingen, die ich nicht weiß."

Erzähle einen versauten Witz!"

"Solche Witze kenne ich nicht."

Was Sie schon immer einmal von Alexa wissen wollten…

AHA! Während das Gerät auf die Bitte um einen politisch unkorrekten Witz mit kompletter Ahnungslosigkeit reagiert, klingt die Antwort auf die Bitte um einen versauten Witz, als hätte Alexa nur darauf gewartet. Provokation ist eindeutig nicht gewünscht. Was sollen denn die Leute denken? Aber wie das so ist mit Witzen mit eingebautem Provokations-Verbot: Sie sind für Kinder.

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